{"id":24607,"date":"2015-07-20T21:14:14","date_gmt":"2015-07-20T19:14:14","guid":{"rendered":"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=24607"},"modified":"2021-05-24T08:30:15","modified_gmt":"2021-05-24T06:30:15","slug":"nationaler-airport","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=24607","title":{"rendered":"Nationaler Airport."},"content":{"rendered":"<p>In der <em>ff<\/em> Nr. 35 vom 9.07.2015, \u00e4u\u00dfert sich Oswin Maurer, Marketingprofessor an der Uni Bozen und ab Oktober 2015 Dekan der Fakult\u00e4t f\u00fcr Wirtschaftswissenschaften, zum Erfolgsrezept des Tourismuslandes S\u00fcdtirol.<br \/>\nUnter anderem kommt auch der Flughafen Bozen zur Sprache. Und alle, die bisher nicht recht verstehen wollten, warum dieser notwendig ist, werden sp\u00e4testens nach der Lekt\u00fcre der n\u00e4chsten Zeilen wissen, warum dieser absolut notwendig ist.<\/p>\n<blockquote><p><strong>Oswin Maurer:<\/strong> [\u2026] Das Kernproblem aber ist folgendes: Leute, die international anreisen, die wissen nicht, wo S\u00fcdtirol ist, das sind L\u00e4nder, da ist S\u00fcdtirol nicht auf der Karte. Um nach Italien zu kommen, muss ich nach \u00d6sterreich fliegen. Das ist die psychologische Hemmschwelle.<\/p>\n<p><strong>ff: F\u00fcr wen ist das eine Hemmschwelle?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Oswin Maurer: <\/strong>F\u00fcr potentielle G\u00e4ste<strong>.<\/strong> Lange Fahrten vom Flughafen in die Innenstadt haben sich etabliert. Ein solcher Anschlusstransport von zwei Stunden ist kein Problem<strong>. <\/strong>Aber ich fliege nicht nach \u00d6sterreich, um in Italien Urlaub zu machen. Die Leute sagen nicht S\u00fcdtirol. F\u00fcr die ist das Italien. Die gedanklichen Realit\u00e4ten sind international andere als in S\u00fcdtirol. Stellen Sie sich vor, Sie m\u00fcssten nach Sardinien fahren, um nach Korsika zu kommen. Warum sollten Sie das tun? F\u00fcr jemanden, der nicht genau wei\u00df, wo er hinf\u00e4hrt, ist das schwierig.<\/p><\/blockquote>\n<p>Ich frage mich nach diesen Aussagen ernsthaft, f\u00fcr wie bl\u00f6d uns unsere Marketingexperten eigentlich halten. Ich buche soeben Hotels f\u00fcr eine Wanderreise ins Tessin. Interessanterweise ist es f\u00fcr die Tessiner Tourismuswirtschaft \u00fcberhaupt kein Problem, die Mail\u00e4nder Flugh\u00e4fen als die logistisch beste Anreisem\u00f6glichkeit f\u00fcr Flugtouristen anzupreisen. Vom Tessin nach Mailand Malpensa wird soeben an einer direkten Bahnverbindung gebaut. Die Mail\u00e4nder Flugh\u00e4fen liegen bekanntlich in Italien und das Tessin in der Schweiz. Die Tessiner Tourismuswirtschaft erkennt in der Promotion der Mail\u00e4nder Flugh\u00e4fen f\u00fcr ihre G\u00e4ste kein psychologisches Problem, da diese Flugh\u00e4fen logistisch die naheliegendste L\u00f6sung darstellen.<br \/>\nGar nicht wenige internationale Flugg\u00e4ste fliegen \u00fcber die \u00f6sterreichische Hauptstadt Wien, um in die slowakische Hauptstadt Pre\u00dfburg (Bratislava) zu gelangen oder umgekehrt. Gar nicht zu reden vom Flughafen Kopenhagen, der dank \u00d6resundbr\u00fccke auch f\u00fcr S\u00fcdschweden zum wichtigsten Flughafen geworden ist. Etliche \u00e4hnliche Beispiele aus Grenzregionen lie\u00dfen sich auflisten.