{"id":13230,"date":"2012-11-19T15:53:36","date_gmt":"2012-11-19T14:53:36","guid":{"rendered":"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=13230"},"modified":"2024-05-02T14:34:38","modified_gmt":"2024-05-02T12:34:38","slug":"unabhangigkeit-eu-und-euro","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=13230","title":{"rendered":"Unabh\u00e4ngigkeit, EU und Euro."},"content":{"rendered":"<p>F\u00fcnfzehn katalanische Wirtschaftswissenschaftler, darunter mehrere, die sich klar gegen die Unabh\u00e4ngigkeit Kataloniens von Spanien aussprechen, haben einen <a title=\"La Vanguardia: Independ\u00e8ncia, euro y UE\" href=\"http:\/\/www.lavanguardia.com\/economia\/20121118\/54354607362\/independencia-euro-ue.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">gemeinsamen Artikel<\/a> f\u00fcr die Tageszeitung <em>La Vanguardia<\/em> verfasst, mit dem sie einige Mythen \u00fcber die Unabh\u00e4ngigkeit ausr\u00e4umen. Ihnen gehe es nicht um bessere Argumente f\u00fcr die Unabh\u00e4ngigkeit, sondern um eine m\u00f6glichst objektive und demokratische Debatte.<\/p>\n<blockquote><p>Im Laufe der vergangenen Wochen wurde eine Debatte \u00fcber die wirtschaftlichen Konsequenzen einer hypothetischen Unabh\u00e4ngigkeit Kataloniens er\u00f6ffnet. Einer der Aspekte, die die gr\u00f6\u00dfte Aufmerksamkeit auf sich ziehen, ist die Frage, ob Katalonien \u00bbaus dem Euro und aus der Europ\u00e4ischen Union ausgeschlossen w\u00fcrde\u00ab (um es so zu formulieren, wie es \u00fcblicherweise gemacht wird) und was dies f\u00fcr die katalanische Wirtschaft bedeuten w\u00fcrde. In dieser Hinsicht wurde argumentiert, dass diese Ausschl\u00fcsse eine Wiedereinf\u00fchrung der Z\u00f6lle und anderer Restriktionen im Handel zwischen Katalonien und der EU bedingen und deshalb der katalanischen Wirtschaft gro\u00dfen Schaden zuf\u00fcgen w\u00fcrden [ein Argument, das in S\u00fcdtirol auch Kammerabgeordneter Karl Zeller (SVP) vorgebracht hat, Anm.].<\/p>\n<p>Einige der Urheber dieses Artikels haben sich \u00f6ffentlich f\u00fcr die Unabh\u00e4ngigkeit ausgesprochen, andere dagegen und wieder andere haben sich nicht positioniert. Dennoch halten wir es alle gemeinsam f\u00fcr unabdingbar, dass die Bev\u00f6lkerung Zugang zu klaren Erkl\u00e4rungen \u00fcber diese Angelegenheit hat, und sind \u00fcberzeugt, dazu beitragen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Als Wirtschaftswissenschaftler halten wir es nicht f\u00fcr angemessen, uns dar\u00fcber auszusprechen, ob die Unabh\u00e4ngigkeit den Ausschluss Kataloniens aus der EU mit sich bringen w\u00fcrde, da dies die Fachbereiche des Rechts und der Politik betrifft. Wir k\u00f6nnen hingegen das analysieren, was als das schlimmste Szenario betrachtet wird: dass das unabh\u00e4ngige Katalonien au\u00dferhalb der Europ\u00e4ischen Union geboren w\u00fcrde und dass es, um erneut beizutreten, einen kurzen, langen oder sehr langen Zeitraum warten m\u00fcsste. Wenn wir diese hypothetische Situation annehmen, sind wir der Ansicht, dass man aus Sicht der wirtschaftlichen Analyse eine rationelle und klare Antwort auf die restlichen Zweifel geben kann, die wir in zwei Fragen zusammenfassen:<\/p>\n<p><strong>Falls die Unabh\u00e4ngigkeit Kataloniens den Austritt aus der EU bedingen w\u00fcrde, m\u00fcsste dann Katalonien auch den Euro verlassen?<\/strong><\/p>\n<p>Die Antwort ist unzweifelhaft negativ: ein unabh\u00e4ngiges und au\u00dferhalb der EU befindliches Katalonien m\u00fcsste den Euro nicht verlassen.