{"id":16649,"date":"2013-09-08T02:50:46","date_gmt":"2013-09-08T00:50:46","guid":{"rendered":"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=16649"},"modified":"2020-07-09T17:30:04","modified_gmt":"2020-07-09T15:30:04","slug":"bahn-subventionen-fuers-trentino","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=16649","title":{"rendered":"Bahn: Subventionen f\u00fcrs Trentino."},"content":{"rendered":"<p>Man stelle sich vor, um mit der Bahn von Bozen nach Trient zu gelangen g\u00e4be es, abgesehen von einigen wenigen Z\u00fcgen des Fernverkehrs, lediglich eine st\u00fcndliche Umsteigeverbindung mit Umstieg in Salurn oder Mezzocorona. Weiters nehmen wir hypothetisch an, dass eine Verdichtung zum Halbstundentakt daran scheitern w\u00fcrde, dass der S\u00fcdtiroler Zug in Salurn und der Trentiner Zug in Mezzocorona endet. Nicht gerade attraktive Bedingungen, um per Bahn die Nachbarregion zu erreichen. Wir nehmen weiters fiktiv an, dass auf Druck der Bev\u00f6lkerung zwischen dem Land S\u00fcdtirol und der Region Trentino als Anfang zwei Direktverbindungen vereinbart w\u00fcrden. Ein direktes Zugpaar morgens und eines abends. Aufgrund mangelnden Interesses vonseiten des Trentino sollte dann aber zum Fahrplanwechsel lediglich ein direktes Zugpaar angeboten werden.<br \/>\nEin etwas sonderbares Szenarium. Wir w\u00fcrden uns zu Recht wundern, warum nicht alle Z\u00fcge \u00fcber die Landesgrenzen hinweg durchgebunden werden und der Zug zur halben Stunde um die wenigen fehlenden km verl\u00e4ngert und ebenfalls durchgebunden w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Das oben geschilderte Szenarium ist real, betrifft allerdings nicht das Trentino, sondern die Bahnverbindungen \u00fcber den Brenner nach Innsbruck. Tats\u00e4chlich gibt es zwischen Bozen und dem Trentino werktags halbst\u00fcndlich direkte Bahnverbindungen.<br \/>\nUm nach Innsbruck zu gelangen, gibt es, abgesehen von den 5 EC-Z\u00fcgen des Fernverkehrs und den noch bis zum Fahrplanwechsel verkehrenden Korridorz\u00fcgen, lediglich einmal st\u00fcndlich eine Umsteigeverbindung am Brenner. Halbstundentakt gibt es keinen, da die Z\u00fcge von Innsbruck lediglich bis nach Steinach verkehren.<br \/>\nIm Fr\u00fchjahr wurden vom Verkehrsressort des Landes S\u00fcdtirol zwei direkte Zugpaare von Bozen nach Innsbruck angek\u00fcndigt. Im Dezember soll nun aber lediglich eine Direktverbindung Bozen-Innsbruck umgesetzt werden. Anscheinend aufgrund mangelnder Bereitschaft vonseiten des Landes Tirol, dieses Zugpaar zu finanzieren. Die Priorit\u00e4ten des Landes Tirol liegen auf der Inntaltrasse, wo ein reduziertes Fernverkehrsangebot durch Regionalzug-Bestellungen ausgeglichen werden muss.<\/p>\n<p>H\u00f6chst interessant und brisant d\u00fcrfte in diesem Zusammenhang die Tatsache sein, dass s\u00e4mtliche Regionalz\u00fcge (ausgenommen davon sind die wenigen Regionalexpressz\u00fcge, die der Staat zahlt) die von Bozen nach Trient, Ala oder Verona verkehren, von der Landesgrenze bei Salurn bis nach Trient vom Land S\u00fcdtirol finanziert werden. Laut einem Schreiben der Trentiner Landesverwaltung, das <img class=\"bbdlogo\" src=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/wp-content\/uploads\/bbdsmileys\/bbde.png\"> vorliegt, werden in Italien die Km-Kosten nach Knoten abgerechnet. S\u00fcdtirol bezahlt bis zum Knoten Trient und das Trentino bezahlt Km-Kosten f\u00fcr die Region Venetien. Was f\u00fcr das Trentino noch ein Nullsummenspiel sein mag, f\u00fcr Venetien einen Gewinn darstellt, ist f\u00fcr S\u00fcdtirol ein satter Kostenpunkt. De facto bezahlen S\u00fcdtirols SteuerzahlerInnen j\u00e4hrlich ca. 5 Millionen Euro f\u00fcr Z\u00fcge, die auf Trentiner Gebiet verkehren.