{"id":23953,"date":"2015-05-29T13:10:49","date_gmt":"2015-05-29T11:10:49","guid":{"rendered":"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=23953"},"modified":"2025-03-18T21:13:19","modified_gmt":"2025-03-18T20:13:19","slug":"casapound-im-bozner-rathaus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=23953","title":{"rendered":"CasaPound im Bozner Rathaus."},"content":{"rendered":"<p><em>eine Au\u00dfensicht von <a href=\"https:\/\/linksunten.indymedia.org\/de\/user\/1714\/blog\/text\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Heiko Koch<\/a><\/em><sup class=\"modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop \" data-mfn=\"1\" data-mfn-post-scope=\"00000000000001380000000000000000_23953\"><a href=\"javascript:void(0)\"  role=\"button\" aria-pressed=\"false\" aria-describedby=\"mfn-content-00000000000001380000000000000000_23953-1\">1<\/a><\/sup><span id=\"mfn-content-00000000000001380000000000000000_23953-1\" role=\"tooltip\" class=\"modern-footnotes-footnote__note\" tabindex=\"0\" data-mfn=\"1\">Heiko Koch lebt und arbeitet in NRW, ist Mitbegr\u00fcnder und Autor diverser antifaschistischer Zeitungen, Verfasser von Internetrecherchen, <em>Teamer<\/em> und Dozent gegen \u00bbRechtsextremismus\u00ab (Quelle: <em>Unrast<\/em>-Verlag).<\/span><em>, Autor des Buches <a href=\"http:\/\/www.unrast-verlag.de\/gesamtprogramm\/allgemeines-programm\/antifaschismus\/casa-pound-italia-detail\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u00bbCasa Pound Italia\u00ab<\/a>.<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p>Am 10. Mai fanden die Gemeinderatswahlen in S\u00fcdtirol statt und in 109 von 116 Gemeinden wurden die politischen Vertreter f\u00fcr die n\u00e4chste Legislaturperiode gew\u00e4hlt. In der Landeshauptstadt Bozen schaffte es Andrea Bonazza, der Kandidat der offen faschistisch auftretenden <em>CasaPound Italia<\/em> (CPI), auf Anhieb in das Stadtparlament. Somit verf\u00fcgt die seit 12 Jahren existierende und seit rund zwei Jahren auch als Partei auftretende Bewegung \u00fcber ihren ersten Repr\u00e4sentanten in einem Kommunalparlament.<\/p>\n<p>Schon bei ihrem ersten Antritt zu den Parlamentswahlen im Februar 2013 hatte <em>CasaPound Italia<\/em> ihr bestens Wahlergebnis in Bozen erzielt. Damals konnte ihr Kandidat, der 52j\u00e4hrige Immobilienmakler Maurizio Puglisi Ghizzi, 1,7 Prozent der abgegebenen Stimmen auf sich vereinen. Diesmal wurde der 34j\u00e4hrige Andrea Bonazza mit 2,4 Prozent in das Parlament der gr\u00f6\u00dften Gemeinde S\u00fcdtirols gew\u00e4hlt. Umgehend erhielt er vom <em>CasaPound<\/em>-Pr\u00e4sidenten Gianluca Ianonne ein gro\u00dfes Lob aus Rom. Dieser sprach von einem \u00bbhistorischen Resultat\u00ab:<\/p>\n<blockquote><p>La vittoria di Bolzano &#8211; &#8230; &#8211; ci conferma che siamo sulla strada giusta e ci d\u00e0&nbsp; la certezza che cambiare si pu\u00f2, basta non indietreggiare mai.<\/p><\/blockquote>\n<blockquote><p>Der Sieg von Bozen &#8211; &#8230; &#8211; best\u00e4tigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind und gibt uns die Gewissheit, dass die Ver\u00e4nderung m\u00f6glich ist, sofern man nie zur\u00fcckweicht.