{"id":12842,"date":"2012-09-29T09:55:31","date_gmt":"2012-09-29T07:55:31","guid":{"rendered":"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=12842"},"modified":"2022-05-01T23:18:38","modified_gmt":"2022-05-01T21:18:38","slug":"wenig-nachhaltige-gieskanne","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=12842","title":{"rendered":"Wenig nachhaltige Gie\u00dfkanne."},"content":{"rendered":"<!-- Snippets by WebberZone Snippetz --><div class=\"ata_snippets\"><hr style=\"height: 20px; border: none; margin-top: 0em; background-color: darkred;\"\/><\/div><p>Warum wird eigentlich angesichts des schrumpfenden Landeshaushalts weiterhin subventioniert, was bereits floriert? Und in welchem Zusammenhang steht die Subventionspolitik mit der vom Land proklamierten Klimaschutzstrategie? Die mit 1. September wieder aufgenommenen Kapitalbeitr\u00e4ge des Landes ans Gastgewerbe sind ein treffendes Beispiel daf\u00fcr, dass die traditionelle Klientelbedienung und eine nachhaltige Wirtschaftspolitik nicht zusammengehen. Fast gleichzeitig mit der Wiederaufnahme der Tourismusf\u00f6derung hat LR Berger angek\u00fcndigt, dass die Genehmigungsverfahren f\u00fcr Hotelerweiterungen vereinfacht und die \u00dcberarbeitung des Raumordnungsrechts verschoben werden sollen. F\u00fcr die Landschaft verspricht das nichts Gutes, denn die Expansion tourismusbezogener Kubatur ist stark mitverantwortlich f\u00fcr die Verbauung des landwirtschaftlichen Gr\u00fcns. Noch weniger wird der Klimaschutz beachtet, denn in den F\u00f6rderkriterien gibt es keinen Hauch von Auflagen zum Energiesparen und zur Emissionsreduzierung.<\/p>\n<p>Da k\u00f6nnte man Michl Laimer als Landesrat nachtrauern. Hat er doch nicht nur die Vision &#8220;Klimaland S\u00fcdtirol&#8221; betrieben, sondern im Juni 2011 das Strategiedokument &#8220;Energie S\u00fcdtirol 2050&#8221; in der Landesregierung zur Verabschiedung gebracht. Darin ist das Ziel fixiert, den CO<sub>2<\/sub>-Aussto\u00df pro Kopf von heute gut 6 Tonnen auf 4 Tonnen bis 2020 zu senken, sowie den Energieverbrauch schon 2020 zu 75% aus erneuerbaren Quellen zu decken (2009: 38,4%). Daf\u00fcr w\u00e4ren nicht nur entschiedene Schritte in der Energiepolitik, sondern vor allem in der Verkehrs-, Raumordnungs- und Wirtschaftspolitik gefragt, bis hin zur Ausrichtung der Subventionierung der gewerblichen Wirtschaft nach Nachhaltigkeitskriterien. Die Strategie &#8220;Energie S\u00fcdtirol 2050&#8221; setzt auf die Reduzierung und Substitution des fossilen Treibstoffverbrauchs und forcierter Thermo-Sanierung des Altgeb\u00e4udebestandes, will die Energiewende in politische Ma\u00dfnahmen umsetzen. Konventionelle Hotelsubventionierung per Gie\u00dfkanne f\u00fchrt dagegen zu mehr Kubatur auf der Wiese und mehr Verkehr auf der Stra\u00dfe, und damit kann nicht die intelligente Energienutzung gemeint sein, die Laimers &#8220;Energie 2050&#8221; postuliert.