{"id":15945,"date":"2013-07-09T23:13:12","date_gmt":"2013-07-09T21:13:12","guid":{"rendered":"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=15945"},"modified":"2025-09-01T20:13:55","modified_gmt":"2025-09-01T18:13:55","slug":"herumgefuhrt-an-der-nase","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=15945","title":{"rendered":"Herumgef\u00fchrt. An der Nase."},"content":{"rendered":"<blockquote><p>Erlass einer Durchf\u00fchrungsbestimmung zur Toponomastik auf der Grundlage der Prinzipien, die im Landesgesetz Nr. 15\/2012 festgelegt wurden, womit die durch die Regierung Monti beschlossene Anfechtung des Landesgesetzes hinf\u00e4llig wird.<\/p><\/blockquote>\n<p>Diesen Punkt (Nr. 5) des Wahlabkommens zwischen <abbr title=\"S\u00fcdtiroler Volkspartei\">SVP<\/abbr>, PATT und <abbr title=\"Partito Democratico\">PD<\/abbr> hatten wir kritisiert, weil damit die Zust\u00e4ndigkeit f\u00fcr die Ortsnamensgebung \u2014 die laut Autonomiestatut dem Landtag zusteht \u2014 \u2018freiwillig\u2019 an Rom abgegeben worden w\u00e4re. Doch <a title=\"TAZ: Der Toponomastik-Minister.\" href=\"http:\/\/www.tageszeitung.it\/2013\/07\/09\/der-toponomastik-minister\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">wie wir jetzt wissen<\/a>, wird es selbst zu dieser kritikw\u00fcrdigen Minimall\u00f6sung nicht kommen: Montis Anfechtung wird nicht \u00bbhinf\u00e4llig\u00ab, sondern von der derzeitigen Regierung aufrecht erhalten, wie Regionenminister Graziano Delrio in Rom versicherte. Damit wird das Abkommen schon zum dritten Mal (<a title=\"SVP-PD: Abkommen gebrochen.\" href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=15790\"><code>01<\/code><\/a> <a title=\"Trotz PD: Bezirksgerichte weg.\" href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=15895\"><code>02<\/code><\/a>) gebrochen, noch bevor ein einziger Punkt umgesetzt wurde.<\/p>\n<p>Aber der Reihe nach: Am 15. September letzten Jahres <a title=\"Ortsnamengesetz verabschiedet.\" href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=12687\">verabschiedete<\/a> die SVP gemeinsam mit dem Koalitionspartner (PD), bei Enthaltung der <em>Gr\u00fcnen,<\/em> ein \u00e4u\u00dferst schwaches, schlampig formuliertes und flickschusterhaftes <a title=\"Das Ortsnamengesetz im Wortlaut.\" href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=12720\">Gesetz<\/a> (das oben erw\u00e4hnte LG 15\/2012), das aber \u2014 bei gleichzeitiger Beibehaltung fast aller Erfindungen von Ettore Tolomei \u2014 immerhin die Grundlage f\u00fcr die amtliche Wiedereinf\u00fchrung der historischen Ortsnamen bilden sollte. Hans Heiss <em>(Gr\u00fcne)<\/em> hielt damals lobend fest, die SVP sei sich bewusst geworden, dass man die faschistischen Ortsnamen nicht mehr abschaffen k\u00f6nne.<\/p>\n<p>Trotzdem <a title=\"Le priorit\u00e0&nbsp; del centralismo.\" href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=12765\">pilgerten<\/a> der erkl\u00e4rte Faschist Donato Seppi <em>(Unitalia),<\/em> Postfaschist Alessandro Urz\u00ec (damals FLI, heute AAnC) und Maurizio Vezzali (PDL) nach Rom, um die Regierung Monti zu einer Anfechtung des Gesetzes vor dem Verfassungsgericht zu bewegen. Dass ihnen dieser Wunsch erf\u00fcllt wurde, belegt, dass die Autonomiefeindlichkeit der Technokraten nicht nur mit den Einsparungen in Verbindung stand.