{"id":13121,"date":"2012-11-11T19:12:05","date_gmt":"2012-11-11T18:12:05","guid":{"rendered":"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=13121"},"modified":"2025-06-11T13:52:50","modified_gmt":"2025-06-11T11:52:50","slug":"leitfaden-zum-eu-ausschluss","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=13121","title":{"rendered":"Leitfaden zum EU-Ausschluss."},"content":{"rendered":"<p>In der gesamtspanischen Onlinezeitung <em>El diario<\/em> ist vorgestern ein vielbeachteter satirischer Leitfaden zum EU-Ausschluss Kataloniens erschienen, auf Spanisch und Katalanisch.<\/p>\n<blockquote><p><em>von Antonio Ba\u00f1os<\/em><\/p>\n<p>Es ist eine Tatsache. Sie werfen uns raus. Ach, wie schade. Wie ungem\u00fctlich. Schwarz gekleidete M\u00e4nner werden von Haus zu Haus gehen und uns die wenigen Euros wegnehmen, die wir unter der Matratze horten. Rektoren werden, mit einem Holzkn\u00fcppel bewaffnet, katalanische Erasmusstudenten aus Europa werfen. Zypern? Burundi? Schlimmer! Unsere spanischen Geschwister werden uns, zu unserem Wohle, an einen noch unheimlicheren und noch obskureren Ort schicken: das europ\u00e4ische Somalia. Gott sei Dank ist Katalonien ein Land von Entwicklungshelfern, dann k\u00f6nnen wir uns die NGOs gleich selbst schicken.<\/p>\n<p>Aus einem ehrlichen Dienstempfinden und zur Information des von den L\u00fcgen eines exkludierenden, ratten- und grast\u00f6tenden \u00bbNazionalismus\u00ab verblendeten (und generell verbl\u00f6deten, deliranten und verr\u00e4terischen) katalanischen Publikums habe ich hier einen praktischen und rationalen Leitfaden f\u00fcrs EU-Ausschlussverfahren zusammengestellt.<\/p>\n<p>Wir m\u00fcssen es offen aussprechen: Katalonien auszuschlie\u00dfen, ist sehr einfach (daf\u00fcr gibt es 2.000 M\u00f6glichkeiten, sagte der vielseitige EU-Kommissar Almunia). Was nicht so einfach ist, ist der Rausschmiss der Katalanen.<\/p>\n<p>Einige sagen, die Katalanen seien auch Menschen und h\u00e4tten, dementsprechend, gewisse Rechte (selbst wenn sie Artur Mas w\u00e4hlen). Was die Tageszeitungen <em>El Mundo<\/em> und <em>El Pa\u00eds<\/em> so einfach und biblisch darstellen, wie den katalanischen Exodus, k\u00f6nnte noch einige Schwierigkeiten bereiten.<\/p>\n<p><strong>Der Tag danach<\/strong><\/p>\n<p>Die erste \u00f6ffentliche Handlung nach der Unabh\u00e4ngigkeit Kataloniens wird ein schrecklich kontroversieller Akt sein. Im Europaparlament werden Sicherheitsbedienstete den eigenen Vizepr\u00e4sidenten unter den Armen packen und in ein Flugzeug richtung Barcelona stecken: deportiert. Aleix Vidal-Quadras ist, auch wenn er den Unabh\u00e4ngigkeitsprozess nicht bef\u00fcrwortet, Katalane und errang seinen Sitz in Katalonien. Es ist also unvermeidlich, dass der Rauswurf der Katalanen mit einem Sondereffekt beginnt. Was hattet ihr gedacht? Dass nur die Unabh\u00e4ngigkeitsbef\u00fcrworter ausgeschlossen werden? Wenn Katalonien rausfliegt, fliegen alle Katalanen mit raus, von Jordi Ca\u00f1as bis Montserrat Caball\u00e9. Tut mir sehr leid, meine lieben Borbonenfreunde.