{"id":29668,"date":"2016-06-19T10:42:14","date_gmt":"2016-06-19T08:42:14","guid":{"rendered":"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=29668"},"modified":"2022-05-01T13:44:06","modified_gmt":"2022-05-01T11:44:06","slug":"ein-alter-mythos-die-spaltung-der-sprachgruppen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=29668","title":{"rendered":"Ein alter Mythos: Die \u00bbSpaltung der Sprachgruppen\u00ab."},"content":{"rendered":"<!-- Snippets by WebberZone Snippetz --><div class=\"ata_snippets\"><hr style=\"height: 20px; border: none; margin-top: 0em; background-color: darkred;\"\/><\/div><p>\u00bbGemeinsam einsam\u00ab ist ein Beitrag der NZZ-Romkorrespondentin Andrea Spalinger \u00fcber S\u00fcdtirol vom 16. Juni betitelt und bringt eine Reihe alter M\u00e4rchen \u00fcber unser Land. Einige Kostproben:<\/p>\n<blockquote><p>Vor wenigen Jahrzehnten herrschten in S\u00fcdtirol noch b\u00fcrgerkriegs\u00e4hnliche Zust\u00e4nde<\/p><\/blockquote>\n<p>Wahr ist: es gab Attentate gegen Einrichtungen des Staates, Angriffe gegen Polizei und Milit\u00e4r, doch es gab in S\u00fcdtirol nie eine verbreitete Gewalt zwischen italienischer und deutscher Zivilbev\u00f6lkerung. In S\u00fcdtirol herrschte in den 1960er Jahren genau so wenig \u00bbB\u00fcrgerkrieg\u00ab wie im Schweizer Jura in den 1970er Jahren.<\/p>\n<blockquote><p>Trotz obligatorischer Zweisprachigkeit beherrschen laut Studien die meisten S\u00fcdtiroler die andere Sprache nur ungen\u00fcgend<\/p><\/blockquote>\n<p>In zweifacher Hinsicht ein Unsinn: Weder ist es bei uns Pflicht, zweisprachig zu sein (gibt es das etwa in der Schweiz?), noch sind die Zweitsprachkenntnisse der S\u00fcdtirol aller Sprachgruppen so schlecht. 75% der Deutschen k\u00f6nnen laut <em>Astat<\/em> gut oder sehr gut Italienisch, fast 40% der Italiener k\u00f6nnen sehr gut oder gut Deutsch. Spalinger hat sich die wichtigste Studie in diesem Bereich eben nicht angeschaut (<em>Astat-Sprachbarometer<\/em> 2014).<\/p>\n<p>Die deutsche Rechtsopposition stellt nicht ein Drittel des Landtags, sondern 10 von 35 Abgeordneten. Diese landl\u00e4ufig als \u00bbpatriotisch\u00ab bezeichneten Parteien als \u00bbEwiggestrige\u00ab zu bezeichnen, r\u00fcckt sie in gewissen Sinn schon in die N\u00e4he der NPD oder von <em>CasaPound.<\/em> Gegenfrage an Spalinger: Bezeichnen Sie die Schweizer SVP und \u00e4hnliche Schweizer Gruppen auch als Ewiggestrige? Unabh\u00e4ngig von der jeweiligen Position zur Selbstbestimmung: Ist Eintreten f\u00fcr Selbstbestimmung \u00bbewiggestrig\u00ab?<\/p>\n<p>In ihrer Nachzeichnung des S\u00fcdtiroler Wegs zur Autonomie unterscheidet Spalinger zudem nicht zwischen der Region Trentino-S\u00fcdtirol und den autonomen Provinzen Trient und Bozen, eine grobe Unterlassung. \u00dcberdies flie\u00dfen schon l\u00e4nger nicht mehr 90% der Steuereinnahmen wieder zur\u00fcck ins Land, vielmehr sind es seit dem Sicherungspakt 2014 nur noch rund 75%.<\/p>\n<p>Journalistisch unkorrekt und sachlich falsch ist dann folgende Einsch\u00e4tzung: Rom sei irritiert dar\u00fcber, \u00bbdass die gew\u00e4hrten Privilegien von den S\u00fcdtirolern nicht geb\u00fchrend gesch\u00e4tzt werden und die Autonomie in gewissen Kreisen immer noch umstritten ist\u00ab. Richtig ist: Weder ist die Errichtung einer Autonomie ein Privileg, sondern vielmehr eine v\u00f6lkerrechtliche Verpflichtung Italiens, noch ist die Autonomie in diesem Sinn umstritten. Fast alle deutsch- und ladinischsprachigen politischen Kr\u00e4fte (und auch das Trentino) betrachten die heutige Autonomie als unzureichend, weshalb vor einem halben Jahr ein institutioneller Reformprozess gestartet worden ist. Hat Spalinger das \u00fcberhaupt nicht mitbekommen?