{"id":16864,"date":"2013-10-09T17:48:33","date_gmt":"2013-10-09T15:48:33","guid":{"rendered":"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=16864"},"modified":"2025-10-22T11:06:06","modified_gmt":"2025-10-22T09:06:06","slug":"stiefkind-korridorzug","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=16864","title":{"rendered":"Stiefkind Korridorzug."},"content":{"rendered":"<p>Die Zeiten als die Korridorz\u00fcge, die Lienz mit Innsbruck verbinden, noch ohne Halt durch den S\u00fcdtiroler Teil des Pustertales brausten, sind noch in lebhafter Erinnerung. Anfang der 90er Jahre intensivierten sich die Forderungen, diese Z\u00fcge auch S\u00fcdtiroler Fahrg\u00e4sten zug\u00e4nglich zu machen. Dies gelang Ende der 90er Jahre. Anfangs gab es noch vier direkte Zugpaare zwischen Lienz und Innsbruck, derzeit noch deren zwei.<br \/>\nF\u00fcr den Fahrplanwechsel im Dezember 2013 werden auch diese abbestellt. Die Pustetalbahn verliert somit ihren letzten \u00fcberregionalen Zug. Der legend\u00e4re Pustertal-Express, der Innsbruck \u00fcber die S\u00fcdbahn mit Wien verband, wurde schon im Mai 1996 eingestellt und f\u00fcr touristische Sonderz\u00fcge, wie etwa den Skiexpress Br\u00fcssel-Innichen oder den Nachtzug Rom-Innichen gibt es l\u00e4ngst keine Trassen mehr im Pustertal.<\/p>\n<p>Beim S\u00fcdtiroler Mobilit\u00e4tsressort waren die Korridorz\u00fcge aus logistischen Gr\u00fcnden schon l\u00e4nger unbeliebt, da sie in das einfach zu handhabende Umlaufschema Unruhe brachten. Logistisch ist es nat\u00fcrlich einfacher und auch \u00f6konomischer, den gesamten Tag Z\u00fcge zwischen Franzensfeste und Innichen hin und her zu schicken. Ob dies auch allen Bed\u00fcrfnissen der Bev\u00f6lkerung entspricht ist eine andere Frage.<\/p>\n<p>Das Land Tirol und die <abbr title=\"\u00d6sterreichische Bundesbahnen\">\u00d6BB<\/abbr> d\u00fcrften den Korridorz\u00fcgen kostenm\u00e4\u00dfig auch nicht nachtrauern. Aufgrund des Pariser Vertrags hatte \u00d6sterreich das Recht, zwischen Lienz und Innsbruck auf eigene Kosten Z\u00fcge verkehren zu lassen. Die Kostenstruktur der Korridorz\u00fcge ist eine etwas undurchsichtige Materie. Selbst nach der \u00d6ffnung f\u00fcr S\u00fcdtiroler Fahrg\u00e4ste hat sich das Land S\u00fcdtirol nur sehr unterproportional an den Kosten beteiligt. Einer Landtagsanfrage sind folgende Zahlen zu entnehmen: Das Land S\u00fcdtirol bezahlt f\u00fcr diese Z\u00fcge an Trenitalia 168.000 Euro, zus\u00e4tzlich kann Trenitalia laut Aussagen von Landesrat Widmann j\u00e4hrlich Fahrscheinerl\u00f6se in H\u00f6he von 200.000 Euro einstreichen. Dies d\u00fcrfte allerdings nur ein geringer Teil der Gesamtkosten sein. Nordtirol d\u00fcrfte auch nach der \u00d6ffnung der Korridorz\u00fcge einen Gro\u00dfteil der Kosten gestemmt haben. Genaue Zahlen sind gar nicht so leicht zu recherchieren, da sich die f\u00fcr die Zugbestellung verantwortliche VTG nicht in die Karten schauen l\u00e4sst.