{"id":1690,"date":"2009-03-19T08:05:20","date_gmt":"2009-03-19T07:05:20","guid":{"rendered":"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=1690"},"modified":"2020-08-31T11:06:45","modified_gmt":"2020-08-31T09:06:45","slug":"eine-rochade-ff-uber-bbd","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=1690","title":{"rendered":"Wichtiger Schachzug f\u00fcr die Causa."},"content":{"rendered":"<!-- Snippets by WebberZone Snippetz --><div class=\"ata_snippets\"><hr style=\"height: 20px; border: none; margin-top: 0em; background-color: darkred;\"\/><\/div><p>In der heutigen Ausgabe des Wochenmagazins <em>ff<\/em>, die erfreulicherweise ganz dem Thema Eigenstaatlichkeit gewidmet ist, h\u00e4tte ein Artikel von Gabriele Di Luca erscheinen sollen, mit dem er \u2014 ausgehend vom <img class=\"bbdlogo\" src=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/wp-content\/uploads\/bbdsmileys\/bbde.png\">-Projekt \u2014 Perspektiven f\u00fcr ein postethnisches S\u00fcdtirol aufzeigt.<\/p>\n<p>Unangek\u00fcndigt hat die Redaktion jedoch darauf verzichtet und stattdessen einen (leider mittelm\u00e4\u00dfig recherchierten) \u00bbKasten\u00ab \u00fcber die Brennerbasisdemokratie ver\u00f6ffentlicht. Darin werden auch einige Punkte des <a title=\"Manifest.\" href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?page_id=183\" target=\"_self\" rel=\"noopener noreferrer\">Manifests<\/a> zitiert.<\/p>\n<p>Den urspr\u00fcnglich geplanten Artikel von Gabriele Di Luca ver\u00f6ffentliche ich hier mit freundlicher Genehmigung des Autors in vollem Umfang:<\/p>\n<blockquote><p><span style=\"font-size: medium;\">Eine Rochade: Die Italiener und die Selbstbestimmung.<\/span><\/p>\n<p><strong>Die \u00dcberwindung eines starren Modells.<\/strong> Bis vor wenigen Jahren w\u00e4re die Verbindung dieser zwei Begriffe \u2014 Italiener und Selbstbestimmung \u2014 schlicht undenkbar gewesen. Die Italiener h\u00e4tten den Kopf gesch\u00fcttelt, weil sie jeglichen Gedanken daran als unangebracht, st\u00f6rend, gef\u00e4hrlich, kurzum verschwendet empfunden h\u00e4tten. Gleichzeitig h\u00e4tten ihre deutschen Mitb\u00fcrger gebetsm\u00fchlenartig wiederholt, die Aufrechterhaltung der Selbstbestimmung als ultima ratio sei doch gerade ein Mittel, den Einfluss der Italiener auf die \u2014 als eine Zwischenl\u00f6sung verstandene \u2014 Autonomie zu verhindern oder zumindest zu begrenzen. Diese tiefe Skepsis weist unmittelbar auf die Wurzel des Sprachgruppenkonflikts hin, der durch den institutionellen Rahmen lediglich im Zaum gehalten wird. Um es formelhaft zu beschreiben: In S\u00fcdtirol ist es gelungen, ein Modell des Zusammenlebens zu etablieren und zu perfektionieren, in dem der jeweils \u00bbAndere\u00ab notwendig ist; als &#8220;notwendiges \u00dcbel&#8221; jedoch, und nicht als &#8220;notwendige Bereicherung&#8221;.<\/p>\n<p><strong>Brennerbasisdemokratie.<\/strong> Wollte man im Rahmen der \u00f6ffentlichen Debatte einen Ort ausfindig machen, wo dieses Paradigma eine radikale Verschiebung erfahren hat, wo S\u00fcdtiroler aller Sprachgruppen gemeinsam \u00fcber das Zusammenleben diskutieren, m\u00fcsste man ein Blog aufsuchen, eine kleine Online-Plattform, die unter www.brennerbasisdemokratie.eu Pionierarbeit leistet. Dort hat eine Personengruppe mit dem gemeinsamen Interesse, neue Formen des Dialogs zu suchen, eine offene Diskussionsgemeinschaft gegr\u00fcndet. Die jeweiligen Nationalismen wurden beiseite geschoben, und stattdessen die Entstehung einer ungeteilten Identit\u00e4t erwogen f\u00fcr deren Bestand der Beitrag s\u00e4mtlicher Sprachgruppen unentbehrlich ist. Das Projekt der Plattform kreist ausdr\u00fccklich um die Schaffung eines unabh\u00e4ngigen und &#8220;post-ethnischen&#8221; Landes zur \u00dcberwindung eines doppelten Engpasses. In der Schachsprache spricht man auch von einer Rochade: Mit einem Spielzug k\u00f6nnte es m\u00f6glich sein, die heutige Marginalisierung der Italiener zu beenden und die Haltung der Deutschen auszuschalten, S\u00fcdtirol aus Gr\u00fcnden des Minderheitenschutzes als ihre eigene Angelegenheit zu verstehen.