{"id":26539,"date":"2016-01-05T12:09:03","date_gmt":"2016-01-05T11:09:03","guid":{"rendered":"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=26539"},"modified":"2022-05-01T22:58:59","modified_gmt":"2022-05-01T20:58:59","slug":"ein-tag-des-gedenkens-an-alle-voelkermorde","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=26539","title":{"rendered":"Ein Tag des Gedenkens an alle V\u00f6lkermorde."},"content":{"rendered":"<!-- Snippets by WebberZone Snippetz --><div class=\"ata_snippets\"><hr style=\"height: 20px; border: none; margin-top: 0em; background-color: darkred;\"\/><\/div><p><em>In vielen L\u00e4ndern wird allj\u00e4hrlich am 27. J\u00e4nner des Holocausts gedacht, doch ein internationaler Gedenktag an alle V\u00f6lkermorde der Geschichte existiert bis heute nicht. Es gibt aber den \u00bbGenocide Memorial Day\u00ab, der in einer wachsenden Zahl von St\u00e4dten begangen wird: so am 17. J\u00e4nner 2016 in London, Amsterdam, Barcelona, Birmingham, Br\u00fcssel, Jerusalem, Lissabon, Madrid und Paris.<\/em><\/p>\n<p>Der Begriff des V\u00f6lkermords ist von Raphael Lemkin w\u00e4hrend des 2. Weltkriegs entwickelt worden. Der polnisch-j\u00fcdische Jurist und Friedensforscher hatte sich schon vor dem Holocaust intensiv mit dem V\u00f6lkermord an den Armeniern befasst und im schwedischen Exil den Holocaust zu dokumentieren versucht. Mit Blick auf die Verbrechen an den Armeniern im Osmanischen Reich hatte er dem V\u00f6lkerbund 1934 einen Entwurf f\u00fcr eine internationale Konvention gegen Genozid vorgelegt. 1947 fertigte Lemkin f\u00fcr die Vereinten Nationen einen neuen Gesetzentwurf an, der 1948 fast unver\u00e4ndert von der VN-Generalversammlung mit 55:0 Stimmen als \u00bbKonvention \u00fcber die Verh\u00fctung und Bestrafung des V\u00f6lkermords\u00ab in Kraft gesetzt wurde. Seit 9. Dezember 1948 ist V\u00f6lkermord ein Straftatbestand im V\u00f6lkerrecht. Wie wenig abschreckend allerdings diese Konvention wirkte, beweist die lange Reihe neuer V\u00f6lkermorde in der Nachkriegszeit bis heute.<\/p>\n<p>Die Trag\u00f6die des Massenmords des Nazi-Regimes an den Juden Europas wird dabei als eine geschichtlich einzigartige Katastrophe begriffen, als das Verbrechen gegen die Menschlichkeit schlechthin. Jeder Vergleich mit anderen V\u00f6lkermorden verbat sich oder w\u00fcrde wohl heute noch als Sakrileg empfunden. Doch V\u00f6lkermord im Sinne von Raphael Lemkin geschah vor und nach dem Holocaust. Der Begriff wurde seit 1948 nach und nach auf Verbrechen angewandt, bei welchen systematisch und gezielt ein Volk oder eine Volksgruppe zur G\u00e4nze oder zum Teil vernichtet wurde. In den meisten F\u00e4llen wurden diese Verbrechen von Kolonialm\u00e4chten, diktatorisch regierten Staaten, in verschiedenen F\u00e4llen auch von westlichen Demokratien begangen. Man spricht von V\u00f6lkermord an den Indianern Amerikas, Armeniern, Tataren, Aborigenes Australiens und zahlreichen anderen indigenen V\u00f6lkern w\u00e4hrend der Kolonialzeit. Der erste V\u00f6lkermord des 20. Jahrhundert war \u00fcbrigens der Massenmord der deutschen Kolonialmacht an den Herero in Deutsch-S\u00fcdwestafrika (Namibia), dem 80% dieses Volks zum Opfer fielen.<\/p>\n<p>Das Konzept und der Rechtstatbestand des V\u00f6lkermords kam in der Nachkriegszeit zu tragischer Bedeutung, da es immer wieder zu grauenvollen Genozidverbrechen kam: Biafra, Kambodscha, Vietnam, Kurdistan, Ruanda, Osttimor, Bosnien, Darfur und andere mehr. Im Unterschied zu den Armeniern und zum Holocaust wurden Berichte \u00fcber aktuelle V\u00f6lkermorde in den letzten 30-35 Jahren vom Fernsehen direkt in die Wohnzimmer der Europ\u00e4er transportiert. Medien und Menschenrechtsaktivisten haben eine neue Art der Reaktion, Intervention und Reflexion auf diese Verbrechen ausgel\u00f6st. Doch ein global und allgemein verankertes Bewusstsein der moralischen und rechtlichen Verpflichtung der Staatengemeinschaft zum sofortigen Handeln bei V\u00f6lkermordverbrechen ist noch nicht entstanden. Sonst w\u00e4ren etwa die jahrelangen Verbrechen der sudanesischen Regierung in Darfur oder jene des Assad-Regimes in Syrien nicht toleriert worden.