{"id":29159,"date":"2016-05-10T22:10:03","date_gmt":"2016-05-10T20:10:03","guid":{"rendered":"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=29159"},"modified":"2025-06-11T14:07:43","modified_gmt":"2025-06-11T12:07:43","slug":"casapound-italia-faschistisches-hybrid","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=29159","title":{"rendered":"CasaPound Italia \u2014 faschistisches Hybrid."},"content":{"rendered":"<!-- Snippets by WebberZone Snippetz --><div class=\"ata_snippets\"><hr style=\"height: 15px; border: none; margin-top: 0em; background-color: darkred;\"\/><\/div><p><em>von Heiko Koch<\/em><sup class=\"modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop \" data-mfn=\"1\" data-mfn-post-scope=\"00000000000001370000000000000000_29159\"><a href=\"javascript:void(0)\"  role=\"button\" aria-pressed=\"false\" aria-describedby=\"mfn-content-00000000000001370000000000000000_29159-1\">1<\/a><\/sup><span id=\"mfn-content-00000000000001370000000000000000_29159-1\" role=\"tooltip\" class=\"modern-footnotes-footnote__note\" tabindex=\"0\" data-mfn=\"1\">Heiko Koch lebt und arbeitet in NRW, ist Mitbegr\u00fcnder und Autor diverser antifaschistischer Zeitungen, Verfasser von Internetrecherchen, <em>Teamer<\/em> und Dozent gegen \u00bbRechtsextremismus\u00ab (Quelle: <em>Unrast<\/em>-Verlag). Er hat das Buch <em>\u00bbCasa Pound Italia\u00ab<\/em> geschrieben.<\/span><\/p>\n<p>Ver\u00e4nderte politische und \u00f6konomische Situationen bringen neue Typen politischer Akteure hervor \u2014 auch bei der extremen Rechten. Ob ihre Strukturen und Organisationsformen Bestand haben, sie sich ausbauen und ihre Modelle sich nachhaltig bew\u00e4hren k\u00f6nnen, h\u00e4ngt von vielen Faktoren ab. Ein Modell, das sich derzeit anschickt bei vielen Rechten in Europa eine Vorzeigefunktion zu erhalten, ist die faschistische Bewegung\/Partei <em>CasaPound Italia.<\/em> Doch warum ist gerade dieses Organisationsmodell in der extremen Rechten Italiens und Europas so erfolgreich?<\/p>\n<p>Mein Beitrag soll die Hybridit\u00e4t <em>CasaPounds<\/em> und die damit verbundene Kraft zur Erneuerung des Faschismus beleuchten. Um mein Argument auszuf\u00fchren, werde ich zun\u00e4chst die Evolution <em>CasaPounds<\/em> von einer Bewegung zur Partei beschreiben. Daraufhin werde ich Strategien und Praktiken unter dem Aspekt der Hybridisierung erl\u00e4utern. Um abschlie\u00dfend die europ\u00e4ische Dimension der (nach Eigenaussage) \u00bbFaschisten des dritten Milleniums\u00ab zu skizzieren.<\/p>\n<h6>Faschismus f\u00fcr das dritte Jahrtausend? Die Evolution von <em>CasaPound.<\/em><\/h6>\n<p>Im Dezember 2003 entstand in Rom die (neo)faschistische Bewegung <em>CasaPound.<\/em> Mitglieder verschiedener national-revolution\u00e4rer Gruppierungen, der r\u00f6mischen Rechtsrockszene und des <em>Movimento Sociale Italiano &#8211; Fiamma Tricolore<\/em> (MSI-FT) besetzten unter dem Vorzeichen angeblich antikapitalistischer Kritik ein sechsst\u00f6ckiges Mietshaus im Stadtteil Esquilino, in der unmittelbaren N\u00e4he des Hauptbahnhofs <em>Stazione Termini.<\/em> Die Besetzung nannten sie <em>\u00bbCasa Pound\u00ab<\/em> \u2014 nach dem antisemitischen, us-amerikanischen Literaten Ezra Pound. Bis 2008 war <em>CasaPound<\/em> eng angebunden an die faschistische Traditionspartei <em>Fiamma Tricolore,<\/em> bis sie sich nach einem internen Streit 2008 von der Partei trennte und als Sozialverband auftrat. 