<\/p>\n<p>Daf\u00fcr, dass er einen demokratischen Beschluss des Landtags auf diese Weise hintertrieb, wurde Vezzali von der SVP sp\u00e4ter mit dem Posten des Landtagspr\u00e4sidenten \u2018belohnt\u2019.<\/p>\n<p>Im Vorfeld der vorgezogenen Parlamentswahl (Anfang 2013) schloss dann die SVP mit PATT und PD das Wahlabkommen, dessen f\u00fcnfter Punkt eingangs zitiert wurde. SVP-Obmann Richard Theiner <a title=\"Stol: Abkommen SVP-PATT-PD...\" href=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20130117223125\/http:\/\/www.stol.it\/Artikel\/Politik-im-Ueberblick\/Lokal\/Abkommen-SVP-PATT-PD-Lebensversicherung-fuer-die-Zukunft\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">bezeichnete<\/a> das \u00bbDokument\u00ab als \u00bbein gro\u00dfer Schritt in Richtung Vollautonomie\u00ab, w\u00e4hrend es Karl Zeller zu einer \u00bbVersicherung f\u00fcr die Zukunft\u00ab erkl\u00e4rte. In der folgenden Wahl trug die Volkspartei (die sich als Retterin der gef\u00e4hrdeten Autonomie <a title=\"Dreiste Kampa.\" href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=13883\">inszenierte<\/a>) entscheidend dazu bei, dass das B\u00fcndnis um Pier Luigi Bersani den Mehrheitsbonus im Abgeordnetenhaus errang.<\/p>\n<p>PD-Spitzenkandidat Bersani schaffte zwar nicht sein Ziel, Ministerpr\u00e4sident einer reinen Mittelinksregierung zu werden. Sein \u2018Nachfolger\u2019 Enrico Letta (ebenfalls PD) <a title=\"SVP: Letta best\u00e4tigt das mit Bersani...\" href=\"http:\/\/www.svp.eu\/de\/presse\/mitteilungen\/8569.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">versicherte der SVP aber trotzdem<\/a>, das Abkommen einhalten zu wollen \u2014 womit er seinem Kabinett die Zustimmung der Sammelpartei sicherte; Lettas Ernennung zum Ministerpr\u00e4sidenten wurde von der SVP gar als \u00bbGl\u00fccksfall f\u00fcr uns\u00ab gefeiert.<\/p>\n<p>Trotz alledem k\u00fcndigte Regionenminister Delrio heute (in Beantwortung einer Anfrage der postfaschistischen <em>Fratelli d&#8217;Italia<\/em>) an, die <span style=\"text-decoration: underline;\">von der SVP unterst\u00fctzte<\/span> Regierung werde die Anfechtung vor dem Verfassungsgericht keineswegs zur\u00fcckziehen. Gleichzeitig wurde ein Antrag von SVP, PD und SEL angenommen, mit dem ein \u2018Verhandlungstisch\u2019 zur Toponomastik zwischen Staat und Land eingesetzt wird: Ein Zust\u00e4ndigkeitsbereich, der (erstens) laut Autonomiestatut eindeutig dem Land S\u00fcdtirol vorbehalten ist und (zweitens) laut Wahlabkommen im Sinne des Landesgesetzes zu regeln w\u00e4re, \u2018darf\u2019 jetzt also auf Antrag der SVP (!) schon wieder mit dem Staat verhandelt werden. Andersherum gibt es in Bereichen, die in die Zust\u00e4ndigkeit des Staates fallen, freilich keine Verhandlungen; vielmehr werden uns unerw\u00fcnschte Regelungen (wie etwa die vollst\u00e4ndige Liberalisierung des Handels) regelm\u00e4\u00dfig aufoktroyiert.<\/p>\n<p>Das also soll der gro\u00dfe Schritt in Richtung Vollautonomie sein! Wann endlich bereiten die S\u00fcdtiroler W\u00e4hlerinnen diesem unw\u00fcrdigen Spektakel ein Ende?<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Erlass einer Durchf\u00fchrungsbestimmung zur Toponomastik auf der Grundlage der Prinzipien, die im Landesgesetz Nr. 15\/2012 festgelegt wurden, womit die durch die Regierung Monti beschlossene Anfechtung des Landesgesetzes hinf\u00e4llig wird. 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