<\/p><\/blockquote>\n<h6>Andrea Bonazza &#8211; der erste Stadtabgeordnete CasaPound Italias<\/h6>\n<p>Andrea Bonazza ist bei weitem kein Unbekannter in Bozen. Der Werdegang des geb\u00fcrtigen Bozners \u00e4hnelt sehr dem seines r\u00f6mischen Parteichefs. Seit seiner fr\u00fchesten Jugend war Bonazza in faschistischen Organisationen aktiv. Zun\u00e4chst in der <em>Fronte della Giovent\u00f9,<\/em> der Jugendorganisation der 1946 gegr\u00fcndeten faschistischen Traditionspartei <em>Movimento Sociale Italiano<\/em> (MSI). 1995 machte Bonazza die Um-Etikettierung der MSI in <em>Alleanza Nazionale<\/em> unter Gianfranco Fini nicht mit und folgte dem Rechtsterroristen Pino Rauti zur <em>Fiamma Tricolore.<\/em> Sp\u00e4testens seit 2008, als Gianluca Ianonne zur Einweihung des <em>CasaPound<\/em>-Sitzes nach Bozen kam verschrieb er sich voll und ganz <em>CasaPound Italia<\/em> und ist seitdem ma\u00dfgeblicher Organisator, Koordinator und Agitator der \u00bbFaschisten des 3. Jahrtausends\u00ab in S\u00fcdtirol. Als Mitglied der rechten Skinhead-Szene, akzeptiertes Mitglied in der Ultraszene des Hockeyclub Bozen und des FC Bolzano, S\u00e4nger in der faschistischen Hardcore Band <em>\u00bbNo Prisoner\u00ab<\/em>, langj\u00e4hriger Betreiber der rechtsradikalen Kneipe <em>\u00bbBar 8\u00ab,<\/em> Organisator im <em>CasaPound<\/em>-Sitz <em>\u00bbRockaForte\u00ab<\/em> und eloquenter Selbstdarsteller in den Medien verf\u00fcgt er in der ca. 100.000 Einwohner z\u00e4hlenden Stadt und der autonomen Provinz Bozen-S\u00fcdtirol \u00fcber einen breiten Zugang zu unterschiedlichsten gesellschaftlichen Bereichen.<\/p>\n<p>Sein Hang zur Provokation und Gewalt und daraus resultierende Gerichtsprozesse scheinen seiner Polit-Karriere dabei in Bozen keinen Stein in den Weg zu legen. \u00d6ffentlich bekannt wurden unter anderem folgende Umst\u00e4nde: Im November 2002 war Bonazza in eine Schl\u00e4gerei verwickelt, bei der der 26 j\u00e4hrige Fabio Tomaselli in einer Bozner Bar von Faschisten brutal zusammengeschlagen wurde. Schwerverletzt schleppte sich dieser zu seinem Auto und verungl\u00fcckte einige Kilometer weiter kurz vor Frangart, als er mit seinem Wagen von der Stra\u00dfe abkam. Die Autopsie ergab als Todesursache die schweren Misshandlungen aus der Kneipe. Bonazza und drei weitere Faschisten wurden zwar angeklagt, schlussendlich aber freigesprochen. 2009 zeigten Andrea Bonazza, sein Parteikollege Mirko Gasperi und zwei weitere Kameraden \u00f6ffentlich den auch in Italien verbotenen \u00bbr\u00f6mischen Gru\u00df\u00ab. W\u00e4hrend ihre Kameraden einem Vergleich zustimmten, kamen bei Gasperi und Bonanza das Gesetz Nr. 645, das so genannte <em>Scelba<\/em>-Gesetz aus dem Jahr 1952, zur Anwendung.<\/p>\n<p>Gasperi wurde zu einer Geldstrafe und Bonazza zu einer zweimonatigen Haftstrafe wegen der Verherrlichung des Faschismus <a href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=7144\">verurteilt<\/a>. Im letzten September widersprach das Kassationsgericht in Rom explizit dem Einspruch von Bonazzas Anwalt und best\u00e4tigte somit nicht nur die Verurteilungen, sondern auch die Aktualit\u00e4t des <em>Scelba-<\/em>Gesetzes \u2014 ein Gesetz das in Italien kaum zur Anwendung kommt.