{"id":26927,"date":"2016-02-03T15:15:20","date_gmt":"2016-02-03T14:15:20","guid":{"rendered":"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=26927"},"modified":"2025-12-29T19:10:09","modified_gmt":"2025-12-29T18:10:09","slug":"convenziun-n-memorandum-ladin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=26927","title":{"rendered":"Convenziun: N memorandum ladin."},"content":{"rendered":"<p>Der laufende S\u00fcdtirolkonvent ruft verschiedenste politische, gesellschaftliche, kulturelle und wirtschaftliche Akteure auf den Plan, die den TeilnehmerInnen ihre Anregungen f\u00fcr die \u00dcberarbeitung des Autonomiestatutes zukommen lassen. So ist nun auch ein umfassendes <strong>\u00bbladinisches Memorandum\u00ab<\/strong> erschienen, das wir hier in voller L\u00e4nge wiedergeben.<\/p>\n<p>Zu den beiden Verfassern:<\/p>\n<ul>\n<li>Dr. Lois Trebo ist Schullehrer in Ruhestand, seit den 70er Jahren in ladinischen Kulturvereinen t\u00e4tig, Autor mehrer B\u00fccher \u00fcber Volks- und Brauchtum sowie unz\u00e4hliger Beitr\u00e4ge in der ladinischen Wochenzeitung <em>Usc di Ladins.<\/em><\/li>\n<li>Dr. Erwin Valentini war in den 70er Jahren Universit\u00e4tsprofessor in Leuven (Flandern) und hat anschlie\u00dfend fast 30 Jahre lang in Luxemburg mit der Europ\u00e4ischen Kommission im Bereich der automatischen \u00dcbersetzung in mehreren Sprachen gearbeitet. Ende der 90er Jahre hat er die Leitung des SPELL <em>(Servisc per la planificazion y elaborazion dl lingaz ladin)<\/em> \u00fcbernommen und das Projekt 2003 mit der Ver\u00f6ffentlichung von Grammatik und W\u00f6rterbuch des <em>Ladin Standard<\/em> abgeschlossen.<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: center;\"><hr class=\"dotted-hr\" style=\"height: 4px; width: 100%; border: none; margin-top: 0em; margin-bottom: 0em; background-color: black;\"\/><\/p>\n<h6>Pr\u00e4ambel<\/h6>\n<h6>Ursachen des R\u00fcckgangs der ladinischen Sprache<\/h6>\n<p>Die Bed\u00fcrfnisse der ladinischen Volksgruppe sind weitgehend bekannt, wie auch die Ma\u00dfnahmen, die dazu geeignet w\u00e4ren, der progressiven Schw\u00e4chung der ladinischen Sprache entgegenzuwirken. Hier seien einige Ursachen, die f\u00fcr den R\u00fcckgang der Sprache verantwortlich sind, erw\u00e4hnt:<\/p>\n<ul>\n<li>Zersplitterung Ladiniens in verschiedene politisch-rechtliche K\u00f6rperschaften: 2 Regionen, 3 Provinzen, 5 Talgemeinschaften; dies tr\u00e4gt zum Auseinanderdriften der ladinischen T\u00e4ler bei (z.B. Sprachnormierung).<\/li>\n<li>Es fehlt ein politisches, wirtschaftliches und kulturelles Zentrum in Ladinien.<\/li>\n<li>Unterschiedliche sprachliche, kulturelle und schulische Ausrichtung der ladinischen T\u00e4ler.<\/li>\n<li>Sprachpolitische Verselbstst\u00e4ndigung der verschiedenen Idiome mit Bildung lokaler Identit\u00e4ten.<\/li>\n<li>Es fehlt die politische Anerkennung einer Einheitssprache.<\/li>\n<li>Gro\u00dfer Einfluss der anderssprachigen Medien und des Verlagswesens.<\/li>\n<li>Ladinien fehlt, im Gegensatz zu den anderen Volksgruppen, ein sprachliches Hinterland, aus dem es wesentliche Kulturg\u00fcter (z.B. Sprach- und Schulmittel, Literatur, Fernsehprogramme, usw.) sch\u00f6pfen k\u00f6nnte, was vor allem f\u00fcr die Modernisierung und den Ausbau der Sprache n\u00fctzlich w\u00e4re.