{"id":17100,"date":"2013-10-29T10:23:03","date_gmt":"2013-10-29T09:23:03","guid":{"rendered":"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=17100"},"modified":"2024-04-13T14:40:39","modified_gmt":"2024-04-13T12:40:39","slug":"wo-bitte-ist-da-die-mitte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=17100","title":{"rendered":"Wo bitte ist da die Mitte?"},"content":{"rendered":"<p>Rechts und links sind Schubladen, die mir nicht unbedingt gefallen und die aufgrund ihrer schwammigen Definition auch nur schwer pr\u00e4zise festzumachen sind. F\u00fcr gew\u00f6hnlich orientiert man sich an den Begriffspaaren nationalistisch vs. internationalistisch, elit\u00e4r vs. egalit\u00e4r und konservativ vs. progressiv um Parteien und Bewegungen rechts bzw. links zu schubladisieren. Doch was ist dann jemand, der sozial-konservativ denkt und wirtschaftlich progressiv handelt? Und wo liegt ein Sozialliberaler, der eine konservative Wirtschaftslinie vertritt?<\/p>\n<p>Da wir aber nun einmal nicht ohne Generalisierungen auskommen k\u00f6nnen und uns Schubladen teuer und wichtig sind, kommen wir um die Verwendung der Begriffe rechts und links nicht umhin. Wo dann genau die feinen Nuancen zwischen linksextrem, linksradikal, links, mitte, rechts, rechtsradikal und rechtsextrem liegen, ist vielfach Ansichtssache. Heutzutage wird links und rechts meist an sozialpolitischen Standpunkten festgemacht. Wer liberale Ansichten zu Migration, Homosexualit\u00e4t, Gleichstellung von Mann und Frau usw. vertritt, ist eher links, Menschen mit konservativen Ansichten sind hingegen eher rechts.<\/p>\n<p>Problematisch wird das Schubladisieren meines Erachtens, wenn damit wider neutraler Anschauung versucht wird, Parteien und Bewegungen in Ecken zu dr\u00e4ngen, wo sie nach objektiver Auffassung nicht hingeh\u00f6ren bzw. aus Ecken heraus zu man\u00f6vrieren, um deren Positionen euphemistisch zu kaschieren. Das unhinterfragte Nachplappern von falschen Begriffen (das uns im Zusammenhang mit \u201cFreistaat\u201d, \u201cVollautonomie\u201d usw. bereits bestens bekannt ist) feiert auch in der Wahlberichterstattung fr\u00f6hliche Urst\u00e4nd\u2019. Der <a href=\"http:\/\/altoadige.gelocal.it\/cronaca\/2013\/10\/07\/news\/la-campagna-elettorale-dei-candidati-1.7879507\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">A. Adige<\/a> vermeldete gestern: \u201cCresce la destra tedesca. Crolla il centrodestra italiano: Forza A. Adige 2,5% (1 consigliere); A. Adige nel cuore (1 consigliere), 2,1%; Unitalia, 1,7%; La Destra, 0,6%.\u201d Auch die Dolomiten schreiben: \u201cMitte-Rechts muss kr\u00e4ftig Federn lassen.\u201d Und <a href=\"http:\/\/www.salto.bz\/de\/article\/28102013\/suedtiroler-freiheit-mit-den-leuten-reden-macht-sich-bezahlt\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Salto<\/a> diagnostiziert: \u201cDer starke Zugewinn der S\u00fcdtiroler Freiheit von 4,9 Prozent im Jahr 2008 auf 7,2 Prozent im Jahr 2013 l\u00e4sst einen Schwenk nach rechts in S\u00fcdtirol erahnen.\u201d<\/p>\n<p>Das Begriffspaar \u201cdeutsch\u201d und \u201crechts\u201d ist historisch schwer belastet. Eine Betitelung von Freiheitlichen und S\u00fcd-Tiroler Freiheit mit \u201cdestra tedesca\u201d verfehlt daher ihre Wirkung nicht; wenngleich die Freiheitlichen nach g\u00e4ngigen Kriterien tats\u00e4chlich eine rechtspopulistische Partei \u00e4hnlich der FP\u00d6 sind. Bei der S\u00fcd-Tiroler Freiheit f\u00e4llt die Zuordnung schon schwerer. Programmatisch ist sie bis auf den konservativen Heimatbegriff nicht notwendigerweise rechts. Ihre Exponenten \u00e4u\u00dfern sich jedoch oft in rechtspopulistischer Manier, ihre <a title=\"Schade ums Papier.\" href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=16971\">Wahlwerbung <\/a>ist alles andere als gemeinschaftsf\u00f6rdernd und ihre \u201cFreundschaften\u201d sind zweifelhafter Natur. Wenn sich Rechtsau\u00dfen wie H.C. Strache laut <a href=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20131031052259\/http:\/\/www.stol.it:80\/Artikel\/Politik-im-Ueberblick\/Landtagswahlen-2013\/Strache-FPOe-sieht-Erfolg-fuer-deutschsprachige-Opposition\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Stol<\/a> explizit \u00fcber den Erfolg der S\u00fcd-Tiroler Freiheit freuen, muss die Frage erlaubt sein, ob sich die Bewegung mit den richtigen Leuten ins