<\/p>\n<p>Vielleicht wird Bonazza ein weiteres Mal wegen eines aktuellen Vorfalls nach dem <em>Scelba-<\/em>Gesetz verurteilt werden: Zugetragen hatte sich der Vorfall w\u00e4hrend des laufenden Wahlkampfs im Mai auf dem Matteotti-Platz. Am 5. Mai war der Parteisekret\u00e4r der <em>Lega Nord,<\/em> Matteo Salvini, auf dem nach dem 1924 von Faschisten ermordeten Sozialisten Giacomo Matteotti benannten Platz in Bozen aufgetreten. Auf dem Matteotti-Platz erwarteten ihn neben vielen <em>Lega-<\/em>Anh\u00e4ngern auch <em>CasaPound-<\/em>Mitglieder. Sie waren zu Salvinis Unterst\u00fctzung erschienen. Ein Umstand der nicht verwundert, koalieren doch die <em>Lega Nord<\/em> und <em>CasaPound<\/em> schon seit rund einem halben Jahr in dem B\u00fcndnis <em>\u00bbSovranit\u00e0&nbsp; \u2013 prima gli italiani\u00ab<\/em> &#8211; \u00bbSouver\u00e4nit\u00e4t, Italiener zuerst\u00ab und treten in gemeinsamen Wahllisten zu den kommenden Wahlen Ende Mai an. Allein in Bozen verb\u00fcndete sich <em>CasaPound<\/em> mit dem ehemaligen Bozner Kurzzeit-B\u00fcrgermeister Giovanni Ivan Benussi zur <em>\u00bbListe Benussi\u00ab.<\/em> Ein B\u00fcndnis mit der <em>Lega<\/em> schien hier nicht zustande zu kommen. Nichtsdestotrotz begeisterten sich die Faschisten von <em>CasaPound<\/em> f\u00fcr die rassistische Hetze Salvinis gegen die Einwanderung von Migranten, Aufnahme von Fl\u00fcchtlingen, Zuwendungen f\u00fcr Roma, die Adoption durch Homosexuelle, usw. usf.. Als eine Gruppe Linker den menschenfeindlichen und antidemokratischen \u00c4u\u00dferungen Salvinis Paroli boten provozierten die Faschisten und versuchten auf die Oppositionellen loszugehen. Bonazza tat sich dabei besonders hervor, er griff die Protestierenden an, zeigte den r\u00f6mischen Gru\u00df und musste schlie\u00dflich von Sicherheitskr\u00e4ften \u00fcberw\u00e4ltigt werden.<\/p>\n<p>Ein Interview, das er kurz nach seiner Wahl in den Gemeinderat dem Radiosender <em>24<\/em> gab, brachte ihm weitere Anzeigen ein. Hierin lobte er Adolf Hitler f\u00fcr seine Verdienste um Deutschland, negierte die Verbrechen Mussolinis und befand<\/p>\n<blockquote><p>Ich bin Faschist, warum nicht? Es ist nichts Schlimmes dabei.\u00ab und \u00bbmit Mussolini w\u00fcrde in Italien alles besser funktionieren.<\/p><\/blockquote>\n<h6>Bozner Zust\u00e4nde<\/h6>\n<p>Mittlerweile schlagen die Wellen der Emp\u00f6rung in S\u00fcdtirol hoch. Vertreter \u00f6ffentlicher Einrichtungen, aus Kultur und Politik distanzieren sich vehement von <em>CasaPound<\/em> und sprechen von einer Schande f\u00fcr die Landeshauptstadt. Auch der am Pfingstsonntag in einer Stichwahl wiedergew\u00e4hlte B\u00fcrgermeister Luigi Spagnolli (PD) beteiligt sich an den \u00f6ffentlichen Bekundungen der Abscheu und der Distanzierung.<\/p>\n<p>Dabei lie\u00df er es in seiner letzten Amtsperiode an einer eindeutigen demokratischen und antifaschistischen Haltung missen. Er weigerte sich Stra\u00dfen mit faschistischer Namensgebung umbenennen zu lassen \u2014 fand, dass Bozen (70 Jahre nach Kriegsende) daf\u00fcr \u00bbnicht bereit\u00ab sei. Er lie\u00df ein \u00e4u\u00dferst umstrittenes, weil revisionistisches Denkmal f\u00fcr die 1943 ermordete Norma Cossetto <a href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=17536\">errichten<\/a>. Und in diesem Jahr wollte er auf