{"id":29069,"date":"2016-05-11T18:10:30","date_gmt":"2016-05-11T16:10:30","guid":{"rendered":"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=29069"},"modified":"2026-02-04T18:57:26","modified_gmt":"2026-02-04T17:57:26","slug":"bildung-und-schule","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=29069","title":{"rendered":"\u203aBildung und Schule\u2039."},"content":{"rendered":"<p>Wir ver\u00f6ffentlichen hiermit unser <a title=\"Positionspapier Bildung und Schule\" href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/Bildung-und-Schule.pdf\" rel=\"noopener noreferrer\">Positionspapier<\/a> zum unl\u00e4ngst im Rahmen des <em>Autonomiekonvents<\/em> stattgefundenen Workshop (\u00bbBildung und Schule\u00ab):<\/p>\n<blockquote><p>Bildungspolitische Entscheidungen sind von gro\u00dfer kollektiver Tragweite, da sie nicht blo\u00df die reine Wissensvermittlung an junge Menschen betreffen, sondern auch langfristige gesamtgesellschaftliche Auswirkungen haben. Zusammen mit dem Gesundheitswesen ist der Bildungssektor der wohl zukunftstr\u00e4chtigste Bereich politischen Handelns.<\/p>\n<p>Leider beobachten wir in S\u00fcdtirol, dass bildungspolitische Fragen erschreckend hemds\u00e4rmelig angegangen werden. Entscheidungsgrundlagen bilden nicht selten Bauchgef\u00fchle, (unwahre) Ger\u00fcchte (<a title=\"Titelgeschichte \u00fcber CLIL und Sprachunterricht.\" href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=26991\"><code>01<\/code><\/a> <a title=\"Daheim in Mythen?\" href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=23190\"><code>02<\/code><\/a> <a title=\"\u00bbUnd unsere Kinder?\u00ab\" href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=22033\"><code>03<\/code><\/a> <a title=\"Behauptungen als Basis neuer Schulpolitik.\" href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=17678\"><code>04<\/code><\/a> <a title=\"Die Geburt eines neuen Mythos?\" href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=16699\"><code>05<\/code><\/a> <a title=\"\u00bbM\u00f6glichst fr\u00fch, m\u00f6glichst alles\u2026\u00ab\" href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=17224\"><code>06<\/code><\/a>) und nicht repr\u00e4sentative Umfragen (<a title=\"Vom befremdlichen Umgang mit Umfragen.\" href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=23159\"><code>07<\/code><\/a> <a title=\"Landeselternbeirat: Suggestive Umfrage?\" href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=22991\"><code>08<\/code><\/a>). Den Bauchgef\u00fchlen und Ger\u00fcchten werden zu allem \u00dcberfluss dann auch noch regelm\u00e4\u00dfig ideologische M\u00e4ntelchen \u00fcbergest\u00fclpt, welche gewisse Methoden und Sichtweisen als progressiv und andere als r\u00fcckw\u00e4rtsgewandt stigmatisieren \u2013 v\u00f6llig unabh\u00e4ngig davon, was sie tats\u00e4chlich leisten. Das sind keine guten Rahmenbedingungen f\u00fcr eine erfolgreiche Bildungs- und Schulpolitik.