{"id":16365,"date":"2013-08-05T12:11:23","date_gmt":"2013-08-05T10:11:23","guid":{"rendered":"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=16365"},"modified":"2021-05-17T19:44:16","modified_gmt":"2021-05-17T17:44:16","slug":"eine-laeppische-blondine","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=16365","title":{"rendered":"Eine l\u00e4ppische Blondine."},"content":{"rendered":"<p>\u00bbEine l\u00e4ppische Blondine\u00ab, das ist so ziemlich die einzige Beleidigung, die ich im Zusammenhang mit der Landtagskandidatur von Marie M\u00e5we auf der Liste der SVP noch nicht gelesen habe. Dabei strotzen die Internetforen nur so vor rassistischen und autorassistischen, sexistischen und chauvinistischen sowie ausl\u00e4nderfeindlichen und antieurop\u00e4ischen Aussagen. Aber alles der Reihe nach.<\/p>\n<p>Am 2. August gab die SVP bekannt, dass die vorgesehene Frauenquote nun erf\u00fcllt sei und Marie M\u00e5we, eine aus Lappland stammende BLS-Angestellte, die nach wie vor schwedische Staatsb\u00fcrgerin ist, f\u00fcr die Landtagswahlen kandidiert.<\/p>\n<p>\u00dcber die Hintergr\u00fcnde bzw. Hintergedanken von Seiten der SVP f\u00fcr diese auf den ersten Blick doch recht ungew\u00f6hnliche Kandidatur m\u00f6chte ich gar nicht spekulieren. Auch nicht dar\u00fcber, ob es geschickt ist, eine Kandidatin aufzustellen, die zum Zeitpunkt der Bekanntgabe noch nicht \u00fcber die n\u00f6tigen Voraussetzungen (italienische Staatsb\u00fcrgerschaft) f\u00fcr eine Kandidatur verf\u00fcgt. Wobei ich dazu sagen muss, dass ich auch im Sinne von <img class=\"bbdlogo\" src=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/wp-content\/uploads\/bbdsmileys\/bbde.png\"> diese Voraussetzungen \u2014 sprich die Koppelung des Wahlrechts an die Staatsb\u00fcrgerschaft \u2014 nicht f\u00fcr der Weisheit letzten Schluss halte, sondern dies f\u00fcr mich eine Praxis darstellt, die es in einem vereinten Europa unbedingt zu \u00fcberwinden gilt. Warum sollte jemand, der als Kind zweier S\u00fcdtiroler in Schweden geboren wurde, jedoch kein Wort Deutsch oder Italienisch spricht und noch nie einen Fu\u00df nach S\u00fcdtirol gesetzt hat, f\u00fcr den S\u00fcdtiroler Landtag wahlberechtigt sein und eine schwedische Staatsb\u00fcrgerin, die seit sieben Jahren in S\u00fcdtirol lebt und des Deutschen und Italienischen m\u00e4chtig ist, nicht? Ich selbst werde mit Ausnahme von Gemeinderatswahlen auch nie \u2014 weder aktiv noch passiv \u2014 in S\u00fcdtirol wahlberechtigt sein, solange ich als Nordtiroler nicht auf meine \u00f6sterreichische Staatsb\u00fcrgerschaft verzichte; selbst wenn ich mich entscheide, den Rest meines Lebens zusammen mit meiner Familie hier in S\u00fcdtirol zu verbringen.<\/p>\n<p>Zur\u00fcck zu Marie M\u00e5we. Ich kenne die Kandidatin nicht. Alles, was ich \u00fcber sie wei\u00df, habe ich aus den Medien erfahren. Sie scheint eine vielseitige Frau zu sein. Sie spricht neben ihrer Muttersprache flie\u00dfend Deutsch, Englisch und Italienisch und verf\u00fcgt \u00fcber gute Kenntnisse in Franz\u00f6sisch und Norwegisch. Laut Dolomiten hat sie in G\u00f6teborg Sprachen studiert und ihre Diplomarbeit zum S\u00fcdtiroler Dialekt verfasst. Zudem absolvierte sie einen Master-Lehrgang in Wirtschaft, Politik und EU-Recht an der Uni Trient. Au\u00dferdem sei sie sehr sportlich und S\u00e4ngerin in einer Band. Ich sehe also keinen Grund, der hinsichtlich der Eignung gegen eine Kandidatur sprechen w\u00fcrde. Ich wage sogar zu behaupten, dass bereits viel weniger kompetente Personen f\u00fcr den Landtag kandidiert und den Einzug auch geschafft haben. Dennoch wird M\u00e5we in vielen der Artikel und Kommentare zu ihrer Kandidatur auf eine ihrer Eigenschaften reduziert. Die Schwedin, die Lappl\u00e4nderin, die Exotin, das Playgirl, die Ausl\u00e4nderin, die Blondine.