{"id":20718,"date":"2014-09-08T23:28:36","date_gmt":"2014-09-08T21:28:36","guid":{"rendered":"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=20718"},"modified":"2016-06-24T17:29:22","modified_gmt":"2016-06-24T15:29:22","slug":"schottlands-referendum-in-suedtirols-mainstream-medien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=20718","title":{"rendered":"Schottlands Referendum in S\u00fcdtirols Mainstream-Medien."},"content":{"rendered":"<p>Zehn Tage fehlen bis zur Abstimmung in Schottland, die dar\u00fcber entscheidet, ob das Land Teil des Vereinigten K\u00f6nigreichs bleibt oder ein unabh\u00e4ngiger, souver\u00e4ner Staat wird. Die j\u00fcngsten Umfragen sehen erstmals \u00bbYes\u00ab in F\u00fchrung, was dem Thema auf den britischen Inseln in der verbleibenden Zeit bis zum Referendum wohl einen Platz auf den Titelseiten der Zeitungen garantiert. Doch nicht nur London wird sich in den n\u00e4chsten zehn Tagen noch intensiv mit Schottland auseinandersetzen, auch der europ\u00e4ische Kontinent verfolgt mit zunehmendem Interesse das schottische Unabh\u00e4ngigkeitsreferendum.<\/p>\n<p>Einmal ist dieses Referendum ein Pr\u00e4zedenzfall f\u00fcr die EU. Die Union hat sich darauf selbstverschuldet nicht vorbereitet. Anstatt zumindest ansatzweise eine Vorlage f\u00fcr klare Scheidungsregeln auszuarbeiten, hat man mit Drohungen und Einsch\u00fcchterungen reagiert.<\/p>\n<p>Zus\u00e4tzlich d\u00fcrfte das Referendum in anderen nach Unabh\u00e4ngigkeit strebenden Regionen, wie Katalonien, Baskenland, Flandern, Venetien und weiteren mit Spannung erwartet werden.<\/p>\n<p>Verwunderlich, wie S\u00fcdtirols Mainstream-Medien bisher dar\u00fcber berichtet haben. Das Thema Schottland ist f\u00fcr eine Minderheitenregion ja nicht irgendein Thema. Da werden erstmals in Westeuropa f\u00fcr viele als heilig und unverr\u00fcckbar angesehene nationalstaatliche Grenzen ernsthaft durch ein demokratisches Votum, ohne innere oder \u00e4u\u00dfere Bedrohung, in Frage gestellt und S\u00fcdtirols Mainstream-Medien reagieren darauf milde gesagt \u00e4u\u00dferst zur\u00fcckhaltend.<\/p>\n<p>Das Thema wurde bisher kleingeredet, die \u00fcblichen \u00bbExperten\u00ab d\u00fcrfen gebetsm\u00fchlenhaft, wie schon gef\u00fchlt seit 15 Jahren, ihre ablehnenden Meinungen (oft als Gewissheiten verpackt) zum Thema Selbstbestimmung kundtun oder irgendwelche Juristen und \u00d6konomen malen ein eher pessimistisches bis d\u00fcsteres Bild an die Wand.<\/p>\n<p>Vielfach begn\u00fcgt man sich mit der Wiedergabe von reinen Agenturmeldungen. Nicht, dass warnende Stimmen nicht Teil einer differenzierten Berichterstattung sein d\u00fcrfen, aber von einer differenzierten oder gar engagierten Berichterstattung, die das Thema in all seinen Facetten beleuchtet, kann nicht einmal ansatzweise die Rede sein.<\/p>\n<p>Positive Ans\u00e4tze sind vielleicht die Abhandlung mit Carmen Gebhard in der <em>ff<\/em> Nr. 35\/2014 oder ein Artikel in den <em>Dolomiten<\/em> vom 27.08.2014, als man im Untertitel zumindest attestierte, dass \u00bbLondons Angstkampagne ins Leere l\u00e4uft\u00ab.<\/p>\n<p>Schon jetzt lassen sich, unabh\u00e4ngig vom Ausgang des schottischen Referendums vom 18. September 2014, einige Schl\u00fcsse ziehen:<\/p>\n<ol>\n<li>Im Gegensatz zu Schottland gibt es in S\u00fcdtirol keine ergebnisoffene und gesamtgesellschaftliche Diskussion zum Thema Unabh\u00e4ngigkeit. Dies spiegelt auch der S\u00fcdtiroler Mainstream wider bzw. dieser ist sogar hauptverantwortlich, dass es diese Diskussion nicht gibt. Der Ball wird prinzipiell flach gehalten. Der Grund hierf\u00fcr liegt nicht darin, dass es keine gesellschaftliche Notwendigkeit einer breit angelegten, ergebnisoffenen Diskussion zu diesem Thema gibt. Diese Notwendigkeit wird ebenso ignoriert, wie die 60.000 Stimmen bei der selbstorganisierten Umfrage der STF.<\/li>\n<li>Schottland erreicht durch dieses Referendum ein anderes Niveau an Demokratie und Mitbestimmung. Schon allein die Tatsache, dass \u00fcber dieses Thema abgestimmt werden darf ist ein demokratiepolitischer Quantensprung. Dabei ist es ja nicht so, dass London den Schotten freiwillig ein Referendum gew\u00e4hrt. Es waren die Forderungen der SNP, die den Weg zum Referendum freimachten. In S\u00fcdtirol werden diese Forderungen weder von den Regierungsparteien, noch von den Mainstream-Medien artikuliert bzw. als sinnvolle Option zur Diskussion gestellt. Entsprechend muss sich der Zentralstaat dazu nicht einmal \u00e4u\u00dfern.