{"id":21834,"date":"2014-12-03T16:21:30","date_gmt":"2014-12-03T15:21:30","guid":{"rendered":"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=21834"},"modified":"2026-04-15T23:05:16","modified_gmt":"2026-04-15T21:05:16","slug":"sprachrecht-bei-kfz-versicherung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=21834","title":{"rendered":"Pflichtversicherung mit Sprachrecht."},"content":{"rendered":"<p>Ein wichtiges Recht sowohl zur Gleichstellung der deutschen Sprache (und somit zur Mehrsprachigkeit), als auch zum Konsumentenschutz in einem sensiblen Bereich hat Herr Roland Lang j\u00fcngst vor dem Verwaltungsgericht in Bozen erstritten. Anders als etwa in Katalonien oder im Schweizer Kanton Tessin, wo Versicherungen jeweils dazu verpflichtet sind, s\u00e4mtliche Unterlagen in katalanischer respektive in italienischer Sprache vorzuhalten, gibt es in S\u00fcdtirol keinen derart weitgehenden Konsumentenschutz zum Wohl der Regionalsprachen. Beschr\u00e4nkt auf sogenannte Pflichtversicherungen gilt jedoch auch hierzulande ein Recht auf Zweisprachigkeit, das von den Versicherungsgesellschaften bislang weitestgehend ignoriert wurde. Weder das Land noch die Verbraucherzentrale haben daran jemals etwas zu \u00e4ndern vermocht, so sie dies \u00fcberhaupt versucht haben.<\/p>\n<p>Herr Lang hat einen Brief seines Versicherers <em>UnipolSai<\/em>, der nur in italienischer Sprache abgefasst war und seine KfZ-Versicherung betraf, zum Anlass genommen, zun\u00e4chst bei seiner Heimatgemeinde Beschwerde einzureichen und in der Folge den Rechtsweg zu beschreiten. Inhalt der Mitteilung des Versicherers war eine Mitteilung, dass der Betriebszweig, zu dem seine Agentur geh\u00f6rt, an die Versicherungsgesellschaft Allianz abgetreten wurde.<\/p>\n<p>Trotz einiger Einw\u00e4nde von <em>UnipolSai<\/em>, so etwa, dass<\/p>\n<ul>\n<li>Herr Lang zu sp\u00e4t rekurriert habe;<\/li>\n<li>sein Beschwerdeschreiben \u2014 welch ein Hohn des Versicherers \u2014 nur auf Deutsch verfasst gewesen sei;<\/li>\n<li>der Brief nur an die Agentur in Bozen und nicht an den Hauptsitz geschickt worden war;<\/li>\n<\/ul>\n<p>gab das Verwaltungsgericht (<a href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/VG-Urteil_KfZ.pdf\">Urteil<\/a>) dem Kl\u00e4ger vollumfassend Recht. Die Mitteilung des Versicherers und ihre rechtlichen Folgen wurden f\u00fcr nichtig erkl\u00e4rt, <em>UnipolSai<\/em> musste die gesamten Verfahrensspesen tragen. Das Gericht befand, dass bei einer Pflichtversicherung \u2014 und dazu geh\u00f6re eine KfZ-Versicherung zweifellos \u2014<\/p>\n<blockquote><p>alle Vertragsunterlagen in beiden Sprachen verfasst sein m\u00fcssen, welche sich auf das Vertragsverh\u00e4ltnis auswirken. Nur beispielhaft seien genannt: allgemeine Vertragsbedingungen, Versicherungspolizze, Mitteilungen zur Einstufungsklasse, Datenschutzmitteilungen usw. [\u2026] Der Versicherungsnehmer hat das subjektive Recht, dass die vertragsrelevanten Unterlagen auch in deutscher Sprache verfasst sind, damit er sie versteht.<\/p><\/blockquote>\n<p>Warum dieses Recht jedoch nur bei Pflichtversicherungen gilt und nicht auch bei anderen Versicherungs- und Vorsorgeprodukten, ist der Logik nach ziemlich schleierhaft.<\/p>\n<p>In jedem Fall handelt es sich bei diesem Urteil, wie eingangs erw\u00e4hnt, um einen konkreten Fortschritt in sprachlicher und konsumentenschutzrechtlicher Hinsicht \u2014 in ewiger Erwartung eines ernstzunehmenden Sprachengesetzes.<\/p>\n<p>Man darf nun gespannt sein, ob die Versicherungen auf den Richterspruch reagieren und ihre Unterlagen \u00e4ndern oder darauf setzen werden, dass die meisten S\u00fcdtirolerInnen auch weiterhin die g\u00e4ngige Einsprachigkeit schlucken.<\/p>\n<p><strong><span style=\"font-family: Helvetica, Arial, sans-serif; text-transform: uppercase;\">C\u00ebla enghe:<\/span><\/strong> <a title=\"Sprachschutz als Konsumentenschutz again.\" href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=1060\"><code>01<\/code><\/a> <a title=\"Die Gr\u00fcnen und die Verbraucher.\" href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=1056\"><code>02<\/code><\/a> <a title=\"Die SVP und die Fassadensprache.\" href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=13892\"><code>03<\/code><\/a> <a title=\"Sprachgesetz gerichtlich best\u00e4tigt.\" href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=4529\"><code>04<\/code><\/a> <span style=\"font-family: Helvetica, Arial, sans-serif; font-weight: normal;\">||<\/span> <a title=\"Constatazione poco amichevole.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=98904\"><span style=\"color: #ff8c00\"><code>01<\/code><\/span><\/a> <a title=\"Allianz diskriminiert Galicisch.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=75358\" rel=\"\"><span style=\"color: #ff8c00\"><code>02<\/code><\/span><\/a><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein wichtiges Recht sowohl zur Gleichstellung der deutschen Sprache (und somit zur Mehrsprachigkeit), als auch zum Konsumentenschutz in einem sensiblen Bereich hat Herr Roland Lang j\u00fcngst vor dem Verwaltungsgericht in Bozen erstritten. 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