{"id":23159,"date":"2015-04-05T21:37:48","date_gmt":"2015-04-05T19:37:48","guid":{"rendered":"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=23159"},"modified":"2023-01-05T21:31:07","modified_gmt":"2023-01-05T20:31:07","slug":"vom-befremdlichen-umgang-mit-umfragen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=23159","title":{"rendered":"Vom befremdlichen Umgang mit Umfragen."},"content":{"rendered":"<p>Vor etwas mehr als einem Jahr gab die <em>S\u00fcd-Tiroler Freiheit<\/em> <a title=\"56.395.\" href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=18119\">das Ergebnis einer selbstverwalteten Umfrage<\/a> zum Thema Selbstbestimmung bekannt, an der sich 61.189 S\u00fcdtirolerinnen beteiligt hatten. Davon bef\u00fcrworteten 56.395 (oder 92%), die Bev\u00f6lkerung frei und demokratisch \u00fcber die staatliche Zugeh\u00f6rigkeit S\u00fcdtirols entscheiden zu lassen.<\/p>\n<p>Alexandra Aschbacher schrieb dazu in einem Leitartikel (<em>ff<\/em> 03\/2014) unter anderem:<\/p>\n<blockquote><p>Etwa 85 Prozent der wahlberechtigten S\u00fcdtiroler haben weder Ja noch Nein gesagt, sie haben schlicht und einfach nicht mitgemacht. Das ist die gro\u00dfe Mehrheit der S\u00fcdtiroler, bei einem offiziellen Referendum (sic) h\u00e4tte man mit 15 Prozent Beteilung das erforderliche Quorum nicht erreicht.<\/p><\/blockquote>\n<p>K\u00fcrzlich hat der Elternbeirat ebenfalls Umfrageergebnisse ver\u00f6ffentlicht, wonach sich 77,2% von 9.569 Sch\u00fclereltern eine Intensivierung des Italienischunterrichts an S\u00fcdtirols Schulen w\u00fcnschen. Dies entspricht 7.387 Eltern, die sich auf drei unterschiedliche Antwortm\u00f6glichkeiten (Zusammenlegung der Schulen, Sachfachunterricht, Sch\u00fcleraustausch) aufteilen. Dass <a title=\"Landeselternbeirat: Suggestive Umfrage?\" href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=22991\">die Fragestellung suggestiv war<\/a> und die M\u00f6glichkeit, sich f\u00fcr eine qualitative Verbesserung des Italienischunterrichts auszusprechen, nicht gegeben war, sei hier nur am Rande erw\u00e4hnt.<\/p>\n<p>Laut Landesstatistikinstitut <em>(Astat)<\/em> besuchen im Schuljahr 2014\/15 insgesamt 20.290 Sch\u00fclerInnen eine deutsche Grundschule im Land. F\u00fcr Mittel- und Oberschulen liegen nur Daten f\u00fcr das Schuljahr 2013\/14 vor \u2014 sie werden von 12.369 respektive 14.486 Sch\u00fclerinnen besucht. Insgesamt w\u00e4ren das, wenn wir uns an diesen Zahlen orientieren, 47.145 Kinder und Jugendliche.<\/p>\n<p>Daran gemessen h\u00e4tten sich die Eltern von 20,3% der S\u00fcdtiroler Sch\u00fclerinnen an der Umfrage beteiligt und 15,7% sich f\u00fcr eine der drei Optionen der Intensivierung des Italienischunterrichts ausgesprochen. Da auch bildungspolitische Entscheidungen in einer Demokratie der Gesamtbev\u00f6lkerung obliegen und nicht der Elternschaft, m\u00fcsste man die 7.387 zudem nicht an den 47.145 Sch\u00fclerinnen, sondern an den \u00fcber 400.000 Stimmberechtigten* bemessen.<\/p>\n<p>In der <em>ff<\/em> schreibt diese Woche (<em>ff<\/em> 14\/2015) Georg Mair jedoch in einem Leitartikel:<\/p>\n<blockquote><p>Jetzt hat der Elternbeirat erhoben, dass sich <strong><u>die Eltern<\/u><\/strong> mehr Italienischunterricht in der Schule w\u00fcnschen.<\/p><\/blockquote>\n<p>Dass man auch mit 20,3% bei einer offiziellen Volksabstimmung nicht das Quorum erreicht h\u00e4tte, wird diesmal nicht erw\u00e4hnt. Und in einem weiteren Artikel in derselben Ausgabe hei\u00dft es:<\/p>\n<blockquote><p>Nachdem sich <strong><u>77 Prozent der Eltern<\/u><\/strong> in einer Umfrage daf\u00fcr ausgesprochen haben, dass die italienische Sprache in der Schule mehr Gewicht haben m\u00fcsse [\u2026] melden sich nun auch die Sch\u00fcler selbst zu Wort.<\/p><\/blockquote>\n<p><small><em>Hervorhebungen von mir<\/em><\/small><\/p>\n<p>Das ist, als h\u00e4tte man bei der STF-Umfrage behauptet, <strong><u>92% der S\u00fcdtirolerinnen<\/u><\/strong> h\u00e4tten sich f\u00fcr die Aus\u00fcbung der Selbstbestimmung ausgesprochen. Stattdessen ist es korrekt zu sagen, dass sich 56.395 B\u00fcrgerInnen (oder 92% der Teilnehmenden) daf\u00fcr ausgesprochen haben, die Selbstbestimmungsfrage zu stellen und Eltern von 7.387 Sch\u00fclerinnen (oder 77% der Teilnehmenden) den Italienischunterricht ausweiten oder Austauschprogramme umsetzen m\u00f6chten. Repr\u00e4sentativ sind beide Umfragen <u>nicht<\/u>.<\/p>\n<p>Die <em>ff<\/em> \u2014 und die S\u00fcdtiroler Medien im allgemeinen \u2014 reden und schreiben jedoch das eine Ergebnis klein und das andere gro\u00df, je nachdem, was als politisch \u00bbgenehm\u00ab erscheint. Dies ist nicht nur unzul\u00e4ssig, sondern eine Missachtung des Informationsauftrags, den unabh\u00e4ngige Medien in einer Demokratie eigentlich h\u00e4tten. Bedauerlich.<\/p>\n<p><small><em>*) 7.387 von 400.000, das entspricht einem Anteil von rund 1,85%<\/em><\/small><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor etwas mehr als einem Jahr gab die S\u00fcd-Tiroler Freiheit das Ergebnis einer selbstverwalteten Umfrage zum Thema Selbstbestimmung bekannt, an der sich 61.189 S\u00fcdtirolerinnen beteiligt hatten. Davon bef\u00fcrworteten 56.395 (oder 92%), die Bev\u00f6lkerung frei und demokratisch \u00fcber die staatliche Zugeh\u00f6rigkeit S\u00fcdtirols entscheiden zu lassen. 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