{"id":2115,"date":"2009-04-25T11:44:04","date_gmt":"2009-04-25T09:44:04","guid":{"rendered":"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=2115"},"modified":"2019-01-28T13:19:06","modified_gmt":"2019-01-28T12:19:06","slug":"bozen-stadt-der-erinnerung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=2115","title":{"rendered":"Bozen \u2014 Stadt der Erinnerung."},"content":{"rendered":"<p>Die <em>Gr\u00fcnen<\/em> haben ein Manifest f\u00fcr den Umgang mit den faschistischen Monumenten in S\u00fcdtirol ver\u00f6ffentlicht. Ich teile und unterst\u00fctze das Projekt, werde die Vorlage aufgrund einiger Formulierungen jedoch nicht unterzeichnen.<\/p>\n<blockquote><p>\n<strong>Bozen \u2014 Europ\u00e4ische Stadt der Erinnerung an die Faschismen<\/strong><\/p>\n<p>Ein Aufruf der <em>Verdi-Gr\u00fcne-Verc<\/em> S\u00fcdtirols<\/p>\n<p><strong>Geduldige Steine\u2026<\/strong><br \/>\nNeunzig Jahre nach dem Ende des Ersten Weltkrieges erregen die vom Faschismus errichteten Denkm\u00e4ler weiterhin die nationalen Gem\u00fcter und dienen als Mittel, um die ethnischen Gegens\u00e4tze in S\u00fcdtirol auf gef\u00e4hrliche Weise aufzuschaukeln. Vor allem das Siegesdenkmal gilt seit geraumer Zeit als Symbol eines nicht entwirrbaren Konfliktes zwischen deutschsprechenden und italienischsprechenden S\u00fcdtirolern. Dies erschwert das friedliche Zusammenleben und f\u00f6rdert die Abgrenzung der Sprachgruppen voneinander. Diese inzwischen historischen Denkm\u00e4ler waren als Symbole einer Diktatur errichtet worden, welche die Sprachminderheiten unterdr\u00fcckte und Freiheit und Demokratie ablehnte. Mit diesen Bauwerken wollte man die \u00dcberlegenheit der einen \u00fcber die anderen versinnbildlichen. Heute k\u00f6nnten sie Orte einer gemeinsamen und lebendigen Erinnerungskultur werden, wodurch die Werte der Zivilgesellschaft gest\u00e4rkt und besonders die Jugend zur Auseinandersetzung mit der Vergangenheit animiert wird. Zugleich wird dadurch verharmlosenden Urteilen zu Diktaturen von gestern und heute entgegengewirkt.<\/p>\n<p><strong>Ein Ged\u00e4chtnisparcours.<\/strong><br \/>\nAusgehend von Bozens Denkm\u00e4lern der Zwischenkriegszeit und unter Beibehaltung dieser architektonischen Zeugnisse unserer Vergangenheit erachten wir Ma\u00dfnahmen zu ihrem Bedeutungsabbau und ihrer Einordnung in den geschichtlichen Zusammenhang als besonders wichtig und dringend. Dies soll auch dadurch geschehen, dass sie der \u00d6ffentlichkeit zug\u00e4nglich und dadurch integrierender Bestandteil eines Ged\u00e4chtnisparcours durch Bozen werden. Es bietet sich dabei an, auf die Gestaltungsm\u00f6glichkeiten zur\u00fcckzugreifen, welche die Stadt mit der Aufarbeitung der Geschichte des \u201cLagers Bozen\u201d in der Reschenstra\u00dfe vorgegeben hat. Man k\u00f6nnte also mittels erkl\u00e4render Schautafeln (Fotos, Dokumente, Texte) etwa in unmittelbarer N\u00e4he des Siegesdenkmals eine kurze und aussagekr\u00e4ftige Darstellung seiner Geschichte samt Einbettung in den historischen Zusammenhang bieten. Dasselbe soll auch mit dem \u201cMussolini-Relief\u201d am Gerichtsplatz geschehen. Voraussetzung daf\u00fcr ist allerdings der Abschluss der l\u00e4ngst beschlossenen Restaurierungsma\u00dfnahmen durch das staatliche Denkmalamt Verona und der Abbau der Barrieren, die einen Zugang zum Denkmal verhindern.<\/p>\n<p><strong>Kein Bildersturm, sondern geteilte Geschichte!<\/strong><br \/>\nIm Interesse der Erhaltung des ethnischen Friedens verbieten sich jedoch Ma\u00dfnahmen, die nur von einer Sprachgruppe allein als befriedigend empfunden werden k\u00f6nnen. Auch zeigt uns die Geschichte, dass L\u00f6sungen im Sinne eines \u201cBildersturms\u201d nicht zur erhofften Bew\u00e4ltigung der Vergangenheit f\u00fchren. Diese kann nur durch eine rationale Aufarbeitung der Geschichte im gegenseitigen Dialog erfolgen. Es gibt nicht viele europ\u00e4ische St\u00e4dte wie Bozen, die \u00fcber ein so reiches, wenn auch kleines, geschichtlich-architektonisches \u201cFreilichtmuseum\u201d des 20. Jahrhunderts verf\u00fcgen. Die Stadt Linz, europ\u00e4ische Kulturhauptstadt 2009, hat eine \u00e4hnliche Aufwertung ihres architektonischen Erbes der 1930er Jahre vorgenommen, wie sie von unserem Vorschlag angestrebt wird. Dieses Beispiel zeigt, welches Potential die Stadt Bozen zur Gewinnung eines eigenst\u00e4ndigen Profils auf europ\u00e4ischem Niveau h\u00e4tte. Wir sind \u00fcberzeugt, dass das oben dargelegte Anliegen von der \u00fcberwiegenden Mehrheit der demokratisch und friedlich gesinnten Bev\u00f6lkerung aller Sprachgruppen geteilt wird, und rufen daher die Beh\u00f6rden (Regierungskommissariat, Land und Gemeinde Bozen) auf, es zu unterst\u00fctzen, damit es so bald als m\u00f6glich verwirklicht wird.<\/p>\n<p><strong>Unsere Stadt steckt voller Geschichte \u2013 machen wir sie zug\u00e4nglich f\u00fcr alle!<\/strong><\/p>\n<p>Bozen, 17. April 2009<\/p><\/blockquote>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Gr\u00fcnen haben ein Manifest f\u00fcr den Umgang mit den faschistischen Monumenten in S\u00fcdtirol ver\u00f6ffentlicht. Ich teile und unterst\u00fctze das Projekt, werde die Vorlage aufgrund einiger Formulierungen jedoch nicht unterzeichnen. 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