<\/p>\n<p>Elena Artioli, die in der Vergangenheit die SVP stets zu der nun an den Tag gelegten Offenheit gemahnte, ist eine der Kritikerinnen: \u00bbWarum sie und ich nicht?\u00ab, fragt sich die \u00bbGemischtsprachige\u00ab (Eigendefinition). Obwohl <a title=\"Kommentar: Prinzipientreue SVP.\" href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=11256#comment-106632\">prinzipientreue und Einhaltung des Grundsatzprogramms<\/a> f\u00fcr gew\u00f6hnlich nicht die St\u00e4rken der SVP sind, ist diese Frage relativ einfach zu beantworten. Artikel 1 Absatz 1 des Parteistatuts lautet: \u00bbDie S\u00fcdtiroler Volkspartei (SVP) ist die Sammelpartei der deutschen und ladinischen S\u00fcdtiroler\/innen aller sozialen Schichten.\u00ab Die einzige M\u00f6glichkeit festzustellen, wer \u00bbdeutscher\u00ab oder \u00bbladinischer\u00ab S\u00fcdtiroler ist, ist die Sprachgruppenzugeh\u00f6rigkeitserkl\u00e4rung. Wenn sich M\u00e5we deutsch erkl\u00e4rt hat und in K\u00fcrze wohl auch italienische Staatsb\u00fcrgerin sein wird, dann ist sie \u00bbdeutsche S\u00fcdtirolerin\u00ab. Wenn sich Artioli italienisch erkl\u00e4rt hat, ist sie das nicht. Das ist das Prinzip der S\u00fcdtiroler Volkspartei. Das mag man gut finden oder kritisieren. Einen Widerspruch wie ihn der Chefredakteur des <em>A. Adige<\/em>, Alberto Faustini, verortet (Italiener nicht, Schweden schon), orte ich hier nicht, da die SVP nicht die Herkunft sondern die Sprachgruppenzugeh\u00f6rigkeit als Kriterium anlegt.<br \/>\nInteressant ist auch, dass sie von einem kleinen Kreis recht oberfl\u00e4chlich nur deshalb als \u00bbgute Kandidatin\u00ab angesehen wird, weil sie Ausl\u00e4nderin ist und sie der ihrer Ansicht nach prinzipiell verschlossenen S\u00fcdtiroler Gesellschaft gut t\u00e4te, w\u00e4hrend die Mehrheit der Kommentatoren sie f\u00fcr genau diesen Umstand kritisiert. Der ausl\u00e4nderfeindliche Wind, der M\u00e5we entgegenbl\u00e4st, ist wahrlich befremdlich. Das hat mich einigerma\u00dfen verwundert, da man ihr ihr \u00bbAusl\u00e4ndersein\u00ab ja nicht ansieht und ich immer der Meinung war, dass derartige \u00bbAusl\u00e4nder\u00ab nicht als solche angesehen werden; vor allem nicht wenn sie aus dem Norden stammen \u2014 wenn sie sozusagen \u00bbGermanen\u00ab sind. (Wobei ich nicht wei\u00df, ob M\u00e5we nicht den S\u00e1mi, der indigenen finnougrischen Bev\u00f6lkerung Lapplands, zugeh\u00f6rig ist.) Angesichts von Kommentaren wie \u00bbIn Zukunft werden wir S\u00fcdtiroler \u2018Lappen\u2019 von schwedischen \u2018Lappen\u2019 regiert!\u00ab, \u00bbIch dachte der Begriff \u2018Inl\u00e4nder zuerst\u2019 w\u00e4re von den Politikern verstanden worden?\u00ab, \u00bbWieso soll eine \u2018Lappl\u00e4nderin\u2019 wissen was f\u00fcr S\u00fcdtirol gut ist?\u00ab, \u00bbLieber als ihre Macht zu verlieren setzen unsere Diktatoren zu ihrer Unterst\u00fctzung nun schon Ausl\u00e4nder ein.