<\/p>\n<p><strong>Gegen die Selbstbestimmung von rechts.<\/strong> Der erfrischende Blickwinkel dieser Plattform wird besonders dann klar, wenn man betrachtet, wie und warum deren Vertreter ihr Projekt von jenem der klassischen Selbstbestimmungsbef\u00fcrworter abgrenzen, deren Ziel die Losl\u00f6sung von Italien als Selbstzweck zu sein scheint, ohne einen Gedanken an die kulturellen und sozialen Auswirkungen zu verschwenden. In einem Beitrag mit dem Titel <a title=\"Dreh- und Angelpunkt.\" href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=1058\" target=\"_self\" rel=\"noopener noreferrer\">Dreh- und Angelpunkt<\/a> ist etwa zu lesen: \u00bbDie Rechtsparteien, die sich f\u00fcr die Unabh\u00e4ngigkeit dieses Landes stark machen, scheinen nicht verstanden zu haben, dass die Forderung nach Unabh\u00e4ngigkeit nicht ein politisches Thema per se sein kann, sondern nach einem gesamtgesellschaftlichen Projekt verlangt. Nicht nur, dass es sich nicht gegen einen Teil der hier ans\u00e4ssigen Bev\u00f6lkerung richten kann, es darf auch niemanden ausgrenzen. Gerade die Italiener hier im Lande, bzw. die Gesamtgesellschaft, m\u00fcssen im Mittelpunkt dieser Entwicklung stehen. Das ist der Dreh- und Angelpunkt der Angelegenheit, kein Detail, das man beil\u00e4ufig l\u00f6sen kann. Die Abspaltung vom Nationalstaat Italien kann nur dann gl\u00fccken, wenn wir dadurch die innere Befriedung erreichen k\u00f6nnen. Aus diesem Grund ist das Engagement der Rechten f\u00fcr dieses Ziel (so wie sie agieren) nicht nur aussichtslos, sondern auch noch kontraproduktiv. Jeder Ansatz, der ohne die Einbindung eines gesamtgesellschaftlichen Konzeptes auszukommen glaubt, jedes Projekt, das nicht zuallererst auf die Korrektur der bestehenden Schieflage (ein gro\u00dfer Teil der Gesellschaft f\u00fchlt sich ausgeschlossen, ja sogar angegriffen) setzt, entfernt uns weiter von dem Ziel, einst in einem befriedeten Land gemeinsam frei \u00fcber unsere Zukunft befinden zu d\u00fcrfen. Nicht die Ausl\u00f6schung eines Unrechts kann man durch die Unabh\u00e4ngigkeit erreichen, sondern etwas v\u00f6llig Neues \u2026\u00ab<\/p>\n<p><strong>Innere und \u00e4u\u00dfere Grenzen.<\/strong> Selbst dann, wenn er auf diese unkonventionelle Art vonstatten geht, erfordert der Umgang mit der Selbstbestimmung eine tiefgreifende Auseinandersetzung mit dem Thema &#8220;Grenze&#8221;. Gerade \u00dcberlegungen zu diesem Thema haben sich die Italiener verst\u00e4ndlicherweise stets verschlossen. Doch die Idee, die der Brennerbasisdemokratie zugrundeliegt, bietet auch in dieser Hinsicht einen innovativen Denkansatz: Die Beibehaltung der \u00e4u\u00dferen, national definierten Grenzen hat in unserem Land zu einer Erstarkung der inneren Grenzen \u2014 zwischen den Sprachgruppen \u2014 gef\u00fchrt. Um letztere zu \u00fcberwinden, scheint es von Nutzen zu sein, erstere durchl\u00e4ssiger zu gestalten und neu zu definieren. In einem <a title=\"Confine: assente o sfocato?\" href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=1317\" target=\"_self\" rel=\"noopener noreferrer\">weiteren Beitrag<\/a> der Plattform hei\u00dft es diesbez\u00fcglich: \u00bbEin von den Nationalstaaten unabh\u00e4ngiges S\u00fcdtirol (&#8230;) mit neuen Verwaltungsgrenzen, die sich nicht nach ethnischen und nationalen Grunds\u00e4tzen richten, w\u00fcrde uns die gemeinsame Suche neuer L\u00f6sungen f\u00fcr jene Probleme erm\u00f6glichen, die wir nur hier, in einem mehrsprachigen Land, kennen und die weder in Rom noch in Wien verstanden, geschweige denn gel\u00f6st werden k\u00f6nnen. Wir brauchen eine schwache Grenze, durchl\u00e4ssig f\u00fcr den Personen- und Ideenfluss. Gleichzeitig brauchen wir eine EU-Au\u00dfengrenze, die Schutzsuchenden Sicherheit bietet und jene einl\u00e4sst, die sich in Schwierigkeiten befinden und, vor allem, eine \u00dcberlagerung unterschiedlicher Grenztypen: staatliche, sprachliche, kulturelle und Grenzen der Kooperation, die