{"id":24429,"date":"2015-07-07T21:22:22","date_gmt":"2015-07-07T19:22:22","guid":{"rendered":"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=24429"},"modified":"2022-04-18T12:34:50","modified_gmt":"2022-04-18T10:34:50","slug":"die-ethnische-begruendung-des-sozialen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=24429","title":{"rendered":"Die ethnische Begr\u00fcndung des Sozialen."},"content":{"rendered":"<!-- Snippets by WebberZone Snippetz --><div class=\"ata_snippets\"><hr style=\"height: 20px; border: none; margin-top: 0em; background-color: darkred;\"\/><\/div><p><em>von Sabina Frei<\/em><\/p>\n<p>Knapp zwei Monate nach den Gemeinderatswahlen hat Bozen nun (zumindest vorl\u00e4ufig) eine Stadtregierung und der B\u00fcrgermeister die jeweiligen Ressorts den zwei Stadtr\u00e4tinnen und vier Stadtr\u00e4ten zugewiesen. Die, so der B\u00fcrgermeister, wichtigsten Kompetenzbereiche habe er dagegen nicht vergeben. Es geht um die Urbanistik, das Kulturressort und das Ressort f\u00fcr Soziales. F\u00fcr diese drei Aufgaben sei bis auf weiteres er selbst zust\u00e4ndig. Wohl auch deshalb, weil sie politisch besonders umk\u00e4mpft sind. M\u00f6chte man zumindest meinen.<\/p>\n<p>Besonders aufgefallen ist mir allerdings Spagnollis Begr\u00fcndung, weshalb das sowohl von der SVP als auch vom PD beanspruchte Sozialressort vom B\u00fcrgermeister selbst betreut werden soll: Bozen sei eine mehrheitlich italienischsprachige Stadt und daher stehe dieses Ressort einem Italiener zu, was er ja sei.<\/p>\n<p>Nun \u00fcberrascht es kaum, dass Luigi Spagnolli die Urbanistik zur Chefsache macht, h\u00e4ngt Bozens Stadtregierung doch vor allem aufgrund der fast alles \u00fcberschattenden <em>Affaire Benko<\/em> an einem seidenen Faden. Und eine ethnische Argumentation, wenn es um das Kulturressort geht, h\u00e4tte auch nicht weiter verwundert, zumal in einem Land, in dem es \u2013 trotz verst\u00e4rkter und lobenswerter (!) Zusammenschau \u2013 nach wie vor drei nach Sprachgruppen getrennte Kulturabteilungen gibt.<\/p>\n<p>S\u00fcdtirol ist Proporzistan und hier setzen sich Regierungen nicht nur nach Mehrheitsverh\u00e4ltnissen in der Koalition, sondern auch nach Sprachgruppenproporz zusammen, das wissen wir. Aber Spagnolli hat nicht mit dem Proporz argumentiert. Jedenfalls nicht im \u00fcblichen Sinne. Er hat f\u00fcr das Soziale \u2013 und nur f\u00fcr das Soziale \u2013 einen Zusammenhang zwischen der Sprache des Amtsinhabers und jener der Mehrheit der Bev\u00f6lkerung in seiner Stadt hergestellt. Die ethnische Begr\u00fcndung bei der Besetzung eines Stadtrats- oder Landesr\u00e4tinnenpostens kennen wir sonst nur in den Bereichen Schule und Kultur, bei allen anderen Verwaltungsbereichen wird \u2013 zumindest offiziell \u2013 nicht ethnisch argumentiert.<\/p>\n<p>Mit dieser Aussage bringt Spagnolli eine Dimension ins Spiel, die f\u00fcr das Soziale fatal ist. Fataler noch als f\u00fcr andere Bereiche, wie ich finde. In einer Zeit, in der Ressourcenzuweisungen f\u00fcr den Sozialbereich zunehmend unter dem Generalverdacht der Verschwendung oder der unrechtm\u00e4\u00dfigen Inanspruchnahme stehen, in der mit der uns\u00e4glichen Begr\u00fcndung \u201czuerscht insere Leit\u201d und \u201cprima gli italiani\u201d ein Krieg unter Armen angezettelt wird und von rechten und rechtsextremen Parteien und Bewegungen unverhohlen einer Hierarchisierung der Bed\u00fcrftigkeit nach (im erweiterten Sinne) rassistischen Kriterien das Wort geredet wird, muss gerade das Soziale \u2013 das per definitionem <em>alle<\/em> betrifft \u2013 inklusivistisch gedacht, praktiziert und auch kommuniziert werden. Und zwar unabh\u00e4ngig davon, ob die Muttersprache der zust\u00e4ndigen Stadtr\u00e4tin mit jener der Mehrheit der Bev\u00f6lkerung \u00fcbereinstimmt oder nicht.<\/p>\n<!-- Snippets by WebberZone Snippetz --><div class=\"ata_snippets\"><hr style=\"height: 10px;border: none;margin-top: 0px;background-color: darkred\" \/>\r\n\r\n<div style=\"background-color: none;padding: 0px;font-size: 14px;font-family: Helvetica,Arial;margin: 10px 0px 0px 0px\"><span style=\"color: darkred\"><strong><small>Autor:innen- und Gastbeitr\u00e4ge widerspiegeln nicht notwendigerweise die Meinung oder die Position von BBD, so wie die jeweiligen Verfasser:innen nicht notwendigerweise die Ziele von BBD unterst\u00fctzen.<\/small><\/strong><small> \u00b7 I contributi esterni non necessariamente riflettono le opinioni o la posizione di BBD, come a loro volta le autrici\/gli autori non necessariamente condividono gli obiettivi di BBD. \u2014 <a href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?page_id=11356#copyleft\"><strong>\u00a9<\/strong><\/a><\/small><\/span><\/div><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Sabina Frei Knapp zwei Monate nach den Gemeinderatswahlen hat Bozen nun (zumindest vorl\u00e4ufig) eine Stadtregierung und der B\u00fcrgermeister die jeweiligen Ressorts den zwei Stadtr\u00e4tinnen und vier Stadtr\u00e4ten zugewiesen. 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