seine B\u00fcrgerliste Robert Oberrauch setzen, der vor f\u00fcnf Jahren noch auf das B\u00fcrgermeisteramt kandidierte und sich dabei von der in der faschistischen Tradition stehende Partei <em>Unitalia<\/em> unterst\u00fctzen lie\u00df. Am 5. Mai aber lieferte Spagnolli die wohl symptomatischsten Bilder f\u00fcr die politische Kultur und die lokalen Eliten Bozens. Nach der Wahlkampfveranstaltung des Legisten-Chefs Salvini und den Angriffen der <em>CasaPound-<\/em>Faschisten auf die protestierenden Demokraten traf er sich auf einen Umtrunk mit <em>CasaPound-<\/em>Mitgliedern in einer Bar. Dort lie\u00df er sich ungehemmt mit den <em>Squadristen<\/em> fotografieren \u2014 wie sie um ihn standen und den r\u00f6mischen Gru\u00df entrichteten. Ein weiteres Foto zeigt den lachenden Faschistenf\u00fchrer Andrea Bonazza wie er den Sozialdemokraten und B\u00fcrgermeister der Landeshauptstadt umarmt und fest an sich dr\u00fcckt.<\/p>\n<p>Bozner Zust\u00e4nde \u2014 die Faschisten bespielen die Stadtgesellschaft. Hier einige Beispiele: <em>CasaPound<\/em> verf\u00fcgt \u00fcber diverse Treffpunkte und Organisationen in Bozen. Mit seiner <em>\u00bbBar 8\u00ab<\/em> konnte Bonazza vor einigen Jahren auf dem <em>\u00bbChristkindlmarkt der Solidarit\u00e4t\u00ab<\/em> teilnehmen \u2014 bis ihm das verwehrt wurde. Vertreter des <em>Blocco Studentesco<\/em>, der Sch\u00fcler- und Studentenorganisation <em>CasaPounds,<\/em> wurden 2011 zusammen mit anderen Studenten in einer Delegation bei dem Mitglied der Landesregierung und Landesrat f\u00fcr italienische Schule und Kultur Christian Tommasini vom <em>Partito Democratico<\/em> empfangen. Ebenfalls 2011 wollte der Viertelrat des Stadtteils Don Bosco, bestehend aus <em>Partito Democratico<\/em> und <em>S\u00fcdtiroler Volkspartei<\/em> (SVP) die faschistische Buchhandlung <em>\u00bbCasaItalia\u00ab<\/em> bei einer Freilichtausstellung <a href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=9572\">unterst\u00fctzen<\/a> \u2014 bis ihm die Kommune dies untersagte. Die <em>CasaPound-<\/em>Buchhandlung <em>\u00bbCasaItalia\u00ab<\/em> erhielt als Kulturorganisation \u00f6ffentliche Gelder \u2014 bis die gr\u00fcne Kulturassessorin Patrizia Trincanato insistierte und der faschistischen Buchhandlung der Status einer f\u00f6rderw\u00fcrdigen kulturellen Organisation <a href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=7434\">aberkannt wurde<\/a>. (Eine erm\u00e4\u00dfigte Miete zahlen die Faschisten weiterhin an das landeseigene WOBI). Aus Protest \u00fcber diese Entscheidung verlie\u00dfen die Rechtsparteien den Sitzungssaal. Aber auch die Vertreter der <em>\u00bbLista Civica Beppo Grillo\u00ab.<\/em> Die selbsternannten Dissidenten und Anh\u00e4nger Beppe Grillos sahen die Meinungsfreiheit in Bozen in Gefahr. Zu den Wahlkandidaten der Grillo-Liste geh\u00f6rte 2010 auch Andreas Perugini, der Pr\u00e4sident des Bozner <em>CineForum<\/em>. Ganz im Zeichen der Meinungsfreiheit organisierte dieser im Fr\u00fchjahr 2012 die Auff\u00fchrung der Dokumentation <em>\u00bbFuori dalle fogne\u00ab<\/em> \u00fcber die rechtsradikale Szene Roms. Mit eingeladen war der \u00f6rtliche Faschistenf\u00fchrer Andrea Bonazza und als Moderator f\u00fcr die Veranstaltung fand sich niemand anderes als Alberto Faustini, der Direktor der <em>\u00bbAlto Adige\u00ab,<\/em> der meistgelesenen italienischsprachigen Zeitung S\u00fcdtirols. Soweit ein kurzer Einblick zu Bozner Zust\u00e4nden.