{"id":19909,"date":"2014-07-17T00:15:57","date_gmt":"2014-07-16T22:15:57","guid":{"rendered":"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=19909"},"modified":"2023-04-18T22:01:50","modified_gmt":"2023-04-18T20:01:50","slug":"tiroler-wollen-mehr-zusammenarbeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=19909","title":{"rendered":"Tiroler wollen mehr Zusammenarbeit."},"content":{"rendered":"<p>Noch immer nicht bei allen B\u00fcrgerinnen bekannt, geschweige denn von allen gesp\u00fcrt \u2014 das ist die Tiroler Euregio, wie sie aus einer Studie der Innsbrucker Professoren Christian Traweger (Ass.) und G\u00fcnther Pallaver hervorgeht, die am Dienstag dem S\u00fcdtiroler Landtag vorgestellt wurde.<\/p>\n<p>Ganzen 28,1% der S\u00fcdtirolerinnen, 32,6% der Trentinerinnen und 47,6% der Nord-\/Osttirolerinnen ist die Existenz der Euregio v\u00f6llig unbekannt. Das ist \u00fcber 15 Jahre seit Gr\u00fcndung 1998 ein Debakel und ein Armutszeugnis f\u00fcr Politikerinnen, denen die regionale Zusammenarbeit viele Sonntagsreden wert war. Bei den Jugendlichen erfreut sich die Institution einer noch gr\u00f6\u00dferen Unbekanntheit. Und dennoch: Lichtblick der auf repr\u00e4sentativen Daten basierenden Arbeit ist der gro\u00dfmehrheitliche Wunsch in allen Landesteilen, die Zusammenarbeit zu intensivieren. Daf\u00fcr stehen 84,9% der Trentiner-, 84% der S\u00fcdtiroler- und 78,1% der Nord-\/Osttirolerinnen.<\/p>\n<p>Interessant ist, dass sich die Nord-\/Osttiroler eine Zusammenarbeit vor allem im Bereich Verkehr (26,5% der Nennungen) w\u00fcnschen, w\u00e4hrend dies nur 10,4% der S\u00fcdtirolerinnen und gar 1,9% der Trentinerinnen wichtig ist. Im Tourismusbereich best\u00e4tigen sich die S\u00fcdtiroler- als Eigenbr\u00f6tlerinnen, denn nur 2,3% w\u00fcnschen sich diesbez\u00fcglich eine engere Kooperation. Trentinerinnen (7,7%) und vor allem Nord-\/Osttirolerinnen (17,6%) w\u00e4re dies ein weit wichtigeres Anliegen. Weniger als 10% der Nennungen erreicht in allen Landesteilen auch der Wunsch nach mehr Zusammenarbeit im kulturellen Bereich, was besonders in einem Minderheitengebiet wie S\u00fcdtirol erstaunlich ist. Lediglich eine St\u00e4rkung der wirtschaftlichen Kooperationen findet n\u00f6rdlich und s\u00fcdlich des Brenners gleicherma\u00dfen hohen Zuspruch: Dem Rang nach wurde sie von den Nord-\/Osttirolerinnen (nach dem Verkehr) am zweith\u00e4ufigsten genannt, bei S\u00fcdtiroler- und Trentinerinnen rangiert sie gar an erster Stelle.<\/p>\n<p>Bez\u00fcglich der Mobilit\u00e4t zwischen den Landesteilen wurde erhoben, dass etwas mehr als ein Drittel der Trentinerinnen im Laufe des letzten Jahres (vor Durchf\u00fchrung der Erhebung) mindestens einmal in Nord-\/Osttirol waren, etwas wenigere Nord-\/Osttirolerinnen waren im gleichen Zeitraum im s\u00fcdlichsten Landesteil. Rund doppelt so hoch ist die Reisefreudigkeit zwischen S\u00fcdtirol und seinen benachbarten Gebieten in der Euregio, was auch auf S\u00fcdtirols zentrale geographische Lage zur\u00fcckzuf\u00fchren sein d\u00fcrfte. Kurios ist, dass etwas mehr Trentinerinnen nach S\u00fcdtirol reisten als umgekehrt \u2014 und dass (knapp) mehr S\u00fcdtirolerinnen in Nord-\/Osttirol waren als im Trentino.<\/p>\n<p>Unumstritten ist bei den Tirolerinnen die Zusammenarbeit beim Brennerbasistunnel, die in s\u00e4mtlichen Landesteilen von \u00fcber 97% der Bev\u00f6lkerung geteilt wird. Etwas weniger einhellig, aber dennoch sehr hoch, f\u00e4llt die Bewertung der \u00bbVolksgruppen (sic) als Bereicherung\u00ab aus: Nur 16,6% der S\u00fcdtiroler- und 17% der Nord-\/Osttirolerinnen glauben, dass die kulturelle und sprachliche Heterogenit\u00e4t die Zusammenarbeit erschwert, etwas h\u00f6her ist dieser Wert (mit 19%) bei den Trentinerinnen.<\/p>\n<p>Aufschlussreich ist schlie\u00dflich, dass rund 30% der Nord-\/Osttirolerinnen glauben, die gemeinsame Geschichte habe keinen Einfluss auf die Zusammenarbeit in der Euregio. Mit je \u00fcber 23% nicht ganz so stark vertreten ist diese Einsch\u00e4tzung auch in den beiden Landesteilen s\u00fcdlich des Brenners. Die gro\u00dfe Mehrheit der B\u00fcrgerinnen in der Euregio Tirol glaubt jedoch, dass sich die gemeinsame Geschichte positiv auf die Kooperation auswirke.<\/p>\n<p>In ihren Schlussfolgerungen bem\u00e4ngeln die Autoren der Studie neben der noch zu geringen Bekanntheit der Euregio auch ihre \u00bbschwach ausgepr\u00e4gte demokratische Legitimation durch die Bev\u00f6lkerung\u00ab, womit dieses grenz\u00fcberschreitende Subjekt mit einem \u00e4hnlichen Problem zu k\u00e4mpfen hat, wie die Mutterinstitution EU. Durchaus ermutigend ist, dass den B\u00fcrgerinnen in der Studie abschlie\u00dfend eine positive und pragmatische Einstellung zur Euregio bescheinigt wird. Vielleicht kommt diese Erkenntnis irgendwann auch in der Realpolitik an.<\/p>\n<p><em>Erschienen im <\/em>studia-Verlag<em> unter dem Titel <\/em>Kommunikation Kooperation Integration in der Europaregion Tirol &#8211; S\u00fcdtirol &#8211; Trentino.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Noch immer nicht bei allen B\u00fcrgerinnen bekannt, geschweige denn von allen gesp\u00fcrt \u2014 das ist die Tiroler Euregio, wie sie aus einer Studie der Innsbrucker Professoren Christian Traweger (Ass.) und G\u00fcnther Pallaver hervorgeht, die am Dienstag dem S\u00fcdtiroler Landtag vorgestellt wurde. 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