{"id":2684,"date":"2009-08-01T21:52:51","date_gmt":"2009-08-01T19:52:51","guid":{"rendered":"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=2684"},"modified":"2025-10-13T11:27:56","modified_gmt":"2025-10-13T09:27:56","slug":"schottlands-unabhangigkeit-%c2%bbunausweichlich%c2%ab","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=2684","title":{"rendered":"Schottlands Unabh\u00e4ngigkeit \u203aunausweichlich\u2039."},"content":{"rendered":"<p><strong>Interview der katalanischen Tageszeitung <a title=\"El Punt.\" href=\"http:\/\/www.elpunt.cat\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u00bbEl Punt\u00ab<\/a><\/strong><strong> mit dem schottischen Minister f\u00fcr Unternehmen, Energie und Tourismus.<\/strong><\/p>\n<p>Als Minister der sozialdemokratischen <abbr title=\"Scottish National Party\">SNP<\/abbr> ist Jim Mather \u00fcberzeugt, dass die beste L\u00f6sung f\u00fcr Schottlands politische und wirtschaftliche Zukunft die Unabh\u00e4ngigkeit ist. Er unterstreicht das Recht der Schottinnen auf Selbstregierung und vertritt die Ansicht, dass jeder andere Weg ein Zeit- und Geldverlust w\u00e4re.<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">Hier meine \u00dcbersetzung des Interviews:<\/span><\/p>\n<blockquote><p><em><strong>El Punt:<\/strong> Die Calman-Kommission empfiehlt zus\u00e4tzliche Zust\u00e4ndigkeiten f\u00fcr Schottland. Ein Schritt nach vorn?<\/em><\/p>\n<p><strong>Mather:<\/strong> Ja, aber es gibt eine viel elegantere L\u00f6sung: Die Unabh\u00e4ngigkeit und vollst\u00e4ndige Finanzautonomie. Berichte wie der von Calman sind zu komplex und verz\u00f6gern lediglich das Unausweichliche: Dass Schottland seine Zukunft selbst in die Hand nimmt, indem es unabh\u00e4ngig wird. Im Jahr 2004 empfahl ein \u00e4hnlicher Bericht den Steuerf\u00f6deralismus, doch das war eine zu komplexe und teure Option. Wir haben ein klares Ziel vor Augen: Wir wollen unsere Wirtschaft selbst steuern, um sie effizienter zu machen.<\/p>\n<p><em>Geht es der schottischen Wirtschaft so schlecht?<\/em><\/p>\n<p><em><span style=\"font-style: normal;\">Die Zahlen sprechen f\u00fcr sich. W\u00e4hrend der letzten 30 Jahre ist Schottland durchschnittlich um 1,8% im Jahr gewachsen, w\u00e4hrend das \u00fcbrige Vereinigte K\u00f6nigsreich um 2,3% gewachsen ist, Norwegen um 3,1%, Irland um 5,2%. Es gab Zeiten mit einem noch viel niedrigeren Wachstum. Und einige Gebiete sind deutlich schlechter dran, weil diese 1,8% die sogenannte Finanzrevolution, also die Entdeckung neuer Erd\u00f6lfelder und den drastischen Ausbau der Technologiebranche, beinhalten. Manche Teile Schottlands haben davon gar nicht profitiert.<\/span><\/em><\/p>\n<p><em><span style=\"font-style: normal;\"><em>Warum?<\/em><\/span><\/em><\/p>\n<p><em><span style=\"font-style: normal;\"><em><span style=\"font-style: normal;\">Wir hatten ein sehr niedriges Wachstum, weil die Kontrolle \u00fcber die Wirtschaft in London liegt. Wir spielen ein unfaires Spiel, zu viele Entscheidungen werden zentral getroffen. Wir brauchen unseren eigenen Spielraum in Wirtschaftsfragen, um die Bedingungen anzugleichen. Wir wollen Schottland wettbewerbsf\u00e4higer machen, die Ressourcen vor Ort einsetzen.<br \/>\nStellen Sie sich eine Familie mit Kindern vor: Die Kinder gehen zur Schule und wachsen&#8230; alles l\u00e4uft bestens. Doch wenn sie 18 Jahre alt werden, teilen ihnen die Eltern mit, dass sie zu Hause bleiben m\u00fcssen, dass ihr Gehalt auf das Konto von Vater und Mutter \u00fcberwiesen wird \u2014 diese aber alle Rechnungen f\u00fcr sie bezahlen und ihnen ein gutes monatliches Taschengeld geben werden, mit dem sie all ihre Ausgaben bezahlen k\u00f6nnen. Welche Auswirkungen h\u00e4tte dies auf die Kinder? K\u00f6nnten sie ihr Potenzial voll aussch\u00f6pfen? W\u00e4ren sie starke Menschen und h\u00e4tten sie ihr Leben in der Hand? Schottland hat die letzten 300 Jahre mit dieser Einschr\u00e4nkung gelebt, und jetzt reicht es uns.