<br \/>\nF\u00fcr den S\u00fcdtiroler Anteil d\u00fcrften Kosten von mindestens 2 Millionen Euro anfallen, was bedeutet, dass Nordtirol f\u00fcr Z\u00fcge, die auf S\u00fcdtiroler Territorium verkehren, gute 1,5 Millionen Euro bezahlt. Dies ist auch deshalb von Interesse, da auf der anderen Seite S\u00fcdtirol <a title=\"Bahn: Subventionen f\u00fcr\u2019s Trentino.\" href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=16649\">den Bahnverkehr im Trentino j\u00e4hrlich gro\u00dfz\u00fcgig mit 5 Millionen Euro subventioniert.<\/a><\/p>\n<p>Es gibt verschiedene Gr\u00fcnde warum die Einstellung der Korridorz\u00fcge nicht akzeptabel ist:<\/p>\n<ol>\n<li>Die beiden Korridorz\u00fcge sind nicht nur f\u00fcr das Osttiroler und S\u00fcdtiroler Pustertal attraktive Direktverbindungen nach Innsbruck. Auch f\u00fcr die restliche S\u00fcdtiroler Bev\u00f6lkerung stellen sie bei einmaligem Umstieg in Franzensfeste eine attraktive Verbindung nach Innsbruck her. Dies gilt umsomehr, da ab Dezember 2013 lediglich ein direktes Zugpaar zwischen Bozen und Innsbruck in Aussicht gestellt wird.<br \/>\nIch kann nicht etwas Bestehendes streichen, ohne eine wirksame Alternative in Form von \u2014 beispielsweise \u2014 st\u00fcndlichen Direktverbindungen auf der Brennerstrecke zwischen Bozen und Innsbruck anzubieten.<\/li>\n<li>Die Regionalz\u00fcge der Pustertaler Linie sollen erst ab 2015 nach Lienz durchgebunden werden. Auch hier gilt das Argument von Punkt 1. Ich kann nicht etwas Bestehendes streichen, wenn die (Teil-)Alternative erst in ein oder zwei Jahren angeboten wird. Warum Teilalternative? Auch mit Direktz\u00fcgen von Lienz nach Franzensfeste m\u00fcssen Fahrg\u00e4ste aus dem Pustertal zweimal (in Franzensfeste und am Brenner) umsteigen, um nach Innsbruck zu gelangen, au\u00dfer man nimmt ab Franzensfeste den teureren Eurocity.<\/li>\n<li>Die Pustertaler Bahnlinie wird mit dieser kurzsichtigen Entscheidung ihres \u00fcberregionalen Charakters beraubt. Fast schon eine Ironie der Geschichte, dass die Pustertalbahn im Jahre 1871 die erste direkte Bahnverbindung zwischen Wien und Innsbruck herstellte, die vollst\u00e4ndig auf dem Territorium der k. u. k. Monarchie verlief.<br \/>\nAbgesehen von diesem geschichtlichen Aspekt gibt es im Pustertal Nachfrage nach direkten Verbindungen \u00fcber den Brenner nach Innsbruck. Zudem gibt es Potential f\u00fcr touristische Spezialverkehre, die durch die heutige Trassenpolitik verunm\u00f6glicht werden. Dazu noch mehr.<\/li>\n<li>Die Streichung der Korridorz\u00fcge k\u00f6nnte kurzfristig f\u00fcr die Pusterer noch zu weiteren b\u00f6sen \u00dcberraschungen f\u00fchren. Unter Umst\u00e4nden k\u00f6nnte das Pustertal die wenigen direkten Verbindungen nach Bozen und Meran verlieren. Die heute angebotenen Direktverbindungen verzahnen sich umlauftechnisch mit den Korridorz\u00fcgen in Franzensfeste. Ohne Korridorz\u00fcge k\u00f6nnten die heutigen Direktz\u00fcge nach Bozen m\u00f6glicherweise nur mehr bis Franzensfeste verkehren.