Boot gesetzt hat. Andererseits findet sich die S\u00fcd-Tiroler Freiheit auf europ\u00e4ischer Ebene im Verbund mit den Gr\u00fcnen in der EFA (European Free Alliance) wieder. Diese besteht vor allem aus Linksparteien und bekennt sich in der Br\u00fcsseler Deklaration und der Bilbao Deklaration unter anderem zur erleichterten Einb\u00fcrgerung von Migranten und zum Wahlrecht f\u00fcr Ausl\u00e4nder. Positionen, die die S\u00fcd-Tiroler Freiheit offenbar mittragen muss, denn sonst w\u00e4ren sie \u2013 wie die Union f\u00fcr S\u00fcdtirol \u2013 wohl ausgeschlossen worden. Diese hat n\u00e4mlich ihre Zustimmung zur Bilbao Deklaration verweigert. Zudem ist die S\u00fcd-Tiroler Freiheit laut <a href=\"http:\/\/www.wahllokal.it\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">wahllokal.it<\/a> \u2013 im Gegensatz zu den Freiheitlichen und allen italienischen Rechtsparteien \u2013 f\u00fcr die Gleichstellung homosexueller Partnerschaften und dass Sozialleistungen nicht nur Einheimischen vorbehalten bleiben. Nicht gerade typisch rechte Positionen.<\/p>\n<p>So diffus also das politische Umfeld der S\u00fcd-Tiroler Freiheit ist, so klar ist die Zuordnung bei Forza Alto Adige-Lega Nord-Team Autonomie, Alto Adige nel cuore, Unitalia und La Destra. In euphemistischer Weise werden diese zwar sowohl in der italienischen als auch in der deutschsprachigen Presse als \u201ccentrodestra\u201d bzw. \u201cmitte-rechts\u201d bezeichnet, doch nach objektiven Ma\u00dfst\u00e4ben sind besagte Parteien eindeutig eher rechts bis rechtsradikal als \u201cmitte-rechts\u201d. Jedenfalls unterscheiden sie sich kaum von den Freiheitlichen, die als \u201cdestra tedesca\u201d bezeichnet werden. Im Gegenteil: vor allem Unitalia (bekennend faschistisch) und La Destra (\u00dcberlegenheit gewisser Kulturen gegen\u00fcber anderen) vertreten wesentlich radikalere Positionen als Pius Leitner und Co. Exponenten der Lega Nord sind offen xenophob und halten wenig von Religionsfreiheit (demonstratives Speckessen vor dem Sitz eines islamischen Vereins). Forza Alto Adige gibt sich homophob und hat als Popolo della Libert\u00e0 bekennende Faschisten als Parlamentarier in der Koalition geduldet. Alto Adige nel cuore entspringt der postfaschistischen Tradition und h\u00e4lt vielfach am faschistischen Erbe fest. Dies alles sind Positionen und Haltungen, die im heutigen westeurop\u00e4ischen Verst\u00e4ndnis fernab der Mitte sind und als rechts bis rechtsradikal eingestuft werden. Die Betitelung \u201cmitte-rechts\u201d suggeriert hingegen, dass es sich bei diesen Gruppen um gem\u00e4\u00dfigten Quasi-Mainstream handelt.<\/p>\n<p><!-- [if gte mso 9]&gt;--><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Rechts und links sind Schubladen, die mir nicht unbedingt gefallen und die aufgrund ihrer schwammigen Definition auch nur schwer pr\u00e4zise festzumachen sind. F\u00fcr gew\u00f6hnlich orientiert man sich an den Begriffspaaren nationalistisch vs. internationalistisch, elit\u00e4r vs. egalit\u00e4r und konservativ vs. progressiv um Parteien und Bewegungen rechts bzw. links zu schubladisieren. Doch was ist dann jemand, der [&hellip;]<\/p>","protected":false},"author":8,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_crdt_document":"","ngg_post_thumbnail":0,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-17100","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","entity-efa","entity-freiheitliche","entity-lega","entity-pdl","entity-stf","issue-landtagswahl-2013","issue-medienkritik","location-sudtirolo","language-deutsch","medium-aa","medium-dolo","medium-salto","medium-stol","person-heinz-christian-strache","topic-faschismen","topic-medien"],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/17100","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/8"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=17100"}],"version-history":[{"count":14,"href":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/17100\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":84921,"href":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/17100\/revisions\/84921"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=17100"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=17100"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=17100"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}