<\/p>\n<h6>S\u00fcdtiroler Meinungsfreiheit<\/h6>\n<p>Wie weit die Meinungsfreiheit Kulturschaffender in S\u00fcdtirol geht demonstrierte Andreas Perugini, seines Zeichens Pr\u00e4sident des mit F\u00f6rdergeldern unterst\u00fctzten <em>CineForum<\/em> und Vertreter von <em>\u00bbAlto Adige in MoVimento\u00ab.<\/em> 2012\/2013 drehte er nicht nur f\u00fcr die <em>\u00bbMovimento Cinque Stelle\u00ab<\/em> Werbespots, sondern auch f\u00fcr zwei faschistische Hardcore-Bands aus Bozen Videoclips. Im Mai 2012 produzierte er f\u00fcr die Firma <em>\u00bbZEMstudio\u00ab<\/em> den Clip <em>\u00bbWatch at my Face\u00ab<\/em> f\u00fcr die Band <em>\u00bbGreen Arrows\u00ab.<\/em> Aufnahmen f\u00fcr den Clip wurden im <em>CasaPound<\/em> eigenen <em>\u00bbMAS 250 Bolzano\u00ab<\/em> gemacht, der Ton im gleichgesinnten Bozener Tonstudio <em>\u00bbU Boot &#8211; 37\u00ab<\/em> abgemischt und das Ganze von dem faschistischen Label <em>\u00bbBlack Shirt Records\u00ab<\/em> online gestellt. F\u00fcr die Band <em>\u00bbGreen Arrows\u00ab<\/em> drehte er weiterhin den Clip <em>\u00bbPaper Bullets\u00ab.<\/em> Bei diesem Dreh ging ihm ein Marco Caruso zu Hand. Dabei d\u00fcrfte es sich mit gro\u00dfer Wahrscheinlichkeit um den bisherigen Bezirksvertreter des Stadtteils Don Bosco, Jugendvertreter der Partei und neugew\u00e4hlten Stadtabgeordneten von <em>Unitalia<\/em> Marco Caruso handeln, den Bonazza in der Onlinezeitung <em>CasaPounds<\/em> <em>\u00bbIl primato nazionale\u00ab<\/em> als engen Freund bezeichnete. Auch bei dem Video-Clip <em>\u00bbCrisi\u00ab<\/em> f\u00fcr die faschistische Bozner Hardcoreband <em>\u00bbNo Prisoner\u00ab<\/em> arbeiteten Perugini und dieser Caruso zusammen. Die Aufnahmen entstanden in Verona und im Tonstudio <em>\u00bbU Boot &#8211; 37\u00ab.<\/em> S\u00e4nger der Band <em>\u00bbNo Prisoner\u00ab<\/em> ist niemand anderes als Andrea Bonazza, der in den letzten Jahren sein Outfit vom Nazi-Skinhead zum Ultra- und Hardcore-Stil gewechselt hat. Im M\u00e4rz 2013 scheint Perugini sein letztes Promo-Video f\u00fcr das Label <em>\u00bbBlack Shirts Records\u00ab<\/em> gedreht zu haben. Hierin bewarb er f\u00fcnf Hardcore-Bands aus der Produktpalette der Schwarzhemden \u2014 <em>Blind Justice, Drizzatorti, Still burnin&#8217; Youth, Green Arrows<\/em> und <em>No Prisoner.<\/em><\/p>\n<p>Auf den Internet-Sites von <em>\u00bbBlack Shirts Records\u00ab<\/em> findet man \u00fcbrigens alles, was das Naziherz begehrt. Angefangen von aktuellen italienischen Rechtsrock-Bands \u00fcber LPs mit dem Titel <em>\u00bbAdolf Hitler lebt!\u00ab<\/em> von <em>\u00bbGigi und die braunen Stadtmusikanten\u00ab,<\/em> die mit dem Lied <em>\u00bbD\u00f6ner Killer\u00ab<\/em> die Morde der rechtsterroristischen NSU besingen, bis zu Neupressungen von Platten der Bands <em>\u00bbNo Remorse\u00ab, \u00bbWeisse W\u00f6lfe\u00ab<\/em> und <em>\u00bbOidoxie\u00ab,<\/em> auf deren CD-cover offen f\u00fcr die Terrorstruktur <em>\u00bbCombat 18\u00ab<\/em> geworben wird. Dazu werden historische Bilder der terroristischen <em>\u00bbOrdine nero\u00ab<\/em> aus den 70er Jahren auf den <em>\u00bbBlack Shirts\u00ab-<\/em>Sites gepostet. Ein interessanter Umstand, soll doch im M\u00e4rz 2009 der wegen Unterst\u00fctzung des NSU angeklagte Ralf Wohlleben von dieser 20.000 Euro zur Unterst\u00fctzung lokaler Nazi-Strukturen nach S\u00fcdtirol \u00fcberbracht haben.