\u00ab oder \u00bbDie SVP muss von sich nicht mehr besonders \u00fcberzeugt sein, wenn sie \u2018Lappen\u2019 einb\u00fcrgern muss, um angeblich Wahlen gewinnen zu k\u00f6nnen!\u00ab scheint es die von mir wahrgenommene \u00bbZweiklassengesellschaft\u00ab unter den Zuwanderern gar nicht so ausgepr\u00e4gt zu geben. Oder w\u00e4ren die Kommentare bei einer Kandidatur eines S\u00fcdtirolers albanischer oder pakistanischer Herkunft noch heftiger ausgefallen? Womit ich nat\u00fcrlich keinesfalls andeuten m\u00f6chte, dass Xenophobie besser oder schlechter ist, wenn man dem \u00bbAusl\u00e4nder\u00ab sein \u00bbAusl\u00e4ndersein\u00ab nicht ansieht.<\/p>\n<p>Auff\u00e4llig ist jedenfalls die Reduzierung der Person M\u00e5we auf eine ihrer Eigenschaften bzw. das L\u00e4cherlichmachen und die Verballhornung ihrer Herkunft, die sich wie ein roter Faden durch die Berichterstattung und die Foren ziehen. Bewusst oder unbewusst bringt Markus Lobis diese Reduzierung auf den Punkt, wenn er schreibt: \u00bbDie SVP ist \u00e4u\u00dferst geschickt darin, die Kandidatenliste mit einigen \u2018ExotInnen\u2019 abzurunden, um im Grenzw\u00e4hlerbereich Stimmen zu holen, die sonst zur Opposition wandern k\u00f6nnten. Leute wie DIE SCHWEDIN, Magdalena Schwellensattl etc. haben wenig Chancen.\u00ab (Hervorhebung von mir.) Man h\u00e4tte genauso gut schreiben k\u00f6nnen \u00bbLeute wie die Blondine, Magdalena Schwellensattl etc.\u00ab Triebgesteuerte posten dann auch schon mal Geschmacklosigkeiten wie diese: \u00bbwieso holt diese sahneschnitte nicht ein paar schwedinnen und die BLS produziert einen Film?\u00ab, \u00bbWas hat diese SV-Partei in den letzten Jahrzehnten falsch gemacht, dass sie \u2018Playgirl\u2019 aus dem Ausland holen muss.\u00ab oder \u00bbBald wird der Slogan \u2018Bunga Bunga in BLS BLS\u2019 umgetauft!\u00ab.<\/p>\n<p>Generell ist wenig Sensibilit\u00e4t bez\u00fcglich M\u00e5wes Herkunft auszumachen. Sogar die Sonntagszeitung \u00bbZett\u00ab l\u00e4sst sich zu einem unterirdischen Witz hinrei\u00dfen und legt Andreas P\u00f6der in der Satire-Rubrik \u00bbUntergeschoben\u00ab folgenden Satz in den Mund: \u00bbDie SVP hot inseriert: suchen weiblichen Lopp f\u00fcr Kandidatur!\u00ab Auch f\u00fcr den Umstand, dass die Situation in Nordskandinavien \u00e4hnlich wie in S\u00fcdtirol vom Zusammenleben unterschiedlicher Sprach- und Volksgruppen gepr\u00e4gt ist, zeigt man wenig Verst\u00e4ndnis. Umgekehrt w\u00fcrde ein derartiger Mangel an Sensibilit\u00e4t wohl f\u00fcr Entr\u00fcstung sorgen. Vielleicht auch bei einer gewissen Juliane, die im Forum der Tageszeitung schreibt: \u00bbFrischer Wind aus Lappland? Sicher ist der Wind frisch. Aber so ein zugekn\u00f6pftes Volk als die \u2018Lappen\u2019 gibt es kaum eines auf der Welt [sic]. \u2018Lappen\u2019 und weltoffen passt wirklich nicht zusammen!!\u00ab Mir gehen hingegen bei so viel Weltoffenheit die Argumente aus. Alles Gute, Marie M\u00e5we!<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00bbEine l\u00e4ppische Blondine\u00ab, das ist so ziemlich die einzige Beleidigung, die ich im Zusammenhang mit der Landtagskandidatur von Marie M\u00e5we auf der Liste der SVP noch nicht gelesen habe. Dabei strotzen die Internetforen nur so vor rassistischen und autorassistischen, sexistischen und chauvinistischen sowie ausl\u00e4nderfeindlichen und antieurop\u00e4ischen Aussagen. Aber alles der Reihe nach. Am 2. 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