{"id":16606,"date":"2013-09-04T19:49:34","date_gmt":"2013-09-04T17:49:34","guid":{"rendered":"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=16606"},"modified":"2016-07-26T10:06:05","modified_gmt":"2016-07-26T08:06:05","slug":"rechtschreibung-ade","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=16606","title":{"rendered":"Rechtschreibung ade."},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright wp-image-16609\" src=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/spiegel_rechtschreibung.jpg\" alt=\"Der Spiegel: Rechtschreipkaterstrofe.\" width=\"210\" height=\"277\" srcset=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/spiegel_rechtschreibung.jpg 300w, https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/spiegel_rechtschreibung-113x150.jpg 113w, https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/spiegel_rechtschreibung-227x300.jpg 227w\" sizes=\"auto, (max-width: 210px) 100vw, 210px\" \/><em>Der Spiegel<\/em> widmete seine Titelgeschichte von Ausgabe 25\/13 der zunehmend schlechter werdenden Rechtschreibung der Sch\u00fcler. Ein Grund f\u00fcr diese Entwicklung sind laut <em>Spiegel<\/em> die Unterrichtsmethoden, welche nicht in der Lage sind, insbesondere schw\u00e4cheren Sch\u00fclern, eine korrekte Rechtschreibung zu vermitteln. Dahinter steckt viel Ideologie, ob den Kindern sozusagen die Rechtschreibung aufdoktriniert oder ob sie sich selbst die korrekte Schreibweise beibringen sollen, im Grunde ein altes 68er-Thema. Bei der Methode \u201cLesen durch Schreiben\u201d d\u00fcrfen die Kinder anfangs so schreiben, wie es ihrer Vorstellung nach richtig ist, im Laufe der Zeit sollte sich dann die Rechtschreibung von selbst ergeben. Dieser Wunsch geht allerdings nur bei besonders begabten Sch\u00fclern in Erf\u00fcllung. F\u00fcr alle anderen Sch\u00fcler mit durchschnittlicher Begabung und bei solchen mit einer Rechtschreibschw\u00e4che ist die Methodik geradezu katastrophal:<\/p>\n<blockquote><p>\u201cDeutschlands Sch\u00fcler werden so zun\u00e4chst systematisch zu Rechtschreibanarchisten erzogen \u2013 um sie dann m\u00fchsam wieder aus der fremd verschuldeten Unf\u00e4higkeit zu befreien. [\u2026] Lange haben Eltern das hingenommen. Doch allm\u00e4hlich w\u00e4chst der Widerstand, Kritiker finden sich zusammen. Alarmiert von Studien, die einen erschreckenden Verfall der Orthografie bei deutschen Sch\u00fclern offenbaren, warnen Linguisten und Didaktiker, P\u00e4dagogen und Hirnforscher: Vor allem Risikokinder, die in einer spracharmen Umgebung oder mit Deutsch als zweiter Sprache aufwachsen, lernen so m\u00f6glicherweise nie richtig schreiben. Gleiches gilt f\u00fcr M\u00e4dchen und Jungs, die zu einer Legasthenie neigen.\u201d<\/p><\/blockquote>\n<p>Der Artikel spricht mir aus der Seele, seit Jahren beobachten meine Frau und ich schlechte Rechtschreibleistungen bei unseren Kindern. Zur Zeit habe ich drei schulpflichtige Kinder, jeweils in einer S\u00fcdtiroler Volks-, Mittel- und Oberschule. Alles begann mit der Einschulung unseres \u00e4ltesten Sohnes vor elf Jahren. Erstmalig wurde an unserer Schule \u201cLesen durch Schreiben\u201d erprobt. Anfangs waren wir recht begeistert, unser Sohn schien schnell schreiben zu lernen, die offensichtlichen Fehler sollten wir aber nicht ausbessern, denn die Sch\u00fcler sollten sich ihre Rechtschreibkompetenz selbst erarbeiten. Skeptisch wurden wir in den darauffolgenden Jahren, als sich das schriftliche Deutsch unseres Sohnes angesichts der Schulstufe einfach nicht bessern wollte. In Gespr\u00e4chen mit den Lehrern wurde dies als nicht weiter bedenklich eingestuft, auch wenn wir zunehmend Zweifel bekamen, ob diese Methode wirklich die gew\u00fcnschten