<\/p>\n<p><strong>B\u00fcrgerschaft<\/strong><\/p>\n<p>Lasst uns zum Schwindel mit den B\u00fcrgerrechten kommen. Es gibt keine M\u00f6glichkeit, jemandem seine B\u00fcrgerschaft zu nehmen. Das sagt sogar die Verfassung, die mit der unaufl\u00f6sbaren staatlichen Einheit. Und mit einem Akt unrechtfertigbarer Gnade gestattete das K\u00f6nigreich Spanien uns Katalanen gleich eine doppelte B\u00fcrgerschaft: Die spanische und obendrein noch die europ\u00e4ische. Da letztere komplement\u00e4r ist, k\u00f6nnen sie uns die europ\u00e4ische wegnehmen, wenn wir die spanische verlieren. Setzen wir einmal voraus, dass uns Spanien, aus Liebe und im Namen der tausendj\u00e4hrigen Bande, die uns verbinden, niemals eine doppelte Staatsb\u00fcrgerschaft gew\u00e4hren w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Es scheint einfach. Doch das Problem ist, wie man angereifte Rechte aberkennt. Das ist in Europa nicht mehr passiert, seit die Deutschen das an einem Teil ihrer Bev\u00f6lkerung vorexerzierten, den sie dann sogleich als abschiebbar befanden. Um es zu erkl\u00e4ren: Jemandem von vornherein zu verbieten, mit dir ins Bett zu gehen ist etwas anderes, als ihn nach einer gemeinsam verbrachten Nacht wieder aus dem Bett zu schmei\u00dfen. Der erste Fall (Mazedonien, Kosovo) ist ein Akt der Freiheit und der Pr\u00e4vention innerhalb deiner Intimsph\u00e4re. Der zweite (Katalonien) ist einfach nur schlechte Bildung.<\/p>\n<p>Der Rausschmiss Kataloniens ist ein Vorfall zwischen Staaten, kollektiv. Doch die Rechte sind individuell. Also wird man den Ausschluss Kataloniens an jedem katalanischen B\u00fcrger einzeln durchf\u00fchren m\u00fcssen. Kein Problem. Spanien und die EU haben \u00fcberfl\u00fcssiges Geld, Anw\u00e4lte, Zeit und Mittel, um sich die erforderliche Zeit lang damit zu befassen. Um es gleich zu sagen: Es w\u00fcrden nicht nur diejenigen ihre Rechte verlieren, die mit &#8220;ja&#8221; gestimmt haben, sondern auch die, die mit &#8220;nein&#8221; gestimmt haben, die sich enthalten haben und, was noch schlimmer ist, die Neugeborenen, die noch nicht einmal sprechen k\u00f6nnen. Das gleicht Hitlers juridischer Wiedererfindung der Sippenhaft, in der nicht nur der Schuldige bestraft wird, sondern seine gesamte Familie.<\/p>\n<p>Marcel Dutroux, Vergewaltiger, Folterer und Entf\u00fchrer kleiner M\u00e4dchen hat seine europ\u00e4ische B\u00fcrgerschaft nicht verloren. Josef Fritzl, das Monster von Amstetten, auch nicht. Sogar Hitlers Leutnant Rudolf Hess wurde seine Staatsb\u00fcrgerschaft nie streitig gemacht. Und jetzt werden die arme Schwester Forcades, Arcadi Oliveras und Pater Manel ganz schnell all ihre Rechte verlieren, nur weil sie mit irgendwelchen illuminierten Referendumsveranstaltern im selben Land leben. Ich gebe zu, dass es der Freifrau Ashton, Chefin der europ\u00e4ischen Diplomatie, nicht leicht fallen wird, dies zu rechtfertigen. Wie kann die EU, Heimat aller Rechte, den Entrechteten Asylgew\u00e4hrende, Quelle aller Freiheit, einfach sieben Millionen Europ\u00e4er rauswerfen, weil sie an einer Abstimmung teilgenommen haben?<\/p>\n<p>Wie w\u00fcrden sie die Massenauswanderung nach Australien oder Kanada, allesamt L\u00e4nder mit diskutablen Staatsformen, rechtfertigen? Mit welchem Mut k\u00f6nnen sie in Zukunft noch arabische L\u00e4nder im Namen der Demokratie bombardieren? Werden sie uns mit den Tschetschenen vergleichen? Mit den somalischen Piraten? Nein. Allein die Erkl\u00e4rung, dass wir das sympathische spanische Volk verraten haben, Fu\u00dfballweltmeister, wird dazu f\u00fchren, dass auf der ganzen Welt niemand mehr mit uns sprechen will.