{"id":19558,"date":"2014-06-12T13:22:15","date_gmt":"2014-06-12T11:22:15","guid":{"rendered":"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=19558"},"modified":"2023-05-11T22:17:35","modified_gmt":"2023-05-11T20:17:35","slug":"zeitlos","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=19558","title":{"rendered":"Zeitlos!"},"content":{"rendered":"<p>Wenn sich die Verwirklichung eines Projektes lange hinzieht, sollte man von Zeit zu Zeit fragen, ob Ziele, Rahmenbedingungen und erwartete Effekte noch aktuell sind.<br \/>\nDiese Feststellung, einer Fachzeitung f\u00fcr Bahnverkehr entnommen, w\u00fcrde, wenn man sie ernst n\u00e4hme, generell die eine und andere Fehlentscheidung hinterfragen und auch die Grundlage liefern, bestimmte Entscheidungen v\u00f6llig zu revidieren. Besonders letzteres ist in politischen Kreisen nicht sonderlich beliebt, da dies h\u00e4ufig als Schw\u00e4che ausgelegt wird, obwohl es ein Zeichen von St\u00e4rke sein k\u00f6nnte. Den \u00f6ffentlichen Kassen t\u00e4te die Reflektion des einen oder anderen Projektes gut. Nun wollen wir uns hier nicht mit irgendwelchen Bauvorhaben besch\u00e4ftigen. Es geht um einen gr\u00f6\u00dferen Rahmen.<\/p>\n<p>Die gr\u00f6\u00dfte Partei unseres Landes hat als Gegenentwurf zum st\u00e4rker werdenden Ruf nach Unabh\u00e4ngigkeit die Idee, von einem ausgereiften Projekt kann ja nicht mal ansatzweise die Rede sein, der Vollautonomie entworfen. Wir wollen hier nicht Inhalt und Ausma\u00df der \u00bbvollen\u00ab Autonomie er\u00f6rtern, sondern uns mit dem auseinandersetzen, was heute leider den meisten Menschen fehlt: Zeit.<\/p>\n<p>Die <abbr title=\"S\u00fcdtiroler Volkspartei\">SVP<\/abbr> scheint hinsichtlich ihrer Ideen zur Vollautonomie erstaunlich viel von dem mitzubringen, was heute absolute Mangelware ist. Zeit spielt augenscheinlich keine Rolle. Oder hat jemand schon davon geh\u00f6rt, innerhalb welcher Fristen man die Vollautonomie verwirklichen m\u00f6chte? Karl Zeller hat vor einem knappen Jahr mal etwas von 20 Jahren gesagt. Seither ist autonomiepolitisch wenig weitergegangen.<br \/>\nZur Erinnerung: Die Umsetzung des zweiten Autonomiestatutes wurde urspr\u00fcnglich auf zwei Jahre angesetzt, gedauert hat es dann 20 Jahre.<\/p>\n<p>Derzeit muss man sich ernsthaft dar\u00fcber Sorgen machen, ob es \u00fcberhaupt noch autonomiepolitische Fortschritte gibt und nicht das Erreichte schrittweise ausgeh\u00f6hlt und verw\u00e4ssert wird. Wir w\u00e4ren dann in einer Situation, die jeder kennt, wenn er etwas vom Netz herunterl\u00e4dt und es irgendwo hakt. Die angegebene Zeit wird l\u00e4nger und l\u00e4nger und irgendwann f\u00e4llt die Verbindung.<\/p>\n<p>Alles anscheinend kein Problem f\u00fcr die SVP. Blumenpfl\u00fccken ist angesagt. Wenn sich am Wegesrand grad eine Gelegenheit bietet, dann wird zugeschlagen, darin ist die SVP nach jahrzehntelangen, z\u00e4hen Verhandlungen in Rom ge\u00fcbt. Zugegebenerma\u00dfen eine wichtige F\u00e4higkeit im politischen Gesch\u00e4ft. Dies ergibt aber noch keinen Zeitplan, der auch nur ann\u00e4hernd f\u00fcr einen Gesch\u00e4ftsplan reichen w\u00fcrde, den heute jeder Jungunternehmer, zumindest in groben Umrissen, ausarbeiten muss, um einen Kredit zu bekommen. Ich m\u00f6chte die Gesichter der Zust\u00e4ndigen einer Kreditabteilung sehen, wenn man bei der Beantragung eines Kredites keinen Zeitplan vorlegen w\u00fcrde, innerhalb dem man das geliehene Geld zur\u00fcckzuzahlen m\u00f6chte. Es w\u00e4re angenehm, bei einer Bank, sagen wir mal ein Darlehen \u00fcber 5 Millionen Euro aufzunehmen, mit einer Laufzeit von 200 Jahren, wobei die erste Rate erst in 100 Jahren f\u00e4llig wird.<\/p>\n<p>Zeit und Kredit. Wann gedenkt die SVP den Kredit, den ihr S\u00fcdtirols B\u00fcrgerInnen in Form von Vertrauen gew\u00e4hren, auch in Form von belastbaren Zukunftsvisionen und Zukunftsperspektiven zur\u00fcckzuzahlen? Mit welchen Fristen k\u00f6nnen wir rechnen? Wie hoch ist unter den gegebenen Rahmenbedingungen die Wahrscheinlichkeit, in den n\u00e4chsten Jahren wirklich einen signifikanten Ausbau der Autonomie zu erreichen? Unser Land ben\u00f6tigt auf diese Fragen seri\u00f6se Antworten. Zuviel h\u00e4ngt davon ab und Zeit ist ein \u00e4u\u00dferst begrenztes Gut. Nicht nur die<a href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=18407\"> volkswirtschaftliche Situation S\u00fcdtirols<\/a> verschlechtert sich unter den gegebenen Rahmenbedingungen tagt\u00e4glich, auch kulturell ist der aktuelle nationalstaatliche Rahmen f\u00fcr unser mehrsprachiges Land eine schwere Hypothek und sp\u00e4testens die n\u00e4chste Generation braucht zeitnah belastbare Zukunftsvisionen.<br \/>\nOder w\u00e4re es vielleicht angebracht, ein Projekt, das sich nun doch schon recht lange erfolglos hinzieht, zu hinterfragen und neue Wege zu beschreiten?<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn sich die Verwirklichung eines Projektes lange hinzieht, sollte man von Zeit zu Zeit fragen, ob Ziele, Rahmenbedingungen und erwartete Effekte noch aktuell sind. 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