{"id":22749,"date":"2015-03-04T22:31:54","date_gmt":"2015-03-04T21:31:54","guid":{"rendered":"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=22749"},"modified":"2025-12-22T15:28:10","modified_gmt":"2025-12-22T14:28:10","slug":"unesco-nationalnaturerbe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=22749","title":{"rendered":"Unesco Nationalnaturerbe."},"content":{"rendered":"<p>Es war ein Freudentag in S\u00fcdtirol, als die Dolomiten im Jahr 2009 zum <em>Unesco-<\/em>Weltnaturerbe ernannt wurden. Gleichzeitig war und ist diese Ernennung ein leuchtendes Beispiel daf\u00fcr, wie tief verwurzelt die in j\u00fcngster Zeit auf <img class=\"bbdlogo\" src=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/wp-content\/uploads\/bbdsmileys\/bbde.png\"> so oft strapazierte nationale Logik ist \u2014 selbst in einer UN-Sonderorganisation, die \u00fcber solch Profanit\u00e4ten wie Nationalit\u00e4t erhaben sein sollte, da das Verbindende ja zu den Wesensmerkmalen der <em>Unesco<\/em> z\u00e4hlt.<\/p>\n<p>Die Nationenzentriertheit des Welterbes zeigt sich zun\u00e4chst schon einmal daran, dass nur Einzelstaaten Vorschl\u00e4ge f\u00fcr die Aufnahme in die Liste machen k\u00f6nnen. Da sich aber gerade Naturdenkm\u00e4ler wie Gebirge oder Fl\u00fcsse selten an Landesgrenzen halten, ist diese Regelung zumindest fragw\u00fcrdig. Im Zuge der Ernennung der Dolomiten zum Welterbe wurden dann entsprechend <a title=\"Naturerbe grenzenlos.\" href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=15558\">Stimmen laut<\/a>, die die Lienzer Dolomiten ebenfalls als Teil dieser Auszeichnung sehen wollten. In diesem Zusammenhang muss man allerdings erw\u00e4hnen, dass die Osttiroler Kalkberge trotz ihrer morphologischen \u00c4hnlichkeit von Geologen vielfach nicht zur Gebirgskette der Dolomiten gez\u00e4hlt werden. Dennoch bleibt die Grundsatzfrage, warum sich ein Welterbe an Staatsgrenzen halten muss. So kommt es dann auch zu teils am\u00fcsanten bis bizarren Situationen. Beispielsweise wurden die Wasserf\u00e4lle von Iguaz\u00fa auf argentinischer Seite 1984 in die Liste des Weltnaturerbes aufgenommen, jener Teil der F\u00e4lle, der in Brasilien liegt, jedoch erst zwei Jahre sp\u00e4ter 1986. Somit gibt es nun zwei Welterbe Iguaz\u00fa, aber freilich nur ein zusammenh\u00e4ngendes System von Wasserf\u00e4llen.<\/p>\n<p>Beim Welterbe Dolomiten manifestiert sich die nationale Logik gleich mehrfach. Wir erinnern uns, dass Landeshauptmann Luis Durnwalder (<abbr title=\"S\u00fcdtiroler Volkspartei\">SVP<\/abbr>) beim Festakt zur Verleihung des Welterbetitels <a title=\"Durnwalder ausgepfiffen.\" href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=2883\">in Auronzo di Cadore ausgepfiffen wurde<\/a>, weil er die Menschen auch auf Deutsch und Ladinisch begr\u00fc\u00dfte.<\/p>\n<p>Und speziell in der medialen Pr\u00e4sentation des Naturdenkmals ist von kultureller Vielfalt und Authentizit\u00e4t, wie sie die <em>Unesco<\/em> eigentlich propagiert, wenig zu sp\u00fcren. Die Webseite der Stiftung <em>\u00bbDolomiti-Dolomiten-Dolomites-Dolomitis Unesco\u00ab<\/em> ist zwar sauber dreisprachig (Italienisch, Deutsch, Englisch), die Domain gibts aber nur auf Italienisch: <a href=\"http:\/\/www.dolomitiunesco.info\">www.dolomitiunesco.info<\/a>. Ladinisch \u2014 die Hauptsprache zumindest der S\u00fcdtiroler Dolomitent\u00e4ler \u2014 und