2012 lie\u00df sich <em>CasaPound<\/em> als Wahlpartei registrieren und nannte sich <em>CasaPound Italia.<\/em> Seitdem agiert sie nicht nur als Bewegung auf den sozialen, politischen und kulturellen Ebenen, sondern auch als Partei im institutionellen Rahmen. 2013 trat sie das erste Mal bei den r\u00f6mischen Kommunalwahlen an \u2014 und 2015 landesweit. Sie brachte es in einigen Kommunen, aber auch unter dem Logo des <em>\u00bbSovranit\u00e0\u00a0\u00ab<\/em>-B\u00fcndnisses mit der <em>Lega Nord,<\/em> zu einigen Sitzen in den kommunalen Parlamenten. Im Jahr 2010 gab <em>CasaPound<\/em> die Zahl ihrer Mitglieder mit 2.200 an. Heute spricht sie von fast 5.000 Mitgliedern.<\/p>\n<p>Getragen durch die gesellschaftliche Rechtsentwicklung in Italien, unterst\u00fctzt durch rechte Parteistrukturen, die in <em>CasaPound<\/em> eine ihnen genehme und n\u00fctzliche Jugendbewegung sahen, gelang es der neuen Bewegung, sich zu etablieren. Weitere, zum Teil erfolgreiche, Besetzungen in Rom und anderen St\u00e4dten folgten und in Italien entstand eine Szene rechter Sozialzentren \u2014 die \u00bb<em>centri sociali di destra\u00ab<\/em>. Ihr illegales und oft gewaltt\u00e4tiges Vorgehen wurde kaum von den zust\u00e4ndigen Beh\u00f6rden geahndet. Anfang 2016 wurde ein Gutachten aus dem Innenministerium bekannt, dass den Faschisten eine grunds\u00e4tzliche Gesetzeskonformit\u00e4t und eine hohe ethische Gesinnung bescheinigt, ihren Rassismus unterschl\u00e4gt und ihre Gewaltt\u00e4tigkeit auf ein singul\u00e4res Problem einzelner Mitglieder reduziert. (Das Gutachten entstand im Rahmen eines Gerichtsverfahrens, in dem die Tochter Ezra Pounds, Mary de Rachewiltz, der Partei gerichtlich untersagen lassen wollte, den Namen ihres Vaters als Namensgeber zu gebrauchen.) So konnte <em>CasaPound<\/em> ungest\u00f6rt durch Beh\u00f6rden und staatliche Organe und trotz ihres aggressiven Auftretens und zahlreicher Gewaltakte ungehindert ihre Strukturen ausbauen und anwachsen.<\/p>\n<h6><em>Penetrazione Fascista<\/em> \u2014 von der Durchdringung allt\u00e4glicher R\u00e4ume.<\/h6>\n<p>Parallel zu den Besetzungen gr\u00fcndete <em>CasaPound<\/em> eine Vielzahl von sozialen und kulturellen Organisationen. Zu dieser soziokulturellen Sph\u00e4re geh\u00f6ren Theater-, Kunst- und Kulturzirkel, Sozial-, Gesundheits- und Zivilschutzorganisationen, rechte NGOs \u2014 die im Ausland t\u00e4tig sind, eine Tier- und Naturschutzorganisation, eine Pfadfinderorganisation und eine M\u00fcttervereinigung, sowie eine Gewerkschaft. Ungef\u00e4hr 20 Bars und Kneipen, mehrere Restaurants, diverse Tattoo-L\u00e4den und 15 Buchhandlungen z\u00e4hlen als sozio-politische Treffpunkte ebenso wie eine gro\u00dfe Zahl von Parteisitzen zu dieser Infrastruktur. Mit dieser sozial ausgerichteten Aktivierungsstrategie stellt sich <em>CasaPound<\/em> in die Tradition der \u00bbSozialen Rechten\u00ab, gibt sich einen gut vernetzen Unterbau und nutzt diese Basisorganisationen zur Durchdringung sozialer und kultureller Bereiche \u2014 zur <em>\u00bbpenetrazione fascista\u00ab.