<\/p>\n<p>Auf diesem Hintergrund ist die Debatte zum V\u00f6lkermord in ein neues Licht ger\u00fcckt. Der Holocaust steht f\u00fcr V\u00f6lkermord schlechthin. Der Tag der <em>Shoah<\/em>, der allj\u00e4hrlich am 27. J\u00e4nner begangen wird, ist Ausdruck der besonderen Verpflichtung und Verantwortung der Deutschen in der Erinnerung an dieses Verbrechen. Er hat vor allem in Deutschland, aber auch in Italien eine unbestrittene Legitimit\u00e4t. Doch an jenem Gedenktag wird im Allgemeinen nicht der V\u00f6lkermorde als solchen gedacht, weil der Holocaust als geschichtlich einzigartiges Verbrechen betrachtet wird. Das kollektive Ged\u00e4chtnis der Menschheit muss in Sachen V\u00f6lkermord weiter reichen. Die Trag\u00f6die der Judenvernichtung im Dritten Reich soll damit nicht im Mindesten herabgestuft werden, sondern kann vielmehr in den Fluss einer schrecklichen Kontinuit\u00e4t von V\u00f6lkermord in der Menschheitsgeschichte gestellt werden, als die extremste Form des Verbrechens, das ansonsten in einem Reich des Unbegreiflichen gefangen bliebe. Wie die Juden Europas haben zahlreiche V\u00f6lker und Volksgruppen ein Schicksal erlitten, das zu ihrer g\u00e4nzlichen oder teilweisen Ausrottung f\u00fchrte. Es fehlt jedoch bis heute ein Gedenktag, an dem allen V\u00f6lkermordverbrechen der Menschheitsgeschichte gedacht wird. Nicht nur jener des 20. Jahrhunderts, sondern auch jener, die fr\u00fcher ver\u00fcbt worden und nie als solche von Nachfolgestaaten anerkannt worden sind, wie z.B. die Ausrottung unz\u00e4hliger Indianerv\u00f6lker Amerikas und anderer indigener V\u00f6lker in der Kolonialzeit.<\/p>\n<p>Mit einem solchen Tag der Mahnung w\u00fcrde an das Grauen erinnert, das ganzen V\u00f6lkern und Volksgruppen angetan wurde, um weltweit zu statuieren: Nie wieder! Nie wieder nicht nur Auschwitz, sondern auch Armenien, Biafra, Osttimor, Bosnien-Herzegowina, Ruanda. Tschetschenien und Kambodscha. V\u00f6lkermord ist ein \u00bbMenschheitstrauma\u00ab, es liegt im Bereich des M\u00f6glichen, und ist auch in der Zukunft nicht ausgeschlossen. Insofern w\u00e4re ein internationaler Gedenktag f\u00fcr die Opfer des V\u00f6lkermords, ein Nachdenktag \u00fcber die schlimmsten Akte der Unmenschlichkeit in der Geschichte, mehr als legitim. Der 9. Dezember, Tag der Verabschiedung der V\u00f6lkermordkonvention der VN, b\u00f6te sich daf\u00fcr an.<\/p>\n<!-- Snippets by WebberZone Snippetz --><div class=\"ata_snippets\"><hr style=\"height: 10px;border: none;margin-top: 0px;background-color: darkred\" \/>\r\n\r\n<div style=\"background-color: none;padding: 0px;font-size: 14px;font-family: Helvetica,Arial;margin: 10px 0px 0px 0px\"><span style=\"color: darkred\"><strong><small>Autor:innen- und Gastbeitr\u00e4ge widerspiegeln nicht notwendigerweise die Meinung oder die Position von BBD, so wie die jeweiligen Verfasser:innen nicht notwendigerweise die Ziele von BBD unterst\u00fctzen.<\/small><\/strong><small>\u00b7 I contributi esterni non necessariamente riflettono le opinioni o la posizione di BBD, come a loro volta le autrici\/gli autori non necessariamente condividono gli obiettivi di BBD. \u2014 <a href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?page_id=11356#copyleft\"><strong>\u00a9<\/strong><\/a><\/small><\/span><\/div><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In vielen L\u00e4ndern wird allj\u00e4hrlich am 27. J\u00e4nner des Holocausts gedacht, doch ein internationaler Gedenktag an alle V\u00f6lkermorde der Geschichte existiert bis heute nicht. Es gibt aber den \u00bbGenocide Memorial Day\u00ab, der in einer wachsenden Zahl von St\u00e4dten begangen wird: so am 17. J\u00e4nner 2016 in London, Amsterdam, Barcelona, Birmingham, Br\u00fcssel, Jerusalem, Lissabon, Madrid und [&hellip;]<\/p>","protected":false},"author":15,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_crdt_document":"","ngg_post_thumbnail":0,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[14],"tags":[],"class_list":["post-26539","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-autorinnen","entity-uno","location-kurdistan","language-deutsch","topic-colonialismi","topic-feuilleton","topic-geschichte","topic-militar","topic-politik","topic-recht","topic-religiun"],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/26539","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/15"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=26539"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/26539\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":72101,"href":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/26539\/revisions\/72101"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=26539"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=26539"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=26539"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}