{"id":22483,"date":"2015-02-07T23:15:54","date_gmt":"2015-02-07T22:15:54","guid":{"rendered":"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=22483"},"modified":"2020-07-17T11:18:28","modified_gmt":"2020-07-17T09:18:28","slug":"katalonien-im-blickfeld-der-swp","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=22483","title":{"rendered":"Katalonien im Blickfeld der SWP."},"content":{"rendered":"<p>Die einflussreiche \u00bbStiftung Wissenschaft und Politik \u2013 Deutsches Institut f\u00fcr Internationale Politik und Sicherheit\u00ab (SWP), die unter anderem die deutsche Bundesregierung und den Bundestag ber\u00e4t, hat <a title=\"Eine Utopie auf dem Weg der Umsetzung.\" href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=16521\">erneut<\/a> einen <a title=\"SWP Aktuell: Das katalanische Labyrinth.\" href=\"http:\/\/www.swp-berlin.org\/fileadmin\/contents\/products\/aktuell\/2015A05_grt_lng.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Bericht<\/a> \u00fcber die Situation in Katalonien herausgegeben. Die Autoren, Dr. Susanne Gratius, Inhaberin des \u00bbSenior Fellowship for Iberian Studies\u00ab, und Dr. Kai-Olaf Lang, Senior Fellow der SWP-Forschungsgruppe EU\/Europa, ziehen darin \u00e4u\u00dferst aufschlussreiche Schl\u00fcsse.<\/p>\n<ul>\n<li>W\u00e4hrend im Anschluss an die <a title=\"Katalanische Abstimmung ein voller Erfolg.\" href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=21608\">nicht verbindliche Volksbefragung<\/a> vom 9. November letzten Jahres (9N) auch und gerade in S\u00fcdtirol zu lesen war, dass die beeindruckende Teilnahme von \u00fcber 2 Millionen Katalanen ein Debakel gewesen sei, ist im Bericht von einem \u00bbdeutlichen\u00ab Ergebnis die Rede. Die Befragung habe gezeigt, \u00bbdass der Einfluss der Separatisten gewachsen ist\u00ab.<br \/>\n<blockquote><p>Dass an der Abstimmung trotz m\u00f6glicher Sanktionen f\u00fcr Staatsbedienstete etwa 2,3 Millionen Menschen teilnahmen, zeigte [\u2026] dass die Bewegung f\u00fcr Selbstbestimmung keineswegs abebbt, sondern ihren hohen Mobilisierungsgrad beh\u00e4lt.<\/p><\/blockquote>\n<\/li>\n<li>Auch die Einigung von Pr\u00e4sident Artur Mas (CiU) und Oppositionsf\u00fchrer Oriol Junqueras (<abbr title=\"Esquerra Republicana de Catalunya\">ERC<\/abbr>) <a title=\"Katalonien: Einigung zu Plebiszit.\" href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=22205\">auf plebiszit\u00e4re Neuwahlen<\/a> zeigt laut den beiden Wissenschaftern, \u00bbdass der Drang nach Selbstbestimmung und Souver\u00e4nit\u00e4t ungebrochen ist\u00ab.<\/li>\n<li>Besonders harsch klingt die Kritik, die im Bericht gegen\u00fcber dem Vorgehen der Regierung von Ministerpr\u00e4sident Mariano Rajoy ge\u00e4u\u00dfert wird:<br \/>\n<blockquote><p>Die Zentralregierung verbarrikadiert sich hinter der Verfassung, statt zu verhandeln, und gibt damit ihre politische Verantwortung an die Justiz ab.<\/p><\/blockquote>\n<p>Leider wird auch in S\u00fcdtirol meist <a title=\"SVP verteidigt nationale Einheit.\" href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=21553\">argumentiert<\/a>, eine Verhandlung mit Rom \u00fcber die Unabh\u00e4ngigkeit unseres Landes w\u00e4re zwecklos, weil die italienische Verfassung die \u00bbnationale Einheit\u00ab beschw\u00f6re \u2014 selbst dann, wenn diese Vorschrift <a title=\"Verfassung laut LH \u00bbundemokratisch\u00ab.\" href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=22247\">als undemokratisch identifiziert wird<\/a>.<br \/>\nGratius und Lang unterscheiden hingegen klar zwischen juristischer Ebene und politischer Verantwortung und zeigen implizit auf, dass es sehr wohl L\u00f6sungswege abseits festgefahrener verfassungsrechtlicher Starrheit geben kann und sogar soll.