{"id":23671,"date":"2015-05-14T19:44:54","date_gmt":"2015-05-14T17:44:54","guid":{"rendered":"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=23671"},"modified":"2019-03-14T11:00:45","modified_gmt":"2019-03-14T10:00:45","slug":"im-zentrum-der-verharmlosung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=23671","title":{"rendered":"Im Zentrum der Verharmlosung."},"content":{"rendered":"<p>Der Umgang der gr\u00f6\u00dften italienischsprachigen Tageszeitung des Landes mit Attributen das politische Spektrum betreffend wird immer abenteuerlicher. Der Einzug der neofaschistischen Bewegung <em>CasaPound<\/em> in den Bozner Gemeinderat zeigt diese Tendenz so deutlich auf, dass man dahinter schon bewusste Verharmlosung vermuten muss.<\/p>\n<p>Wurden die &#8220;Faschisten des 3. Jahrtausends&#8221; (Eigenbezeichnung <em>CasaPound)<\/em> in fr\u00fcheren Artikeln noch richtigerweise als &#8220;estrema destra&#8221; bezeichnet, so werden Andrea Bonazza und Co. mittlerweile regelm\u00e4\u00dfig dem <a href=\"http:\/\/altoadige.gelocal.it\/bolzano\/cronaca\/2015\/05\/14\/news\/viaggio-nel-cuore-nero-di-casapound-1.11417760\">&#8220;centrodestra&#8221;<\/a> zugeordnet &#8211; wie im \u00fcbrigen auch die Lega und die Lista Benussi. Auch h\u00e4lt man es in einem Portrait von <em>CasaPound<\/em> nicht der M\u00fche Wert darauf hinzuweisen, dass der Neogemeinderat bereits wegen faschistischer Wiederbet\u00e4tigung <a href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=7144\">verurteilt wurde<\/a>; ein Umstand, der hierzulande ob der laxen Exekution der Gesetze geradezu als Kunstst\u00fcck bezeichnet werden muss. Die mitunter strafrechtlich relevanten Tatsachen, dass <em>CasaPound<\/em> offen zur Gewalt als legitimes politisches Mittel steht und dass Bonazza eine gute Meinung von der Zeit des Faschismus hat, werden wertfrei und unkommentiert wiedergegeben.<\/p>\n<p>Dass die Zeitung <em>A. Adige<\/em> mit diesem Sprachgebrauch offenbar bewusst die anerkannte politische Nomenklatur auf den Kopf stellt, l\u00e4sst eine ethnisch-ideologisch motivierte Kampagne vermuten. Gest\u00fctzt wird diese Vermutung durch den konsequenten Gebrauch von &#8220;destra&#8221; oder gar &#8220;estrema destra&#8221; tedesca bzw. tirolese im Zusammenhang mit der <a href=\"http:\/\/altoadige.gelocal.it\/bolzano\/cronaca\/2014\/06\/11\/news\/il-ministro-austriaco-tifa-italia-e-la-klotz-si-arrabbia-1.9404158\">S\u00fcd-Tiroler Freiheit<\/a> oder den <a href=\"http:\/\/altoadige.gelocal.it\/bolzano\/cronaca\/2013\/10\/30\/news\/leitner-agli-italiani-fondiamo-assieme-lo-stato-libero-1.8019266\">Freiheitlichen<\/a>. Andernfalls handelt es sich um einen v\u00f6lligen Realit\u00e4tsverlust.<\/p>\n<p>Dabei sind sowohl im Italienischen als auch im Deutschen die Abstufungen doch recht eindeutig, wenn auch flie\u00dfend. W\u00e4hrend man auf Deutsch das politische Spektrum in <em>linksextrem \u2013 linksradikal \u2013 links \u2013 Mitte \u2013 rechts \u2013 rechtsradikal \u2013 rechtsextrem <\/em>unterteilt sind auf Italienisch die Bezeichnungen <em>estrema sinistra \u2013 sinistra \u2013 centro-sinistra \u2013 centro \u2013 centro-destra \u2013 destra \u2013 estrema destra<\/em> g\u00e4ngig. Mehr noch als im Deutschen werden r<em>adicale<\/em> und <em>estrema<\/em> meist nahezu synonym gebraucht. Das deutsche Bundesamt f\u00fcr Verfassungschutz betont aber sehr wohl einen Unterschied zwischen <em>radikal<\/em> und <em>extrem<\/em>, den man mitunter auch im italienischen Diskurs findet:<em><br \/>\n<\/em><\/p>\n<blockquote><p><strong>Was ist der Unterschied zwischen radikal und extremistisch?<\/strong><br \/>\nAls extremistisch werden die Bestrebungen bezeichnet, die gegen den Kernbestand unserer Verfassung &#8211; die freiheitliche demokratische Grundordnung &#8211; gerichtet sind. \u00dcber den Begriff des Extremismus besteht oft Unklarheit. Zu Unrecht wird er h\u00e4ufig mit Radikalismus gleichgesetzt. So sind z.B. Kapitalismuskritiker, die grunds\u00e4tzliche Zweifel an der Struktur unserer Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung \u00e4u\u00dfern und sie von Grund auf ver\u00e4ndern wollen, noch keine Extremisten. Radikale politische Auffassungen haben in unserer pluralistischen Gesellschaftsordnung ihren legitimen Platz. Auch wer seine radikalen Zielvorstellungen realisieren will, muss nicht bef\u00fcrchten, dass er vom Verfassungsschutz beobachtet wird; jedenfalls nicht, solange er die Grundprinzipien unserer Verfassungsordnung anerkennt.<\/p><\/blockquote>\n<p>Man muss sich die Frage stellen, inwieweit die Zeitung durch ihren fahrl\u00e4ssigen Umgang mit politischem Extremismus diesen salonf\u00e4hig macht und somit mitverantwortlich f\u00fcr den <a title=\"Widerstandsloses Bozen.\" href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=23630\">Rechtsruck in Bozen<\/a> ist. Zudem mutet es sonderbar an, dass &#8220;progressive&#8221; S\u00fcdtiroler, die sich selbst meist im linken Spektrum verorten, trotz dieser zweifelhaften Linie nach wie vor keine Ber\u00fchrungs\u00e4ngste haben, ja diese selektive Wahrnehmung in Kommentaren und Interviews bisweilen sogar indirekt best\u00e4rken.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Umgang der gr\u00f6\u00dften italienischsprachigen Tageszeitung des Landes mit Attributen das politische Spektrum betreffend wird immer abenteuerlicher. Der Einzug der neofaschistischen Bewegung CasaPound in den Bozner Gemeinderat zeigt diese Tendenz so deutlich auf, dass man dahinter schon bewusste Verharmlosung vermuten muss. Wurden die &#8220;Faschisten des 3. 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