<\/span><\/em><\/span><\/em><\/p>\n<p><em>Manche halten ein unabh\u00e4ngiges Schottland f\u00fcr nicht \u00fcberlebensf\u00e4hig&#8230;<\/em><\/p>\n<p>Sie sagen, dass Schottland zu klein, zu arm, vielleicht sogar zu dumm ist, um unabh\u00e4ngig zu sein. Dass es zu ineffizient ist, um alleine zu \u00fcberleben. Doch die Dummheit liegt klarerweise in diesen Aussagen, Schottland ist bereit f\u00fcr die Unabh\u00e4ngigkeit.<\/p>\n<p><em>Worin irren sich diese Leute also?<\/em><\/p>\n<p>Eines der wenigen L\u00e4nder der sogenannten Ersten Welt mit eigenen Erd\u00f6lreserven ist wirtschaftlich nicht \u00fcberlebensf\u00e4hig? Wir haben hervorragende Universit\u00e4ten, hier ist der Liberalismus von Adam Smith entstanden, wir haben 5,1 Millionen Einwohner, die im Informationszeitalter die Weltsprache Englisch sprechen. Und wir sollen nicht \u00fcberlebensf\u00e4hig sein? Das ist doch l\u00e4cherlich, all das sind riesengro\u00dfe Chancen.<\/p>\n<p><em>Im Augenblick empfiehlt jedoch die Calman-Kommission, die Verwaltung des Erd\u00f6ls bei Westminster in London zu lassen.<\/em><\/p>\n<p>Das Erd\u00f6l ist Teil der schottischen Bodensch\u00e4tze, und deshalb wollen wir es hier verwalten. Das Problem der Calman-Kommission ist das \u00fcbliche: Sie verwirft von vornherein die Gelegenheit, unsere Ressourcen selbst zu verwalten und betrachtet die Unabh\u00e4ngigkeit nicht mal als eine von mehreren m\u00f6glichen Zukunftsoptionen.<\/p>\n<p><em>Warum tut sie das nicht?<\/em><\/p>\n<p>Sie sagen, der Bericht w\u00e4re politisiert, wenn er sich mit der M\u00f6glichkeit einer Unabh\u00e4ngigkeit besch\u00e4ftigen w\u00fcrde. Doch er ist gerade deshalb politisiert, weil er sie nicht einmal in Betracht zieht. Nur wenn man alle Optionen analysiert, ergibt dies einen apolitischen, neutralen, vern\u00fcnftigen Bericht. Sowas kann wohl nur in Schottland geschehen, das hat absolut keinen Sinn. Wie k\u00f6nnen sie behaupten, dass sie eine objektive Kommission ins Leben rufen, um die Zukunft Schottlands zu analysieren, wenn sie nur die M\u00f6glichkeiten \u00fcberpr\u00fcfen, die sie von vornherein bef\u00fcrworten? Das ist eine unehrenhafte und besch\u00e4mende Attit\u00fcde.<\/p>\n<p><em>Die Unternehmerlobby CBI behauptet, die Wirtschaftskrise sei nicht der geeignete Zeitpunkt \u00fcber mehr Zust\u00e4ndigkeiten oder \u00fcber die Unabh\u00e4ngigkeit zu philosophieren.<\/em><\/p>\n<p><em><span style=\"font-style: normal;\">F\u00fcr die CBI wird der geeignete Moment auch nie kommen, denn sie hat eine sehr britische Perspektive. Wenn wir die wirtschaftlichen Ergebnisse des Landes verbessern wollen gibt es nur einen Weg: Je fr\u00fcher wir die Mechanismen kontrollieren, um es erreichen zu k\u00f6nnen, je fr\u00fcher wir unabh\u00e4ngig sind, desto besser. Warum sollten wir es hinausz\u00f6gern?<\/span><\/em><\/p>\n<p><em>Laut CBI, weil innerhalb Gro\u00dfbritanniens die besseren Voraussetzungen f\u00fcr Schottland bestehen, um aus der Wirtschaftskrise zu kommen.<\/em><\/p>\n<p><em><span style=\"font-style: normal;\">Dieses Argument ist von einer unerh\u00f6rten Arroganz, die typisch ist f\u00fcr manche zentralistische Organisationen in London, einschlie\u00dflich Westminster. Die Zentralregierung sagt uns: Wir haben euch in diese Krise man\u00f6vriert, und wir sind die einzigen, die euch da wieder rausholen k\u00f6nnen. Ich w\u00fcsste nicht warum.