{"id":1304,"date":"2008-10-05T10:52:52","date_gmt":"2008-10-05T08:52:52","guid":{"rendered":"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=1304"},"modified":"2025-09-11T18:37:40","modified_gmt":"2025-09-11T16:37:40","slug":"wider-den-methodenzwang","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=1304","title":{"rendered":"Wider den Methodenzwang."},"content":{"rendered":"<p><small><em>mit Wertsch\u00e4tzung den Abgewandten<\/em><\/small><\/p>\n<p>Das Totschlagargument von Unabh\u00e4ngigkeitsgegner- und -zweiflerinnen (wie resignierenden Bef\u00fcrworterinnen) lautet h\u00e4ufig: Ist nicht, geht nicht. Denn in der Tat gibt es keine juristische Grundlage, auf die man sich in dieser Angelegenheit berufen k\u00f6nnte. Doch ist das Grund genug zu resignieren?<\/p>\n<p>Meines Erachtens gilt, was Wissenschaftstheoretiker und Philosoph Paul Feyerabend f\u00fcr die Forschung feststellt gerade auch f\u00fcr die Politik: Neues wurde immer dann erreicht, wenn Wege abseits definierter Methodiken und Vorschriften eingeschlagen wurden. Gerne auch mit einem Hauch Naivit\u00e4t \u2014 denn Dogmatismus kann in einem menschgemachten Bereich erst recht nicht zielf\u00fchrend sein, wenn er schon in der absoluten Wissenschaft versagt.<\/p>\n<p>Auf <img class=\"bbdlogo\" src=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/wp-content\/uploads\/bbdsmileys\/bbde.png\"> habe ich schon mehrfach gezeigt, wie anderswo \u00bbUtopisches\u00ab erlangt, die Grenze des nicht Machbaren unmerklich und nonchalant verschoben werden konnte. Ohne auf m\u00fc\u00dfige Pr\u00e4zedenzf\u00e4lle wie Kosovo und Montenegro zur\u00fcckzugreifen, ist Katalonien \u2014 immer wieder Katalonien \u2014 ein Meister darin, seine Souver\u00e4nit\u00e4t happenweise zu erweitern, indem es Einschr\u00e4nkungen aussondiert, in Frage stellt und sukzessive \u00fcberwindet, anstatt in Zweifeln zu erstarren. <em>Anything goes.<\/em><\/p>\n<p>Zwei Fallbeispiele.<\/p>\n<p><strong><code>01<\/code> puntCAT:<\/strong> Ein infranationales Territorium hat noch nie ein eigenes Internet-Suffix bekommen, doch Katalonien w\u00fcnschte diese Anerkennung seiner Eigenst\u00e4ndigkeit. &#8220;Wenn wir in der ganz richtigen Wirklichkeit noch kein anerkanntes Land sind, so wollen wir dieses Ziel wenigstens in der immer wichtigeren virtuellen Welt erreichen&#8221;. Daf\u00fcr gab es dazumal ganz klare Regeln der internationalen Vergabebeh\u00f6rde ICANN, wonach nur L\u00e4nder der <span class=\"mw-redirect\">ISO-3166-1-L\u00e4nderliste<\/span> ein eigenes Suffix beantragen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Die Katalanen h\u00e4tten sich entt\u00e4uscht zur\u00fccklehnen oder in interne Grabenk\u00e4mpfe verstricken k\u00f6nnen, wenn sich die Zweifler durchgesetzt h\u00e4tten. Doch f\u00fcr Katalonien war klar: Wir werden uns nicht a priori damit zufrieden geben, dass nicht geht, was nicht sein darf. Die private puntCAT-Stiftung wurde von \u00f6ffentlicher Hand immer st\u00e4rker unterst\u00fctzt, in einer Sache, die aussichtslos war.<\/p>\n<p>Doch einige Jahre sp\u00e4ter sollte sich zeigen, dass der Einsatz seine Wirkung nicht verfehlt hat. \u00dcber einen Umweg (.cat wurde als erste und bisher einzige Sprach- statt einer L\u00e4nderdomain vergeben) konnten Widerst\u00e4nde ausgeschaltet, das gesteckte Ziel erreicht werden. Ein Ziel, das man mit Sicherheit nicht erreicht h\u00e4tte, wenn man auf die Realisten geh\u00f6rt h\u00e4tte. Denn realistisch h\u00e4tte es .cat nie geben d\u00fcrfen und bis heute nicht gegeben.<\/p>\n<p><strong><code>02<\/code> Der Sport:<\/strong> Die Katalanen wollen eigenst\u00e4ndig an internationalen Sportbewerben teilnehmen, doch internationale Sportverb\u00e4nde, die spanische Politik und vor allem auch das spanische Gesetz sagen unisono: Nein. Katalonien argumentiert: Auch andere infranationale Gebiete \u2014 wie Schottland, Wales, die F\u00e4r\u00f6er-Inseln \u2014 sind Mitglied internationaler Sportverb\u00e4nde. Ein Widerspruch. Die spanische Politik, die spanische Gesetzgebung k\u00f6nnen nicht Einfluss nehmen auf \u00fcberstaatliche Organisationen. Zwei Widerspr\u00fcche.<\/p>\n<p>Man macht sich also in m\u00fchevoller Kleinarbeit daran, zuerst in unbedeutenden, dann (gem\u00e4\u00df \u00f6ffentlicher Auffassung) immer wichtigeren Sportarten die internationale Anerkennung zu erlangen. Man spielt bei internationalen Meisterschaften, zum Teil im etwas offeneren und spanienkritischeren S\u00fcdamerika mit. Und stets mit tatkr\u00e4ftiger Unterst\u00fctzung der katalanischen Regierung. Schlussendlich zieht man vor den internationalen Sportsgerichtshof in Lausanne, der feststellen muss, was nicht mehr leugbar ist: Der Ausschluss Kataloniens von internationalen Sportverb\u00e4nden fu\u00dft auf einer Reihe von Widerspr\u00fcchen und kann juristisch nicht aufrecht erhalten werden.<\/p>\n<p>Jetzt geht es (ganz euphemistisch) \u00bbnur noch\u00ab darum, die einzelnen Verb\u00e4nde von einer Mitgliedschaft zu \u00fcberzeugen. Das kann in manchen Sportarten noch Jahre dauern, doch eins ist sicher: Die Katalanen werden nicht aufgeben. Eine Pioniersleistung, die auch uns vielleicht irgendwann zugute kommen wird, da wir nicht mehr werden sagen k\u00f6nnen: Ist nicht, geht nicht.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>mit Wertsch\u00e4tzung den Abgewandten Das Totschlagargument von Unabh\u00e4ngigkeitsgegner- und -zweiflerinnen (wie resignierenden Bef\u00fcrworterinnen) lautet h\u00e4ufig: Ist nicht, geht nicht. Denn in der Tat gibt es keine juristische Grundlage, auf die man sich in dieser Angelegenheit berufen k\u00f6nnte. Doch ist das Grund genug zu resignieren? 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