{"id":15264,"date":"2013-05-29T18:34:28","date_gmt":"2013-05-29T16:34:28","guid":{"rendered":"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=15264"},"modified":"2023-03-07T13:11:53","modified_gmt":"2023-03-07T12:11:53","slug":"das-wort-zum-sonntag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=15264","title":{"rendered":"Das Wort zum Sonntag."},"content":{"rendered":"<p>Die Milchehe ist besiegelt. Ab 2014 werden Stubaier und Wipptaler Bauern ihre Milch \u2013 rund sieben Millionen Kilogramm \u2013 an den Milchhof Sterzing liefern. Ein Freudentag f\u00fcr alle Euregianer. Wie t\u00f6nte Landeshauptmann Luis Durnwalder unl\u00e4ngst noch so sch\u00f6n auf dem Forum Alpbach anl\u00e4sslich des Tiroltages im Zeichen der Euregio:<\/p>\n<blockquote><p>Erstens sind wir von der grenz\u00fcberschreitenden Zusammenarbeit innerhalb der Euregio \u00fcberzeugt und freuen uns daher, uns in diesem Rahmen gemeinsam pr\u00e4sentieren und somit die Euregio auch mit konkreten Inhalten f\u00fcllen zu k\u00f6nnen. Zweitens ist es in Zeiten, in denen die Budgets knapper werden, im Interesse der Bev\u00f6lkerung und der Politik, dass \u00fcber die Herausforderungen dieses Gebiets gemeinsam diskutiert und nach L\u00f6sungen gesucht wird.<\/p><\/blockquote>\n<p>Wer h\u00e4tte damals ahnen k\u00f6nnen, dass manche sich erdreisten, diesen Sonntagsreden auch konkrete Taten folgen zu lassen? Da h\u00f6rt sich f\u00fcr den Landeshauptmann der Spa\u00df jedenfalls auf. Mit der neuen gemeinsamen Euregio-Landkarte, die Durnwalder im Februar dieses Jahres pr\u00e4sentierte, w\u00e4re dem Anspruch der grenz\u00fcberschreitenden Zusammenarbeit doch wohl gen\u00fcge getan gewesen. Aber nein. Jetzt \u2013 Zitat Durnwalder \u2013 \u201cverw\u00e4ssern\u201d die Stubaier und Wipptaler das sch\u00f6ne S\u00fcdtiroler Qualit\u00e4tssiegel mit ihrer Milch, pardon \u2026 ihrem Wasser. Dabei haben die Nordtiroler Bauern und der S\u00fcdtiroler Milchhof doch genau das getan, was Durnwalder forderte: grenz\u00fcberschreitende Zusammenarbeit, die Euregio mit konkretem Inhalt gef\u00fcllt und die Herausforderungen des Gebiets gemeinsam angegangen. Der Milchhof Sterzing hat zu wenig Milch \u2013 besonders auch Biomilch \u2013 um die steigende Nachfrage zu befriedigen. Die nur wenige Kilometer entfernt wirtschaftenden Bauern haben genug davon. Die wirtschaftliche Notwendigkeit des Milchzukaufs anerkennt auch Durnwalder im Dolomiten-Interview:<\/p>\n<blockquote><p>Mir ist viel lieber, wenn die Sterzinger ihre Milch aus Nordtirol importieren als etwa aus Sachsen oder sie von sonst irgendwo zukaufen.<\/p><\/blockquote>\n<p>Euphorie angesichts dieser konkreten Belebung der Euregio h\u00f6rt sich f\u00fcr mich jedoch anders an. Das klingt mehr nach \u201cnaja, wenn\u2019s unbedingt sein muss\u201d statt nach der geforderten, aktiv gesuchten \u2013 und in diesem Falle auch gefundenen \u2013 Zusammenarbeit. \u00c4hnlich euregio-freundlich argumentiert der Obmann des Sennereiverbandes, Joachim Reinalter:<\/p>\n<blockquote><p>Wir hoffen nat\u00fcrlich, dass die S\u00fcdtiroler Milch auch weiterhin einen Wert hat und dass die Zusammenarbeit mit Sterzing trotzdem funktionieren kann.