{"id":29650,"date":"2016-06-16T16:38:47","date_gmt":"2016-06-16T14:38:47","guid":{"rendered":"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=29650"},"modified":"2024-04-25T12:04:43","modified_gmt":"2024-04-25T10:04:43","slug":"nzz-bericht-ueber-die-situation-in-suedtirol","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=29650","title":{"rendered":"NZZ-Bericht \u00fcber die Situation in S\u00fcdtirol."},"content":{"rendered":"<p><a title=\"Quotation (252): Fr\u00fcher anders.\" href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=26829\">Schon<\/a> <a title=\"Daheim in Mythen?\" href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=23190\">wieder<\/a> ist in einem internationalen Medium ein \u2014 aus meiner Sicht \u2014 \u00e4u\u00dferst unausgewogener und schlecht recherchierter Bericht \u00fcber S\u00fcdtirol erschienen, <a title=\"NZZ: Gemeinsam einsam.\" href=\"http:\/\/www.nzz.ch\/international\/europa\/gespaltenes-suedtirol-gemeinsam-einsam-ld.88966\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">diesmal in der NZZ.<\/a> Allein schon, dass den Beitrag eine Karte ziert, auf der zwar die Region Trentino-S\u00fcdtirol hervorgehoben, diese jedoch als \u00bbS\u00fcdtirol\u00ab beschriftet ist, zeigt, wie tiefgreifend die Recherche und wie hoch die Anspr\u00fcche wohl waren.<\/p>\n<p>Auch sonst wiederholt der von Rom-Korrespondentin Andrea Spalinger verfasste Artikel gro\u00dfteils die weithin bekannten Klischees (und manche Idealisierungen). Von einem Qualit\u00e4tsmedium aus der ebenfalls mehrsprachigen Schweiz h\u00e4tte man sich jedenfalls mehr erwarten d\u00fcrfen.<\/p>\n<p>Dass Bozen wie \u00bbeine deutsche Kleinstadt\u00ab, nur charmanter und lebensfreudiger wirke, lasse ich mal wohlwollend unkommentiert, es kann unter \u00bbharmlose Pauschalisierungen\u00ab verbucht werden.<\/p>\n<p>Einige andere Passagen kann man aber kaum unwidersprochen lassen:<\/p>\n<blockquote><p>Die Autonomie hat nicht nur Frieden gebracht, sondern auch beeindruckenden Wohlstand. [\u2026] Und selbst im Vergleich mit dem benachbarten \u00f6sterreichischen Bundesland Tirol schneidet S\u00fcdtirol deutlich besser ab.<\/p><\/blockquote>\n<p>Deutlich besser? Von der <a title=\"Euregio: Erwerbslosigkeit 2015.\" href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=28956\">Arbeitslosigkeit<\/a> \u00fcber die Indikatoren f\u00fcr Forschung &amp; Entwicklung bis hin zu BIP, Wertsch\u00f6pfung und \u00bbverf\u00fcgbarem Einkommen\u00ab schneidet das Bundesland Tirol in fast allen wirtschaftlich relevanten Bereichen besser ab, als S\u00fcdtirol. Eindrucksvoll <a title=\"Astat: Euregio-Folder.\" href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/euregio_folder_2014.pdf\">belegt durch offizielle Statistiken<\/a>. Auf welche Quellen sich Frau Spalinger bezieht, ist hingegen unklar.<\/p>\n<blockquote><p>Noch mehr Unabh\u00e4ngigkeit d\u00fcrfte S\u00fcdtirol von Rom allerdings kaum bekommen. \u00abWas wollen wir denn auch noch mehr?\u00bb, fragt der Journalist Mair. \u00abWir haben bereits grosse finanzielle und gesetzgeberische Kompetenzen.\u00bb<\/p><\/blockquote>\n<p>Das ist eines der Lieblingsklischees hiesiger Politiker und Journalisten und wird im NZZ-Beitrag unhinterfragt \u00fcbernommen. Dabei m\u00f6gen die Zust\u00e4ndigkeiten im Vergleich zum sonst sehr zentralistischen Italien gro\u00df sein. Doch eigentlich <a title=\"Der Autonomie-Vergleich.\" href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=21539\">ist die Autonomie in vielerlei hinsicht nicht einmal mit der eines normalen deutschen Bundeslandes vergleichbar, geschweige denn mit jener eines Schweizer Kantons.<\/a> Landespolizei? Fehlanzeige. Prim\u00e4re Schul- und Bildungskompetenz? <a title=\"Volle Bildungsautonomie \u2014 in Belgien.\" href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=27562\">Nicht vorhanden.<\/a> Justiz? Keineswegs. Finanzhoheit? H\u00f6chstens ansatzweise.<\/p>\n<blockquote><p>und trotz obligatorischer Zweisprachigkeit beherrschen laut Studien die meisten S\u00fcdtiroler die andere Sprache nur ungen\u00fcgend.<\/p><\/blockquote>\n<p>Auch hier w\u00e4re es nett, wenn im Artikel eine Quelle genannt w\u00fcrde. Denn laut offiziellem <em>Sprachbarometer<\/em> <a title=\"Zweitsprachkenntnisse nehmen zu.