{"id":27250,"date":"2016-02-28T19:01:35","date_gmt":"2016-02-28T18:01:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=27250"},"modified":"2020-08-31T23:15:23","modified_gmt":"2020-08-31T21:15:23","slug":"geschichten-aus-dem-sanitaetswald","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=27250","title":{"rendered":"Geschichten aus dem Sanit\u00e4tswald."},"content":{"rendered":"<p><strong>Kapitel 1<\/strong><\/p>\n<p>Brixen. S\u00fcdtirol. Wir schreiben das Jahr 2016.<br \/>\nTochter ben\u00f6tigt einen Harn-Laborbefund. Harn zur Kinder\u00e4rztin gebracht. Diese kann nicht alle Werte selbst feststellen. Also muss Harn &#8211; mit fieberndem und weinendem Kind am Arm &#8211; ins Krankenhaus gebracht werden. Notwendiger Zettel von Kinder\u00e4rztin ausgeh\u00e4ndigt bekommen. Labor verweigert Harn, da Zettel nicht gestempelt. Mit fieberndem und weinendem Kind am Arm zur Anmeldung des Krankenhauses. Zettel gestempelt. Zur\u00fcck zum Labor. Harn abgegeben. Befund soll am n\u00e4chsten Tag folgen. Zettel bekommen, mit dem man Befund pers\u00f6nlich abholen muss. Frage, ob der Befund nicht der Kinder\u00e4rztin (elektronisch) geschickt wird bzw. sie ihn abrufen kann. Antwort: nein. N\u00e4chster Tag. Mit Abholzettel zum Labor ins Krankenhaus. Gebeten, im Wartezimmer Platz zu nehmen. Ausgedruckter Befund wird nach wenigen Minuten ausgeh\u00e4ndigt. Mit Befund in der Hand quer durch die Stadt zur Kinder\u00e4rztin. Im Wartezimmer 20 Minuten gesessen, da Kinder\u00e4rztin keine Sprechstundenhilfe hat, der man den Befund geben k\u00f6nnte. Zwischen T\u00fcr und Angel und zwei Patienten Befund besprochen. Heimgefahren.<\/p>\n<p>Stubaital. Nordtirol. Wir schreiben das Jahr 2005.<br \/>\nIch brauche einen Blutbefund. Blutabnahme beim Hausarzt. Dieser kann nicht alle Werte selbst feststellen. Kurierdienst bringt Blutentnahmer\u00f6hrchen ins Labor nach Innsbruck. Drei Stunden sp\u00e4ter hat Hausarzt den Befund am Bildschirm. Fertig. Kein einziger Zettel.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Kapitel 2<\/strong><\/p>\n<p>Die Reha des Krankenhauses Brixen ben\u00f6tigt einen Blutwert von mir. Ich bekomme eine \u00dcberweisung in die Hand gedr\u00fcckt und werde zur Blutabnahme geschickt. Anstehen in der Warteschlange. Am Schalter angekommen sagt man mir, dass ich die (hausinterne) \u00dcberweisung bei der Anmeldung am Eingang des Krankenhauses stempeln lassen muss. Nochmals zum Genie\u00dfen: Wenn eine Abteilung innerhalb (!) des Krankenhauses Brixen einen Blutwert ben\u00f6tigt, muss man daf\u00fcr wieder raus zur Anmeldung. Wieder Warteschlange. Am Anmeldeschalter m\u00f6chte man dann die &#8220;Sanit\u00e4tskarte&#8221; sehen und stempelt die \u00dcberweisung. Zur\u00fcck zur Blutabnahme. Wieder Warteschlange. Der netten Assistentin stecke ich mit den Worten &#8220;Hoffe, jetzt passt&#8217;s&#8221; die gestempelte \u00dcberweisung unter der Glasscheibe hindurch. &#8220;Sanit\u00e4tskarte, bitte!&#8221; t\u00f6nt es mir entgegen. Ich gebe sie ihr. Sie stempelt neuerlich meine \u00dcberweisung. Mit einer Nummer bewaffnet warte ich, bis ich aufgerufen werde und sinniere dar\u00fcber nach, warum man f\u00fcr eine hausinterne Angelegenheit \u00fcberhaupt das Haus verlassen muss und warum man sich f\u00fcr eine (!) Blutabnahme innerhalb von f\u00fcnf Minuten mittels Sanit\u00e4tskarte an zwei (!) unterschiedlichen Schaltern registrieren lassen muss.