{"id":280,"date":"2006-12-06T21:45:24","date_gmt":"2006-12-06T20:45:24","guid":{"rendered":"http:\/\/www.selbstbestimmung.net\/?p=280"},"modified":"2019-11-30T10:11:12","modified_gmt":"2019-11-30T09:11:12","slug":"peter-zumthor-uber-briol","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=280","title":{"rendered":"Peter Zumthor \u00fcber Briol."},"content":{"rendered":"<blockquote><p><strong>Fragmente<\/strong><\/p>\n<p>[&#8230;]<\/p>\n<p><strong>2<\/strong> Die Hauptr\u00e4ume des kleinen Berghotels liegen an der breiten Seite des l\u00e4nglichen Bauk\u00f6rpers und schauen ins Tal. Zu ebener Erde befinden sich nebeneinander zwei holzget\u00e4felte Stuben, beide vom Gang aus zu betreten und untereinander durch eine T\u00fcr verbunden. Die kleinere scheint zum bequemen Sitzen und Lesen einzuladen, die gr\u00f6ssere ist offensichtlich der Raum, in dem gegessen wird: Darin f\u00fcnf Tische, alle sch\u00f6n plaziert. Im mittleren Stock befinden sich G\u00e4stezimmer mit tiefen, schattigen Holzlauben davor und zuoberst G\u00e4stezimmer hinter offenen Balkonen.<\/p>\n<p>In den oberen Zimmern w\u00fcrde mir der freie Himmel, der weite Ausblick zu den Bergketten am Horizont gefallen, denke ich, als wir uns dem Haus zum ersten Mal n\u00e4hern. Aber auch die Vorstellung, eines der unteren Zimmer zu erhalten und die Intimit\u00e4t der Lauben am sp\u00e4ten Nachmittag beim Lesen oder Schreiben zu geniessen, scheint verlockend.<\/p>\n<p>Am Fuss der Treppe, die von den oberen Stockwerken zum Eingang hinunterf\u00fchrt, ist in der Stubenwand eine \u00d6ffnung angebracht. Eine Durchreiche f\u00fcr Speisen. Auf dem Simsbrett der Durchreiche stehen am fr\u00fchen Nachmittag Fr\u00fcchtekuchen und weisse Teller f\u00fcr die G\u00e4ste bereit. Der Duft der frischen Kuchen \u00fcberrascht uns, als wir die Treppe herunterkommen. Die T\u00fcr zum gegen\u00fcberliegenden Raum steht halb offen. K\u00fcchenger\u00e4usche dringen heraus.<\/p>\n<p>Nach ein, zwei Tagen kennen wir uns aus. Auf derjenigen Seite des Hauses, die an die grosse Wiese angrenzt, sind Liegest\u00fchle gestapelt. Dr\u00fcben, im Halbschatten des Waldrandes bemerken wir in einem solchen Stuhl eine lesende Frau. Wir nehmen zwei Liegen und suchen uns einen Platz. Tags\u00fcber setzen wir uns zum Kaffeetrinken meist an einen der Holzklapptische auf der schmalen Veranda vor den Stuben. Die schmalen Holzbretter der Klapptische sind in regelm\u00e4ssigen Abst\u00e4nden an der vorderen Br\u00fcstung der Veranda angebracht. Gut zum Lesen, diese kleinen, an die Br\u00fcstung angeschmiegten Tische-Orte, der Ellbogen ruht auf dem breiten Verandasims. Das Brett hat daf\u00fcr die richtige H\u00f6he.<\/p>\n<p>Bei den Gespr\u00e4chen mit anderen G\u00e4sten des Hauses in der D\u00e4mmerung sitzen wir meist an einem der gr\u00f6sseren Verandatische. Diese sind an der Hauswand aufgereiht und gesch\u00fctzt durch die vorspringenden oberen Teile des Hauses. Nach dem Abendessen wird die Fenstert\u00fcr zur Veranda ge\u00f6ffnet, man vertritt sich die F\u00fcsse, schaut ins Tal, trinkt noch etwas, kommt ins Gespr\u00e4ch und setzt sich in die N\u00e4he der Wand, die noch warm ist von der Sonne des Tages. Nur einmal sitzen wir abends am grossen Ecktisch am unteren Ende der Veranda, der zum Eingangsbereich des Hauses geh\u00f6rt und der tags\u00fcber mehrheitlich von Leuten benutzt wird, die zum Haus zu geh\u00f6ren scheinen. Den Stunden an jenem Tisch ging eine Einladung voraus, dort nach dem Essen zusammenzukommen. Am Morgensonnentisch am anderen Ende der Veranda war ich nie. An den sonnigen Morgentagen sass dort meist jemand und las.<\/p>\n<p>Wenn ich an Geb\u00e4ude denke, die mir auf ungezwungene und nat\u00fcrliche Weise r\u00e4umliche Situationen anbieten, die zum Ort, zum Tagesablauf, zu meiner T\u00e4tigkeit und meinem Befinden passen, wenn ich mir Architektur vorstelle, die mir Raum zur Verf\u00fcgung stellt, mich wohnen l\u00e4sst, die meine Bed\u00fcrfnisse vorausahnt und sie ohne grosses Aufheben erf\u00fcllt, dann kommt mir dieses Berghaus in den Sinn. Gebaut hat es ein l\u00e4ngst verstorbener Maler f\u00fcr seine G\u00e4ste.<\/p><\/blockquote>\n<p><em>aus Zumthor, Peter, Architektur denken, Verlag Lars M\u00fcller, Baden 1998<\/em><\/p>\n<p><a title=\"Wiki: Peter Zumthor.\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Peter_Zumthor\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Peter Zumthor<\/a> ist Architekt in Haldenstein, Graub\u00fcnden und Professor an der Accademia di architettura in Mendrisio, Tessin. Er ist regelm\u00e4\u00dfiger Gast der Pension Briol und wurde mit deren Erweiterung in Form kleiner D\u00e9pendancen betraut, wof\u00fcr er u.a. in Finnland mit dem \u00bbSpirit of Nature Wood Architecture Award 2006\u00ab ausgezeichnet wurde.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Fragmente [&#8230;] 2 Die Hauptr\u00e4ume des kleinen Berghotels liegen an der breiten Seite des l\u00e4nglichen Bauk\u00f6rpers und schauen ins Tal. Zu ebener Erde befinden sich nebeneinander zwei holzget\u00e4felte Stuben, beide vom Gang aus zu betreten und untereinander durch eine T\u00fcr verbunden. 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