{"id":14197,"date":"2013-03-13T14:37:05","date_gmt":"2013-03-13T13:37:05","guid":{"rendered":"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=14197"},"modified":"2025-12-29T18:52:14","modified_gmt":"2025-12-29T17:52:14","slug":"marketing-und-privatisierung-der-geographie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=14197","title":{"rendered":"Marketing und Privatisierung der Geographie."},"content":{"rendered":"<p>Die <em>S\u00fcdtiroler Wirtschaftszeitung<\/em> (SWZ) besch\u00e4ftigt sich in ihrer Ausgabe Nr. 9\/2013 vom 01.03.2013 im Artikel \u00bbCovelano und S\u00fcdtirol\u00ab mit Marken- und Produktnamen. Die SWZ geht der Frage nach warum Vermarktungsleute zwar auf Mehrsprachigkeit setzen, aber von Zweinamigkeit nichts wissen wollen.<\/p>\n<blockquote><p>Darf der Treber \u00bbGrappa\u00ab hei\u00dfen und Marmor aus G\u00f6flan \u00bbCovelano Silvergold\u00ab? Darf die SMG nur mit dem Namen S\u00fcdtirol auftreten und Obereggen nur Obereggen genannt werden? Ja, sagen Marketing- und Markenexperten. Die Politik hat noch Bauchweh damit.<\/p>\n<p><small>\u2013 SWZ<\/small><\/p><\/blockquote>\n<blockquote><p>Dabei wird immer offensichtlicher, dass niemand an den Gesetzen des Marketings und des Brandings vorbei entscheiden kann, und der Trend geht &#8211; was in einem zwei- bzw. dreisprachigen Land zwangsl\u00e4ufig Unruhe stiftet in Richtung Einsprachigkeit, [&#8230;]<\/p>\n<p><small>\u2013 SWZ<\/small><\/p><\/blockquote>\n<p>Dem Leitprinzip, dass ein Markenname generell einsprachig sein sollte, kann mit einigen Abstrichen durchaus gefolgt werden. Ein Markenname ist ein Eigenname und als solcher per se nicht \u00fcbersetzbar.<\/p>\n<p>Schon etwas weniger plausibel klingen klassische Stereotype, denen einige Marketingabteilungen in S\u00fcdtirol zu folgen scheinen. F\u00fcr technische Produkte kann es durchaus ein deutscher Markenname sein, f\u00fcr Mode, gutes Leben und die sch\u00f6nen Dingen sollte es schon italienisch klingen, so der Tenor des Artikels. Stereotype, die in etlichen Bereichen \u00fcberholt sind. So gibt es l\u00e4ngst auch erfolgreiche Modeprodukte aus deutschen Landen, deutsches Industriedesign ist seit Jahrzehnten weltweit gefragt und die Jugendkultur aus einigen deutschen Gro\u00dfst\u00e4dten deckt sich nicht mehr mit klassischen Schwarz\/Wei\u00df-Schablonen.<\/p>\n<p>F\u00fcr S\u00fcdtirol besonders schade. Durch diesen Ansatz geht viel S\u00fcdtiroler Selbstverst\u00e4ndnis verloren, das sehr wohl in einen eigenen Marketingansatz verpackt werden k\u00f6nnte ohne italienische bzw. deutsche Klischees zu bedienen und vor allem S\u00fcdtiroler St\u00e4rken bzw. Eigenheiten zu betonen.<\/p>\n<p>Ziel guten Marketings ist wirtschaftlicher Erfolg. Wenn ein Betrieb erfolgreich S\u00fcdtiroler Produkte exportiert oder sich eine Tourismusregion erfolgreich vermarktet, dann ist dies f\u00fcr S\u00fcdtirol volkswirtschaftlich positiv. Trotzdem stellt sich die Frage, ob wirtschaftlicher Erfolg alle Mittel heiligt. Um diese Frage zu beantworten m\u00fcssen die Betriebe nach der Art, wie Wert gesch\u00f6pft wird, unterschieden werden. Der SWZ Artikel unterscheidet nicht, ob es sich um Produkte oder Dienstleistungen handelt, wo Wert vor allem durch innerbetriebliche Faktoren gesch\u00f6pft wird, oder ob ein Produkt nur deshalb existiert und erfolgreich vermarktet wird, da ein wesentlicher Teil des Wertes aus betriebsexternen Faktoren besteht.<\/p>\n<p>Gerade Beispiele aus letzterer Gruppe von Produkten oder Dienstleistungen dominieren den Artikel der SWZ. Da ist von <em>Covelano Silvergold<\/em> Marmor die Rede, von den Skigebieten <em>Carezza<\/em> und <em>Obereggen,<\/em> der Tourismusregion <em>Val Gardena,<\/em> dem SMG <em>S\u00fcdtirol<\/em>-Markenzeichen oder dem <em>Ros\u00e8 dell&#8217;Alto Adige<\/em>.<\/p>\n<p>Analysieren wir eine der wichtigsten Branchen S\u00fcdtirols, den Tourismus. Welche Faktoren sind f\u00fcr den Erfolg ausschlaggebend?<\/p>\n<ol>\n<li>Faktor Naturlandschaft: Eindeutig ein betriebsexterner Faktor, ja nicht einmal ein gesellschaftlicher Faktor. Die Alpen oder die Dolomiten als Teilgebiet der Alpen wurden von der Natur geschaffen.