<\/li>\n<li>Mangelhafte Pr\u00e4senz des Ladinischen im \u00f6ffentlichen Leben und im privatwirtschaftlichen Bereich.<\/li>\n<li>Zuwanderung Anderssprachiger.<\/li>\n<li>Abwanderung von Ladinern.<\/li>\n<\/ul>\n<h6>Ein gesamtladinischer Ansatz ist erforderlich<\/h6>\n<p>Die ladinischen T\u00e4ler Val Badia, Gherd\u00ebina, Fascia, Fodom mit Col St. Lizia und Anpezo bilden trotz ihrer teilweise unterschiedlichen politischen, sozialen und kulturellen Ausrichtung einen einheitlichen Kultur- und Sprachraum. <strong>Die Erhaltung und F\u00f6rderung der ladinischen Sprache und Kultur verlangt deshalb grunds\u00e4tzlich einen ganzheitlichen Ansatz<\/strong>; Teill\u00f6sungen, wenn sie nicht Teil eines ganzheitlichen F\u00f6rderungskonzeptes sind, sind sogar dazu geeignet, die bestehende Zersplitterung zu verst\u00e4rken und somit den Zusammenhalt Ladiniens zu gef\u00e4hrden. Die ladinische Kulturpolitik muss deshalb danach streben, einen weitgehend einheitlichen rechtlichen Rahmen f\u00fcr alle ladinischen T\u00e4ler zu schaffen, als Voraussetzung f\u00fcr eine einheitliche Handhabung der Rechte und Bed\u00fcrfnisse der ladinischen Volksgruppe. Die statutarischen Rechte der Ladiner S\u00fcdtirols (Badia und Gherd\u00ebina) und des Trentino (Fascia) sollen langfristig vereinheitlicht und den Ladinern Venetiens (Fodom, Col St. Lizia und Anpezo) zuerkannt werden. Dies k\u00f6nnte gew\u00e4hrleistet werden, wenn die drei ladinischen Gemeinden Venetiens an S\u00fcdtirol angeschlossen w\u00fcrden. Die Wiedervereinigung ist eine Grundforderung, die die ladinische Bev\u00f6lkerung in den entscheidenden Momenten ihrer Geschichte erhoben hat:<\/p>\n<ul>\n<li>1918: Forderung des Selbstbestimmungsrechts durch die ladinischen B\u00fcrgermeister;<\/li>\n<li>1946: Kundgebung auf dem Sellajoch gegen die Zersplitterung und f\u00fcr die Wiedervereinigung der Ladiner;<\/li>\n<li>2007: Referendum in den ladinischen Gemeinden Venetiens f\u00fcr deren Anschluss an S\u00fcdtirol.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Diese historische Forderung umzusetzen, sollte eine vorrangige Aufgabe der Politik und insbesondere der <em>Lia di Comuns Ladins<\/em> (Verband der ladinischen Gemeinden) sein.<\/p>\n<h6>Rechte, Forderungen, Bed\u00fcrfnisse<\/h6>\n<p>Es muss klar unterschieden werden, welche Rechte den Ladinern laut Gesetz (Verfassung, Autonomiestatut, Durchf\u00fchrungsbestimmungen, etc.) zustehen und welche Forderungen sich aus dem allgemeinen Prinzip der Gleichstellung der drei Sprachgruppen und des Schutzes der Sprachminderheiten ergeben. Was die gesetzlich verankerten Rechte betrifft, soll deren Umsetzung eingefordert werden, wenn n\u00f6tig mit gerichtlicher Hilfe; F\u00f6rderungsma\u00dfnahmen zugunsten von Sprache und Kultur sollen in Rahmen des politischen Dialogs zwischen Minderheit und Mehrheit beantragt und konkretisiert werden. Seitens der Politik werden jedoch nicht nur Ank\u00fcndigungen von allgemeinen Grunds\u00e4tzen und guten Absichten erwartet, diese m\u00fcssen auch in die Tat umgesetzt werden. Die Bed\u00fcrfnisse der ladinischen Minderheit d\u00fcrfen nicht nach einem rein numerischen Proporz gemessen werden, sie sind teilweise anders und verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig viel gr\u00f6\u00dfer als diejenigen der anderen zwei Volksgruppen in S\u00fcdtirol. \u00dcbrigens gilt das Prinzip, dass eine Demokratie danach bewertet wird, wie sie mit den Bed\u00fcrfnissen ihrer Minderheiten umgeht.