<\/p>\n<p><strong>Wer ist Katalane?<\/strong><\/p>\n<p>Gut, raus mit den Katalanen. Doch schauen wir mal\u2026 wer ist eigentlich Katalane? Ja, ich wei\u00df schon\u2026 jeder, der in Katalonien lebt und arbeitet. Dieses Kriterium kann gen\u00fcgen, wenn es um eine Erweiterung der Rechte geht, wie bei der Verleihung der katalanischen Staatsb\u00fcrgerschaft. Hinzuf\u00fcgen ist einfach, wegnehmen nicht so. Schon w\u00e4hrend des Kreuzzugs gegen die Katharer hatten die franz\u00f6sischen Ritter ihre Schwierigkeiten, \u00fcber das Lebensrecht der Okzitanen zu richten. &#8220;Wie sollen wir wissen, wer ein Ketzer ist?&#8221;, fragten sie Simon de Montfort. &#8220;Bringt sie alle um, und Gott wird die Seinigen erkennen&#8221;, antwortete dieser. Doch dieser Weg scheint eher unwahrscheinlich.<\/p>\n<p>Die letzten brauchbaren Gesetze zur Aberkennung von Rechten in Europa waren die N\u00fcrnberger Rassengesetze von 1935. Und trotz des Eifers in der Ermittlung, wer nun Jude, Halbjude oder Judenfreund sei, hatte man es nicht leicht, die reinen von den unreinen Deutschen zu unterscheiden. Im katalanischen Fall, wo wir die Ethnie aus unserem promiskuit\u00e4tsfreundlichen Naturell etwas vernachl\u00e4ssigt haben, befinden wir uns wohl vor einem Volk von Mischlingen, Hybriden. Vielleicht werden sie eine M\u00fcnze zu Boden werfen \u2014 und wer sich b\u00fcckt um sie aufzulesen, wird rausgeworfen [den Katalanen haftet, \u00e4hnlich wie den Schotten, den Ladinern und den Juden, das Vorurteil an, geizig zu sein, Anm. d. \u00dc.]. Oder sie kontaktieren den Rechtsextremisten Josep Anglada, der ja zu wissen scheint, wer Katalane ist und wer nicht.<\/p>\n<p>Doch auf eine k\u00fchlere und europ\u00e4ischere Art haben wir nur zwei M\u00f6glichkeiten, um jemandem den Reisepass wegzunehmen, weil er Katalane ist: aufgrund der Geburt oder aufgrund des Wohnorts.<\/p>\n<p>Wenn wir nicht lang nachdenken und all jenen die Staatsb\u00fcrgerschaft entziehen w\u00fcrden, die in Katalonien geboren sind, h\u00e4tten wir die eine oder andere Schwierigkeit: Kiko Veneno, in Figueres geboren, br\u00e4uchte ein Visum, um in Barbate ein Konzert zu geben. Noch schlimmer h\u00e4tte es Manuel Valls. Er ist franz\u00f6sischer Innenminister und starker Mann von Hollande. Der Arme wurde in Barcelona geboren und k\u00f6nnte von der eigenen Gendarmerie verhaftet und ausgewiesen werden. Doch all das k\u00f6nnte man ganz einfach l\u00f6sen: Man weist nur die aus, die in Katalonien geboren sind und einen spanischen Pass haben. Au, nein, auch nicht\u2026 in unserer Dexeus-Klinik sind die Kinder von [PP-Chef und Premierminister] Mariano Rajoy geboren\u2026 Hmmm, das geht nicht.