<\/li>\n<li>Als Panikreaktion auf die j\u00fcngsten Umfragen bietet London den Schotten nun weitreichende Kompetenzen an, selbst von einer Umwandlung Gro\u00dfbritanniens in eine lose F\u00f6deration ist die Rede. In S\u00fcdtirol hei\u00dft es immer, man k\u00f6nne nicht zweigleisig fahren. Wenn man die Unabh\u00e4ngigkeit fordere nimmt einem der Zentralstaat die Autonomie. Und man m\u00fcsse gegen\u00fcber dem Zentralstaat Verl\u00e4sslichkeit zeigen. Ein Totschlagargument, das an Naivit\u00e4t kaum zu \u00fcberbieten ist und derzeit durch die Entwicklungen in Schottland geradezu pulverisiert wird. Auch dies wird von S\u00fcdtirols Mainstream-Medien nat\u00fcrlich nicht thematisiert.<\/li>\n<li>In den nach Unabh\u00e4ngigkeit strebenden Regionen gibt es h\u00f6chst unterschiedliche Facetten von Parteien und gesellschaftlichen Gruppen, die diese Forderungen tragen. Selbst <a href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=20284\">Reiner Luyken<\/a>, ein Gegner der schottischen Unabh\u00e4ngigkeit, gibt zu, dass es sich in Schottland um keine dumpfen Rechten handelt, sondern um Menschen, die in Deutschland vorwiegend die Gr\u00fcnen oder die SPD w\u00e4hlen w\u00fcrden. Eine Differenzierung der unterschiedlichen Unabh\u00e4ngigkeitsbewegungen in Europa findet in S\u00fcdtirols Medien h\u00f6chstens am Rande statt. Auch dies t\u00e4te der Diskussion gut.<\/li>\n<li>Durch die ergebnisoffene und vielfach engagiert gef\u00fchrte Debatte in Schottland wurden wichtige Zukunftsthemen eines jeden Unabh\u00e4ngigkeitsprojektes von verschiedesten Blickwinkeln beleuchtet.<br \/>\nWie sieht es wirtschaftlich aus? Was passiert mit der W\u00e4hrung? Was ist mit der EU-Mitgliedschaft? Wie werden die Schulden aufgeteilt? Wem geh\u00f6ren Ressourcen wie das \u00d6l in der Nordsee?<br \/>\nDass auf viele dieser Fragen noch keine abschlie\u00dfenden Antworten gefunden werden konnten liegt weniger an den Unabh\u00e4ngigkeitsbef\u00fcrwortern als an deren Gegnern, die gr\u00f6\u00dftenteils mit Angstmache und nicht mit konstruktiven Beitr\u00e4gen aufhorchen lie\u00dfen. Nichtsdestotrotz haben sich durch das schottische Referendum weltweit Medien und Experten differenziert zu zentralen Fragen eines unabh\u00e4ngigen Schottlands ge\u00e4u\u00dfert. Ohne Referendum h\u00e4tte es diese zum Teil differenzierten und konstruktiven \u00c4u\u00dferungen nicht gegeben.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Schade, dass S\u00fcdtirol in einschr\u00e4nkender und selbstgef\u00e4lliger \u00bbVorzeigeautonomie-Rhetorik\u00ab immer noch glaubt den einzigen und besten Weg regionalistischer Entwicklung in Europa zu kennen. Unsere Mainstream-Medien tragen einen hohen Grad an Verantwortung, dass die f\u00fcr die Entwicklung der EU zukunftsweisenden Diskussionen in Schottland und Katalonien bisher weitgehend ohne konstruktiven Beitrag aus S\u00fcdtirol leben.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zehn Tage fehlen bis zur Abstimmung in Schottland, die dar\u00fcber entscheidet, ob das Land Teil des Vereinigten K\u00f6nigreichs bleibt oder ein unabh\u00e4ngiger, souver\u00e4ner Staat wird. Die j\u00fcngsten Umfragen sehen erstmals \u00bbYes\u00ab in F\u00fchrung, was dem Thema auf den britischen Inseln in der verbleibenden Zeit bis zum Referendum wohl einen Platz auf den Titelseiten der Zeitungen [&hellip;]<\/p>","protected":false},"author":9,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[],"tags":[],"class_list":["post-20718","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","entity-eu","entity-snp","location-alba","medium-ff","topic-grenzen","topic-medien","topic-politik","topic-selbstbestimmung","topic-vorzeigeautonomie"],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/20718","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/9"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=20718"}],"version-history":[{"count":12,"href":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/20718\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":21952,"href":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/20718\/revisions\/21952"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=20718"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=20718"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=20718"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}