<\/p>\n<h6>A. Politische Ma\u00dfnahmen zugunsten der Ladiner<\/h6>\n<h6>A.1 Gesamtladinien<\/h6>\n<ol>\n<li>Die autonomen L\u00e4nder S\u00fcdtirol und Trentino und die Region Venetien sollen sich in Rom f\u00fcr den <strong>Wiederanschluss<\/strong> der drei ladinischen Gemeinden von Belluno an S\u00fcdtirol st\u00e4rker einsetzen; der im Jahre 2007 bei einer Volksabstimmung in den drei Gemeinden bekundete Wille (\u00fcber 80% f\u00fcr den Anschluss) darf nicht ignoriert werden; das 1923 von den Faschisten begangene Unrecht der Aufteilung der Ladiner soll endlich aus der Welt geschafft werden; das Thema m\u00fcsste in Rom zur Sprache gebracht und auf die Tagesordnung des Parlamentes gesetzt werden.<\/li>\n<li>Im Rahmen der laufenden Parlamentsreform bzw. der Wahlgesetze und des Autonomiestatutes soll die Errichtung eigener <strong>Wahlkreise<\/strong> f\u00fcr die 18 Gemeinden und 3 Ortschaften des ladinischen Territoriums angestrebt werden.<\/li>\n<li>Die autonomen L\u00e4nder S\u00fcdtirol und Trentino und die Region Venetien sollen <strong>gesamtladinische Initiativen und Organisationen f\u00f6rdern und eine Infrastruktur<\/strong> schaffen, die zu einer breiteren Zusammenarbeit zwischen den T\u00e4lern und zu einer St\u00e4rkung der politischen und kulturellen Einheit Ladiniens f\u00fchren k\u00f6nnen.<\/li>\n<li>Die<strong> Lia di Comuns Ladins<\/strong> soll mit konkreten Befugnissen und Mitteln ausgestattet werden. Sie soll sich daf\u00fcr einsetzen, dass den Ladinern aller T\u00e4ler die gleichen Rechte zuerkannt werden.<\/li>\n<li>Die autonomen L\u00e4nder S\u00fcdtirol und Trentino und die Region Venetien sollen die <strong>Union Generela<\/strong> <strong>di Ladins<\/strong> <strong>dla Dolomites<\/strong> als kulturelle Vertreterin aller Dolomitenladiner im Sinne des Art.3.1. des Minderheitenschutzgesetzes 482\/1999 und auch als Ansprechpartnerin der <em>Lia di Comuns Ladins<\/em> anerkennen, nach dem Muster der <em>Lia Rumantscha<\/em> in Graub\u00fcnden.<\/li>\n<li>Die <strong>ladinischen Passstra\u00dfen<\/strong> sollen durch bauliche Ma\u00dfnahmen so gesichert werden, dass sie das ganze Jahr befahrbar sind. Die Einf\u00fchrung einer allgemeinen Maut oder anderer Verkehrsbeschr\u00e4nkungen f\u00fchrt nur zu einer zus\u00e4tzlichen gegenseitigen Abschottung der ladinischen T\u00e4ler und der Ladiner.<\/li>\n<\/ol>\n<p><!--more--><\/p>\n<h6>A.2 S\u00fcdtirol<\/h6>\n<ol>\n<li>Laut Gesetz sind die <strong>Ladiner im Landtag<\/strong> vertreten und in Abweichung vom Proporz kann ein Ladiner auch Landesrat werden; die Entscheidung bedarf jedoch einer Mehrheit im Landtag. Art. 50, Absatz 3 des Autonomiestatutes ist in dem Sinne abzu\u00e4ndern, dass die ladinische Sprachgruppe in der Landesregierung vertreten sein muss.