<\/span><\/em><\/p>\n<p><em>Also hat der Unabh\u00e4ngigkeitsanspruch wirtschaftliche Hintergr\u00fcnde?<\/em><\/p>\n<p>Der Ursprung des schottischen Separatismus liegt in unseren historischen Anspr\u00fcchen und der Wahrung unserer Eigenheiten. Auch wenn dies weiterhin wichtig bleibt, gibt es jetzt auch starke wirtschaftliche Gr\u00fcnde.<\/p>\n<p><em>Doch zun\u00e4chst m\u00fcssen Sie das Referendumsgesetz verabschieden, und dann brauchen Sie noch die Unterst\u00fctzung von Teilen der Opposition. Wird sich das ausgehen?<\/em><\/p>\n<p>Wir haben angeboten, im Referendum eine Option f\u00fcr die Unabh\u00e4ngigkeit und eine mit den Vorschl\u00e4gen der Calman-Kommission anzubieten, die ja von der Opposition bef\u00fcrwortet werden. Ich denke sie werden einwilligen, denn schlussendlich w\u00fcrden sie ansonsten der schottischen Bev\u00f6lkerung verwehren, ihre Meinung zu \u00e4u\u00dfern.<\/p>\n<p><em>Und was denkt diese Bev\u00f6lkerung Ihrer Meinung nach?<\/em><\/p>\n<p>Die Kaufleute, die Arbeiter, die Rentner, alle verstehen dass es unm\u00f6glich ist, wirkliche \u00c4nderungen herbeizuf\u00fchren, wenn wir nur den Haushalt verwalten. Ohne einen unabh\u00e4ngigen Entscheidungsspielraum k\u00f6nnen wir nicht genug unternehmen. Diese Erkenntnis ist bereits auf der Stra\u00dfe angekommen, die Leute reden davon, sehen das Potenzial, vor allem wenn sie den Vergleich mit anderen L\u00e4ndern dieser Gr\u00f6\u00dfenordnung wie Norwegen, D\u00e4nemark und Finnland ziehen.<\/p>\n<p><em>Sie scheinen sehr \u00fcberzeugt von der Unabh\u00e4ngigkeit, mehr als die Katalanen.<\/em><\/p>\n<p>In Katalonien wird hervorragend f\u00fcr die katalanischen Ziele gearbeitet, in Schottland f\u00fcr die schottischen. Zusammen k\u00f6nnen wir eine Kombination sehr starker Ideen dar\u00fcber erlangen, wie wir vorgehen m\u00fcssen und wo wir Druck aus\u00fcben k\u00f6nnen, um unsere Ziele zu erreichen.<\/p>\n<p><em>Sie sprechen von einem Erfahrungsaustausch?<\/em><\/p>\n<p>Wir wollen Schottland mit den Menschen in Katalonien oder in Qu\u00e9bec in Verbindung setzen. Das ist nur logisch, denn wir verfolgen alle \u00e4hnliche Ziele. Wir m\u00fcssen einen guten Draht zu den gro\u00dfen Staaten dieser Welt haben, aber auch mit jenen Leuten, die uns verstehen.<\/p>\n<p><em>Vielleicht w\u00fcrde Sie aber Spanien nicht verstehen. Glauben Sie, Spanien w\u00fcrde ein unabh\u00e4ngiges Schottland anerkennen?<\/em><\/p>\n<p>Spanien ist wie England ein gutes und gro\u00dfz\u00fcgiges Land. Wir hoffen auf eine pragmatische und sensible Unterst\u00fctzung durch den spanischen Staat, was unsere Anspr\u00fcche betrifft.<\/p>\n<p><em>Bis heute hat Spanien jedoch noch nicht einmal Kosovo anerkannt.<\/em><\/p>\n<p>Daf\u00fcr gibt es vielleicht Argumente \u2014 doch es ist allgemein eine Tendenz hin zu kleineren Staaten zu beobachten, die mit mehr Autonomie und einer direkteren Kontrolle der Politik ausgestattet sind. Spanien wird Schottland als unabh\u00e4ngiges Land anerkennen und mittelfristig auch \u00e4hnliche Entwicklungen im eigenen Land nicht aufhalten k\u00f6nnen.<\/p><\/blockquote>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Interview der katalanischen Tageszeitung \u00bbEl Punt\u00ab mit dem schottischen Minister f\u00fcr Unternehmen, Energie und Tourismus. Als Minister der sozialdemokratischen SNP ist Jim Mather \u00fcberzeugt, dass die beste L\u00f6sung f\u00fcr Schottlands politische und wirtschaftliche Zukunft die Unabh\u00e4ngigkeit ist. 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