<\/p>\n<p>Unabh\u00e4ngige L\u00e4nder k\u00f6nnen entscheiden, eine eigene W\u00e4hrung auszugeben, und das tun denn auch fast alle. Es handelt sich aber um eine M\u00f6glichkeit, nicht um einen Zwang: unabh\u00e4ngige L\u00e4nder k\u00f6nnen auch auf strikt einseitige Weise beschlie\u00dfen, dass ihre offizielle W\u00e4hrung diejenige ist, die von einem anderen Land ausgegeben wird, was vor allem von sehr kleinen L\u00e4ndern und in Sonderf\u00e4llen auch von gr\u00f6\u00dferen L\u00e4ndern gemacht wird.<\/p>\n<p>Katalonien hat eine \u00f6konomische Gr\u00f6\u00dfe, die diejenige vieler europ\u00e4ischer L\u00e4nder \u00fcbertrifft (D\u00e4nemark zum Beispiel): trotzdem scheint es sinnvoll, dass Katalonien, wo der Euro bereits in Umlauf ist, diesen auch beibeh\u00e4lt, wenn das Land ohnehin im Sinn hat, wieder der EU beizutreten.<\/p>\n<p>Nun gut, was hingegen zutrifft, ist, dass Katalonien, selbst wenn es den Euro beibeh\u00e4lt, keine eigene Kandidaten in die Entscheidungsgremien der EZB entsenden k\u00f6nnte, solange das Land nicht der EU beitritt.<\/p>\n<p>Dies h\u00e4tte aber keine Auswirkungen auf die katalanische Wirtschaft, wof\u00fcr es drei Gr\u00fcnde gibt: Weil die Aktion der EZB aufgrund ihres Statuts unabh\u00e4ngig von den Einzelinteressen der Mitgliedsstaaten ist, weil Katalonien auch heute nicht in der EZB vertreten ist und weil die Mitsprache eines einzelnen Landes wie Spanien in den entsprechenden Entscheidungsgremien nicht relevant ist, genausowenig, wie es jene Kataloniens w\u00e4re, sobald das Land der EU beitr\u00e4te.<\/p>\n<p><strong>Wenn Katalonien nicht Teil der EU w\u00e4re, w\u00e4ren dann seine Exporte durch Wirtschaftsbarrieren eingeschr\u00e4nkt?<\/strong><\/p>\n<p>Auch in diesem Fall ist die Antwort unzweifelhaft negativ.<\/p>\n<p>Es ist klar, dass Katalonien, wenn es nicht Teil der EU w\u00e4re, Z\u00f6lle und andere Restriktionen auf den Import von EU-Produkten einf\u00fchren k\u00f6nnte, so wie die EU Z\u00f6lle und andere Restriktionen auf die katalanischen Exporte einf\u00fchren k\u00f6nnte. Nun gut, so wie im Falle der W\u00e4hrung handelt es sich dabei um eine M\u00f6glichkeit, nicht um eine Pflicht und, genauso wie im Fall der W\u00e4hrung handelt es sich um ein irreales Szenario. Gehen wir davon aus, dass der katalanische Staat mit dem Wunsch geboren w\u00fcrde, in die EU einzutreten; es h\u00e4tte also keinen Sinn, dass Katalonien Restriktionen auf die Einfuhr von EU-Produkten einf\u00fchrt.<\/p>\n<p>Was die EU anlangt, so w\u00e4re die Einf\u00fchrung von Z\u00f6llen im Widerspruch zu den Interessen internationaler Konzerne, die in Katalonien t\u00e4tig sein m\u00f6chten. [\u2026] Die Behinderung der katalanischen Exporte in die EU w\u00fcrde sie auf&#8217;s Schwerste sch\u00e4digen, ohne irgendeinen konkreten Vorteil f\u00fcr irgendjemanden zu bedeuten, sowie es auch nicht im Interesse der in Katalonien t\u00e4tigen Banken w\u00e4re, Beschr\u00e4nkungen im freien Geldverkehr einzuf\u00fchren. Deshalb ist das einzige sinnvolle Szenario im Falle, dass Katalonien nicht von vornherein Teil der EU w\u00e4re, die Beibehaltung des freien Waren-, Personen- und Kapitalverkehrs zwischen beiden Wirtschaftsr\u00e4umen. Das eine w\u00e4re mit dem anderen nicht kompatibel, und es gibt gen\u00fcgend Pr\u00e4zedenzf\u00e4lle, die das beweisen.