{"id":26352,"date":"2015-12-17T08:47:07","date_gmt":"2015-12-17T07:47:07","guid":{"rendered":"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=26352"},"modified":"2021-05-24T08:12:45","modified_gmt":"2021-05-24T06:12:45","slug":"abgehoben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=26352","title":{"rendered":"Abgehoben."},"content":{"rendered":"<p>Der Flughafen Bozen befindet sich zur Zeit in einem Dornr\u00f6schenschlaf. Die Startbahn ist wegen Sanierungsarbeiten noch gesperrt, nur einige kleinere Flugzeuge starten und landen auf der Graspiste des &#8220;Dolomitenairport&#8221;. Nun hat die Landesregierung wieder einmal Gro\u00dfes vor. Es liegt ein Konzept vor, welches versucht, die Entwicklung des Flughafens f\u00fcr die n\u00e4chsten 20 Jahre aufzuzeichnen. Auf der Webseite des ABD k\u00f6nnen die Dokumente <a title=\"Konzept\" href=\"http:\/\/www.bolzanoairport.it\/de\/geschichte-bozner-flughafen.htm\">heruntergeladen<\/a> werden, sie sind als &#8220;streng vertraulich&#8221; gekennzeichnet.<\/p>\n<p>Die gute Nachricht ist, dass sich endlich ein spezialisiertes Beratungsunternehmen um die Zukunft des Flughafens Gedanken macht. Der Flughafen soll auf f\u00fcnf S\u00e4ulen bauen, welche wie folgt spezifiziert wurden:<\/p>\n<ul>\n<li>\n<div class=\"textLayer\">\n<div>Feeder und Codeshare (z.B. Rom, Wien)<\/div>\n<\/div>\n<\/li>\n<li>Regional Carrier (z.B. D\u00fcsseldorf)<\/li>\n<li>Outgoing Charter (z.B. Ibiza, Mallorca, Sardinien)<\/li>\n<li>Incoming Charter (z.B. aus England, Skandinavien)<\/li>\n<li>Business Aviation (Gesch\u00e4ftsreisen)<\/li>\n<\/ul>\n<p>Es wurden verschiedene Szenarien entworfen, die eine unterschiedliche Entwicklung prognostizieren (Low Case, Base Case, High Case), diese sehen eine Passagierzahl bis 2035 von 230-720.000 vor. Im Jahr 2014 nutzten 65.000 Passagiere den Flughafen. Die Methodik zur Berechnung der Nachfrageentwicklung basiert auf die Sch\u00e4tzung des zuk\u00fcnftigen BIP der jeweiligen Ziell\u00e4nder, sodass daraufhin Flugpl\u00e4ne abgeleitet werden konnten. Die Methodik ist zwar nachvollziehbar, allerdings wei\u00df man in der Regel nicht einmal in 2 Jahren wie das BIP eines Landes sich entwickeln wird. Ein weitere Knackpunkt sind Annahmen, welche Ziele bedient werden sollen, hier war wohl sehr viel Wunschdenken am Werk. Wien soll beispielsweise anfangs 3xw\u00f6chentlich bedient werden, sp\u00e4ter t\u00e4glich, Rom 2-3 t\u00e4glich. Angesichts der Tatsache, dass vier Frecce-Hochgeschwindigkeitsz\u00fcge je Tag und Richtung Bozen mit Rom und anderen St\u00e4dten verbinden, ein sehr gewagtes Unterfangen. Dass ausgerechnet Wien 1xt\u00e4glich angeflogen werden soll, erschlie\u00dft sich nicht, Innsbruck ist sehr nahe und wird mehrmals t\u00e4glich mit Wien verbunden. Frankfurt, die vielleicht interessanteste Destination, fehlt, dies d\u00fcrfte wohl der mangelnden Verf\u00fcgbarkeit von Slots in Frankfurt geschuldet sein. Der Bereich &#8220;Incoming Charter&#8221; zeigt eine Reihe von Fl\u00fcgen aus England, Skandinavien und Osteuropa die S\u00fcdtirol anfliegen sollten, wobei verwunderlich ist, dass ein derartig entwickeltes Urlaubsgebiet wie S\u00fcdtirol sich nicht bereits fr\u00fcher zu einer (Flug-)Destination entwickelt hat.<\/p>\n<p>Dazu bedarf es wieder erheblicher Investitionen, bis zum Jahr 2035 sollen insgesamt 25 Mio. investriert werden. Die Landebahn mu\u00df auf 1.462m ausgebaut werden, damit k\u00f6nnen Flugzeuge des Typs Boeing 737-700 und Airbus A319 von Bozen aus starten und landen, eine weitere Verl\u00e4ngerung ist nicht sinnvoll, da die seitlichen Sicherheitsabst\u00e4nde f\u00fcr die n\u00e4chsth\u00f6here Kategorie fehlen, das bedeutet, Ryanair wird nie in Bozen landen und starten k\u00f6nnen, da diese Airline ausschlie\u00dflich mit Flugzeugen des Typs Boeing 737-800 operiert. Somit ist Bozen auf\u00a0 eine eingeschr\u00e4nkte Zahl an Flugbetreibern angewiesen. Die Butter-und-Brot-Flugzeuge A320 und 737-800 fallen n\u00e4mlich in die n\u00e4chsth\u00f6here Kategorie. Ein weiterer wichtiger Nachteil des Flughafens ist die Tatsache, dass nur von S\u00fcden kommend an- und abgeflogen werden kann, damit k\u00f6nnen zu Spitzenzeiten (z.B. samstags), wo sich ein Gro\u00dfteil des Charterverkehrs konzentrieren wird, nur 4 Fl\u00fcge (2 Abfl\u00fcge, 2 Ank\u00fcnfte) pro Stunde abgefertigt werden. Damit wird die Kapazit\u00e4t arg beschnitten.