<\/p>\n<p>Ob es einfacher ist, wenn wir denen die Rechte entziehen, die in Katalonien wohnen? Schauen wir mal: Bojan, der in Rom lebt, bleibt Europ\u00e4er; Iniesta, der Held von S\u00fcdafrika, lebt in Katalonien und fliegt raus. Rivera, der Nette von der unabh\u00e4ngigkeitsfeindlichen Ciutadans-Partei\u2026 rausgeschmissen. Ramon Tremosa, Kravatten-Independentist, lebt in Br\u00fcssel: Europ\u00e4er. Carles Francino, Europ\u00e4er. Die k\u00f6nigliche Infantin Cristina\u2026 drau\u00dfen. Nein, auch das klappt nicht. Tausende von Katalanen sind irgendwo geboren oder leben im kosmopolitischen Ausland. Was tun? Krankenpflegerinnen in London, Ingenieure in M\u00fcnchen, T\u00e4nzer in Mailand\u2026 die Polizei ganz Europas wird wie in alten Zeiten mit Mantel und Hut vorstellig und entzieht Aufm\u00fcpfigen \u00fcberall ihre spanischen P\u00e4sse\u2026<\/p>\n<p>Es bleibt noch ein vern\u00fcnftigerer Weg. Abwarten, dass wir die Unabh\u00e4ngigkeit erkl\u00e4ren und die erste Volksz\u00e4hlung durchf\u00fchren. Sie bitten uns um eine Fotokopie und nehmen allen Aufscheinenden die B\u00fcrgerschaft weg\u2026 Wir h\u00e4tten, das schon, ein weiteres unangenehmes Ph\u00e4nomen: Die gemischten Ehen. Je nachdem, wie sie das angehen, k\u00f6nnte Oswaldo Washington, ein schwarzer Dominikaner, Europ\u00e4er bleiben, w\u00e4hrend seine Frau, Pepeta Puigdevall i Comes, im spanischen Konsulat anstehen muss, um ein Touristenvisum zu bekommen\u2026 ein aufregender Prozess voller poetischer Gerechtigkeit und paradoxen Ausl\u00e4ndertums!<\/p>\n<p>Katalonien rauszuwerfen, das leugne ich nicht, ist eine Angelegenheit von wenigen Minuten. Die Katalanen rauszuschmei\u00dfen, ist alleinige Zust\u00e4ndigkeit der spanischen Regierung, welche in irgendeiner Weise die G\u00fcltigkeit unserer Reisep\u00e4sse aberkennen muss. Wenn sie dieses s\u00fcndhaft teure Opfer bringen (Klagen, Gesuche, Beschwerden, Geld), dann nur, weil sie uns lieben, vergessen wir das nicht.<\/p>\n<p><strong>Raus aus dem Euro<\/strong><\/p>\n<p>Es gibt etwas, was wir verr\u00fcckten, ignoranten und rassistischen Unabh\u00e4ngigkeitsbef\u00fcrworter wissen m\u00fcssen: sie werden uns auch aus dem Euro werfen. Und das, wie geht das vor sich? Gut, das wei\u00df noch niemand so genau. In Wirklichkeit ist es in der Menschheitsgeschichte noch nicht vorgekommen, dass jemandem der Gebrauch einer W\u00e4hrung verboten wurde. W\u00e4hrungen funktionieren wenn zwei Bedingungen erf\u00fcllt sind: dass die Leute sie als solche anerkennen und dass die Regierung sie als als Mittel zur Schuldenbegleichung (einschlie\u00dflich Steuern) anerkennt. Wie an Universit\u00e4ten gelehrt wird, kann eigentlich nicht verboten werden, dass die katalanische Regierung den Euro als Zahlungsmittel anerkennt und die Katalanen mit Euros einkaufen und bezahlen. Ecuador (das ist nicht das einzige Land) hat den Dollar als W\u00e4hrung. Das Land nimmt mit dem Erd\u00f6l Dollar ein und anstatt es in Pesos zu wechseln operiert es direkt damit. Die Ecuatorianer erkennen den Dollar im Alltag an und Schluss. Bosnien hatte vor dem Euro die D-Mark und Montenegro nutzt den Euro. Ich habe in Lateinamerika und im Mittleren Osten mit Euros bezahlt. Den Euro gibt dir weder der Staat, noch die EZB. Den Euro erwirbt man, wie jede W\u00e4hrung, am Markt. Ein katalanisches Unternehmen verkauft in Perpignan (heute Frankreich) eine halbe Million M\u00fctzen. Bezahlt wird in Euro. Dieses Unternehmen zahlt seine Angestellten mit derselben W\u00e4hrung und die wiederum zahlen damit ihr Bier. Alle Betroffenen erkennen den Euro als g\u00fcltiges Zahlungsmittel an. Das wars, so tritt eine W\u00e4hrung in ein globalisiertes System ein. Die kommerziellen Banken oder die Zentralbanken k\u00f6nnen sowieso mit jeder beliebigen Devise arbeiten, da sich alle W\u00e4hrungen auf dem Markt befinden und demnach ihr Gebrauch nicht verboten werden kann.