<\/p>\n<p>Florian Kronbichler als ersten und einzigen Nicht-SVP-Vertreter S\u00fcdtirols zu bezeichnen, best\u00e4tigt die Oberfl\u00e4chlichkeit einer Journalistin, die nur mit Vertretern der Gr\u00fcnen sowie mit den beiden Journalisten Georg Mair <em>(ff)<\/em> und Gabriele Di Luca gesprochen hat. Nicht nur sitzen heute Politiker anderer Couleur im Parlament (sind Palermo, Gnecchi usw. keine \u00bbVertreter S\u00fcdtirols\u00ab?), auch fr\u00fcher schon gab es S\u00fcdtiroler Oppositionelle im Parlament (z.B. Gianni Lanzinger).<\/p>\n<blockquote><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-29670 size-full\" src=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/EDK_Fremdsprache.gif\" alt=\"Erste obligatorische Fremdsprache.\" width=\"800\" height=\"568\" srcset=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/EDK_Fremdsprache.gif 800w, https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/EDK_Fremdsprache-768x545.gif 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><\/p><\/blockquote>\n<p><em><small>Quelle: Schweizerische Erziehungsdirektorenkonferenz<\/small><\/em><\/p>\n<p>Ein in S\u00fcdtirol hartn\u00e4ckiger Topos ist schlie\u00dflich jener der Trennung durch separate Schulen:<\/p>\n<blockquote><p>Aus Angst vor Italianisierung hat man danach auch Schutz durch Trennung gesetzt. Deutsch- und italienischsprachige S\u00fcdtiroler besuchen vom Kindergarten bis zur Matura separate Schulen.<\/p><\/blockquote>\n<p>Hier zitiert die Autorin Spalinger Gabriele Di Luca, aber bei \u00bbSchutz durch Trennung\u00ab m\u00fcssen auch in der Schweiz weniger Informierte an eine Art Apartheid denken. Wo bitte erkl\u00e4rt Spalinger der NZZ-Leserschaft das S\u00fcdtiroler Sprachgruppenprinzip? Warum schreibt sie nicht, dass in S\u00fcdtirol seit 70 Jahren das Recht auf eigenst\u00e4ndige Schulen in den jeweiligen Muttersprachen ein Grundpfeiler des Minderheitenschutzes ist?<\/p>\n<blockquote><p>Aus Schutz vor Germanisierung haben die Tessiner eine italienischsprachige Schule?<\/p><\/blockquote>\n<p>Hat Spalinger jemals das Tessiner Schulsystem so beschrieben?<\/p>\n<p>Auch in der Schweiz gilt \u00fcberall, auch in den zweisprachigen Kantonen wie Freiburg und Wallis, der jeweilige Vorrang der Kantonssprache oder Kantonsteilsprache in der obligatorischen Schulbildung. Sind die Walliser deshalb \u00bbgespalten\u00ab oder getrennt?<\/p>\n<p>Eine direkte Frage an Andrea Spalinger zum Abschluss, weil sie S\u00fcdtirol so \u00bbgespalten\u00ab sieht: Ist die Schweiz in vier Sprachgruppen \u00bbgespalten\u00ab? Sorry, aber gerade von der NZZ h\u00e4tte ich mir etwas mehr Sorgfalt in Recherche und Urteil erwartet.<\/p>\n<p><strong><span style=\"font-family: Helvetica, Arial, sans-serif; text-transform: uppercase;\">C\u00ebla enghe:<\/span><\/strong> <a title=\"NZZ-Bericht \u00fcber die Situation in S\u00fcdtirol.\" href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=29650\"><code>01<\/code><\/a><\/p>\n<!-- Snippets by WebberZone Snippetz --><div class=\"ata_snippets\"><hr style=\"height: 10px;border: none;margin-top: 0px;background-color: darkred\" \/>\r\n\r\n<div style=\"background-color: none;padding: 0px;font-size: 14px;font-family: Helvetica,Arial;margin: 10px 0px 0px 0px\"><span style=\"color: darkred\"><strong><small>Autor:innen- und Gastbeitr\u00e4ge widerspiegeln nicht notwendigerweise die Meinung oder die Position von BBD, so wie die jeweiligen Verfasser:innen nicht notwendigerweise die Ziele von BBD unterst\u00fctzen.<\/small><\/strong><small> \u00b7 I contributi esterni non necessariamente riflettono le opinioni o la posizione di BBD, come a loro volta le autrici\/gli autori non necessariamente condividono gli obiettivi di BBD. \u2014 <a href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?page_id=11356#copyleft\"><strong>\u00a9<\/strong><\/a><\/small><\/span><\/div><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00bbGemeinsam einsam\u00ab ist ein Beitrag der NZZ-Romkorrespondentin Andrea Spalinger \u00fcber S\u00fcdtirol vom 16. 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