<\/p>\n<p>Die Voraussetzung, um Bildungspolitik im Allgemeinen und den f\u00fcr das Autonomiestatut relevanten Sprachunterricht im Speziellen professionell betreiben zu k\u00f6nnen, sind wissenschaftliche Erkenntnisse aufgrund belastbarer Daten \u00fcber Sprachkenntnisse und Sprachentwicklung \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum hinweg. Es ist nur schwer begreiflich, dass wir in S\u00fcdtirol erst 2004 mit dem ersten so genannten \u201cSprachbarometer\u201d des ASTAT ann\u00e4hernd eine solche Grundlage geschaffen haben. Abgesehen vom Sprachbarometer, das lediglich alle zehn Jahre durchgef\u00fchrt wird, steht uns nur die Kolipsi-Studie der EURAC, die die Zweitsprachkompetenzen der S\u00fcdtiroler Sch\u00fcler der Sekundarstufe II untersucht, zur Verf\u00fcgung. Das Sprachbarometer wiederum basiert auf Selbsteinsch\u00e4tzung. Daten, die auf standardisierten Sprachtests fu\u00dfen und die Sprachentwicklung der Bev\u00f6lkerung laufend dokumentieren gibt es f\u00fcr S\u00fcdtirol nicht. F\u00fcr ein mehrsprachiges Gebiet ein bedauernswerter Zustand (<a title=\"Sprache: Daten als Grundlage f\u00fcr Politik.\" href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=23110\"><code>09<\/code><\/a>). Da wir vor 40 Jahren nicht mit solchen Erhebungen begonnen haben und uns somit heute kein aussagekr\u00e4ftiges Zahlenmaterial (<a title=\"CLIL: Einfach mal drauflos?\" href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=8419\"><code>10<\/code><\/a> <a title=\"CLIL senza dati?\" href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=15354\"><code>11<\/code><\/a> <a title=\"Zweitsprachentwicklung: Keine Daten.\" href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=14288\"><code>12<\/code><\/a> <a title=\"Sprachpolitik: Eine Bankrotterkl\u00e4rung.\" href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=23449\"><code>13<\/code><\/a>) vorliegt, sollten wir wenigstens jetzt damit beginnen, diese Dinge zu erheben.<\/p>\n<p>Zumindest liefern uns die Sprachbarometer von 2004 und 2014 sowie die Kolipsi-Studie (<a title=\"Zweitsprachstudie deckt grobe M\u00e4ngel auf.\" href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=3776\"><code>14<\/code><\/a> <a title=\"S\u00fcdtiroler Sprachlandschaft.\" href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=7611\"><code>15<\/code><\/a> <a title=\"Spracherwerb am Arbeitsplatz.\" href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=10249\"><code>16<\/code><\/a> <a title=\"Sprachfertigkeiten: Deutsch und Italienisch.\" href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=26076\"><code>17<\/code><\/a> <a title=\"Zweitsprachkenntnisse nehmen zu.\" href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=25517\"><code>18<\/code><\/a> <a title=\"Zweisprachigkeit im Amt deutlich verschlechtert.\" href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=25426\"><code>19<\/code><\/a>) einige Anhaltspunkte, was die sprachliche Situation im Lande betrifft.<\/p>\n<ol>\n<li>Der Gro\u00dfteil der S\u00fcdtiroler (aller Muttersprachen) sieht Italienisch als wichtigste Sprache in S\u00fcdtirol an.<\/li>\n<li>Die deutschsprachigen S\u00fcdtiroler beherrschen Italienisch wesentlich besser als die Italienischsprachigen Deutsch.<\/li>\n<li>Sch\u00fcler in den deutschen Oberschulen beherrschen Italienisch besser als ihre italienischen Kolleginnen und Kollegen Deutsch.<\/li>\n<li>Die Sprachkenntnisse der S\u00fcdtiroler (aller Muttersprachen) was die jeweils zweite bzw. dritte Landessprache betrifft, haben sich in den vergangenen 10 Jahren merklich verbessert.<\/li>\n<li>Gleichzeitig hat sich die Situation in der \u00f6ffentlichen Verwaltung, die untrennbar mit dem mehrsprachigen Selbstverst\u00e4ndnis unseres Landes verbunden ist, teilweise drastisch verschlechtert (Gesundheitswesen, Sicherheitskr\u00e4fte \u2026).