<\/li>\n<li>Mit nur einem Abgeordneten (2,9 % der 35 Abgeordneten) sind die Ladiner (4,56% der Bev\u00f6lkerung) deutlich unterrepr\u00e4sentiert und k\u00f6nnen nicht die f\u00fcr sie vorgesehenen Stellen (Landesrat bzw. Vizepr\u00e4sident des Regional- \/ des Landtages) besetzen. Deshalb m\u00fcsste gesetzlich verankert werden, dass <strong>zwei Ladiner im Landtag<\/strong> sitzen m\u00fcssen.<\/li>\n<li>F\u00fcr die Ladiner muss eine <strong>Vertretung im Verwaltungsgericht gesetzlich <\/strong>garantiert werden und ebenso in der <strong>6er \/ 12er Kommission.<\/strong><\/li>\n<li>Der ladinische Landesrat soll sich haupts\u00e4chlich um ladinische Belange k\u00fcmmern durch aktive F\u00f6rderung der Kultur, St\u00e4rkung in der Schule, Aufwertung und Ausbau der Sprache, Kooperation mit den ladinischen Institutionen der Nachbarprovinzen, Einsatz f\u00fcr die Wiedervereinigung aller Ladiner.<\/li>\n<li>Bestimmte wichtige Dienste der \u00f6ffentlichen Verwaltung (Schulamt, Grundbuch, Katasteramt, Arbeitsamt, usw.) sollen <strong>Au\u00dfenstellen<\/strong> <strong>in den ladinischen Ortschaften <\/strong>haben, um b\u00fcrgernah zu sein aber auch um die starke Abwanderung von ladinischen Intellektuellen aus den T\u00e4lern zu stoppen; diese sollen in ihrer Heimat bleiben und arbeiten d\u00fcrfen, wo sie dringend gebraucht werden.<\/li>\n<li>Der <strong>Proporz<\/strong> soll dahingehend abge\u00e4ndert werden, dass den Ladinern der Zugang zu h\u00f6heren \u00c4mtern in der Landesverwaltung und in den \u00f6ffentlichen K\u00f6rperschaften nicht versperrt bleibt; dadurch w\u00fcrde auch vermieden, dass viele Ladiner sich als Angeh\u00f6rige einer anderen Volksgruppe erkl\u00e4ren m\u00fcssen, um eine h\u00f6here Stelle zu bekommen. Die Zulage f\u00fcr die ladinische Sprache soll allen Ladinern im \u00f6ffentlichen Dienst sowie den \u00f6ffentlichen Angestellten, die die offizielle ladinische Sprachpr\u00fcfung bestanden haben, gew\u00e4hrt werden. Dar\u00fcber hinaus soll daran erinnert werden, dass den Ladinern in der Landesverwaltung an die 150 Stellen zustehen w\u00fcrden, die zurzeit von anderen Sprachgruppen besetzt sind.<\/li>\n<li>Das Ladinische soll in den Bezirksgemeinschaften Pustertal (dazu geh\u00f6ren die Gemeiden des Gadertals) und Salten-Schlern (dazu geh\u00f6ren die Gemeinden Gr\u00f6dens sowie die ladinischen Ortschaften der Gemeinde Kastelruth) als gleichberechtigte Amtssprache verwendet werden. Langfristig soll jedoch eine <strong>ladinische Bezirksgemeinschaft<\/strong>, mit delegierten Kompetenzen f\u00fcr die ladinische Minderheit, angestrebt werden; dadurch w\u00fcrde die Sprachverwendung verbessert und das ladinische Selbstbewusstsein gest\u00e4rkt werden.<\/li>\n<li><strong>Das Ladinische Museum<\/strong> soll im ladinischen anstatt im deutschen Kulturressort angesiedelt werden.<\/li>\n<\/ol>\n<h6>B. F\u00f6rderung der ladinischen Sprache<\/h6>\n<p>Zurzeit fehlt eine <strong>gesamtladinische Sprachpolitik<\/strong> und die Zusammenarbeit zwischen den ladinischen Kulturinstitutionen und Talschaften ist eher d\u00fcrftig. Die im Jahre 2005 von der <em>Union Generela di Ladins dla Dolomites<\/em> herausgegebenen \u00bb11 Thesen zu einer interladinischen Sprachpolitik\u00ab bieten dazu n\u00fctzliche Anregungen, die von Politik und Institutionen aufgegriffen werden sollen.