{"id":29562,"date":"2016-06-08T21:05:13","date_gmt":"2016-06-08T19:05:13","guid":{"rendered":"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=29562"},"modified":"2026-03-12T11:09:33","modified_gmt":"2026-03-12T10:09:33","slug":"zwei-meister-der-inkonsistenz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=29562","title":{"rendered":"Zwei Meister der Inkonsistenz."},"content":{"rendered":"<p>In der <em>Neuen S\u00fcdtiroler Tageszeitung<\/em> sind unl\u00e4ngst ein Leitartikel von Arnold Tribus und ein Kommentar von Georg Lezuo erschienen \u2014 zu unterschiedlichen Themen zwar, aber dennoch mit einer frappierenden Gemeinsamkeit: zelebrierte Widerspr\u00fcchlichkeit.<\/p>\n<p>Tribus schreibt als Reaktion auf eine Pressemitteilung der <abbr title=\"S\u00fcd-Tiroler Freiheit\">STF<\/abbr>, in der Carolina Kostner scharf kritisiert wird, weil sie anl\u00e4sslich des italienischen Staatsfeiertages am 2. Juni auf <em>Facebook<\/em> &#8220;Un selfie in onore della Repubblica Italiana: il mio paese!!! Honoured to be Italian!&#8221; gepostet hatte:<\/p>\n<blockquote><p>Ich finde es hingegen ein starkes St\u00fcck, wenn eine Partei einer S\u00fcdtirolerin, einer Ladinerin zudem, vorschreiben will, als was sie sich zu empfinden hat. Das ist die \u00fcbliche Frage, die auch italienische Nationalisten und dumme Journalisten unseren [sic!] Sportlern stellen: Ma lei si sente italiano o tedesco. [sic!]<\/p>\n<p><em><small>\u2013 Arnold Tribus<\/small><\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Tribus hat v\u00f6llig recht. In einem freien Land kann jeder und jede sich f\u00fchlen als das, was er oder sie m\u00f6chte und dies auch \u00f6ffentlich kundtun. Jemandem eine Identit\u00e4t vorschreiben zu wollen, ist genau das Denkmuster, das zu den nationalistischen Katastrophen \u2014 unter denen S\u00fcdtirol leidet \u2014 gef\u00fchrt hat.<\/p>\n<p>Erstaunlicherweise verf\u00e4llt auch Tribus in der Folge jenem Denkmuster, das er eben noch zurecht kritisiert hat und rechtfertigt dies mit dem stichhaltigsten aller Argumente: &#8220;Ja, weil es halt so ist.&#8221;<\/p>\n<blockquote><p>Es ist nun einmal so, dass der gro\u00dfe Sport an Nationen gekoppelt ist. Die Olympiade [sic!] ist ein Wettstreit der Nationen, unsere Sportler m\u00fcssen mit dem italienischen Team starten, ob es ihnen passt oder nicht [&#8230;]. Freilich, in S\u00fcdtirol wird ja regelm\u00e4\u00dfig von einer eigenen Sportnation S\u00fcdtirol getr\u00e4umt. Immer dann wenn unsere [sic!] Sportler die Nationalhymne singen oder summen m\u00fcssen, kommt die Forderung, man m\u00f6ge doch endlich Schluss machen mit dem Zirkus, die Selbstbestimmung ausrufen und den Sportlern diese Schande ersparen, f\u00fcr ein fremdes Land in fremden Farben k\u00e4mpfen zu m\u00fcssen. Der gro\u00dfe Armin Z\u00f6ggeler, durch und durch ein S\u00fcdtiroler, der so oft die Ehre Italiens gerettet hat, wusste sich zu bewegen, er wusste, f\u00fcr wen er an den Start geht, sch\u00e4mte sich nicht, als Azzurro die Tricolore \u00fcberzuziehen [&#8230;]. So ist der Sport. Warum sollte sich ein Sportler sch\u00e4men, f\u00fcr das Land einzustehen, das ihm die Erfolge erm\u00f6glicht?<\/p>\n<p><em><small>\u2013 Arnold Tribus<\/small><\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Vorbei ist es also mit der Wahlfreiheit. Wenn es um den Status Quo, um die bestehenden Nationalstaaten geht, hat man sich zu f\u00fcgen, anzupassen und die eigene \u00dcberzeugung oder Identit\u00e4t mitunter hintanzustellen. Tribus docet.