{"id":12791,"date":"2012-09-25T21:10:40","date_gmt":"2012-09-25T19:10:40","guid":{"rendered":"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=12791"},"modified":"2025-11-08T16:28:15","modified_gmt":"2025-11-08T15:28:15","slug":"sardisch-und-friaulisch-dialekte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=12791","title":{"rendered":"Sardisch und Friaulisch: Dialekte!"},"content":{"rendered":"<p>Die italienische Verfassung von 1948 verk\u00fcndet zwar den Minderheitenschutz, doch Italiens autochthone Minderheiten mussten \u00fcber ein halbes Jahrhundert warten, bevor sie mittels Gesetz 482\/99 erstmals offiziell anerkannt wurden. In der Zwischenzeit wurden jedoch bereits Tatsachen geschaffen: Die Sprecherzahlen vieler Sprachen sind zusammengeschrumpft und das Bewusstsein f\u00fcr die eigene Kultur ist bei vielen Menschen, besonders bei den j\u00fcngeren Generationen, geschwunden, sodass eine Erholung unwahrscheinlich scheint. Die weiterreichende <a title=\"Die Charta der Minderheitensprachen.\" href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=1348\"><em>Charta der Regional- oder Minderheitensprachen<\/em><\/a> des <em>Europarats,<\/em> welche vielen Gemeinschaften das \u00dcberleben und eine freiere Entwicklung sichern k\u00f6nnte, hat der Staat niemals ratifiziert.<\/p>\n<p>Knapp 13 Jahre ist das noch nie ganz umgesetzte Minderheitenschutzgesetz 482\/99 nun in Kraft, da wird auch schon an seinen Grundfesten ger\u00fcttelt. Erst im Juli hatte das Kassationsgericht geurteilt, die sardische Sprache sei als Dialekt der italienischen Sprache zu betrachten, eine Aussage, die dem sprachwissenschaftlichen Konsens ebenso widerspricht, wie dem Minderheitenschutzgesetz selbst. Geklagt hatte ein Sarde, der vor Gericht die Mitschnitte seiner auf Sardisch gef\u00fchrten Telefongespr\u00e4che benutzen wollte. In letzter Instanz stellte das Gericht sogar ausdr\u00fccklich fest, die einzigen anerkannten Minderheiten seien die franz\u00f6sische in Ao\u00fbta (Aoste), die deutsche und die ladinische in S\u00fcdtirol sowie die slowenische in Friaul und Julien. Das sind jene Sprachen, f\u00fcr deren Anerkennung internationaler Druck vorlag \u2014 Artikel 6 der italienischen Verfassung war daf\u00fcr nicht ausschlaggebend.<\/p>\n<p>Mittels Ausgabenkontrolle <em>(spending review)<\/em> macht sich jetzt auch die Technikerregierung von Mario Monti die Argumentation des Kassationsgerichts zueigen: Um Einsparungen am ohnehin chronisch unterfinanzierten Minderheitenschutz vornehmen zu k\u00f6nnen, wurden die sardische und die friaulische, die beiden gr\u00f6\u00dften autochthonen Minderheitensprachen, kurzerhand als italienische Dialekte definiert, weshalb sie nur noch bedingt in den Genuss der Ma\u00dfnahmen von Gesetz 482 fallen. Schon der Faschismus erkl\u00e4rte die autochthonen romanischen Sprachen zu italienischen Dialekten, um die Assimilierung zu rechtfertigen und zu erleichtern.<\/p>\n<p>Staatssekret\u00e4r Polillo hatte jetzt sogar die Frechheit zu behaupten, der Regierung gehe es nicht um die Beschneidung von Rechten, die ja gesetzlich verankert seien, sondern nur um Einsparungen. Mit aktiver Unterst\u00fctzung von <abbr title=\"Partito Democratico\">PD<\/abbr> und PDL unterwirft diese Regierung mittlerweile alle Bereiche des \u00f6ffentlichen Lebens \u2014 wenigstens offiziell \u2014 einer einzigen Logik, n\u00e4mlich jener des Geldes. Daf\u00fcr wird billigend in Kauf genommen, dass sprachliche und kulturelle Vielfalt zerst\u00f6rt wird. Selbst die wenigen Unterrichtsstunden in friaulischer Sprache an \u00f6ffentlichen Schulen stehen auf der Kippe.<\/p>\n<p>Wenn man sich jedoch vor Augen h\u00e4lt, wie unsensibel Rechte <em>und<\/em> Linke seit jeher mit Italiens Minderheiten umgegangen sind, braucht man sich nicht zu wundern, dass sie diese skandal\u00f6se Politik mittragen. Gleichzeitig verursachen sie sogar noch mit der <a title=\"Nationalunterricht.\" href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=10453\">Nationalkunde<\/a>, die ihnen offensichtlich wichtiger ist, als Minderheitenschutz, neue Kosten.<\/p>\n<p>Was der ohnehin schlechte Minderheitenschutz in Italien wert ist, wird sich jetzt wom\u00f6glich weisen: Die Region Friaul-Julien erw\u00e4gt, gegen die Klassifizierung der friaulischen Sprache als Dialekt Verfassungsklage zu erheben.<\/p>\n<p><strong><span style=\"font-family: Helvetica, Arial, sans-serif; text-transform: uppercase;\">C\u00ebla enghe:<\/span><\/strong> <a title=\"Zum Abschied ein bisschen Intoleranz.\" href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=1110\"><code>01<\/code><\/a> <a title=\"Impugnata la 5\/10 FVG.\" href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=4763\"><code>02<\/code><\/a> <a title=\"Leere Worte.\" href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=2361\"><code>03<\/code><\/a> <a title=\"Frontalangriff auf die ladinische Sprache.\" href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=3426\"><code>04<\/code><\/a><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die italienische Verfassung von 1948 verk\u00fcndet zwar den Minderheitenschutz, doch Italiens autochthone Minderheiten mussten \u00fcber ein halbes Jahrhundert warten, bevor sie mittels Gesetz 482\/99 erstmals offiziell anerkannt wurden. 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