<\/p>\n<ol>\n<li>Die Anerkennung und Verwendung einer <strong>einheitlichen Schriftsprache<\/strong> ist, neben der Pflege der Talidiome, ein wesentlicher Faktor zur Wahrung der ladinischen Sprache und der F\u00f6rderung der ladinischen Identit\u00e4t. Die Schweiz b\u00f6te auch f\u00fcr Ladinien ein brauchbares Modell, wo das <em>Rumantsch Grischun<\/em> sowohl von der Bundesregierung als auch von der B\u00fcndner Regierung als einzige offizielle Schriftform des R\u00e4toromanischen anerkannt und verwendet wird.<\/li>\n<li>Der <strong>Beschluss Nr. 210 vom 27.01.2003 der S\u00fcdtiroler Landesregierung \u00fcber den Gebrauch der ladinischen Sprache in den \u00f6ffentlichen \u00c4mtern und in normativen Akten<\/strong> soll dahingehend abge\u00e4ndert werden, dass die ladinische Einheitssprache f\u00fcr tal\u00fcbergreifende Dokumente (Gesetze und Verordnungen, Zertifikate, Urkunden, Personalausweise, usw.) und schriftliche Mitteilungen verwendet wird. Der wechselnde und\/oder gleichzeitige Gebrauch von zwei ladinischen Idiomen bzw. Schriftsprachen \u2014 mit dem Fassanischen sind es drei auf Regionalebene \u2014 entbehrt jeder Logik, ist nutzlos und diskriminierend. Entsprechend w\u00e4re auch die Sprachpr\u00fcfung unter Einbeziehung des Standardladinischen neu zu regeln.<\/li>\n<li>Die Ladiner sollen <strong>alle Dokumente und Mitteilungen<\/strong>, die sie betreffen, auch in ihrer Muttersprache in die Hand bekommen.<\/li>\n<li><strong>Die ladinische Sprache muss \u00fcberall dort, wo es vom Gesetz vorgeschrieben ist, systematisch und ohne Abstriche verwendet werden<\/strong>. Dies gilt nicht nur in den ladinischen Gemeinden, sondern auch auf Landesebene, einschlie\u00dflich in der Landeshauptstadt Bozen. Da alle drei Sprachgruppen in S\u00fcdtirol gleichgestellt sind, sollen s\u00e4mtliche auf Landesebene relevante \u00c4mter (Landesgericht Bozen, Krankenh\u00e4user, Landes\u00e4mter, Steuer\u00e4mter, usw.) landesweit auch in ladinischer Sprache benannt und angezeigt werden. Durch das \u00bbSichtbarmachen\u00ab und \u00bbPlakatieren\u00ab w\u00fcrde das Ladinische einen h\u00f6heren Status und eine breitere Akzeptanz sowohl bei den Ladinern selbst als auch bei den anderen Volksgruppen S\u00fcdtirols erhalten.<\/li>\n<li>Die <strong>ladinische Toponomastik<\/strong> (Exonyme) soll auch au\u00dferhalb Ladiniens, wo sie seit Jahrhunderten bekannt ist, schriftliche Verwendung finden.<\/li>\n<li>Die <strong>Kulturvereine<\/strong>, die sich haupts\u00e4chlich mit der ladinischen Sprache und Kultur besch\u00e4ftigen, m\u00fcssten finanziell st\u00e4rker gef\u00f6rdert werden, um ihre T\u00e4tigkeit zu sichern. Die F\u00f6rderung kann auch \u00fcber die <em>Union Generela di Ladins<\/em> und zus\u00e4tzlich zur Finanzierung seitens anderer K\u00f6rperschaften erfolgen.<\/li>\n<li><strong>Das ladinische Verlagswesen <\/strong>br\u00e4uchte dringend eine bessere F\u00f6rderung, um junge ladinische Schriftsteller zu unterst\u00fctzen.<\/li>\n<li>Eine <strong>ladinische Sprachbeobachtungsstelle<\/strong> w\u00e4re f\u00fcr alle, die sich mit Sprache befassen, \u00e4u\u00dferst wichtig und k\u00f6nnte die Sprachsubstanz sicherlich verbessern. Seit Jahren hat das S\u00fcdtiroler Kulturinstitut eine solche Einrichtung, die dar\u00fcber wacht, dass die deutsche Sprache nicht \u00fcberfremdet wird.