<\/p><\/blockquote>\n<p>Vielsagende Wortwahl beider Herren. Die Sache ist also so ernst, dass man die Nordtiroler Bauern indirekt gleich zweimal pauschal beleidigen muss, um die S\u00fcdtiroler Qualit\u00e4t zu sch\u00fctzen. Es ist aber auch wirklich beunruhigend, wenn sieben Millionen Kilo Milch \u2013 darunter 700.000 Kilogramm Biomilch \u2013 aus dem rund 15 Kilometer entfernten n\u00f6rdlichen Wipptal nach Sterzing \u201cimportiert\u201d werden. Das ist ja fast schon China. (Warum eigentlich \u201cimportiert\u201d? Innerhalb des Binnenmarktes gibt es keinen Im- und Export und Grenzen gibt es ja bekanntlich auch keine mehr). Die Bedrohung der S\u00fcdtiroler Qualit\u00e4tsmilch aus dem Norden l\u00e4sst Durnwalder dann auch sogleich das \u201cWir\u201d und \u201cDie da drau\u00dfen\u201d betonen: <\/p>\n<blockquote><p>Die Nordtiroler Bauern sollten keine Mitglieder des Sterzinger Milchhofes werden, sondern nur eine Liefergemeinschaft. Wennschon m\u00fcssten zuerst die heimischen Bauern Mitglieder werden.<\/p><\/blockquote>\n<p> Nordtirols ehemaliger Landeshauptmann Wendelin Weingartner sieht die Sache etwas anders und strapaziert in diesem Zusammenhang in einem Kommentar in der Sonntagszeitung <em>Zett<\/em> das Beispiel Speck. <\/p>\n<blockquote><p>Sein Grundprodukt ist das Schweinefleisch. F\u00fcr die gro\u00dfen Speckproduktionen in S\u00fcdtirol kommt es aus anderen L\u00e4ndern, meist aus dem Norden. In S\u00fcdtirol selbst g\u00e4be es ja viel zu wenige Schweine. Das Schicksal eines Schlegels entscheidet sich dann in Innsbruck: Wird er nach Westen transportiert, wird daraus echter Nordtiroler Speck. Wird er hingegen nach S\u00fcden transportiert, wird daraus echter S\u00fcdtiroler Speck. Er bekommt dann das Qualit\u00e4tszeichen \u2018S\u00fcdtirol\u2019 und die EU-Ursprungsbezeichnung \u2018ggA\u2019.<\/p><\/blockquote>\n<p>Warum sollte dann nicht Nordtiroler Milch zu S\u00fcdtiroler Joghurt verarbeitet werden? Es geht also nicht um rechtliche Probleme wegen eines Qualit\u00e4tszeichens, sondern um den politischen Willen. Und wenn es einen Etikettenschwindel gibt, dann ist der bei holl\u00e4ndischem Massenmastschwein im original S\u00fcdtiroler Speck doch viel eklatanter als bei unter gleichen Produktionsbedingungen erzeugter Milch aus dem gleichen Tal, durch das eine nicht existierende Grenze innerhalb einer Euregio verl\u00e4uft. Doch wie sagte Durnwalder so treffend im Dezember 2010: \u201cDie Euregio wird von manchen als nutzloses Gebilde gesehen.\u201d Er hat damals nur nicht dazu gesagt, dass er sich selbst damit meint.<\/p>\n<p><strong><span style=\"font-family: Helvetica, Arial, sans-serif; text-transform: uppercase;\">C\u00ebla enghe:<\/span> <\/strong><a title=\"Bisch a Tiroler, bisch koa Mensch?\" href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=12003\"><code>01<\/code><\/a> <a title=\"Gesamtwipptaler Milch.\" href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=15160\"><code>02<\/code><\/a> <a title=\"Euregio in Grenzen.\" href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=12830\"><code>03<\/code><\/a> <a title=\"Die sp\u00fcrbare Euregio.\" href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=12463\"><code>04<\/code><\/a> <a title=\"Euregio \u2014 EVTZ.\" href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=7833\"><code>05<\/code><\/a> <a title=\"SMG verh\u00e4ngt Tirol-Verbot.\" href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=4378\"><code>06<\/code><\/a><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Milchehe ist besiegelt. 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