<\/p>\n<p>Doch seien wir nicht bedr\u00fcckt. [Der spanische Finanzminister] Montoro wird, da die spanische Wirtschaft inzwischen wieder von selbst arbeitet, eine L\u00fccke in seinem Kalender finden, um eine antiliberale, globalisierungsfeindliche, antikapitalistische und dirigistische Methode auszuhecken, die W\u00e4hrung zu kontrollieren. Ganz Europa unterst\u00fctzt sowjetische Methoden, wenn es darum geht, Rebellen zu bestrafen und vertragstreuen Spaniern zu helfen, wird man in Br\u00fcssel sagen.<\/p>\n<p>Auf dieselbe Art wird der unvermeidliche EU-Ausschluss die Wiederkehr der Z\u00f6lle bedeuten, die unsere Verarmung bedeuten. Ich wei\u00df schon, dass die EU-Politik der letzten 50 Jahre, in \u00dcbereinstimmung mit den WHO-Vertr\u00e4gen, der US-Politik und der kapitalistischen Welt die Z\u00f6lle auf der ganzen Welt abzuschaffen, aufgehoben werden muss. &#8220;Die Globalisierung ben\u00f6tigt das Ende der Z\u00f6lle&#8221;, werden die gr\u00f6\u00dften Exportnationen sagen, &#8220;doch um Spaniens Ehre zu retten und seine gerechte Rache umzusetzen, werden wir Katalonien Hindernisse in den Weg stellen&#8221;. Zum ersten Mal werden sich China, Russland, Europa, die Ayatollahs und die Chavisten verst\u00e4ndigen, um den Katalanen nichts mehr zu verkaufen. Das wird interessant.<\/p>\n<p><strong>&#8220;Hinten anstellen&#8221;<\/strong><\/p>\n<p>Dieses Thema, sich hinten anstellen zu m\u00fcssen, ist laut Madrider Presse dasjenige, welches im Borbonenreich die gr\u00f6\u00dfte Freude bereitet. &#8220;Katalonien wird nicht nur aus der EU fliegen, es muss sich auch ganz hinten anstellen&#8221;. Wie Sie sehen, kehrt &#8220;der Letzte in der Schlange&#8221; wieder, dieser Ausdruck ist ein reines und zutreffendes Produkt der Urphantasie. Die Idee eines einzigen Schalters, wo der Beamte abwesend oder abgelenkt ist, weshalb sich eine riesige Schlange bildet, ist Teil der rassigen Kosmovision des K\u00f6nigsreichs. Und so stellen sie sich Br\u00fcssel wie einen Ort vor, wo B\u00fcrokraten mit Schirmm\u00fctze und Manschetten sich um eine Schlange von Abgesandten exotischer Staaten k\u00fcmmern, die in einem kleinen Raum warten und das P.M.-Magazin lesen. &#8220;Die Katalanen stellen sich hinten an&#8221;, ist die Kondensation des Ausschlussverfahrens. Um diesen Traum zu erf\u00fcllen, wird die EU ihre Arbeitsgeschwindigkeit verlangsamen m\u00fcssen. Erinnern wir uns, dass am ersten Mai 2004 zehn L\u00e4nder auf einmal in die EU eintraten. Das hei\u00dft, dass entweder jemand die Schlange \u00fcbersprungen hat, oder dass die EU die unglaubliche F\u00e4higkeit besitzt, mit mehreren L\u00e4ndern gleichzeitig zu verhandeln.