Ergebnisse bringen w\u00fcrde. Schlussendlich wurde unser Sohn getestet, es wurde eine durchschnittliche Rechtschreibleistung festgestellt. Er besucht nun die vierte Oberschule und leider ist das Niveau der Rechtschreibung nicht tolerierbar. Auch bei meinen anderen zwei schulpflichtigen Kindern sind die Rechtschreibleistungen im Vergleich zu unserer Generation deutlich schlechter. Seit Jahren machen meine Frau und ich auf diesen Missstand aufmerksam, ohne allerdings Geh\u00f6r zu finden. Die Lehrer der Oberschule bem\u00e4ngeln das Niveau der Sch\u00fcler, welche aus der Mittelschule kommen, die Lehrer der Mittelschule wiederum das Niveau der Sch\u00fcler beim \u00dcbertritt von der Volks- zur Mittelschule.<\/p>\n<p>Wir hatten und haben das Gef\u00fchl, dass die Schule auf diesem Gebiet nicht ihrem gesellschaftlichen Auftrag nachkommt. Da wir aber beide keine P\u00e4dagogen sind, konnten wir nur an die Lehrer appellieren, doch wieder mehr Wert auf die Rechtschreibung zu legen \u2014 bisher allerdings erfolglos. Das Fass zum \u00dcberlaufen brachte dieses Jahr eine Volksschullehrerin, die auf die Bitte meiner Frau nach besserer Rechtschreibkontrolle uns damit vertr\u00f6sten wollte, dass sie sagte, in Zukunft sei das nicht mehr so wichtig, da bald die Computer alle Rechtschreibfehler korrigieren werden! Das war f\u00fcr uns der absolute Tiefpunkt, wir fragen uns, was bei diesem Berufsstand an Selbstreflexion und Berufsstolz \u00fcbriggeblieben ist. Schleierhaft ist f\u00fcr uns auch die Rolle des P\u00e4dagogischen Institutes, welches zwar bestens besetzt ist, aber anscheinend von den M\u00e4ngeln in der Schule nichts mitbekommt. Stattdessen werden an den Schulen munter weiter zahlreiche Projekte betrieben, vor lauter Kartoffelwochen, Bananenkoffer, Theater und Musicals bleibt den Sch\u00fclern kaum Zeit, die Grundlagen von Lesen, Schreiben und Rechnen zu erlernen. Im \u00dcbrigen wird kaum Knabenspezifisches gemacht, unsere S\u00f6hne haben die Volksschule mit all dem Gesang und \u201ckindischen\u201d Basteleien in schlechtester Erinnerung.<\/p>\n<p>Ein weiterer Problemfall ist der Italienischunterricht, auch hier ist ein Fehler im System zu attestieren, allein des Durchbl\u00e4ttern der Lehrhefte zeigt, dass diese den Vergleich mit den englischen Lehrb\u00fcchern nicht standhalten, nach mehr als 10 Jahren Italienischunterricht ist unser Sohn kaum imstande ein paar S\u00e4tze auf Italienisch zu sprechen, wohingegen Englisch, obwohl erst seit der 4. Volksschule Unterrichtsfach, deutlich besser gelingt. Unserer Meinung nach gibt es hier ein didaktisches Problem, das aus politischen Gr\u00fcnden nicht thematisiert wird. Viele aktive Lehrer haben unseren Eindruck best\u00e4tigt.<\/p>\n<p>Was tun? Es gen\u00fcgt nicht mehr, diese Defizite in Expertenkreisen zu diskutieren, hier braucht es eine gesamtgesellschaftliche Diskussion, wohin die Schule steuern soll. Nicht die elende Diskussion \u00fcber die F\u00fcnf- oder Sechstagewoche sondern die schonungslose Offenlegung der Unterrichtsdefizite sollte im Mittelpunkt stehen. Nachdem meine Generation der Vierzigj\u00e4hrigen in der Schulzeit sicherlich zu wenige Schulprojekte erlebt hat, muss angesichts dieser Ausw\u00fcchse und Negativleistungen eine Gegenreaktion erfolgen, eine Besinnung auf traditionelle Kompetenzen, allen voran Lesen, Schreiben, Rechnen. Ansonsten droht uns, wie mir bereits mehrfach Arbeitgeber berichteten, eine wahre Flut von kaum vermittelbaren Schulabsolventen.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Spiegel widmete seine Titelgeschichte von Ausgabe 25\/13 der zunehmend schlechter werdenden Rechtschreibung der Sch\u00fcler. 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