<\/li>\n<li>Auch die europafreundliche Gesinnung der Katalanen ist Gegenstand des Berichts:<br \/>\n<blockquote><p>Kataloniens Unabh\u00e4ngigkeitsbef\u00fcrworter sind keine Gegner, sondern geradezu euphorische Anh\u00e4nger der europ\u00e4ischen Integration und der Mitgliedschaft eines k\u00fcnftigen katalanischen Staates in der EU. Artur Mas hat nicht von ungef\u00e4hr in einem Interview betont, Katalonien k\u00f6nne ohne Spanien existieren, nicht aber ohne die EU.<\/p><\/blockquote>\n<\/li>\n<li>Bez\u00fcglich eines EU-Ausschlusses schreiben Gratius und Lang, dass \u00bbformal\u00ab einiges daf\u00fcr spreche, dass Katalonien \u00bbzun\u00e4chst\u00ab aus der Union ausscheiden w\u00fcrde. Die Interessenslage der beteiligten Parteien \u2014 Katalonien, Spanien und die EU \u2014 w\u00fcrde jedoch eine pragmatische L\u00f6sung erm\u00f6glichen. Im \u00dcbrigen k\u00f6nne Katalonien im Falle einer h\u00e4rteren Gangart Spaniens die anteilige \u00dcbernahme von Staatsschulden ablehnen, was ja auch Alex Salmond f\u00fcr Schottland gegen\u00fcber London in Aussicht gestellt hatte.<br \/>\n<blockquote><p>Die Sezession von einem EU-Mitgliedstaat w\u00e4re ein Pr\u00e4zedenzfall. In den Vertr\u00e4gen der EU ist die Anbindung eines solchen neuen Staates an die Gemeinschaft nicht geregelt. Eine rein rechtliche Sicht auf die Dinge hilft daher wenig. Der Weg wird in jedem Fall vornehmlich politisch gebahnt werden m\u00fcssen \u2013 sei es eine \u00bbinnere\u00ab Erweiterung nach einem verk\u00fcrzten Verfahren gem\u00e4\u00df Artikel 49 EUV, ein Vertrags\u00e4nderungsverfahren nach Artikel 48 EUV oder eine vor\u00fcbergehende Teilintegration unterhalb der Vollmitgliedschaft. Br\u00fcssel und die nicht direkt von der Sezession betroffenen Mitgliedstaaten w\u00e4ren dabei zumindest gehalten, sich am Gebot der europa- und integrationsfreundlichen Kooperation zu orientieren.<\/p><\/blockquote>\n<\/li>\n<li>Bedeutsam ist auch die Feststellung, dass \u00bbdie Beibehaltung des territorialen Status Quo keine Voraussetzung f\u00fcr Stabilit\u00e4t, sondern eine Quelle von Instabilit\u00e4t in der EU\u00ab w\u00e4re, wenn sich die Interessen Madrids und Kataloniens weiterhin unvers\u00f6hnlich gegen\u00fcberst\u00fcnden. Schlie\u00dflich wird \u00fcblicherweise die Beibehaltung des Status Quo automatisch und reflexhaft mit \u00bbStabilit\u00e4t\u00ab gleichgesetzt. Die Aussage im Bericht k\u00f6nnte die Grundlage f\u00fcr eine neue Erkenntnis bilden: Wenigstens unter gewissen Voraussetzungen kann eine Abspaltung innerhalb der EU sogar ein Stabilit\u00e4tsfaktor sein.<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong><span style=\"font-family: Helvetica, Arial, sans-serif; text-transform: uppercase;\">C\u00ebla enghe:<\/span><\/strong> <a title=\"Eine Utopie auf dem Weg der Umsetzung.\" href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=16521\"><code>01<\/code><\/a> <a title=\"EU-Ausschluss ist Angstmacherei.\" href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=17184\"><code>02<\/code><\/a> <a title=\"Uni Ibk: Autonomie &amp; Selbstbestimmung.\" href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=22221\"><code>03<\/code><\/a> <a title=\"Katalanische Abstimmung ein voller Erfolg.\" href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=21608\"><code>04<\/code><\/a> <a title=\"Der 9N ist geschlagen.\" href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=21602\"><code>05<\/code><\/a> <a title=\"Rechte: politisch erfolgreiche Forderungen!\" href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=21466\"><code>06<\/code><\/a><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die einflussreiche \u00bbStiftung Wissenschaft und Politik \u2013 Deutsches Institut f\u00fcr Internationale Politik und Sicherheit\u00ab (SWP), die unter anderem die deutsche Bundesregierung und den Bundestag ber\u00e4t, hat erneut einen Bericht \u00fcber die Situation in Katalonien herausgegeben. 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