<\/li>\n<\/ol>\n<h6>C. Ladinische Medien<\/h6>\n<ol>\n<li>Zur <strong>ladinischen RAI<\/strong> sollen Mitarbeiter aller ladinischen T\u00e4ler Zugang haben, um die Zusammengeh\u00f6rigkeit der gesamten ladinischen Volksgruppe zu st\u00e4rken. W\u00e4hrend der Hauptsitz in Bozen bleiben soll, sollen einige Stellen nach Ladinien verlegt werden, damit die ladinischen Mitarbeiter nicht abwandern m\u00fcssen; im Tal h\u00e4tten sie direkten Kontakt zur Bev\u00f6lkerung, was ihre Arbeit bedeutend erleichtern und bereichern w\u00fcrde.<\/li>\n<li>Die ladinischen <strong>Rundfunk- <\/strong>und <strong>Fernsehsendungen<\/strong> bed\u00fcrfen einer substanziellen zeitlichen und inhaltlichen Erweiterung, damit, neben allgemeinen Themen, auch talspezifische Themen behandelt werden k\u00f6nnen, wobei alle f\u00fcnf T\u00e4ler ber\u00fccksichtigt werden sollen. Das ladinische Fernsehen ist ein wichtiges Gegenmittel gegen den Einfluss der allgegenw\u00e4rtigen anderssprachigen Fernsehsendungen auf die ladinische Sprache. Zum Vergleich: Die R\u00e4toromanen in der Schweiz haben rund um die Uhr Sendungen in ihrer Muttersprache.<\/li>\n<li>Der ladinischen Wochenzeitung \u00bb<strong>La Usc di Ladins\u00ab<\/strong> m\u00fcssten die zust\u00e4ndigen Provinzen eine mehrj\u00e4hrige finanzielle Garantie gew\u00e4hren und rund 25% der Kosten \u00fcbernehmen, damit sie zweimal in der Woche erscheinen und qualifizierte Mitarbeiter einstellen k\u00f6nnte. W\u00fcrden die autonomen L\u00e4nder und die Regionen auch in der ladinischen Zeitung <strong>inserieren<\/strong>, w\u00e4re dies auch schon eine nicht unbedeutende finanzielle Hilfe.<\/li>\n<li>Eine<strong> ladinische Presseagentur<\/strong> <em>(Ajentura Noeles Ladines)<\/em> w\u00e4re erforderlich, um die verschiedenen Medien auch anderer Volksgruppen mit den neuesten Nachrichten zu versorgen; bereits vor Jahren hatte der damalige Landeshauptmann Durnwalder so ein Projekt f\u00fcr gut befunden. Es sei daran erinnert, dass die R\u00e4toromanen schon seit Jahren eine eigene Presseagentur besitzen.<\/li>\n<\/ol>\n<h6>D. Ladinische Abteilung an der Fakult\u00e4t f\u00fcr Bildungswissenschaften in Brixen<\/h6>\n<ol>\n<li>Ladinisch soll \u2014 zumindest als Wahlfach \u2014 in allen Studieng\u00e4ngen pr\u00e4sent sein und nicht nur an der Fakult\u00e4t f\u00fcr Bildungswissenschaft.<\/li>\n<li>Die Normierung des Ladinischen sollen die ma\u00dfgeblichen ladinischen Kulturinstitutionen in enger Zusammenarbeit weiterf\u00fchren, jedoch unter der wissenschaftlichen Federf\u00fchrung der ladinischen Abteilung in Brixen.<\/li>\n<li>Der ladinischen Abteilung in Brixen m\u00fcssen mehr Mittel zur Verf\u00fcgung gestellt werden, um gute Fachkr\u00e4fte aufnehmen zu k\u00f6nnen und um sichere Arbeitspl\u00e4tze zu garantieren; eine Aufstockung des Personalstandes der Abteilung ist dringend notwendig (aktuell: ein Professor und eine Assistentin).<\/li>\n<li>Die Universit\u00e4t als \u00fcberlokale Institution muss die Belange aller ladinischen T\u00e4ler ber\u00fccksichtigen. Dazu geh\u00f6rt auch die Frage nach der Verwendung der ladinischen Einheitssprache.