<\/em><\/p>\n<p>Mit \u00fcber einem guten Dutzend parteinaher Musikbands, diversen Ultra-Gruppen, sowie vielen Freizeit- und Sportvereinigungen wirken sie zudem in subkulturelle Milieus hinein und sorgen f\u00fcr eine enge Verzahnung von Sport- und Musikevents mit politischem Aktivismus. Weiterhin bet\u00e4tigt sich <em>CasaPound<\/em> im Bildungssektor durch den Aufbau eigener Organisationen. In \u00fcber 40 St\u00e4dten ist der <em>\u00bbBlocco Studentesco\u00ab,<\/em> ihre Sch\u00fcler-und StudentInnenorganisation, aktiv. Laut Sprecher hat der <em>Blocco Studentesco<\/em> im Dezember 2015 landesweit \u00fcber 27.000 Stimmen erhalten \u2014 11.000 davon allein in Rom und der umgebenden Provinz. Im Mediensektor verf\u00fcgt <em>CasaPound<\/em> \u00fcber eine gro\u00dfe Anzahl an Publikations- und Propagandaorganen. Neben mehreren kleinen Printmedien sind es vor allem eine gro\u00dfe Anzahl an Internetauftritten, <em>Facebook<\/em>-Seiten, Videokan\u00e4len, ein Internet-Radio mit diversen Redaktionen und eine Online-Tageszeitung. Das Ma\u00df an Professionalisierung im Medienbereich ist betr\u00e4chtlich.<\/p>\n<p>Zu diesen breit gestreuten Infrastrukturen <em>CasaPounds<\/em> geh\u00f6rt eine gro\u00dfe Anzahl kleinerer und gr\u00f6\u00dferer Veranstaltungen, Feste und Konzerte, Aktionen, Kundgebungen und Demonstrationen, Konferenzen, Kongresse und Kampagnen, die sich quer \u00fcber das Jahr und durch Italien ziehen und zu denen teilweise mehrere tausend Mitglieder und SympathisantInnen erscheinen.<\/p>\n<h6>Ethnisieren, Polarisieren, Eskalieren.<\/h6>\n<p>In den aktuellen Kampagnen <em>CasaPounds<\/em> spiegeln sich tradierte faschistische Positionen wie auch die aktuellen Debatten der europ\u00e4ischen Rechten wider.<\/p>\n<p>Das Hauptagitationsfeld von <em>CasaPound<\/em> sind zur Zeit die einreisenden Fl\u00fcchtlinge nach Italien und Europa. <em>CasaPound<\/em> spricht von einer Invasion und propagiert einen Stopp jeglicher Einwanderung. Sie spricht sich gegen ein <em>\u00bbIus Soli\u00ab<\/em> aus und propagiert eine eigene italienische Identit\u00e4t versus allen Nicht-Italienischen. Die Rhetorik <em>CasaPounds<\/em> ist dabei \u00e4u\u00dferst aggressiv und ihre Aktionen gegen Fl\u00fcchtlingsunterbringungen, wie in dem r\u00f6mischen Stadtteil <em>La Storta<\/em> im Jahr 2015, verlaufen teilweise sehr gewaltt\u00e4tig.<\/p>\n<p>Ein Dauerthema <em>CasaPounds<\/em> ist der angebliche soziale und kulturelle Verfall Italiens und der damit einhergehende Niedergang der von ihnen gepriesenen Werte wie Nation und Staat, Volk und Familie. Ein Prozess der Schw\u00e4che und Dekadenz an dem vor allem linke, liberale und demokratische Politik und die Einwanderung schuld seien.<\/p>\n<p>Weitere Kampagnen zeugen von einem ausgepr\u00e4gten Ultra-Nationalismus und nehmen Anschluss an einem weiterhin bestehenden italienischen Irredentismus und Gebietsanspr\u00fcchen an benachbarte Nationen. Mit Demonstrationen wie 2011 in der S\u00fcdtiroler Stadt Bozen unter dem Motto \u00bbBozen ist Italien\u00ab oder 2015 mit einer nationalen Demonstration in der Grenzstadt Gorizia (G\u00f6rz) unter dem Motto \u00bbStehe auf, k\u00e4mpfe, siege\u00ab anl\u00e4sslich des Kriegseintritts Italiens 1915 in den 1. Weltkrieg setzt <em>CasaPound<\/em> diese Haltung provokativ in Szene.