<\/p>\n<h6>Bozner Ein-mal-eins<\/h6>\n<p>Die ma\u00dfgeblichen Medien in S\u00fcdtirol und Sprecher diverser Parteien und Verb\u00e4nde thematisieren den Einzug Bonazzas in den Stadtrat Bozens als au\u00dfergew\u00f6hnlich und als singul\u00e4res Ereignis. Dabei setzt sich genau die Verharmlosung und Toleranz gegen\u00fcber rechtsradikalen und rassistischen Positionen fort, die die italienische und S\u00fcdtiroler Politik seit Jahrzehnten auszeichnet und den Anstieg antidemokratischer und rechtsradikaler Str\u00f6mungen und Parteien erst erm\u00f6glicht\/e.<\/p>\n<p>Eine genauere Betrachtung ist notwendig.<\/p>\n<p>In dem schon erw\u00e4hnten Artikel in der faschistischen <em>\u00bbIl Primato Nazionale\u00ab<\/em> vom 11. Mai erw\u00e4hnte Bonazza nicht nur Marco Caruso, sondern auch Luigi Schiatti als Mann der <em>CasaPound<\/em> im Stadtrat. Dieser sitzt als einer von zwei Repr\u00e4sentanten f\u00fcr die <em>\u00bbListe Benussi\u00ab<\/em> im Rat, die mit der <em>CasaPound<\/em> eine Koalition zu diesen Wahlen einging. Somit w\u00e4ren es nicht nur ein, sondern gleich drei Br\u00fcder im Geiste Pounds im Stadtrat. Gianluca Iannone, der F\u00fchrer <em>CasaPounds<\/em>, spricht sogar von drei bis f\u00fcnf <em>CasaPound<\/em>-Mitgliedern im neugew\u00e4hlten Stadtrat. So gesehen ist der Wirbel um Bonazza eine mediale Augenwischerei und beleuchtet nicht das ganze Problem, das Bozen nun mit Anh\u00e4ngern und Aktiven des gewaltt\u00e4tigen <em>Squadrismus<\/em> Mussolinis in den Reihen seiner Ratsherren hat.<\/p>\n<p>Aber auch diese Rechnung ist mehr als oberfl\u00e4chlich. Zieht man die Wahlergebnisse der <em>\u00bbListe Benussi\u00ab, \u00bbCasaPound Italia\u00ab, \u00bbLega Nord\u00ab, \u00bbUnitalia\u00ab, \u00bbFratelli di Italia\u00ab, \u00bbAlto Adige nel Cuore\u00ab<\/em> und <em>\u00bbForza Italia\u00ab<\/em> zusammen \u2014 und das muss man Angesichts ihrer historischen Wurzeln, <a title=\"Die Mutter aller Infografiken.\" href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=27731\">ihrer Verbindungen untereinander<\/a> und ihrer ideologischen Ausrichtung \u2014 so haben in Bozen 31,4 Prozent der W\u00e4hler am 10. Mai 2015 in unterschiedlicher Schattierung rechtsradikal gew\u00e4hlt und es entfallen 15 von 45, ein Drittel aller Sitze im Gemeinderat Bozen auf Anti-Demokraten.<\/p>\n<p>So \u00e4hnelt das Wahlverhalten der B\u00fcrger Bozens dem der 80er Jahre, als die faschistische MSI 1987 bei den Parlamentswahlen 27,3 Prozent und 1985 bei den Kommunalwahlen 22,5 Prozent erzielten. Die Zeitung <em>\u00bbAlto Adige\u00ab<\/em> verpasste damals der Stadt den zweifelhaften Ruf \u00bbdie faschistischste Europas\u00ab zu sein. Aber die Zeiten haben sich ge\u00e4ndert. Zwar schwelt in dem historisch und sozial zerrissenen S\u00fcdtirol noch der Streit um nationale Zugeh\u00f6rigkeit und kollektive Identit\u00e4t. Er wird