{"id":26012,"date":"2015-11-24T18:25:14","date_gmt":"2015-11-24T17:25:14","guid":{"rendered":"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=26012"},"modified":"2025-11-24T10:43:19","modified_gmt":"2025-11-24T09:43:19","slug":"muessen-ortsnamen-uebersetzt-werden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=26012","title":{"rendered":"Sollen Ortsnamen \u203a\u00fcbersetzt\u2039 werden?"},"content":{"rendered":"<p>Das neue Sprachbarometer des Landesstatistikinstitutes (ASTAT) bietet interessante Einblicke nicht nur in sprachliche Thematiken im engeren Sinne, sondern zum Beispiel auch in die Einsch\u00e4tzung der S\u00fcdtirolerinnen zum leidigen Thema der sogenannten \u00bbzwei- oder dreisprachigen Ortsnamen\u00ab. Dabei ist es ja eigentlich ein Missverst\u00e4ndnis, <a title=\"Toponomastikkommission (II): Name \u2260 Sprache.\" href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=10886\">dass Namen eine Sprache \u00bbhaben\u00ab<\/a>, mal davon abgesehen, dass die italienischen Ortsbezeichnungen zum allergr\u00f6\u00dften Teil Erfindungen eines Protofaschisten sind \u2014 aber <a title=\"Toponomastik \u2014 n\u00fcchtern betrachtet.\" href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=16091\">das wurde hier im Blog schon oft genug durchgekaut.<\/a><\/p>\n<p>Das ASTAT&nbsp;hat unter anderem erhoben, ob die Befragten der Auffassung sind, dass<\/p>\n<ul>\n<li>alle Orts- und Flurnamen zwei- bzw. dreisprachig sein<\/li>\n<li>neu entstehende Ortschaften eine zwei- bzw. dreisprachige Benennung bekommen<\/li>\n<\/ul>\n<p>sollten, was ich in den beiden Diagrammen zusammengefasst habe, die diesen Beitrag begleiten. Wenig erstaunlich ist, dass vor allem die Mitglieder der deutschen Sprachgruppe die geringste Zustimmung zur \u00dcbersetzung von Orts- und Flurnamen zeigen. Das Ausma\u00df \u00fcberrascht dann aber trotzdem, schlie\u00dflich pflichten den beiden oben genannten Postulaten jeweils \u00fcber 70 Prozent bzw. \u00fcber 60 Prozent <span style=\"text-decoration: underline;\">nicht<\/span> bei.<\/p>\n<blockquote><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-96387 aligncenter\" src=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/ortsnamen_04-14.png\" alt=\"\" width=\"950\" height=\"891\" srcset=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/ortsnamen_04-14.png 950w, https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/ortsnamen_04-14-768x720.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 950px) 100vw, 950px\" \/><\/p><\/blockquote>\n<p>Auffallend und begr\u00fc\u00dfenswert ist meiner Auffassung nach jedoch vor allem, dass die Forderung nach \u00bbzwei- und dreisprachigen Orts- und Flurnamen\u00ab (unabh\u00e4ngig davon, ob im Fall von bestehenden oder \u00bbneuen\u00ab Ortschaften) bei den S\u00fcdtiroleinnen <span style=\"text-decoration: underline;\">jeglicher<\/span> Muttersprache r\u00fcckl\u00e4ufig ist. Zwischen 2004 und 2014 kann also im Trend von einer Abkehr von der Forderung nach fl\u00e4chendeckender \u00dcbersetzung von Toponymen gesprochen werden.<\/p>\n<blockquote><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-96386 aligncenter\" src=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/ortsnamen_04-14_neue.png\" alt=\"\" width=\"950\" height=\"843\" srcset=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/ortsnamen_04-14_neue.png 950w, https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/ortsnamen_04-14_neue-768x681.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 950px) 100vw, 950px\" \/><\/p><\/blockquote>\n<p>Die deutsche Sprachgruppe ist dabei die einzige, die sich eher mit der \u00dcbersetzung von Bezeichnungen <em>neuer<\/em> Ortschaften anfreunden k\u00f6nnte als mit der Beibehaltung der (tolomeischen) \u00dcbersetzungen <em>bestehender<\/em> Orts- und Flurnamen.<\/p>\n<p>Wiewohl S\u00fcdtirolerinnen italienischer Muttersprache eine deutlich gr\u00f6\u00dfere Zustimmung zur fl\u00e4chendeckenden \u00dcbersetzung von Toponymen zeigen, stimmen immerhin zwischen einem guten Viertel (27,8%) und einem knappen Drittel (32,9%) von ihnen <span style=\"text-decoration: underline;\">nicht<\/span> mehr mit dieser Forderung \u00fcberein. Das ist deutlich mehr, als man vermutlich erwartet h\u00e4tte \u2014 und bedeutet einen klaren Fortschritt im Vergleich zur Erhebung von 2004.