Friaulisch gl\u00e4nzen durch Abwesenheit. Im Web 2.0 ist dann abgesehen von ein paar englischsprachigen Tweets \u00bbweltm\u00e4nnische\u00ab Einsprachigkeit angesagt. Die Wahl fiel dabei auf \u2014 welch \u00dcberraschung \u2014 Italienisch. Zwar wird man auf der Webseite auf Deutsch eingeladen, dem <a href=\"https:\/\/twitter.com\/DolomitesUNESCO\">Twitteraccount<\/a> der Stiftung zu folgen, dort angekommen, folgt die Kommunikation jedoch der nationalen Logik. Kein einziger Tweet auf Deutsch oder Ladinisch. Bei <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/user\/DolomitiUnesco\"><em>YouTube<\/em><\/a> und <a href=\"https:\/\/instagram.com\/fondazionedolomitiunesco\/\"><em>Instagram<\/em><\/a> das gleiche Bild. Auch publiziertes Kartenmaterial spiegelt nicht unbedingt die multikulturelle Realit\u00e4t der Dolomitenlandschaft wider.<\/p>\n<blockquote><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-22753 aligncenter\" src=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/B-DHtxvIUAAPI7o.png\" alt=\"UNESCO Weltnaturerbe\" width=\"656\" height=\"440\" srcset=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/B-DHtxvIUAAPI7o.png 656w, https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/B-DHtxvIUAAPI7o-447x300.png 447w\" sizes=\"auto, (max-width: 656px) 100vw, 656px\" \/><\/p><\/blockquote>\n<p>Dass der national-zentrierte Sprachgebrauch auch auf die <em>Unesco<\/em> selbst abf\u00e4rbt, beweist ein Besuch der (englischsprachigen) <a href=\"http:\/\/whc.unesco.org\/en\/list\/1237\/multiple=1&amp;unique_number=1609\">Webseite<\/a> der Organisation. In der Auflistung der neun Welterbest\u00e4tten in den Dolomiten ist ausschlie\u00dflich von <em>Bolzano<\/em> und <em>Trentino-Alto Adige<\/em> die Rede. Und selbst die Bletterbachschlucht, die meines Wissens auch die meisten Italienischsprachigen im Lande (siehe <a href=\"http:\/\/it.wikipedia.org\/wiki\/Bletterbach\">Wikipedia<\/a>) als solche bezeichnen, scheint als <em>Rio delle Foglie<\/em> auf.<\/p>\n<p>F\u00fcr eine Organisation, die seit dem Jahr 2000 j\u00e4hrlich am 21. Februar den \u00bbInternationalen Tag der Muttersprache\u00ab als Gedenktag zur \u00bbF\u00f6rderung sprachlicher und kultureller Vielfalt und Mehrsprachigkeit\u00ab begeht, mutet diese Praxis geradezu grotesk an.<\/p>\n<p>Detail am Rande: S\u00fcdtirol hat noch bis zum Jahr 2016 den Vorsitz der Stiftung <em>\u00bbDolomiti-Dolomiten-Dolomites-Dolomitis Unesco\u00ab<\/em> inne. Und zahlen tut S\u00fcdtirol freilich auch.<\/p>\n<p><strong><span style=\"font-family: Helvetica, Arial, sans-serif; text-transform: uppercase;\">C\u00ebla enghe:<\/span><\/strong> <a title=\"UNESCO-Naturerbe gegen Kulturerbe.\" href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=29638\"><code>01<\/code><\/a> <a title=\"Unesco: Posse um ladinische Sprache.\" href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=34027\"><code>02<\/code><\/a> <a title=\"Arpejon naturala dla umanit\u00e9.\" href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=2534\"><code>03<\/code><\/a> <a title=\"Die Berg-Annexion.\" href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=46675\"><code>04<\/code><\/a><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es war ein Freudentag in S\u00fcdtirol, als die Dolomiten im Jahr 2009 zum Unesco-Weltnaturerbe ernannt wurden. 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