<br \/>\nNicht so unser Marketingguru von der Uni Bozen. Logistisch naheliegend w\u00e4re eine Zusammenarbeit mit Innsbruck oder im Interkontinentalbereich sogar mit M\u00fcnchen. Aber von Logistik scheinen Marketingleute oder Menschen des Spitzenmanagements, die die Welt vielfach auf Flugh\u00e4fen reduzieren, teils wesentlich weniger zu verstehen als ein Rucksacktourist.<br \/>\nEine Episode: Im Dezember 1996 gab der S\u00e4nger Zucchero am Kronplatz ein Konzert. Eine junge Journalistin wollte mit ihm ein unangemeldetes Interview machen. Sie war der Meinung, dass ich als T\u00fcr\u00f6ffner geeignet w\u00e4re. So begaben wir uns zum Hotel, wo Zucchero logierte. Der Manager von Zucchero lie\u00df uns tats\u00e4chlich vor. Mein Job war es, nun den Manager von Zucchero so lange wie m\u00f6glich in ein Gespr\u00e4ch zu verwickeln, um die Interviewzeit f\u00fcr meine Begleiterin so lange wie m\u00f6glich zu gestalten. Ich fragte unter anderem, wie das Team um Zucchero vom vorhergehenden Konzerttermin am 13.12.1996 in Stuttgart nach Bruneck angereist sei, wo das Konzert am 15.12.2015 stattfand. Flug von Stuttgart nach Z\u00fcrich, dort eine mehrst\u00fcndige Umsteigezeit und dann Flug von Z\u00fcrich nach Innsbruck. Von dort dann per Hubschrauber ins Pustertal. Die Flugverbindung Stuttgart-Z\u00fcrich-Innsbruck wurde damals tats\u00e4chlich angeboten. Damals verkehrte ebenfalls noch ein Eurocity-Zug von Dortmund \u00fcber Stuttgart, M\u00fcnchen und S\u00fcdtirol nach Mailand. Die Fahrzeit von Stuttgart nach Franzensfeste war k\u00fcrzer als die komplexe Flugroute des Zucchero-Managements. Wenn man f\u00fcr den S\u00e4nger und sein Team mehrere 1.-Klasse-Abteile gebucht h\u00e4tte, sicher auch komfortabler als der Check-In-Firlefanz und die Warterei an den Flugh\u00e4fen. Logistisch also keine sehr sinnvolle L\u00f6sung, aber durchaus typisch f\u00fcr die Welt des Managements, die unsere Erde gerne auf Flugh\u00e4fen reduziert und im Falle unseres Marketinggurus von der Uni Bozen sogar auf Nationalstaaten. Derart ungeschickt hat sich nicht mal das Management von Zucchero angestellt, ansonsten h\u00e4tte man ja Verona, Venedig oder Mailand anfliegen m\u00fcssen &#8211; aber selbst dieses hat Innsbruck als geeigneten Airport f\u00fcr das Pustertal erkannt.<\/p>\n<p>Wird S\u00fcdtirol derart unprofessionell vermarktet, dass man beispielsweise nicht in der Lage ist, \u00fcber eine App den jeweils besten Flughafen aufzulisten? Diese L\u00f6sung w\u00fcrde nicht einmal eine institutionelle Zusammenarbeit mit irgendeinem Flughafen notwendig machen. Es geht lediglich darum Daten zu verkn\u00fcpfen. Anscheinend denkt die SMG tats\u00e4chlich dar\u00fcber nach.