<\/p>\n<p>Aber selbst der \u00f6konomische Sinn der jetzt wiederaufgenommenen Gastgewerbef\u00f6rderung ist nicht nachzuweisen, wie von der Landesregierung selbst vorgef\u00fchrt. Sie hat n\u00e4mlich 2009 die Tourismusf\u00f6rderung ausgesetzt, und drei Jahre lang lief die Branche auf Expansionskurs weiter wie gehabt. N\u00e4chtigungszahlen und Umsatz stiegen, das Investitionsvolumen konnte sich im Gro\u00dfen und Ganzen halten, die Zahl der Arbeitspl\u00e4tze im Gastgewerbe nahm 1998-2009 um 9.000 zu und ist seitdem weiter gestiegen. Ein Motor, der schon brummt, braucht nicht aufgeheizt zu werden. Diese Entwicklung kommt dem gleich, was \u00d6konomen den &#8220;Mitnahmeeffekt&#8221; nennen: \u00f6ffentliche Beitr\u00e4ge werden mitgenommen, obwohl Unternehmer ohnehin investieren. Dass dem so ist, best\u00e4tigt Berger selbst, wenn er feststellt: &#8220;Wenn man nur investiert aufgrund der F\u00f6rderung, ist die Investition von vornherein in der Wirtschaftlichkeitsberechnung falsch.&#8221; (Rai Sender Bozen, 28.8.2012)<\/p>\n<p>Mit dieser Subventionspraxis setzt die Landesregierung das falsche Zeichen, denn sie geht zu Lasten der f\u00fcr die aktive Energiewende n\u00f6tigen Finanzen. Mit diesen und anderen per Gie\u00dfkanne verteilten Mitteln k\u00f6nnten n\u00e4mlich mehr Investitionen in wirklich nachhaltige Verkehrspolitik flie\u00dfen, wie z.B. die Elektrifizierung der Vinschgerbahn, der Bau der Riggertalschleife, Tram- und Seilzugsysteme im Nahverkehr, die Einheimischen und Touristen zugutekommen. Es k\u00f6nnte die Altbausanierung bei Kondominien erleichtert werden, denn &#8220;S\u00fcdtirol 2050&#8221; will die j\u00e4hrliche Sanierungsrate von heute mageren 1% auf 2,5% des Geb\u00e4udebestands bis 2020 heben. Das geht nicht, wenn knappe Millionen an ohnehin expandierende Hotels flie\u00dfen, statt an einkommensschwache Kondominiumsbewohner, die aus Kapitalmangel Thermosanierungen unterlassen. Dabei w\u00e4re Letzteres, weil arbeitsintensiver, f\u00fcr die hiesige Bauwirtschaft noch wichtiger. Eine <em>spending review<\/em> f\u00fcr die Subventionen unter Nachhaltigkeitskriterien ist in S\u00fcdtirol \u00fcberf\u00e4llig. Laimers Strategiedokument &#8220;Energie 2050&#8221; lie\u00df die Hoffnung aufkeimen, dass Nachhaltigkeit und Klimaschutz in der Planungskultur systematisch ber\u00fccksichtigt werden: &#8220;Es wird uns letztlich gut tun, wenn wir die notwendige Energiewende jetzt und heute einleiten&#8221;, schrieb er zum Geleit von &#8220;Energie 2050&#8221;. Die Gie\u00dfkannenf\u00f6rderung ohne strengere Auflagen f\u00fcr nachhaltiges Wirtschaften geht im Tourismus wie in anderen Sektoren nicht in diese Richtung.<small><\/small><\/p>\n<!-- Snippets by WebberZone Snippetz --><div class=\"ata_snippets\"><hr style=\"height: 10px;border: none;margin-top: 0px;background-color: darkred\" \/>\r\n\r\n<div style=\"background-color: none;padding: 0px;font-size: 14px;font-family: Helvetica,Arial;margin: 10px 0px 0px 0px\"><span style=\"color: darkred\"><strong><small>Autor:innen- und Gastbeitr\u00e4ge widerspiegeln nicht notwendigerweise die Meinung oder die Position von BBD, so wie die jeweiligen Verfasser:innen nicht notwendigerweise die Ziele von BBD unterst\u00fctzen.<\/small><\/strong><small>\u00b7 I contributi esterni non necessariamente riflettono le opinioni o la posizione di BBD, come a loro volta le autrici\/gli autori non necessariamente condividono gli obiettivi di BBD. \u2014 <a href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?page_id=11356#copyleft\"><strong>\u00a9<\/strong><\/a><\/small><\/span><\/div><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Warum wird eigentlich angesichts des schrumpfenden Landeshaushalts weiterhin subventioniert, was bereits floriert? 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