<\/li>\n<\/ol>\n<p>Wenn wir dann auf Basis dieser Erkenntnisse bildungspolitische Entscheidungen treffen, muss es eine Selbstverst\u00e4ndlichkeit sein, dass die eingeschlagenen Wege laufend und professionell evaluiert werden. Zum einen um zu verstehen, ob sie \u00fcberhaupt Wirkung zeigen und zum anderen, welche gesamtgesellschaftlichen Auswirkungen die schulpolitischen Entscheidungen zeitigen (<a title=\"Finnische Mehrsprachigkeitsstrategie.\" href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=29061\"><code>20<\/code><\/a>).<\/p>\n<p>Beispielsweise hat die Evaluierung der CLIL-Experimente an deutschen Schulen zwar gezeigt, dass Eltern und Sch\u00fcler mit CLIL zufrieden sind, aber auch, dass sich die Leistung der CLIL-Klassen in Italienisch sogar verschlechtert hat (<a title=\"Schlampiger CLIL-Evaluationsbericht.\" href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=27222\"><code>21<\/code><\/a>). Was auch immer die Gr\u00fcnde daf\u00fcr sind, der Evaluationsbericht ist diesbez\u00fcglich wenig aussagekr\u00e4ftig, da keine Vergleichsgruppe (Klasse ohne CLIL) evaluiert wurde. Von der Politik kommuniziert wurde \u00fcbrigens nur die Zufriedenheit der Eltern und dass man aufgrund dessen das Projekt ausweiten wolle. Dass sich die Leistungen der Sch\u00fcler zumindest in Italienisch verschlechtert haben, wurde geflissentlich ignoriert. Und obwohl italienische Schulen schon seit geraumer Zeit mit CLIL experimentieren, gibt es au\u00dfer der Kolipsi-Studie keine Vergleichsdaten \u00fcber den Erfolg der Projekte. Kolipsi wiederum best\u00e4tigt, dass die Zweitsprache an deutschen Schulen nach wie vor besser gelernt wird. Auch der allzu fr\u00fchen Konfrontation der Kinder mit der Zweitsprache (es sei denn, es passiert in einem zweisprachigen famili\u00e4ren Umfeld), erteilen Expertinnen der Universit\u00e4t Bozen wie Prof. Dr. Rita Franceschini und Univ. Prof. Dr. Annemarie Saxalber eine Absage.<\/p>\n<p>\u00dcberdies kann man das Bildungssystem nicht losgel\u00f6st von den Rahmenbedingungen sehen. Ein weiterer Aspekt, den wir bez\u00fcglich Sprachunterrichts daher beachten m\u00fcssen, ist die besondere Situation S\u00fcdtirols innerhalb eines Nationalstaates. Das ist nicht mit \u2013 beispielsweise \u2013 einem Englisch-CLIL-Projekt in Deutschland zu vergleichen. Die italienische Sprache ist sowohl nach Einsch\u00e4tzung der S\u00fcdtiroler als auch de facto die \u201cst\u00e4rkere\u201d Sprache in S\u00fcdtirol. Die sprachliche Gleichstellung ist auch nach \u00fcber 40 Jahren Autonomiestatut nicht erreicht. Im Konsumentenschutz (Etikettierung, Medikamente, Formulare, Vertr\u00e4ge usw.) z\u00e4hlt nur die italienische Sprache, vor Gericht, bei den Carabinieri, der Post usw. ist Deutsch maximal geduldet \u2013 jedoch nicht absolut gleichgestellt. Wie stark die Strahlkraft der \u201cNationalsprache\u201d in einem Nationalstaat ist, zeigt die als dreisprachige Universit\u00e4t gestartete Freie Universit\u00e4t Bozen, an der das deutschsprachige Kursangebot in vielen Bereichen stark unterrepr\u00e4sentiert ist (<a title=\"Uni, Anspruch und Wirklichkeit.\" href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=19513\"><code>22<\/code><\/a> <a title=\"University Press.\" href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=10917\"><code>23<\/code><\/a> <a title=\"Dreisprachige Uni: Viel Schein, wenig Sein.