<\/p>\n<p>Im Bereich der Auswirkungen der \u00f6konomischen Krise und der Folgen der Austerit\u00e4tspolitik in der EU inszeniert sich <em>CasaPound<\/em> \u00fcber national-revolution\u00e4r konzertierte Aktionen zeitgleich als Retter der \u00bbnationalen Arbeitspl\u00e4tze\u00ab und der \u00bbnationalen Industrie\u00ab. Wie bei vielen ultrarechten Gruppierungen sind es die Banken und die Regierung, die f\u00fcr die Krise die Verantwortung tragen. Diese w\u00fcrden wahlweise dem Diktat der EU, der USA oder dem internationalen Finanzkapital gehorchen und Volk und Nation ausbeuten und unterdr\u00fccken. So propagiert <em>CasaPound<\/em> im klassisch-faschistischen Stil eine autarke Wirtschaft, eine allumfassende nationale Souver\u00e4nit\u00e4t und ein kooperatistisches Gemeinwesen in einer \u00bborganischen\u00ab Nation. Die Aktionsformen des Protests, denen sich <em>CasaPound<\/em> dabei bedient, sind oft angelehnt an die Protestformen emanzipatorischer und linker Gruppen, nationalisiert und aggressiv.<\/p>\n<h6><em>Blurring realities<\/em> \u2014 die Hybridisierung von <em>CasaPound.<\/em><\/h6>\n<p><em>CasaPound<\/em> kann man als ein politisches Hybrid bezeichnen \u2014 als eine Bewegung, die es verstanden hat verschiedene, teils antagonistische Denkweisen und Logiken aus unterschiedlichen kulturellen und sozialen Gesellschaftsbereichen zu einem quasi neuen Handlungs- und Denkmuster zusammenzusetzen. \u00dcber die <em>\u00bbcentri sociali di destra\u00ab<\/em> und die breite soziokulturelle Infrastruktur <em>CasaPounds<\/em> ist vor allem f\u00fcr junge Menschen ein Raum entstanden, in dem es \u00fcber den gelebten faschistischen Alltag zu einer Verschmelzung verschiedener gesellschaftlicher Schichten, rechter Szenen und Subkulturen gekommen ist. In dieser Parallelwelt radikalisieren sich die Mitglieder und SympathisantInnen und <em>CasaPound<\/em> schafft sich \u00fcber ihre konstanten Projekte neue Generationen von AktivistInnen nach ihrem Modell. Partiell ist es dabei <em>CasaPound<\/em> gelungen, die Heterogenit\u00e4t der NutzerInnen ihrer Infrastruktur zu einer eigenen symbiotischen Identit\u00e4t zu transformieren.<\/p>\n<p>Die Vielfalt der soziokulturellen Einfl\u00fcsse bei <em>CasaPound<\/em> wirken synergistisch und schaffen innovative kulturelle Initiativen und neue politische Kooperationen \u2014 seien es in Musikprojekten, Modemarken und Sportevents, transnationale Organisationen, Kampagnen oder Kongresse.<\/p>\n<p><em>CasaPound<\/em> verbindet in ihrem Vorgehen unterschiedliche, teils widerstreitende Ebenen. Als Bewegung nutzt sie die flexible Ebene der unmittelbaren Einflussnahme und direkten Aktion, sowie die unterschiedlichsten Ressourcen, Zug\u00e4nge und Wirkkr\u00e4fte der Basisorganisationen und Subkulturen. Als Partei partizipiert sie an dem Parteienstatus und versucht die Mechanismen der starren, verregelten Ebene der Parlamente und der administrativen Macht f\u00fcr sich nutzen. Der seit Ende 2012 bestehende Parteienstatus erm\u00f6glicht zudem weiteren Gesellschaftsstrukturen Zugang zu <em>CasaPound,<\/em> verbreitert ihre Einflussm\u00f6glichkeiten und Zug\u00e4nge zur Macht.<\/p>\n<p>Und \u00fcber die popul\u00e4r-kulturellen Ans\u00e4tze und den \u00bbGramscismus von Rechts\u00ab findet bei <em>CasaPound<\/em> eine Aktualisierung tradierter Bilder, \u00c4sthetiken und \u00f6ffentlicher Aktionenformen \u2014 eine Neu-Inszenierung des italienischen Faschismus \u2014 statt.<\/p>\n<h6>Conclusio: <em>CasaPound<\/em> \u2014 Rollenmodell f\u00fcr Rechtsextreme in Europa?