{"id":24988,"date":"2015-08-24T16:32:22","date_gmt":"2015-08-24T14:32:22","guid":{"rendered":"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=24988"},"modified":"2021-06-01T17:38:51","modified_gmt":"2021-06-01T15:38:51","slug":"vergleichsweise-heftig","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=24988","title":{"rendered":"Vergleichsweise heftig."},"content":{"rendered":"<p>Vorausgeschickt, dass ich von der doppelten Staatsb\u00fcrgerschaft f\u00fcr S\u00fcdtiroler nicht recht viel halte, da sie Ausdruck eines <em>ius sanguinis<\/em> ist und auch mir die Idee einer europ\u00e4ischen Staatsb\u00fcrgerschaft langfristig viel besser gefiele, m\u00f6chte ich doch noch einmal auf <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/florkronbichler\/photos\/a.195448410594326.46122.194967047309129\/595020053970491\/?type=1\">Florian Kronbichlers uns\u00e4glichen Optionsvergleich<\/a> eingehen, weil er mich ob seiner Perfidit\u00e4t so derma\u00dfen schockiert.<\/p>\n<ol>\n<li>Sollte die Doppelstaatsb\u00fcrgerschaft tats\u00e4chlich kommen, w\u00e4re sie durch eine demokratische Mehrheit legitimiert. Der Entscheidung w\u00e4re ein demokratischer Wettstreit der Ideen vorausgegangen, in der jeder seine Meinung artikulieren kann. Einen solchen Prozess mit dem perversen Machtspiel zweier faschistischer Diktatoren zu vergleichen, ist aus Sicht eines Demokraten gelinde gesagt grotesk.<\/li>\n<li>Die Option war eine Entscheidung zwischen Teufel und Belzebub: entweder die Aufgabe der Heimat oder die erzwungene Aufgabe von Sprache und Kultur \u2013 in jedem Fall eine massive Verschlechterung der Situation. Bei der doppelten Staatsb\u00fcrgerschaft erw\u00e4chst jenen, die sich nicht daf\u00fcr entscheiden, \u00fcberhaupt kein Nachteil. Jene, die sich daf\u00fcr entscheiden, erfahren eine (rein subjektive) Verbesserung.<\/li>\n<li>Die Brutalit\u00e4t der Option zeichnete sich au\u00dferdem dadurch aus, dass der Familienvater f\u00fcr die gesamte Familie entschied und dass sich jeder offen zu seiner Entscheidung bekennen musste. Denn entweder blieb man oder man zog weg bzw. bereitete sich darauf vor. Die Entscheidung f\u00fcr die Staatsb\u00fcrgerschaft w\u00e4re eine vollkommen individuelle. Niemandem w\u00fcrde die Staatsb\u00fcrgerschaft aufgezwungen, der diese nicht m\u00f6chte. Es w\u00e4re ein rein formaler Akt, zu dem ich mich nicht \u00f6ffentlich bekennen m\u00fcsste, sollte ich das nicht wollen.<\/li>\n<li>Die Option hat die S\u00fcdtiroler Gesellschaft physisch zerrissen. Durch die Annahme der \u00f6sterreichischen Staatsb\u00fcrgerschaft m\u00fcsste niemand Italien verlassen. Bereits jetzt gibt es viele Menschen in unserem Land, die \u00f6sterreichische und italienische Staatsb\u00fcrger sind. Diese sind deswegen weder bessere noch schlechtere B\u00fcrger. Ein Vergleich mit Dableibern und Optanten w\u00e4re eine grobe Verharmlosung.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Angesichts dieser Tatsachen das Wort \u00bbOption\u00ab auch nur im Entferntesten im Zusammenhang mit der demokratisch legitimen Forderung nach Doppelstaatsb\u00fcrgerschaft (wie es sie vielerorts auf der Welt gibt \u2013 Stichwort Istrien oder Dreizehnlinden) in den Mund zu nehmen, ist ein Hohn gegen\u00fcber all jenen, die durch das Hitler-Mussolini-Abkommen uns\u00e4gliches Leid erfahren haben. Flor sollte diesen Vergleich zur\u00fccknehmen und sich entschuldigen. Gleichzeitig sei es ihm unbenommen, sich vehement gegen die Einf\u00fchrung der doppelten Staatsb\u00fcrgerschaft auszusprechen.<\/p>\n<p>Er k\u00f6nnte dabei aber im Sinne eines Meinungspluralismus etwas weniger herablassend und patronisierend argumentieren. Dass die doppelte Staatsb\u00fcrgerschaft objektiv (!) ein Nichtthema sei, ist eine rein subjektive Einsch\u00e4tzung sowie eine Geringsch\u00e4tzung der Meinung\/Bed\u00fcrfnisse anderer. Sie erinnert mich an die Gegner der Homoehe, die Menschen anderer sexueller Orientierung ein Recht verweigern, welches sie selbst in dieser Form gar nicht in Anspruch nehmen m\u00f6chten. Auch w\u00fcrde ich mich davor h\u00fcten, vorzuschreiben, was die demokratischen Mehrheiten in Bozen und Wien von einem Thema zu halten haben. Zu guter Letzt geh\u00f6rt in den Schlusssatz noch das W\u00f6rtchen \u00bbauch\u00ab, denn alle in unserem Land denken nicht so wie Flor. Ein bisschen mehr Bescheidenheit st\u00fcnde gut zu Gesicht. Und eine \u2014 durchaus berechtigte \u2014 Kritik am Doppelstaatsb\u00fcrgerschaftsvorhaben, die sich auf einem Niveau bewegt, das jenes polternder Rechtspopulisten oder in Trinklaune politisierender Stammtischbr\u00fcder \u00fcbersteigt, ebenfalls.<br \/>\n<strong><br \/>\n<span style=\"font-family: Helvetica, Arial, sans-serif; text-transform: uppercase;\">C\u00ebla enghe:<\/span><\/strong> <a title=\"Der \u00bbgr\u00fcne\u00ab Unionspass.\" href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=24945\"><code>01<\/code><\/a> <a title=\"Mehrsprachiger Reisepass?\" href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=24963\"><code>02<\/code><\/a> <a title=\"Ein Nicht-Thema mit Potential zum Weltuntergang.\" href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=37704\"><span style=\"color: #ff8c00\"><code>03<\/code><\/span><\/a><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vorausgeschickt, dass ich von der doppelten Staatsb\u00fcrgerschaft f\u00fcr S\u00fcdtiroler nicht recht viel halte, da sie Ausdruck eines ius sanguinis ist und auch mir die Idee einer europ\u00e4ischen Staatsb\u00fcrgerschaft langfristig viel besser gefiele, m\u00f6chte ich doch noch einmal auf Florian Kronbichlers uns\u00e4glichen Optionsvergleich eingehen, weil er mich ob seiner Perfidit\u00e4t so derma\u00dfen schockiert. 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