<\/p>\n<p>Fazit: Wir sind der Meinung, dass die Vorhersagen, die manchmal gemacht wurden, und die besagen, dass der EU-Austritt aufgrund von Restriktionen negative Auswirkungen auf die Wirtschaft h\u00e4tte, unbegr\u00fcndet sind. Wir halten die Aussagen, die zu diesem Thema die Vertreter von BASF und Dow Chemical gemacht haben, als sie ihre neuen Investitionen in unserem Land pr\u00e4sentierten, gemacht haben, f\u00fcr signifikant: Sie sagten, dass eine etwaige Unabh\u00e4ngigkeit ihre Absichten in keinster Weise beeinflussen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Nun gut, was die Vertreter dieser Firmen sehr wohl gesagt haben, ist, dass vor allem die politische Ungewissheit die Investitionen behindere. Welchen Ausgang der demokratische Prozess auch nimmt, wird es erforderlich sein, die Aufteilung der Staatsschulden und die Beziehungen zwischen Katalonien und dem restlichen Spanien zu kl\u00e4ren, die ja zweifelsohne durch den Prozess und die gew\u00e4hlte L\u00f6sung beeinflusst werden \u2014 und zwar in einem Ma\u00dfe, das davon abh\u00e4ngt, wie man mit Prozess und L\u00f6sung umgeht.<\/p>\n<p>In diesem Sinne bef\u00fcrworten wir einen unaufgeregten Dialog, der auf Improvisationen und Katastrophismen verzichte und baldestm\u00f6glich zu einer Einigung f\u00fchrt.<\/p>\n<p>Al\u00e0\u00adcia Adser\u00e0&nbsp;, Oriol Amat, Enriqueta Aragon\u00e9s, Germ\u00e0&nbsp; Bel, N\u00faria Bosch, Ramon Caminal, Xavier Cuadras, Marta Espasa, Francesc Granell, Modest Guinjoan, Elisenda Paluzie, Alfredo Pastor, Clara Ponsat\u00e0\u00ad, Miquel Puig, Jacint Ros<\/p><\/blockquote>\n<p><small><em>\u00dcbersetzung: <img class=\"bbdlogo\" src=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/wp-content\/uploads\/bbdsmileys\/bbde.png\"><\/em><\/small><\/p>\n<p><strong><span style=\"font-family: Helvetica, Arial, sans-serif; text-transform: uppercase;\">C\u00ebla enghe:<\/span><\/strong> <a title=\"FAQ: Euro.\" href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?page_id=200#12D\"><code>01<\/code><\/a> <a title=\"Wilson-Initiative gegr\u00fcndet.\" href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=13206\"><code>02<\/code><\/a><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>F\u00fcnfzehn katalanische Wirtschaftswissenschaftler, darunter mehrere, die sich klar gegen die Unabh\u00e4ngigkeit Kataloniens von Spanien aussprechen, haben einen gemeinsamen Artikel f\u00fcr die Tageszeitung La Vanguardia verfasst, mit dem sie einige Mythen \u00fcber die Unabh\u00e4ngigkeit ausr\u00e4umen. Ihnen gehe es nicht um bessere Argumente f\u00fcr die Unabh\u00e4ngigkeit, sondern um eine m\u00f6glichst objektive und demokratische Debatte. Im Laufe der [&hellip;]<\/p>","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_crdt_document":"","ngg_post_thumbnail":0,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-13230","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","entity-eu","entity-svp","issue-good-news","issue-zitac","location-catalunya","language-deutsch","person-karl-zeller","topic-medien","topic-selbstbestimmung","topic-wirtschaft"],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/13230","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=13230"}],"version-history":[{"count":10,"href":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/13230\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":85391,"href":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/13230\/revisions\/85391"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=13230"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=13230"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=13230"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}