<\/p>\n<p>Man k\u00f6nnte nun damit argumentieren, dass wir uns die Anbindung an unsere Nachbarregionen etwas kosten lassen. Dies auch deshalb, da es in Europa langsam Usus wird, dass die ehemaligen Staatsbahnen immer mehr Fernverkehrs-Leistungen auf nicht lukrativen Strecken streichen, die dann von den Regionen und L\u00e4ndern in Form von Regionalzug- oder Regionalexpresszug-Bestellungen ausgeglichen werden m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Es erstaunt aber die Tatsache, dass auf der einen Seite der Bahnverkehr im Trentino von S\u00fcdtirol mit j\u00e4hrlich 5 Millionen Euro subventioniert wird, w\u00e4hrend direkte Regionalzugverbindungen \u00fcber den Brenner, au\u00dfer den Korridorz\u00fcgen, derzeit nicht existieren. Bei einem \u00e4hnlich hohen Engagement des Landes S\u00fcdtirol im Nordtiroler Bahnverkehr, g\u00e4be es reichlich direkte Bahnverbindungen von S\u00fcdtirol nach Innsbruck und teils sogar nach Kufstein oder gar Rosenheim. Aber dies stellt anscheinend keine politische Priorit\u00e4t dar. Lediglich bei Sonntagsreden erlebt die Zusammenarbeit zwischen Bozen und Innsbruck eine Renaissance.<br \/>\nGanz am Rande soll hier noch erw\u00e4hnt werden, dass ab Dezember 2013 der Morgenzug ab Bozen um 5.30 Uhr nicht mehr bis zum Brenner verkehrt. Das eh schon miserable Bahnangebot \u00fcber den Brenner am wichtigen Tagesrand wird damit noch schlechter. So erreicht man ab Fahrplanwechsel nicht mehr den wichtigen 8.09-Uhr-Railjet von Innsbruck nach Wien.<br \/>\nM\u00fcnchen erreicht man morgens ab Bozen, bei zweimaligem Umsteigen, in halbwegs akzeptabler Art und Weise, fr\u00fchestens um 12.25 Uhr. F\u00fcr den Wirtschaftsstandort S\u00fcdtirol v\u00f6llig unzureichend.<\/p>\n<p>Doch damit nicht genug. In Zukunft soll der Bahnverkehr im Trentino noch zus\u00e4tzlich von S\u00fcdtirol finanziell profitieren. Von den neuen Flirtz\u00fcgen, die vom Land S\u00fcdtirol bestellt wurden, sollen ab Fahrplanwechsel im Dezember 2013 zwei f\u00fcr die Verbindung Bozen-Ala eingesetzt werden. Dies bringt f\u00fcr das Unterland den Vorteil, dass diese Z\u00fcge aufgrund des besseren Beschleunigungsverhaltens auch Margreid und Salurn regelm\u00e4\u00dfig bedienen k\u00f6nnen. Zwei Drittel der Km-Leistung erbringen diese Z\u00fcge aber im Trentino, und die Amortisierung des Rollmaterials ist ein signifikanter Kostenfaktor. Dies wird auch dann nicht ausgeglichen, wenn das Trentino, so wie es vage vereinbart wurde, ab Juni 2014 zwei Flirtz\u00fcge bis nach Bozen schickt. Das Km-Verh\u00e4ltnis auf der Strecke Bozen-Ala betr\u00e4gt nun mal 1\/3 in S\u00fcdtirol zu 2\/3 im Trentino.<\/p>\n<p>S\u00fcdtirols Landesverwaltung muss sich der unangenehmen Frage stellen, warum der Bahnverkehr im Trentino so gro\u00dfz\u00fcgig subventioniert wird, w\u00e4hrend sich auf der Strecke Bozen-Innsbruck in Zukunft in Form von Direktverbindungen nur sehr wenig entwickeln wird. Dies unabh\u00e4ngig davon, ob S\u00fcdtirol \u00fcberhaupt daf\u00fcr zust\u00e4ndig ist, Bahnleistungen f\u00fcr seine Nachbarregionen zu finanzieren.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Man stelle sich vor, um mit der Bahn von Bozen nach Trient zu gelangen g\u00e4be es, abgesehen von einigen wenigen Z\u00fcgen des Fernverkehrs, lediglich eine st\u00fcndliche Umsteigeverbindung mit Umstieg in Salurn oder Mezzocorona. 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