<\/h6>\n<p>Durch <em>CasaPounds<\/em> angewandte Strategien und Methoden der <em>\u00bbNouvelle Droite\u00ab<\/em> erfahren \u00fcberkommende Argumentationsmuster und Rhetoriken des italienischen Faschismus eine Modernisierung. Gewohnte politische Diskursformen und dichotome politische Verortungen werden in der breiten \u00d6ffentlichkeit durch die \u00e4sthetische Camouflage, die Kommunikationsstrategien und den Ethnopluralismus <em>CasaPounds<\/em> unterlaufen. Ein neues faschistisches Image entsteht und senkt die demokratische Resilienz. Die professionelle Nutzung der neuen Medien und Sozialen Netzwerke komplettieren die Umsetzung dieser medialen Strategien und Kampagnen <em>CasaPounds.<\/em><\/p>\n<p>Trotz ihres Ultra-Nationalismus versteht <em>CasaPound<\/em> ihre Ideen als explizit europ\u00e4ische Ideen und sucht seit ihrem Bestehen den Austausch und die Kooperation mit anderen rechten Bewegungen und Parteien in Europa \u2014 vor allem zu faschistischen, national-revolution\u00e4ren und neu-rechten Gruppen und Str\u00f6mungen. In diesem Sinne gibt es einen regen Austausch zwischen <em>CasaPound<\/em> und anderen rechten Strukturen in Europa. Der Austausch von Strategien, Taktiken und L\u00f6sungsans\u00e4tzen f\u00fcr Probleme \u2014 sprich Ideologietransfer, \u00f6konomische, ideologische und politische Unterst\u00fctzung, sowie Export des eigenen Modells liegen <em>CasaPound<\/em> sehr am Herzen. Zur Pflege ihrer Auslandskontakte hat <em>CasaPound<\/em> einen eigenen Verantwortlichen ernannt. Dieser und weitere Mitglieder der franz\u00f6sischen <em>Nouvelle Droite<\/em> und <em>CasaPounds<\/em> betreiben seit 2006 das transnationale Netzwerk <em>Zentropa.<\/em> In den letzten zehn Jahren verankerten und vernetzten sie sich mit Gleichgesinnten in gut einem Dutzend europ\u00e4ischen L\u00e4ndern und schafften so unter anderem die Basis f\u00fcr die seit zwei Jahren stattfindenden national-revolution\u00e4ren Konferenzen in Paris, wo z.B. das rechte ukrainischen <em>Azov-<\/em>Regiment und ihr internationale Ableger <em>\u00bbReconquista\u00ab<\/em> offen f\u00fcr sich warben.<\/p>\n<p>Dieser Zusammenarbeit entspringt auch die europaweite Beteiligung an dem seit acht Jahren stattfindenden Rechtsrock- und Kampfsportturnier <em>\u00bbTana delle Tigri\u00ab<\/em> von <em>CasaPound<\/em> in Rom.<\/p>\n<p>Eine weitere transnationale Kooperation, die auf die <em>Zentropa<\/em>-Gr\u00fcnder zur\u00fcckgeht, stellt die 2011 gegr\u00fcndete <em>\u00bbSolidarit\u00e9 identit\u00e9s onlus\u00ab<\/em> <em>(Sol.id)<\/em> dar. <em>Sol.id<\/em> ist eine rechte, ethno-pluralistische NGO, die Projekte in Birma, Pal\u00e4stina, Kosovo, auf der Krim, in Kenia, S\u00fcdafrika und Syrien betreibt. Dabei stechen die Projekte zu den Karens in Birma und die seit drei Jahren stattfindenden karitativen Solidarit\u00e4tsaktion zum syrischen Baath-Regime hervor. 2013 wurde zudem die transnationale <em>\u00bbEuropean Front for Syria\u00ab<\/em> zur politischen Unterst\u00fctzung des Regimes unter Baschar al-Assad gegr\u00fcndet. Im letzten September organisierte <em>CasaPound<\/em> im historischen Viertel EUR in Rom den \u00bb1. Internationalen Kongress der identit\u00e4ren Solidarit\u00e4t\u00ab. Mit dabei VertreterInnen syrischer Staatsorganisationen, islamische Vereinigungen, VertreterInnen der Hizbollah und der national-sozialistischen Partei Syriens (SSNP). Somit findet sich auch das internationale, geopolitische Terrain im Hybriden <em>CasaPound<\/em> wieder.