\" href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=25627\"><code>24<\/code><\/a>).<\/p>\n<p>Wir denken, dass es unser aller Ziel ist, die sprachliche Vielfalt im Land zu erhalten und gleichzeitig die Sprachkenntnisse aller S\u00fcdtirolerinnen und S\u00fcdtiroler \u2013 inklusive unserer neuen Mitb\u00fcrgerinnen und Mitb\u00fcrger \u2013 zu verbessern.<\/p>\n<p>Auf Basis obiger belegter und objektiver Erkenntnisse erbringen wir folgende Vorschl\u00e4ge zur Autonomiereform:<\/p>\n<ol>\n<li>Das Land braucht \u2013 als Grundvoraussetzung f\u00fcr alle weiteren Schritte \u2013 die prim\u00e4re und alleinige Zust\u00e4ndigkeit f\u00fcr das Bildungswesen (inkl. Hochschule), um eine Politik betreiben zu k\u00f6nnen, die unserer mehrsprachigen Realit\u00e4t gerecht wird.<\/li>\n<li>Der omin\u00f6se Artikel 19 des Autonomiestatus ist schwerf\u00e4llig und komplex, da er mehrere sprachpolitische Sachverhalte gleichzeitig regelt. Ihn v\u00f6llig unver\u00e4ndert zu lassen, w\u00fcrde den Handlungsspielraum S\u00fcdtirols in Sachen Bildungspolitik f\u00fcr die kommenden Jahrzehnte l\u00e4hmen. Gesetzt den Fall, dass S\u00fcdtirol die prim\u00e4re und alleinige Zust\u00e4ndigkeit f\u00fcr das Bildungswesen innehat, w\u00e4re es nicht notwendig ein konkretes Schulmodell in ein Gesetz mit Verfassungsrang aufzunehmen. Dies vor allem auch deshalb, da man den Sprachunterricht nicht in allen Schulstufen von der Grundschule bis zur Oberschule \u00fcber einen Kamm scheren kann. Sobald mutter- und fremdsprachliche Kenntnisse weitgehend gefestigt sind, w\u00fcrde eine allzu starre Regelung den bildungspolitischen sowie p\u00e4dagogisch-didaktischen Handlungsspielraum unn\u00f6tig stark einengen. Stattdessen sollten zwei Pr\u00e4missen gelten:\n<ul>\n<li>Alle S\u00fcdtirolerinnen und S\u00fcdtiroler haben das Recht auf muttersprachlichen Unterricht, wobei das Ausma\u00df durch Landesgesetze geregelt wird.<\/li>\n<li>Die sprachliche Vielfalt im Land (Deutsch, Italienisch, Ladinisch) muss gewahrt bleiben. Daher wird die Sprachsituation laufend wissenschaftlich erhoben und evaluiert. Bei statistisch relevanten Ver\u00e4nderungen zu Ungunsten einer der beiden Minderheitensprachen m\u00fcssen entsprechende sprach- und bildungspolitische Ma\u00dfnahmen getroffen werden, um der Entwicklung entgegenzusteuern.<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<li>Vorausgeschickt, dass es bei der derzeitigen Sprachunterrichtspraxis gro\u00dfes Optimierungspotential g\u00e4be, ist die Beibehaltung des Muttersprachenprinzips (Unterricht in der Muttersprache nach Art. 19), solange wir in einen Nationalstaat eingebettet sind, die \u201csicherste\u201d Variante f\u00fcr den Erhalt der sprachlichen und kulturellen Vielfalt, obgleich sie einer Homogenisierung der S\u00fcdtiroler Gesellschaft und Identit\u00e4t entgegenwirkt. Wenn allerdings die Rahmenbedingungen stimmen (prim\u00e4re Zust\u00e4ndigkeit im Bildungswesen beim Land, laufende Evaluation der Ergebnisse und Beobachtung des gesamtgesellschaftlichen Sprachgebrauchs) kann auch ein asymmetrisches Immersionsmodell nach dem Vorbild Kataloniens (gemeinsame Schule mit 70 Prozent des Unterrichts auf Katalanisch und 30 Prozent auf Kastilisch) zielf\u00fchrend sein. Das geeignete Prozentverh\u00e4ltnis f\u00fcr S\u00fcdtirol m\u00fcsste freilich gesondert ermittelt werden. Eine asymmetrische Gewichtung zugunsten des Deutschen (Stichwort: positive