<br \/>\n<strong><br \/>\nEine Dekade der Verhandlungen<\/strong><\/p>\n<p>Unsere spanischen Geschwister haben uns schon gewarnt, dass das Wiederaufnahmeverfahren lange dauern wird. Im katalanischen Fall, da wir kein Balkanland, sondern ein untreues Land sind, wird sich das hinziehen, Jahrzehnte. Wie man wei\u00df, wird verhandelt, um die \u00dcbereinstimmung der Gesetzgebung des EU-Kandidaten zu pr\u00fcfen und zu st\u00e4rken. Au\u00dferdem diskutiert man buchhalterische, makro\u00f6konomische und Kompetenzkriterien. Da der gl\u00fcckliche Zufall will, dass Katalonien schon seit \u00fcber 20 Jahren Teil der EU ist und alle Normen erf\u00fcllt, vom Durchmesser der \u00f6ffentlichen Pissoirs bis zur Zusammensetzung von Keksen, wird dieses Jahrzehnt der Verhandlungen f\u00fcr die Delegierten unheimlich langweilig. Jeden Tag, f\u00fcr zehn Jahre, werden sich Katalanen und Europ\u00e4er ohne viel Verhandlungsmasse zusammensetzen. Von der Langeweile wird man zur Playstation \u00fcbergehen. Davon vielleicht zur Zuneigung und dann werden wom\u00f6glich Ehen aus der parit\u00e4tischen Kommission hervorgehen. Und so wird es, sobald wir drau\u00dfen sind, immer einen EU-Funktion\u00e4r geben, der seinem verarmten Kollegen auf der anderen Seite der militarisierten Jonquera [der katalanische \u00bbBrennerpass\u00ab] eine Tafel Schokolade reicht.<br \/>\n<strong><br \/>\nSchottland bleibt, wir nicht<\/strong><\/p>\n<p>Ein kurioser Fall ist jener Schottlands. Die Briten haben bereits versichert, dass Schottland im Falle der Unabh\u00e4ngigkeit die EU nicht verlassen wird und dass sie nichts unternehmen werden, um ihre Einschreibung im Club zu verhindern. Warum w\u00fcrde Br\u00fcssel Schottland zulassen und Katalonien nicht? Die objektiven Gr\u00fcnde sind offensichtlich: Die Schotten sprechen Englisch, trinken Whisky und haben Sean Connery. Die Katalanen (die nur Joel Joan anbieten k\u00f6nnen) sind eine Gruppe Erleuchteter, die die Ehre des alten Imperiums verletzt haben. Das sind Argumente, die im 21. Jahrhundert niemand wird ausschlagen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Ihr seht also, Katalanen. Es ist vollzogen. Das kostet euch Millionen, Gerichtsverfahren, Probleme, Arbeitsstunden und ein nie dagewesenes Durcheinander. Sie werden in Kauf nehmen, dass Katalonien ein Unternehmer- und Steuerparadies wird. Die Erweiterungspolitik der EU w\u00e4re besch\u00e4digt, die Union verl\u00f6re einige Millionen Steuerzahler und Konsumenten. Doch was ist das schon\u2026 f\u00fcr ein K\u00f6nigreich, das Amerika entdeckte? Wenn Spanien es will, wird Europa gehorchen. Au, was f\u00fcr eine Angst, sie werden uns nichts lassen \u2014 au\u00dfer die Freiheit.<\/p><\/blockquote>\n<p><small><em>Quelle: <a title=\"El diario: Guia pr\u00e0&nbsp;ctica de l'expulsi\u00f3...\" href=\"http:\/\/www.eldiario.es\/catalunyaplural\/Guia-practia-lexpulsio-catalana-completa_6_67253284.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">El diario.<\/a><br \/>\n\u00dcbersetzung: <img class=\"bbdlogo\" src=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/wp-content\/uploads\/bbdsmileys\/bbde.png\"><\/em><\/small><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der gesamtspanischen Onlinezeitung El diario ist vorgestern ein vielbeachteter satirischer Leitfaden zum EU-Ausschluss Kataloniens erschienen, auf Spanisch und Katalanisch. von Antonio Ba\u00f1os Es ist eine Tatsache. Sie werfen uns raus. Ach, wie schade. Wie ungem\u00fctlich. 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