<\/p>\n<p>Verwunderlich sind zudem die Annahmen, wie sich die Zahl der Passagiere nach Typ aufteilen werden. Im &#8220;Base Case&#8221; wird beim &#8220;Incoming Charter&#8221; von letztendlich 77.000 Passagiere (2035) ausgegangen, dies bedeutet ca. 38.000 Touristen (1xHinflug, 1xR\u00fcckflug). Wird zus\u00e4tzlich bei den Linienfl\u00fcgen ein Anteil von 30% an Touristen angenommen (54.000 Touristen), so d\u00fcrften insgesamt ca. 131.000 Touristen \u00fcber den Flughafen Bozen unser Land bereisen. Dies entspricht in etwa 2,1% der j\u00e4hrlichen Ank\u00fcnfte (2014: 6 Mio.) und ist weit von den 5% entfernt, welche die Politik als Entwicklungsziel vorgibt. Damit das Ganze auch erfolgreich wird, sind j\u00e4hrlich 2,5 Mio. Euro an &#8220;Airline-Marketing&#8221; vorgesehen, d.h. Zahlungen, damit Fluglinien unser Gebiet bedienen. Fr\u00fcher h\u00e4tte man es Subventionen genannt.<\/p>\n<p>S\u00fcdtirol ohne Flughafen ist f\u00fcr mich nicht vorstellbar, zusperren sicherlich keine Alternative, zumindest als Infrastruktur sollte der Flughafen erhalten bleiben. Die wirklich hohen Kosten ergeben sich aus den Sicherheitsauflagen, welche bei einem Linien- und Charterverkehr anfallen. Dass nun zum wiederholten Mal \u00f6ffentliches Geld in die Hand genommen wird, um eine bescheidene Anzahl an Touristen ins Land zu locken, ist der eigentliche Skandal, der sich aber in vielen Regionen Europas immer wieder wiederholt. Zum Beispiel <a title=\"Insolventer Flughafen L\u00fcbeck\" href=\"http:\/\/www.aero.de\/news-23074\/Betrieb-des-Luebecker-Flughafens-noch-bis-Februar.html\">L\u00fcbeck<\/a>, <a title=\"Kassel\" href=\"http:\/\/www.aero.de\/news-20736\/Kassel-Calden-braucht-Millionen-Zuschuss.html\">Kassel-Calden<\/a>, aber auch <a title=\"Friedrichshafen\" href=\"http:\/\/www.aero.de\/news-23099\/Intersky-Aus-Land-sagt-Flughafen-Friedrichshafen-Unterstuetzung-zu.html\">Friedrichshafen<\/a> mit mehr als 600.000 Passagieren und einem hohen Defizit. Reinhold Messner hat k\u00fcrzlich auch f\u00fcr den Flughafen Bozen getrommelt und dabei das Engadin als Beispiel genannt, das mit erstklassigen Touristen aufwarten kann. Was er allerdings nicht erw\u00e4hnt hat, dass z.B. f\u00fcr die Anreise vom Flughafen Z\u00fcrich bis Davos oder St. Moritz ca. 3 Stunden (Bahn) aufgewendet werden m\u00fcssen. Da sind wir in S\u00fcdtirol l\u00e4ngst in Innsbruck, Verona oder M\u00fcnchen. K\u00fcrzlich habe ich in London beinahe meinen Flug vers\u00e4umt, obwohl ich mich\u00a0 5 Stunden vor dem Abflug vom Zentrum in Richtung Flughafen aufgemacht habe, so viel zum Thema mangelnde Erreichbarkeit in S\u00fcdtirol.<\/p>\n<p>Die Landesregierung hat eine <a title=\"Flughafen Berfragung\" href=\"http:\/\/www.provinz.bz.it\/news\/de\/news.asp?news_action=4&amp;news_article_id=525596\">beratende Volksbefragung<\/a> zum Flughafenentscheid beschlossen; angesichts der st\u00e4ndigen medialen Aufrufe, welche viele politischen Vertreter in j\u00fcngster Zeit zum Flughafen gemacht haben, l\u00e4sst sich erahnen, was im n\u00e4chsten Jahr auf uns zukommt. Politik (SVP), Handelskammer, SMG und nicht zuletzt ein Medienkonzern werden aus vollen Rohren schie\u00dfen, um die Bev\u00f6lkerung \u00fcber die Sinnhaftigeit des Projektes zu &#8220;informieren&#8221;.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Flughafen Bozen befindet sich zur Zeit in einem Dornr\u00f6schenschlaf. 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