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Perspektiven und Forderungen:<\/p>\n<ol>\n<li>Kurzfristige Beibehaltung der Korridorz\u00fcge, bis nicht ein Gesamtkonzept f\u00fcr ein Angebot Lienz\u2013Innsbruck steht oder eine anderwertige Alternative f\u00fcr den Direktverkehr \u00fcber den Brenner umgesetzt wird.<\/li>\n<li>Das Landes-Mobilit\u00e4tsressort hat in der Vergangenheit sehr wenig Sensibilit\u00e4t f\u00fcr die Verbesserung der Verbindungen \u00fcber den Brenner nach Innsbruck gezeigt. Der Fernverkehr, der nach dem Ausstieg von Trenitalia gl\u00fccklicherweise von DB und \u00d6BB angeboten wird, kann die L\u00fccke, mit lediglich 5 Zugpaaren t\u00e4glich, nicht schlie\u00dfen. Besonders am wichtigen Tagesrand fehlt es an Verbindungen. Die Korridorz\u00fcge haben hier teilweise L\u00fccken geschlossen. Es ist unakzeptabel, die Korridorz\u00fcge zu streichen, ohne auf der Brennerstrecke das Angebot an Direktz\u00fcgen nach Innsbruck signifikant zu steigern.<br \/>\nMittelfristig m\u00fcssen da von 5.00 bis 22.00 Uhr direkte Regionalzugverbindungen von Bozen nach Innsbruck angeboten werden.<br \/>\nAnscheinend soll sich in dieser Angelegenheit auch die Nordtiroler VTG wenig kooperativ zeigen. In diesem Falle muss die Angelegenheit auf politischer Ebene geregelt werden. Die Europaregion der Sonntagsreden wartet schon seit Jahren auf eine inhaltliche Perspektive. Im \u00dcbrigen ist es etwas befremdend, dass S\u00fcdtirol Regionalz\u00fcge, die zwischen Salurn und Trient verkehren, j\u00e4hrlich mit 5 Millionen Euro subventioniert, w\u00e4hrend es f\u00fcr Direktz\u00fcge nach Innsbruck anscheinend an entsprechenden Vereinbarungen und an finanziellen Mitteln mangelt.<\/li>\n<li>Auf der Pustertalbahn muss im Zuge des Baus der Riggertalschleife ein neues Trassenkonzept \u00fcberlegt werden. Durchaus interessant ist ein Mischkonzept zwischen Regional- und Regionalexpress-Z\u00fcgen. Dies verlangt aber zus\u00e4tzliche Kreuzungsm\u00f6glichkeiten und evtl. punktuelle zweigleisige Kreuzungsabschnitte. Im Rahmen eines solchen Konzeptes m\u00fcssen auch entsprechende Kapazit\u00e4ten f\u00fcr direkte Z\u00fcge zwischen Lienz und Innsbruck eingeplant werden. Vielen Planern ist nicht bewusst, dass der Bau der Riggertalschleife nicht den Abbau der Bahnstrecke \u00fcber Aicha bedeuten darf. Dieses Teilst\u00fcck k\u00f6nnte in ferner Zukunft, sollte der Brennerbasistunnel tats\u00e4chlich er\u00f6ffnet werden, noch an Bedeutung gewinnen.<\/li>\n<li>Den Ma\u00dfnahmen unter Punkt 2 sollte die materielle \u00dcbernahme der Pustertalbahn vom Land vorausgehen. Mit RFI als Verhandlungspartner ist es schwierig hier zukunftsweisende L\u00f6sungen umzusetzen. Zahlen muss sowieso S\u00fcdtirols Steuerzahler.<\/li>\n<\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Zeiten als die Korridorz\u00fcge, die Lienz mit Innsbruck verbinden, noch ohne Halt durch den S\u00fcdtiroler Teil des Pustertales brausten, sind noch in lebhafter Erinnerung. Anfang der 90er Jahre intensivierten sich die Forderungen, diese Z\u00fcge auch S\u00fcdtiroler Fahrg\u00e4sten zug\u00e4nglich zu machen. Dies gelang Ende der 90er Jahre. 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