{"id":18779,"date":"2014-04-09T23:26:35","date_gmt":"2014-04-09T21:26:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=18779"},"modified":"2019-06-21T17:04:22","modified_gmt":"2019-06-21T15:04:22","slug":"aspiag-ttip-im-kleinen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=18779","title":{"rendered":"Aspiag: TTIP in klein."},"content":{"rendered":"<p>Mario Monti hatte w\u00e4hrend seiner Amtszeit als italienischer Regierungschef daf\u00fcr gesorgt, dass S\u00fcdtirols Handelsordnung ausgehebelt wurde, insbesondere auch das Verbot von Detailhandel in Gewerbegebieten. Zwischen dem entsprechenden Verfassungsgerichtsurteil und der Verabschiedung einer neuen Regelung durch das Land S\u00fcdtirol, die der Zentralstaat erneut angefochten hat, klaffte f\u00fcr kurze Zeit eine L\u00fccke im Gesetz, die mehrere Unternehmen bewusst ausnutzten, um nach vorn zu preschen. Auch der Handelsriese <em>Aspiag<\/em> <em>(Spar, Eurospar, Interspar)<\/em> brachte in dieser Phase sein Projekt f\u00fcr ein gro\u00dfes Einkaufszentrum in der Bozner Industriezone auf den Weg, obwohl politische Vertreter des Landes schon damals klar machten, dass sie alles unternehmen w\u00fcrden, um diese Entwicklung aufzuhalten. Seit jeher ist es weitgehender politischer Konsens im Lande, den Detailhandel von Gewerbezonen und der gr\u00fcnen Wiese fernzuhalten.<\/p>\n<p>Seit dieser von Monti verursachten Phase der Rechtsunsicherheit ringt die <em>Aspiag<\/em> nun vor Gericht um ihr \u00bbRecht\u00ab, gegen den Willen von Land und Gemeinde Bozen ihr Kaufhaus zu errichten. Doch damit nicht genug: Nun hat der Koloss auch noch angek\u00fcndigt, die Verwaltung auf zehn Millionen Euro Schadenersatz f\u00fcr entgangene Einnahmen zu verklagen.<\/p>\n<p>Diese Vorgangsweise mag zwar das gute Recht des Unternehmens sein, doch ob sie auch \u00bbpolitisch\u00ab, gesellschaftlich und nicht zuletzt wirtschaftlich opportun ist, scheint fraglich. W\u00e4hrend die Handelskette n\u00e4mlich gute Gesch\u00e4fte mit ihren S\u00fcdtiroler KundInnen macht, setzt sie sich nicht nur wissentlich \u00fcber den Willen ihrer VolksvertreterInnen hinweg, sondern m\u00f6chte auch noch einen gro\u00dfen Batzen Steuergeld absahnen, weil sich Beh\u00f6rden anma\u00dfen, diesen Willen umzusetzen. Jede\/n einzelne\/n S\u00fcdtirolerIn w\u00fcrde ein derartiger \u00bbSchadensersatz\u00ab knapp 20,- Euro kosten, was durchaus zu einer Absenkung der Sympathiewerte f\u00fchren k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Ganz allgemein ist es \u00e4u\u00dferst bedenklich, wenn sich Unternehmen vor Gericht nicht nur ihr Recht erstreiten (in diesem Fall das Recht zur Errichtung des Einkaufszentrums), sondern auch Schadensersatz daf\u00fcr, dass der Gesetzgeber und die Verwaltung Regeln erlassen und durchsetzen. Das ist wohl gleichzeitig ein erster Vorgeschmack auf das transatlantische Freihandelsabkommen TTIP, mit dem Firmen unter Umst\u00e4nden gar nicht mehr vor ordentlichen Gerichten zu klagen brauchen. Stattdessen entscheiden dann private Schiedsgerichte \u2014 zahlen darf aber trotzdem der\/die SteuerzahlerIn.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mario Monti hatte w\u00e4hrend seiner Amtszeit als italienischer Regierungschef daf\u00fcr gesorgt, dass S\u00fcdtirols Handelsordnung ausgehebelt wurde, insbesondere auch das Verbot von Detailhandel in Gewerbegebieten. 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