<\/p>\n<p>Bei so viel synergistischen Prozessen und innovativen Projekten bleibt eine Attraktivit\u00e4t und Faszination f\u00fcr andere rechte Str\u00f6mungen in Europa nicht aus. Und es kann nicht verwundern, wenn <em>CasaPound<\/em> von vielen ihrer SympathisantInnen als ein Motor der Erneuerung begriffen wird. So nennt sich in der s\u00e4chsischen Kleinstadt Pirna ein NPD-B\u00fcro <em>\u00bbHaus Montag\u00ab,<\/em> nach der ersten Hausbesetzung <em>CasaPounds.<\/em> Und in Spanien geht bei einigen Nationalrevolution\u00e4ren die Bewunderung so weit, dass sie mit Hausbesetzungen (sogenannten <em>Hogares Sociales)<\/em> und anderen Aktionen <em>CasaPound<\/em> eins zu eins kopieren. Ob das Modell <em>CasaPound<\/em> allerdings au\u00dferhalb Italiens Erfolg haben wird bleibt abzuwarten.<\/p>\n<p><strong><span style=\"font-family: Helvetica, Arial, sans-serif; text-transform: uppercase;\">C\u00ebla enghe:<\/span><\/strong> <a title=\"CasaPound im Bozner Rathaus.\" href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=23953\"><code>01<\/code><\/a> <a title=\"Gemeinderatswahl: Tiefschwarzes Bozen.\" href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=29121\"><code>02<\/code><\/a><small><\/small><\/p>\n<p><small><em>Der vorliegende Artikel ist in \u00e4hnlicher Form und in englischer Sprache auch <a title=\"CasaPound Italia \u2013 The Fascist Hybrid.\" href=\"http:\/\/www.sicherheitspolitik-blog.de\/2016\/05\/09\/casapound-italia-the-fascist-hybrid\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">im Sicherheitspolitik-Blog<\/a> erschienen.<\/em><\/small><\/p>\n<ul class=\"modern-footnotes-list modern-footnotes-list--show-only-for-print\"><li><span>1<\/span><div>Heiko Koch lebt und arbeitet in NRW, ist Mitbegr\u00fcnder und Autor diverser antifaschistischer Zeitungen, Verfasser von Internetrecherchen, <em>Teamer<\/em> und Dozent gegen \u00bbRechtsextremismus\u00ab (Quelle: <em>Unrast<\/em>-Verlag). Er hat das Buch <em>\u00bbCasa Pound Italia\u00ab<\/em> geschrieben.<\/div><\/li><\/ul><!-- Snippets by WebberZone Snippetz --><div class=\"ata_snippets\"><hr style=\"height: 10px;border: none;margin-top: 0px;background-color: darkred\" \/>\r\n\r\n<div style=\"background-color: none;padding: 0px;font-size: 14px;font-family: Helvetica,Arial;margin: 10px 0px 0px 0px\"><span style=\"color: darkred\"><strong><small>Autor:innen- und Gastbeitr\u00e4ge widerspiegeln nicht notwendigerweise die Meinung oder die Position von BBD, so wie die jeweiligen Verfasser:innen nicht notwendigerweise die Ziele von BBD unterst\u00fctzen.<\/small><\/strong><small> \u00b7 I contributi esterni non necessariamente riflettono le opinioni o la posizione di BBD, come a loro volta le autrici\/gli autori non necessariamente condividono gli obiettivi di BBD. \u2014 <a href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?page_id=11356#copyleft\"><strong>\u00a9<\/strong><\/a><\/small><\/span><\/div><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Heiko Koch Ver\u00e4nderte politische und \u00f6konomische Situationen bringen neue Typen politischer Akteure hervor \u2014 auch bei der extremen Rechten. 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