<br \/>\nDass man auch auf institutioneller Ebene au\u00dferhalb des (logistisch) einengenden Horiziontes der Nationalstaaten sinnvolle L\u00f6sungen aufbauen kann, beweist der trinationale Flughafen Basel-Mulhouse-Freiburg. Dieser Flughafen wird weltweit einmalig von zwei Staaten (Schweiz, Frankreich) betrieben. Da er auch f\u00fcr den s\u00fcdwestdeutschen Raum gro\u00dfe Bedeutung hat, bekam er den Zusatz Freiburg. S\u00fcdbadische Vertreter sind im Verwaltungsrat und im trinationalen Beirat, allerdings ohne Stimmrecht, vertreten <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Flughafen_Basel-M%C3%BClhausen\">(siehe Wikipedia)<\/a>. W\u00e4re ein Euregio-Flughafen Innsbruck-Bozen v\u00f6llig abwegig?<br \/>\nF\u00fcr Oswin Maurer wohl die geografische Verwirrung schlechthin. Internationale Flugpassagiere, und solche d\u00fcrfte der Industriestandort Basel gar einige haben, m\u00fcssen, ach wie verwirrend, im grenzenlosen Europa nach Frankreich fliegen, um in die Schweiz zu gelangen. Oder von Deutschland \u00fcber Frankreich in die Welt fliegen.<br \/>\nWohl alles unvorstellbar f\u00fcr unsere Marketinggurus, die gerne Wasser predigen, aber Wein trinken, sprich viel von Weltoffenheit und Blick \u00fcber den Tellerrand predigen, um danach nicht einmal in der Lage zu sein, f\u00fcr eine Region logistisch sinnvolle L\u00f6sungen zu entwickeln, die sich nicht von nationalstaatlichen Grenzen einengen lassen.<\/p>\n<p>\u00dcbrigens, wie ist dieser Ausspruch zu interpretieren? <em>Die Leute sagen nicht S\u00fcdtirol. F\u00fcr die ist das Italien.<\/em> Und ich dachte immer die SMG ist dazu gegr\u00fcndet worden, eine starke Marke S\u00fcdtirol zu kreieren und zu promoten.<br \/>\nTrotzdem, ganz unrecht hat Oswin Maurer in seiner Annahme nicht. Deshalb ist dies durchaus ein gewichtiges Argument f\u00fcr die Eigenstaatlichkeit S\u00fcdtirols. Sie w\u00fcrde S\u00fcdtirol automatisch auf den internationalen Landkarten sichtbar machen. Und gar nicht wenige BesucherInnen werden Luxemburg, Malta, Estland oder andere Kleinstaaten unter anderem deshalb besuchen, da sie aufgrund ihrer Eigenstaatlichkeit international sichtbar sind und nicht nationalstaatlich von einem gro\u00dfen Nachbarn vereinnahmt werden, der sie ihrer Eigenheiten, Erkennbarkeit und Sichtbarkeit beraubt. Auch eine S\u00fcdtiroler Sportautonomie w\u00fcrde f\u00fcr internationale Sichtbarkeit sorgen und einen entsprechenden Werbeeffekt generieren.<\/p>\n<p><strong><span style=\"font-family: Helvetica, Arial, sans-serif; text-transform: uppercase;\">C\u00ebla enghe:<\/span><\/strong> <a title=\"Trinationale Nachbarschaft.\" href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=1088\"><code>01<\/code><\/a> <a title=\"Abgeschieden.\" href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=634\"><code>02<\/code><\/a> <a title=\"Die sp\u00fcrbare Euregio.\" href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=12463\"><code>03<\/code><\/a> <a title=\"IBK vs. BZ.\" href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=24293\"><code>04<\/code><\/a><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der ff Nr. 35 vom 9.07.2015, \u00e4u\u00dfert sich Oswin Maurer, Marketingprofessor an der Uni Bozen und ab Oktober 2015 Dekan der Fakult\u00e4t f\u00fcr Wirtschaftswissenschaften, zum Erfolgsrezept des Tourismuslandes S\u00fcdtirol. 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