aber nicht mehr wie in den 70er\/80er Jahre mit Hass und Mord, Bomben und Terrorismus ausgetragen. In den letzten drei\u00dfig, vierzig Jahren hat sich in S\u00fcdtirol einiges ver\u00e4ndert. Was aber ist passiert, dass sich so viele Menschen von der etablierten Politik abwenden und nicht mehr w\u00e4hlen gehen? In Bozen gingen nur 58,8 Prozent der Wahlberechtigten zur Wahl. An der Stichwahl zum B\u00fcrgermeisteramt waren es am 24. Mai nur noch 40,7 Prozent. D.h. die gr\u00f6\u00dfte Partei in Bozen sind \u00bbdie Nicht-W\u00e4hler\u00ab. Das Repr\u00e4sentationssystem befindet sich eindeutig in einer Krise. Was sind die Ursachen? Was hei\u00dft das f\u00fcr die Gesellschaft? Und warum w\u00e4hlen von den Wahlberechtigten ein Drittel rechtsradikal und bekunden ihren Willen, sich autorit\u00e4ren, rassistischen und antidemokratischen Gesellschaftsentw\u00fcrfen anzuschlie\u00dfen?<\/p>\n<p>In den letzten Monaten h\u00e4uften sich \u00dcberf\u00e4lle auf linke und unpolitische Jugendliche in der autonomen Region Trentino-S\u00fcdtirol. In St. Leonhard, Bozen, aber auch in Trient wurden junge Erwachsene von Rechtsradikalen angegriffen und zusammengeschlagen. Einige der \u00dcbergriffe werden den <em>Squadristen<\/em> von <em>CasaPound<\/em> angelastet. Bozen\/S\u00fcdtirol hat nicht nur auf parlamentarischer Ebene ein massives Problem mit rechtsradikaler Raumnahme und Apologeten autorit\u00e4rer Lebensentw\u00fcrfe. Und so dr\u00e4ngen sich weitere Fragen auf. Was wird die lokale und staatliche Administration zum Schutz des parlamentarisch-demokratisch strukturierten Gemeinwesens unternehmen? Wie werden die demokratischen B\u00fcrger S\u00fcdtirols mit den erkl\u00e4rten Feinden von Freiheit und Gleichheit und deren Strukturen in Zukunft umgehen? Was wird die radikale Linke machen? Wie l\u00e4sst sich der rechtsradikale Trend in Tirol stoppen und die Entwicklung umkehren?<\/p>\n<p><small><em>Linksetzung: <img class=\"bbdlogo\" src=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/wp-content\/uploads\/bbdsmileys\/bbde.png\"><\/em><\/small><\/p>\n<p><strong><span style=\"font-family: Helvetica, Arial, sans-serif; text-transform: uppercase;\">C\u00ebla enghe:<\/span><\/strong> <a href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=23630\"><code>01<\/code><\/a> <a href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=23690\"><code>02<\/code><\/a> <a href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=23916\"><code>03<\/code><\/a><small><\/small><\/p>\n<ul class=\"modern-footnotes-list modern-footnotes-list--show-only-for-print\"><li><span>1<\/span><div>Heiko Koch lebt und arbeitet in NRW, ist Mitbegr\u00fcnder und Autor diverser antifaschistischer Zeitungen, Verfasser von Internetrecherchen, <em>Teamer<\/em> und Dozent gegen \u00bbRechtsextremismus\u00ab (Quelle: <em>Unrast<\/em>-Verlag).<\/div><\/li><\/ul>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>eine Au\u00dfensicht von Heiko Koch, Autor des Buches \u00bbCasa Pound Italia\u00ab. Am 10. Mai fanden die Gemeinderatswahlen in S\u00fcdtirol statt und in 109 von 116 Gemeinden wurden die politischen Vertreter f\u00fcr die n\u00e4chste Legislaturperiode gew\u00e4hlt. 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