<\/li>\n<li>Faktor Kulturlandschaft und Siedlungslandschaft: Ein geschichtlich\/gesellschaftlicher Faktor. Gepr\u00e4gt \u00fcber Generationen von den Menschen, die eine Region bewohnen. Die Ortsnamen z.B. sind Teil davon.<\/li>\n<li>Faktor soziale, gesellschaftliche, \u00f6kologische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen: Ohne eine intakte gesellschaftliche Struktur ist kein erfolgreicher Tourismus m\u00f6glich. Die Erschlie\u00dfung mit Verkehrswegen, der Schutz der Landschaft, die Raumordnung oder die gesellschaftliche Akzeptanz des Tourismus h\u00e4ngt davon ab.<\/li>\n<li>Faktor Tourismusbetriebe: Hotels, Pensionen, Restaurants, Aufstiegsanlagen usw.<\/li>\n<li>Faktor Vermarktung: Tourismusverein, HGV, SMG usw.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Ein wesentlicher Teil des touristischen Wertes einer Region h\u00e4ngt von betriebsexternen Faktoren, wie vorgegebenen nat\u00fcrlichen Ressourcen oder gesellschaftlich gepr\u00e4gten Rahmenbedingungen ab. Ohne diese Faktoren w\u00e4re kein erfolgreicher Tourismus m\u00f6glich. Tourismusbetriebe oder touristische Organisationen (Tourismusvereine, HGV, SMG), die diesen Faktoren nicht h\u00f6chste Wertsch\u00e4tzung und Respekt entgegenbringen, s\u00e4gen am eigenen Ast, da sie einen wesentlichen Teil der von ihnen vermarkteten Wertsch\u00f6pfung nicht erkennen. Deshalb ist es auch nicht Kompetenz eines Tourismusvereines \u00fcber gewachsene geografische Namen zu entscheiden. \u00dcber dieses Erbe hat die Gesellschaft in ihrer Gesamtheit zu bestimmen. Touristische Vermarktungen wie \u00bbCarezza\u00ab, \u00bbVal Gardena\u00ab oder \u00bbAlta Pusteria\u00ab sind aus diesen Gr\u00fcnden nicht akzeptabel und es ist geboten dieser Vernichtung von historisch\/kulturellem Wert politisch Einhalt zu gebieten.<\/p>\n<p>Gerade in einer Branche, die gerne das historische Erbe, intakte Naturlandschaften und Authentizit\u00e4t vermarktet sind obige Beispiele auch marketingtechnische Fehlgriffe.<\/p>\n<p>Ebenso ein Fehlgriff ist es, wenn die SMG au\u00dferhalb des deutschen und tschechischen Marktes beinahe ausschlie\u00dflich mit den italienischen Ortsnamen auf Werbetour geht. Diese systematische Vernichtung von historisch\/kulturellem Wert darf politisch und gesellschaftlich nicht akzeptiert werden, unabh\u00e4ngig davon was irgendwelche Marketinggurus zu diesem Thema sagen.<\/p>\n<p>\u00c4hnlich wie im Tourismus verh\u00e4lt es sich mit landwirtschaftlichen Produkten. Diese sind Teil des Territoriums und Kinder der gewachsenen Kulturlandschaften. Der Gebrauch von geografischen Begriffen oder traditionellen Bezeichnungen, wie Lagrein, Vernatsch, Kn\u00f6del, Schlutzkrapfen oder Strudel kann nicht der Willk\u00fcr des privaten Marketings \u00fcberlassen werden.<\/p>\n<p>Wenn sich im Marketing immer mehr die Erkenntnis durchsetzt, dass f\u00fcr Markennamen, Einnamigkeit gefragt ist, ist es umso unverst\u00e4ndlicher, dass auf willk\u00fcrliche \u00dcbersetzungen (Tolomei) von Toponymen und geografischen Begriffen zur\u00fcckgegriffen wird. Das Prinzip der Einnamigkeit wird genau von denjenigen ad absurdum gef\u00fchrt, die es aus Gr\u00fcnden des \u00bbBrandings\u00ab forcieren.<\/p>\n<p>Etwas anderes ist es, wenn Produktnamen oder Firmennamen abseits von schon bestehenden geografischen Namen bzw. bekannten, generischen Produktbezeichnungen kreiert werden. Die im SWZ Artikel angef\u00fchrten Beispiele f\u00fcr Firmennamen, wie <em>Selectra, TechnoAlpin, Finstral&nbsp;<\/em>oder Slogans wie <em>\u00bbBest in the Alps\u00ab (Sportler), \u00bbwe move people\u00ab (Leitner)<\/em> oder <em>\u00bbSnow Experts\u00ab (TechnoAlpin)<\/em> sollen klarerweise der v\u00f6llig freien Entscheidung der entsprechenden Marketingabteilungen unterliegen.<\/p>\n<p><strong><span style=\"font-family: Helvetica, Arial, sans-serif; text-transform: uppercase;\">C\u00ebla enghe:<\/span><\/strong> <a title=\"Demokratie oder Privatverein?\" href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=9044\"><code>01<\/code><\/a> <a title=\"R\u00fcck-Schrittmacher.\" href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=12416\"><code>02<\/code><\/a> <a title=\"Canigou? 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