<\/p>\n<p>Beinahe noch widerspr\u00fcchlicher ist Georg Lezuos Beitrag \u00fcber vandalisierte Wander-Wegweiser. Lezuo bringt es zuwege, Antifaschismus mit der zwingenden Duldung faschistisch belasteter Exonyme in Verbindung zu bringen und verwechselt konsequent Zweisprachigkeit mit Zweinamigkeit.<\/p>\n<blockquote><p>Lange schien es so, als w\u00e4ren Epochen wie Nationalsozialismus und Faschismus \u00fcberwunden, als h\u00e4tten Ideologien der Menschenfeindlichkeit in unserer demokratischen Gesellschaft keine Chance mehr. Antifaschistisch zu sein galt [sic!] bis in die 1990er Jahre hinein zum guten Ton, bis der Wind Richtung \u00e4nderte und Toleranz als Gutmenschentum angeprangert und eine weitherzige Identit\u00e4t als Multi-Kulti restlos verspottet und schlecht gemacht wurde.<\/p>\n<p><em><small>\u2013 Georg Lezuo<\/small><\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Wenngleich ich mir nicht sicher bin, ob Lezuos Befund stimmt, so w\u00e4re die Aussicht auf eine entnazifizierte und entfaschistisierte Gesellschaft sowie auf Toleranz und weitherzige Identit\u00e4ten eine sehr sch\u00f6ne.<\/p>\n<p>Warum sich diese (antifaschistische) Toleranz und Weitherzigkeit aber ausgerechnet auf die Manifestation faschistischer Intoleranz und Allmacht erstrecken muss, wei\u00df wohl nur Lezuo selbst.<\/p>\n<p>Der gelernte Tiroler wei\u00df auch ohne Lezuos Aufkl\u00e4rung \u00fcber Andreas Hofers Italienischkenntnisse, dass das historische Tirol ein mehrsprachiges Land war und nach wie vor ist. Er wei\u00df aber auch, dass es in der &#8220;Causa <abbr title=\"Alpenverein S\u00fcdtirol\">AVS<\/abbr>-Schilder&#8221; nicht um die italienische Sprache an sich oder gar die Eliminierung derselben, sondern ausschlie\u00dflich um faschistisch belastete, aufoktroyierte, erfundene Exonyme geht. Vielerorts (Katalonien, Aosta usw.) wurden diese im Zeichen des Antifaschismus (!) eliminiert. F\u00fcr Lezuo hingegen ist der Einsatz f\u00fcr den \u2014 auch von der UNO international gef\u00f6rderten \u2014 Gebrauch von endonymen Ortsbezeichnungen mit Engstirnigkeit und Kleinkariertheit gleichzusetzen. (Wobei ich das Besudeln von Wegweisern in dieser Hinsicht als kontraproduktiv und nicht zielf\u00fchrend erachte).<\/p>\n<blockquote><p>Was unsere engen Grenzen betrifft, so kann man, beispielsweise auf Wanderwegen, nicht allzu selten bemerken, dass es, um Intoleranz zu praktizieren, keiner Migranten oder Fl\u00fcchtlinge bedarf, es gen\u00fcgen bereits einheimische Sprachgruppen, denen kleinkarierte Geister am liebsten den Kragen umdrehen w\u00fcrden, wenn sie nur d\u00fcrften. [&#8230;] Auf zweisprachig [sic!] gehaltenen Hinweisschildern wurden auf Italienisch wiedergegebene Toponyme durchgestrichen, was wohl hei\u00dfen sollte: Man will dem Italienischen seine Daseinsberechtigung absprechen. [&#8230;] Arme Menschen kann man jene nennen, die selbst keine Identit\u00e4t haben, schlussendlich ist es nicht Patriotismus, wenn man mit etwas, was der eigenen Engstirnigkeit nicht entspricht, nicht leben kann, sondern nichts weiter aus [sic!] pure Angst und Verunsicherung.<\/p>\n<p><em><small>\u2013 Georg Lezuo<\/small><\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Bez\u00fcglich der groben Unterstellung, die Schildbeschmierer w\u00fcrden den italienischsprachigen Mitb\u00fcrger gegen\u00fcber am liebsten Gewalt anwenden, erspare ich mir einen Kommentar.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der Neuen S\u00fcdtiroler Tageszeitung sind unl\u00e4ngst ein Leitartikel von Arnold Tribus und ein Kommentar von Georg Lezuo erschienen \u2014 zu unterschiedlichen Themen zwar, aber dennoch mit einer frappierenden Gemeinsamkeit: zelebrierte Widerspr\u00fcchlichkeit. 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