sich nicht \u00fcberlappen, sondern den jeweils unterschiedlichen Anforderungen gerecht werden. Eine elastische, unscharfe Auffassung des Grenzbegriffs. Um dieses Ziel zu erreichen, k\u00f6nnen wir uns nicht auf den Lorbeeren der Autonomie ausruhen oder gar unt\u00e4tig auf das Verschwinden der Grenzen als solche verlassen, was wohl im Laufe der kommenden Jahrhunderte nicht zu erwarten ist. Es w\u00e4re wesentlich sinnvoller, uns aktiv an deren Umdeutung zu beteiligen. S\u00fcdtirol hat das Zeug, an dieser Aufgabe teilzuhaben, die Emanzipation von den Nationalstaaten kann nichts als der erste Schritt in diese Richtung sein.\u00ab<\/p>\n<p><strong>Mutige Worte.<\/strong> Das Thema Selbstbestimmung auch den Italienern schmackhaft zu machen war bisher, wie eingangs betont, ein m\u00fc\u00dfiges Unterfangen, das direkt ins Schachmatt f\u00fchren musste. Doch ist es gleichwohl eine Tatsache, dass bisher niemand versucht hat, die Italiener ernsthaft und positiv in ein derartiges Projekt einzubinden. Sobald dies jedoch der Fall ist, k\u00f6nnte es durchaus zu \u00dcberraschungen kommen. Nachdem er j\u00fcngst zu einer Podiumsdiskussion mit dem Thema &#8220;Freistaat S\u00fcdtirol&#8221; geladen war, hat der Landtagspr\u00e4sident a. D., Riccardo Dello Sbarba, allseits f\u00fcr seine zur\u00fcckhaltende und realistische Haltung bekannt, in seinem Blog versucht, einige Bedingungen zusammenzufassen: \u201d1. L\u2019idea di una regione europea aperta e plurilingue di diverse culture, esperienze, storie tutte dotate di uguale dignit\u00e0&nbsp; e diritti; 2. La promessa dell\u2019abolizione di ogni logica e misura di separazione etnica: un unico sistema scolastico plurilingue, la fine dei partiti etnici, il principio della cittadinanza universale e uguale; 3. Il riconoscimento di un Heimatrecht uguale per tutte le persone che vivono sul territorio di questo \u201dStato libero\u00e2\u20ac\u009d; 4. Rinuncia alla violenza e alla glorificazione della violenza; 5. Immediata cessazione di ogni provocazione. La strada per l\u2019autodeterminazione, se questa vuol convincere gli italiani, non pu\u00f2 passare per le marce e la richiesta di abbattere i monumenti, ma per il rispetto della storia e dell\u2019esperienza di ciascuno, che va contestualizzata, resa testimonianza di un\u2019educazione alla democrazia, ma non rasa al suolo\u00e2\u20ac\u009d. Das sind, wie man sieht, sehr mutige Worte, die eine breitere Diskussion verdienen w\u00fcrden. Und vor allem Worte eines &#8220;Italieners&#8221;, welche schon deshalb die Selbstbestimmung zu einer Gelegenheit machen k\u00f6nnten, alle Sprachgruppen in einen Prozess einzubinden, der nur als Gemeinschaftsprojekt einen Sinn hat.\u00ab<\/p><\/blockquote>\n<!-- Snippets by WebberZone Snippetz --><div class=\"ata_snippets\"><hr style=\"height: 10px;border: none;margin-top: 0px;background-color: darkred\" \/>\r\n\r\n<div style=\"background-color: none;padding: 0px;font-size: 14px;font-family: Helvetica,Arial;margin: 10px 0px 0px 0px\"><span style=\"color: darkred\"><strong><small>Autor:innen- und Gastbeitr\u00e4ge widerspiegeln nicht notwendigerweise die Meinung oder die Position von BBD, so wie die jeweiligen Verfasser:innen nicht notwendigerweise die Ziele von BBD unterst\u00fctzen.<\/small><\/strong><small>\u00b7 I contributi esterni non necessariamente riflettono le opinioni o la posizione di BBD, come a loro volta le autrici\/gli autori non necessariamente condividono gli obiettivi di BBD. \u2014 <a href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?page_id=11356#copyleft\"><strong>\u00a9<\/strong><\/a><\/small><\/span><\/div><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der heutigen Ausgabe des Wochenmagazins ff, die erfreulicherweise ganz dem Thema Eigenstaatlichkeit gewidmet ist, h\u00e4tte ein Artikel von Gabriele Di Luca erscheinen sollen, mit dem er \u2014 ausgehend vom -Projekt \u2014 Perspektiven f\u00fcr ein postethnisches S\u00fcdtirol aufzeigt. 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