{"id":14251,"date":"2013-03-19T12:15:23","date_gmt":"2013-03-19T11:15:23","guid":{"rendered":"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=14251"},"modified":"2025-11-08T16:12:31","modified_gmt":"2025-11-08T15:12:31","slug":"mehr-mut-zum-eigenen-dialekt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=14251","title":{"rendered":"Mehr Mut zum eigenen Dialekt."},"content":{"rendered":"<p>In der Sonntagszeitung <em>Zett<\/em> war am 17. Februar 2013 ein interessantes Gespr\u00e4ch mit dem Kommunikationsexperten und Rhetoriktrainer Bernhard Ahammer erschienen, das ich hier mit freundlicher Genehmigung der <em>Zett<\/em>-Redaktion in vollem Umfang wiedergebe:<\/p>\n<blockquote><p><strong>Mehr Mut zum eigenen Dialekt<\/strong><\/p>\n<p><strong>Herr Ahammer, Sie sind Rhetoriktrainer und halten Ihre Seminare im deutschsprachigen Raum \u2013 auch in S\u00fcdtirol. Was ist das Besondere an den S\u00fcdtirolern und ihrer Sprache?<\/strong><\/p>\n<p>Bernhard Ahammer: Die meisten S\u00fcdtiroler sind in ihrer Sprache verunsichert \u2013 und zwar in dreifacher Hinsicht. Wenn sie ihren Dialekt sprechen, glauben sie, Nicht-S\u00fcdtiroler verstehen sie nicht. Im Hochdeutschen f\u00fchlen sie sich unsicher, weil sie glauben, sie sprechen nicht korrekt. Daraus ergibt sich die Hauptverunsicherung, n\u00e4mlich, dass viele nicht genau wissen, wann sie Dialekt sprechen sollen und wann Hochdeutsch. Hinzu kommt, dass viele auch das Gef\u00fchl haben, ihr [I]talienisch sei nicht gut genug.<\/p>\n<p><strong>Wie merken Sie diese Unsicherheit?<\/strong><\/p>\n<p>Einige S\u00fcdtiroler wechseln im Gespr\u00e4ch mit Deutschen oder \u00d6sterreichern sofort ins Hochdeutsche, weil sie an ihrer Verst\u00e4ndlichkeit zweifeln. Meiner Meinung nach oft v\u00f6llig zu Unrecht: Ein Nordtiroler oder Bayer tut das nicht, obwohl sein Dialekt mindestens genauso ausgepr\u00e4gt ist. Es gibt hier eine \u00fcberzogene Anpassung an das Gegen\u00fcber. Dieser Wesenszug zeigt sich auch darin, dass in einer Gruppe mit einer einzigen italienisch sprechenden Person oft alle anderen ins Italienische wechseln. Ein Vorarlberger hingegen haut dem anderen seinen Dialekt um die Ohren, obwohl man ihn h\u00e4ufig wirklich sehr schwer versteht.<\/p>\n<p>Auch bei Vortr\u00e4gen vor eigenem Publikum zwingen sich viele ins Hochdeutsche. Ich denke, dass sich der durchschnittliche S\u00fcdtiroler genauso gut auf Hochdeutsch ausdr\u00fccken kann wie z.B. ein Nordtiroler. Mit dem feinen Unterschied allerdings, dass der S\u00fcdtiroler sich dabei unsicher f\u00fchlt und auch so wirkt.<\/p>\n<p><strong>Woher kommt das?<\/strong><\/p>\n<p>Einerseits hat es sicherlich mit der Einbettung der S\u00fcdtiroler in eine italienisch sprechende Gemeinschaft zu tun. Ein weiterer Faktor ist aber auch, dass S\u00fcdtiroler mit ihren eigenen Leuten oft zu hart ins Gericht gehen. Als Dominik Paris in Kitzb\u00fchel gewonnen hat, haben ihn viele wegen seiner Sprache im Interview kritisiert. Ich habe mir gedacht: Warum gibt es nicht mehr Anerkennung f\u00fcr die sportliche Leistung? Er ist ein Skifahrer und kein Politiker.<\/p>\n<p><strong>Gibt es Grundregeln, wann man Dialekt sprechen kann?<\/strong><\/p>\n<p>Das ist nat\u00fcrlich immer eine Frage der Situation. Aber es gibt Richtlinien f\u00fcr Vortr\u00e4ge. Man unterscheidet zwischen Publikum von Bekannten der eigenen Sprachgruppe, Unbekannten der eigenen Sprachgruppe und au\u00dferhalb der eigenen Sprachgruppe. Spreche ich vor mir bekannten Menschen meiner Sprachgruppe, z.B. im Verein, vor meinen Mitarbeitern, bei einer Geburtstagsfeier, ist Dialekt angebracht. Damit wirkt eine Rede echter, pers\u00f6nlicher und nat\u00fcrlicher. Hochdeutsch empfehlen wir S\u00fcdtirolern nur bei sehr formellen Anl\u00e4ssen, gro\u00dfen Menschenmengen \u2013 mehr als 100 Personen \u2013 und nat\u00fcrlich vor bundesdeutschem Publikum.<\/p>\n<p>Das Schwierigste ist f\u00fcr S\u00fcdtiroler oft das Sprechen vor unbekannten Menschen der eigenen Sprachgruppe. Dort ist ein gem\u00e4\u00dfigter Dialekt das Wirkungsvollste.<\/p>\n<p><strong>Was verstehen Sie unter \u201cgem\u00e4\u00dfigtem Dialekt\u201d?<\/strong><\/p>\n<p>Verzichten Sie auf die Mitvergangenheit. S\u00fcdtiroler sprechen im Alltag in der Vergangenheitsform: \u201cIch bin zu dem Kunden gefahren und habe den Auftrag gemacht.\u201d Wenn Sie die Mitvergangenheit verwenden, entfernen Sie sich von Ihrer nat\u00fcrlichen Sprache und verlieren an Echtheit: \u201cIch fuhr zum Kunden und machte den Auftrag.\u201d Verzichten Sie auch auf typisch deutsche und in S\u00fcdtirol ungebr\u00e4uchliche W\u00f6rter wie \u201cT\u00fcte\u201d, \u201cBr\u00f6tchen\u201d oder \u201chochfahren\u201d.<\/p>\n<p>Verzichten Sie aber auch auf \u201cHardcore\u201d- Dialekt in Form von S\u00fcdtiroler Ausdr\u00fccken wie \u201csell\u201d, \u201csem\u201d oder \u201cingaling\u201d. Sie sind zu privat und Sie wirken daher weniger kompetent. Auch die Vergewaltigung der Grammatik sollten Sie vermeiden, wie das verbreitete Wortpaar \u201c&#8230; de wos &#8230;\u201d<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><span style=\"font-family: Helvetica, Arial, sans-serif; text-transform: uppercase;\">C\u00ebla enghe:<\/span><\/strong> <a title=\"Bonjour, Gr\u00fcezi, Hello?\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=4831\"><code>01<\/code><\/a> <span style=\"font-family: Helvetica, Arial, sans-serif; font-weight: normal;\">||<\/span> <a title=\"Vietato sputare e parlare dialetto.\" href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=50076\"><span style=\"color: #ff8c00\"><code>01<\/code><\/span><\/a> <a title=\"Dialekt im Zweitsprachunterricht.\" href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=54649\"><span style=\"color: #ff8c00\"><code>02<\/code><\/span><\/a> <a title=\"Moretti f\u00fcr (deutsche) Sprachvielfalt.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=94241\"><span style=\"color: #ff8c00\"><code>03<\/code><\/span><\/a><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der Sonntagszeitung Zett war am 17. 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