<\/li>\n<li>In der Gr\u00fcndungsphase der Universit\u00e4t war ein eigenes Institut f\u00fcr Ladinistik geplant mit deutlich mehr Ausstattung als die derzeit eingerichtete ladinische Sektion. Dieses Institut f\u00fcr Ladinistik sollte eingerichtet werden.<\/li>\n<li>Die Fakult\u00e4t f\u00fcr Bildungswissenschaften muss sehr gute Kompetenzen in den drei Landessprachen sicherstellen. Nachdem im Bildungsweg der meisten ladinischen Studierenden das Deutsche dominiert, m\u00fcssen Ladinisch und Italienisch besonders gef\u00f6rdert werden.<\/li>\n<\/ol>\n<h6>E. Ladinisches Schulamt<strong><br \/>\n<\/strong><\/h6>\n<p>Vergleicht man die institutionelle Situation der f\u00fcr Bildung und Kultur zust\u00e4ndigen Ressorts, wird deutlich, dass das ladinische Bildungs- und Kulturressort stark benachteiligt ist. Es wird daher verlangt:<\/p>\n<ol>\n<li>Gleichbehandlung des ladinischen mit dem deutschen und dem italienischen Ressort, wie z.B. Ernennung des ladinischen Schulamtsleiters als Ressortdirektor f\u00fcr ladinische Schule und Kultur; gleicher Status des Bereiches Innovation und Beratung.<\/li>\n<li>Beratungszentren der Abt. 18: Schaffung eines Kulturamtes, F\u00f6rderung von Arbeitspl\u00e4tzen auch in den T\u00e4lern und Ausbau der Dienste f\u00fcr die ladinische Bev\u00f6lkerung.<\/li>\n<li>Laut Gesetz soll auch die Abt.18 \u2014 Sektion Kultur und Jugendarbeit \u2014 dem ladinischen Schulamtsleiter unterstehen.<\/li>\n<li>Eine St\u00e4rkung der interladinischen, tal\u00fcbergreifenden Kooperation im Schulwesen ist vonn\u00f6ten.<\/li>\n<li>Das ladinische Schulamt muss auf alle F\u00e4lle seine Unabh\u00e4ngigkeit gegen\u00fcber dem deutschen und dem italienischen Schulamt behalten und soll in seinen Strukturen und Zust\u00e4ndigkeiten verst\u00e4rkt werden. Auch die finanzielle Ausstattung der Schulen und der Dienste des Schulamtes soll verst\u00e4rkt werden.<\/li>\n<li>Das parit\u00e4tische Schulsystem soll gleichwertige Ergebnisse in Deutsch und Italienisch gew\u00e4hrleisten; dazu sollen entsprechende Ausgleich- und F\u00f6rderma\u00dfnahmen auf allen Schulstufen vorgesehen werden und eine dreisprachige gleichwertige Ausbildung der Lehrkr\u00e4fte.<\/li>\n<li>Es braucht eine starke Aufwertung des Ladinischunterrichtes und zwar nicht blo\u00df des Faches Ladin; auch andere F\u00e4cher wie z.B. Geschichte oder Geographie sollen zumindest teilweise auf Ladinisch unterrichtet werden k\u00f6nnen.<\/li>\n<li>Die <strong>ladinischen Musikschulen<\/strong> sollen wie alle anderen Schulen Ladiniens auch ins ladinische Schulamt integriert werden, wie es entsprechend f\u00fcr die beiden anderen Volksgruppen der Fall ist.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Badia, 15. J\u00e4nner 2016<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der laufende S\u00fcdtirolkonvent ruft verschiedenste politische, gesellschaftliche, kulturelle und wirtschaftliche Akteure auf den Plan, die den TeilnehmerInnen ihre Anregungen f\u00fcr die \u00dcberarbeitung des Autonomiestatutes zukommen lassen. So ist nun auch ein umfassendes \u00bbladinisches Memorandum\u00ab erschienen, das wir hier in voller L\u00e4nge wiedergeben. 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