<\/p>\n<p>Im LKH Innsbruck geht das so: Eine Abteilung ben\u00f6tigt einen Blutwert. Man bekommt eine \u00dcberweisung. Geht zur Blutabnahme. H\u00e4ndigt den Zettel aus und wartet, bis man aufgerufen wird.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Kapitel 3<\/strong><\/p>\n<p>Frauen sollten in regelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden zur Kontrolluntersuchung zum Gyn\u00e4kologen gehen. Wenn man bei der allgemeinen Vormerkstelle in Brixen im J\u00e4nner 2016 anruft, um einen solchen Termin zu vereinbaren, bekommt man ihn neun Monate sp\u00e4ter im September 2016.<\/p>\n<p>In Nordtirol m\u00fcssen Patienten f\u00fcr solche Untersuchungen nicht ins Krankenhaus, sondern k\u00f6nnen &#8211; wie f\u00fcr andere Untersuchungen auch &#8211; kostenlos zu einem Facharzt ihrer Wahl gehen, der \u00fcber einen Kassenvertrag verf\u00fcgt. Die Wartezeit auf einen Termin betr\u00e4gt im Schnitt ein bis vier Wochen.<\/p>\n<p>\u00c4rgerlicherweise ist dieses clevere und \u00fcber Jahrzehnte hinweg sehr gut funktionierende \u00f6sterreichische System in letzter Zeit <a href=\"http:\/\/kurier.at\/chronik\/wien\/gesundheit-wird-teurer-weniger-kassenaerzte\/153.217.680\">etwas unter Druck geraten<\/a>. Doch sowohl \u00c4rztekammer, Krankenkassen als auch Patientenanwaltschaft haben erkl\u00e4rt, die Situation wieder ins Lot bringen zu wollen. Das Kassensystem ist n\u00e4mlich f\u00fcr viele Fach\u00e4rzte nicht attraktiv genug. Sie ordinieren lieber privat als sogenannter Wahlarzt. Das hat vielerorts zu einem Kassen\u00e4rztemangel gef\u00fchrt. Bei Haut- und Augen\u00e4rzten beispielsweise sind Wartezeiten von mehreren Monaten auf einen Termin mittlerweile keine Seltenheit mehr. Diese Entwicklung ist bedenklich und es bleibt zu hoffen, dass das patientenfreundliche Kassensystem nicht unter die R\u00e4der kommt. Eine Abkehr w\u00fcrde n\u00e4mlich &#8211; \u00e4hnlich wie in S\u00fcdtirol &#8211; die Krankenh\u00e4user \u00fcberlasten oder \u00f6ffentlich versicherte Patienten zum Aufsuchen teurer privater Wahl\u00e4rzte zwingen. Beides kann nicht im Sinne des Erfinders sein.<\/p>\n<p><strong><span style=\"font-family: Helvetica, Arial, sans-serif; text-transform: uppercase;\">C\u00ebla enghe:<\/span><\/strong>&nbsp;<a title=\"Krankes Gesundheitssystem.\" href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=16731\"><code>01<\/code><\/a> <a title=\"Bedenkliche Praxis.\" href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=9947\"><code>02<\/code><\/a> <a title=\"Dr. Perkmann und die Utopie.\" href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=55032\"><span style=\"color: #ff8c00\"><code>03<\/code><\/span><\/a> <a href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=60111\" title=\"Sabes: Bei der Zweisprachigkeit haperts.\"><span style=\"color: #ff8c00\"><code>04<\/code><\/span><\/a><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kapitel 1 Brixen. S\u00fcdtirol. Wir schreiben das Jahr 2016. Tochter ben\u00f6tigt einen Harn-Laborbefund. Harn zur Kinder\u00e4rztin gebracht. 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