Diskriminierung) als Unterrichtssprache w\u00fcrde den nationalen Druck etwas ausgleichen und sicherstellen, dass der Gebrauch der Minderheitensprache gegen\u00fcber der \u201cLingua Franca\u201d Italienisch abgesichert wird, dass die S\u00fcdtiroler italienischer Muttersprache besser Deutsch lernen und dass die S\u00fcdtiroler deutscher Muttersprache ebenfalls st\u00e4rker mit dem Italienischen konfrontiert werden. Zudem k\u00f6nnte man andenken, in Bozen, Leifers, Pfatten, Branzoll und Salurn noch mehr zugunsten des Deutschen zu verschieben, w\u00e4hrend in den l\u00e4ndlichen, gro\u00dfmehrheitlich deutschsprachigen Gemeinden die Asymmetrie etwas in Richtung Italienisch gedreht werden k\u00f6nnte.<\/li>\n<li>Die Regelung, dass Sprachunterricht laut Artikel 19 nur von Muttersprachlern erteilt werden darf, ist innerhalb des derzeitigen Systems widersinnig. Entscheidend f\u00fcr das Erlernen der jeweils zweiten Landessprache ist die fremdsprachendidaktische Ausbildung der Lehrkr\u00e4fte. Sie sollte Vorrang haben gegen\u00fcber dem Muttersprachenprinzip \u2013 zumindest bis eine elementare Sprachkompetenz erreicht ist. Der derzeitige Zweitsprachenunterricht ist \u00e4hnlich dem Muttersprachenunterricht konzipiert und die Lehrkr\u00e4fte sind auch dahingehend ausgebildet. Er basiert auf Grammatik und Schriftlichkeit. Die f\u00fcr den Spracherwerb entscheidende systematische Wortschatzarbeit kommt zu kurz. Sch\u00fcler k\u00f6nnen mitunter s\u00e4mtliche irregul\u00e4ren Formen des passato remoto aufsagen, aber kaum eine Alltagssituation sprachlich meistern. In den h\u00f6heren Schulstufen ist das Muttersprachenprinzip (Lehrkraft unterrichtet ihre Muttersprache) sinnvoll. Wenngleich nicht-muttersprachliche Lehrpersonen bez\u00fcglich Verst\u00e4ndnis f\u00fcr den Spracherwerb vor allem zu Beginn durchaus im Vorteil sein k\u00f6nnen.<\/li>\n<li>Ladinischunterricht wird im Ausma\u00df von zwei Wochenstunden f\u00fcr mindestens vier Schulstufen in ganz S\u00fcdtirol verpflichtend eingef\u00fchrt.<\/li>\n<li>St\u00e4rkung der ladinischen Sprache innerhalb der \u201cparit\u00e4tischen Schule\u201d in den ladinischen T\u00e4lern, indem neben dem reinen Sprachunterricht, Ladinisch nach einem zu ermittelnden Schl\u00fcssel auch erheblicher Teil des parit\u00e4tischen Modells wird.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Zus\u00e4tzlich bedarf es aber eines grunds\u00e4tzlichen Umdenkens sowie einiger weiterer Reformen im Bildungswesen. Die gro\u00dfangelegte <a href=\"http:\/\/visible-learning.org\/de\">Hattie-Studie<\/a> kann dabei als Impulsgeber dienen. Der g\u00e4ngigen Praxis, unter Bildungsreformen fast ausschlie\u00dflich \u201cStrukturreformen\u201d zu verstehen, die nicht selten mit einem \u201cMethodendogmatismus\u201d einhergehen, erteilt Hattie eine Absage. Die weit gr\u00f6\u00dferen Auswirkungen auf den Lernfortschritt haben hingegen selbstreflexive Lehr- und feedbackorientierte Lernstrategien. Weit bedeutender f\u00fcr den Lernerfolg als strukturelle Eingriffe sind demnach kommunikative Aspekte wie das Lehrer-Sch\u00fcler-Verh\u00e4ltnis, die formative R\u00fcckmeldung und der strukturierte Unterricht mit angepasstem Methodenmix.<\/p>\n<ol>\n<li>Das Verbesserungspotential des derzeitigen Sprachunterrichts ist noch lange nicht ausgesch\u00f6pft und sollte vor allem im Hinblick auf die Hattie-Studie Vorrang vor Strukturreformen und methodischen Allheilmitteln haben, die in den vergangenen Jahrzehnten ohnehin regelm\u00e4\u00dfig auf den Kopf gestellt wurden.