<\/p>\n<p>Die (relativ hohen) Zustimmungswerte der Ladinerinnen zur \u00dcbersetzung von Ortsbezeichnungen k\u00f6nnten meiner Meinung nach wenigstens teilweise mit einem m\u00f6glichen Missverst\u00e4ndnis zusammenh\u00e4ngen: Deutlich \u00f6fter als im restlichen S\u00fcdtirol sind in Ladinien mehrere, manchmal alle drei Ortsbezeichnungen historisch gewachsen. Die Abkehr von \u00dcbersetzungen k\u00f6nnte hier die Unsicherheit befeuern, ob am Ende tats\u00e4chlich das ladinische Endonym erhalten bliebe \u2014 und nicht gerade dieses zugunsten der deutschen bzw. italienischen Bezeichnung aufgegeben werden m\u00fcsste. H\u00e4tte die Frage also deutlich zum Ausdruck gebracht, dass in Ladinien (wennschon) die \u00bbdeutschen\u00ab und die \u00bbitalienischen\u00ab Toponyme wegfallen w\u00fcrden, h\u00e4tte hier das Umfrageergebnis m\u00f6glicherweise anders ausgesehen. Aber das sind Spekulationen.<\/p>\n<p>F\u00fcr mich wenig \u00fcberraschend ist die Tatsache, dass S\u00fcdtirolerinnen mit einer anderen Muttersprache (als Deutsch, Italienisch oder Ladinisch) relativ wenig mit zwei- und dreisprachigen Orts- und Flurnamen anfangen k\u00f6nnen, ihre Zustimmung zu \u00bb\u00dcbersetzungen\u00ab also nur von der deutschen Sprachgruppe unterboten wird. Die <em>fl\u00e4chendeckende<\/em> \u00bb\u00dcbersetzung\u00ab von Toponymen ist als unbeseitigtes \u00dcberbleibsel einer totalit\u00e4ren Diktatur quasi ein weltweites Unikum, auf das Au\u00dfenstehende h\u00e4ufig mit Verwirrung und Unverst\u00e4ndnis reagieren. Besonders dann, wenn sie die historischen Hintergr\u00fcnde kennen.<\/p>\n<p>In Summe sprechen sich laut Sprachbarometer nur noch 41,9 Prozent der S\u00fcdtirolerinnen daf\u00fcr aus, dass alle Orts- und Flurnamen zwei- oder dreisprachig sein sollten. Die Zustimmung zur zwei- oder dreisprachigen Benennung <em>neuer<\/em> Ortschaften ist mit 45,7 Prozent etwas h\u00f6her, aber im Gegensatz zu 2004 ebenfalls nicht mehr mehrheitsf\u00e4hig.<\/p>\n<p><strong><span style=\"font-family: Helvetica, Arial, sans-serif; text-transform: uppercase;\">C\u00ebla enghe:<\/span><\/strong> <a title=\"Toponomastik \u2014 n\u00fcchtern betrachtet.\" href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=16091\"><code>01<\/code><\/a> <a title=\"Demokratieverhinderung.\" href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=25002\"><code>02<\/code><\/a> <a title=\"Doppelte Beleidigung.\" href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=19162\"><code>03<\/code><\/a> <a title=\"Ubi nomen, ibi patria.\" href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=6611\"><code>04<\/code><\/a> <a title=\"Welcome back, Denali.\" href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=25045\"><code>05<\/code><\/a> <a title=\"Was der Uluru kann, kann Urtij\u00ebi schon lang.\" href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=7309\"><code>06<\/code><\/a> <a title=\"Ortsnamen, Slowenien.\" href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=23701\"><code>07<\/code><\/a> <span style=\"font-family: Helvetica, Arial, sans-serif; font-weight: normal;\">||<\/span> <a title=\"Nicht alle Ortsnamen m\u00fcssen \u203azweisprachig\u2039 sein.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=96363\"><span style=\"color:#ff8c00; text-decoration:underline; text-decoration-color:#ff8c00; text-decoration-thickness:3px;\"><code>01<\/code><\/span><\/a> <a title=\"Ortsnamen interessieren nicht. Oder doch?\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=33623\"><span style=\"color: #ff8c00\"><code>02<\/code><\/span><\/a><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das neue Sprachbarometer des Landesstatistikinstitutes (ASTAT) bietet interessante Einblicke nicht nur in sprachliche Thematiken im engeren Sinne, sondern zum Beispiel auch in die Einsch\u00e4tzung der S\u00fcdtirolerinnen zum leidigen Thema der sogenannten \u00bbzwei- oder dreisprachigen Ortsnamen\u00ab. 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