\" href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=25517\">nahmen die Zweitsprachkenntnisse im Laufe von zehn Jahren deutlich zu<\/a> \u2014 und zumindest bei den Italienischkenntnissen der deutschsprachigen Bev\u00f6lkerung kann von \u00bbungen\u00fcgend\u00ab kaum die Rede sein. Ob man noch besser werden k\u00f6nnte? Keine Frage.<\/p>\n<blockquote><p>Gem\u00e4ss der letzten Volksz\u00e4hlung (2011) sind 63 Prozent der rund 500 000 Einwohner der Provinz S\u00fcdtirol deutschsprachig, 23 Prozent italienischsprachig. 4 Prozent geh\u00f6rten der ladinischen Minderheit an, die Romanisch spricht.<\/p><\/blockquote>\n<p>Leider wird gerade von internationalen BeobachterInnen immer wieder \u00fcbersehen, dass diese Volksz\u00e4hlungsdaten keinerlei Aussagen \u00fcber die tats\u00e4chlichen Sprachkenntnisse machen. Nachdem die Erhebung die Grundlage f\u00fcr den ethnischen Proporz bildet, kann davon ausgegangen werden, dass zahlreiche Angaben aus Opportunismus gemacht werden. Wie wenig die amtlichen \u00bbVolksgruppen\u00ab mit der Sprachlandschaft korrelieren, hatten wir zum Beispiel anhand des <em>Sprachbarometers<\/em> von 2004 <a title=\"S\u00fcdtiroler Sprachlandschaft.\" href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=7611\">aufgezeigt<\/a>.<\/p>\n<blockquote><p>Dem Landeshauptmann bereitet das Erstarken dieser Ewiggestrigen Sorgen. Fr\u00fcher h\u00e4tten diese argumentiert, innerhalb des italienischen Staates k\u00f6nne das deutsche Volkstum nicht gesch\u00fctzt werden, sagt Kompatscher. Mittlerweile sei das Gegenteil bewiesen.<\/p><\/blockquote>\n<p>Unabh\u00e4ngigkeitsbef\u00fcrworterInnen pauschal als ewiggestrig darzustellen, ist ein Unding, an das wir uns nie gew\u00f6hnen werden. Inwiefern aber bewiesen sein soll, dass die deutsche Sprache in Italien gesch\u00fctzt werden kann, bleibt wiederum offen. Das h\u00e4ngt wohl auch davon ab, welche Ma\u00dfst\u00e4be man anlegt. W\u00e4hrend n\u00e4mlich die Bev\u00f6lkerung immer zweisprachiger wird, nimmt die Bedeutung der italienischen Staatssprache in S\u00fcdtirol zu, sodass sie nun (ungeachtet der oben erw\u00e4hnten Volksgruppenst\u00e4rken) von allen Sprachgemeinschaften schon als die <a title=\"Wichtigste Sprache: Italienisch.\" href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=25469\">wichtigste Landessprache<\/a> empfunden wird. Die Gleichstellung von Deutsch und Ladinisch mit Italienisch ist nicht nur <a title=\"Die SVP und die Fassadensprache.\" href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=13892\">ungen\u00fcgend<\/a>, sondern <a title=\"Zweisprachigkeit im Amt deutlich verschlechtert.\" href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=25426\">verschlechtert sich zunehmend.<\/a><\/p>\n<blockquote><p>Jene, die sich von Italien losl\u00f6sen wollten, br\u00e4chten nun \u00f6konomische Argumente vor. Italien gehe es schlecht und man wolle nicht mit dem sinkenden Schiff untergehen, heisse es.<\/p><\/blockquote>\n<p>Keine der im Artikel genannten Parteien, aber auch keiner der sonstigen gesellschaftlichen Akteure, die sich f\u00fcr die Unabh\u00e4ngigkeit aussprechen \u2014 ob sie nun rechts oder links einzustufen sind \u2014 bem\u00fcht ausschlie\u00dflich oder vordergr\u00fcndig \u00f6konomische Motive, sondern vor allem kulturelle, sprachliche und solche der Eigenverantwortlichkeit und Autonomie. Die einen tun dies mit egoistische(re)n Hintergedanken (die wir als \u00f6kosozial inspirierte Plattform heftig kritisieren), die anderen mit Blick auf ein solidarisches, inklusivistisches, subsidi\u00e4res Europa. Dagegen muss schon mehr her, als der Vorwurf der \u00bbEwiggestrigkeit\u00ab.<\/p>\n<blockquote><p>Die historisch gewachsene Sonderbehandlung wird im Parlament aber kaum infrage gestellt.<\/p><\/blockquote>\n<p>Das ist nun wirklich haneb\u00fcchen. Immer wieder werden im r\u00f6mischen Parlament Vorlagen zur Abschaffung der Sonderautonomien pr\u00e4sentiert. Sowohl der heutige Ministerpr\u00e4sident Renzi, als auch Reformministerin Boschi hatten sich solchen Forderungen bereits angeschlossen. Auch sonst ficht Rom (Regierung oder Parlament) immer wieder Landesgesetze vor dem Verfassungsgericht an und k\u00fcrzt einseitig die Finanzmittel.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Schon wieder ist in einem internationalen Medium ein \u2014 aus meiner Sicht \u2014 \u00e4u\u00dferst unausgewogener und schlecht recherchierter Bericht \u00fcber S\u00fcdtirol erschienen, diesmal in der NZZ. 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