<\/li>\n<li>Selbstreflexive Lehr- und feedbackorientierte Lernstrategien sind \u2013 anders als strukturelle Eingriffe \u2013 sehr stark von den F\u00e4higkeiten der Lehrpersonen abh\u00e4ngig. Damit sich wieder die besten K\u00f6pfe vor eine Schulklasse stellen, braucht der Lehrerberuf einen Imagewandel. S\u00e4tze wie: \u201cIch wei\u00df noch nicht, was ich einmal mache; inzwischen gehe ich halt unterrichten\u201d m\u00fcssen ein f\u00fcr alle Mal der Vergangenheit angeh\u00f6ren, denn sie bedienen einen Teufelskreis, was die gesellschaftliche Wertsch\u00e4tzung des Lehrerberufs angeht. Letztere ist jedoch entscheidend und sollte sich auch monet\u00e4r ausdr\u00fccken. Denn nichts kommt uns langfristig teurer als schlechte (billige) Lehrer.<\/li>\n<li>Die Lehrerausbildung und Lehrbef\u00e4higung muss professioneller und praxisnaher werden. Es ist widersinnig, wenn beispielsweise diplomierte Anglisten f\u00fcr die Lehrbef\u00e4higung in Englisch lang und breit \u00fcber eine Literaturliste und kaum zu didaktischen Fragen gepr\u00fcft werden.<\/li>\n<li>Schulversuche m\u00fcssen \u2013 anders als in der Vergangenheit \u2013 professionell durchgef\u00fchrt werden:\n<ul>\n<li>Datenbasis schaffen und Bedarfserhebung machen<\/li>\n<li>geeignete Lehrpersonen ausbilden<\/li>\n<li>Umsetzung in Versuchsgruppen mit Evaluation \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum (mehr als ein Schuljahr) mit Hilfe von Vergleichsgruppen<\/li>\n<li>fl\u00e4chendeckende Ausbildung der Lehrpersonen<\/li>\n<li>fl\u00e4chendeckende Umsetzung mit wissenschaftlicher Begleitung und fortlaufender Beobachtung \u00fcber einige Jahre<\/li>\n<\/ul>\n<p>Bei der Einf\u00fchrung von Englisch in der Grundschule beispielsweise wurde erst im Nachhinein mit der entsprechenden Ausbildung der Lehrkr\u00e4fte begonnen.<\/li>\n<li>Italien hat im europ\u00e4ischen Vergleich sehr viele Schulstunden. Diese sind zus\u00e4tzlich noch auf einen vergleichsweise kurzen Schulkalender verteilt. Diese Dichte ist von einem p\u00e4dagogisch-didaktischen Standpunkt aus gesehen kontraproduktiv f\u00fcr den Lernerfolg. Die einzelnen Schultage wie auch die Sommerferien sind zu lang. Die Stundenzahl muss reduziert und das Schuljahr gestreckt werden. Zwei Monate Sommerferien sind mehr als ausreichend.<\/li>\n<li>Es bedarf einer Entb\u00fcrokratisierung des Lehrerberufs, damit den Lehrkr\u00e4ften wieder vermehrt Zeit f\u00fcr ihre eigentliche Aufgabe bleibt.<\/li>\n<\/ol>\n<\/blockquote>\n<p><strong><span style=\"font-family: Helvetica, Arial, sans-serif; text-transform: uppercase;\">C\u00ebla enghe:<\/span><\/strong> <a title=\"\u00bbVollautonomie und Selbstbestimmung\u00ab.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=29047\"><code>01<\/code><\/a><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir ver\u00f6ffentlichen hiermit unser Positionspapier zum unl\u00e4ngst im Rahmen des Autonomiekonvents stattgefundenen Workshop (\u00bbBildung und Schule\u00ab): Bildungspolitische Entscheidungen sind von gro\u00dfer kollektiver Tragweite, da sie nicht blo\u00df die reine Wissensvermittlung an junge Menschen betreffen, sondern auch langfristige gesamtgesellschaftliche Auswirkungen haben. 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