{"id":31499,"date":"2016-09-09T13:30:09","date_gmt":"2016-09-09T11:30:09","guid":{"rendered":"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=31499"},"modified":"2025-06-26T20:43:28","modified_gmt":"2025-06-26T18:43:28","slug":"autonomiekonvent-quo-vadis","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=31499","title":{"rendered":"Autonomiekonvent \u2014 quo vadis?"},"content":{"rendered":"<p>Wie von mehreren Medien berichtet, hat Riccardo dello Sbarba (Gr\u00fcne) w\u00e4hrend der Sitzung des K33 am Freitag, den 2. September 2016, der auch ich beiwohnte, den Verfassungsgesetzentwurf Nr. 2220 erw\u00e4hnt. Es war Altlandeshauptmann Luis Durnwalder, der dies aufgriff und durch diese Initiative die Arbeiten des Konvents v\u00f6llig konterkariert sieht.<\/p>\n<p>Der \u00c4rger des Altlandeshauptmannes ist durchaus nachvollziehbar, wurden die Arbeiten im Konvent der 33 in der Tat nie explizit mit anderen autonomiepolitischen Initiativen koordiniert oder abgesprochen. In puncto Informationsfluss zwischen Landesregierung, Landtag, S\u00fcdtirols Parlamentariern im r\u00f6mischen Parlament und der Schutzmacht \u00d6sterreich besteht noch betr\u00e4chtlich Luft nach oben. So ist es vielleicht auch symptomatisch, dass ein Antrag vom K33-Mitglied Heinold Rottensteiner, die Schutzmacht \u00d6sterreich verst\u00e4rkt in den Informationsfluss \u00fcber die Arbeiten im Konvent einzukn\u00fcpfen, vom Pr\u00e4sidium des K33 gar nicht zugelassen wurde.<\/p>\n<p>Andererseits ist es allseits bekannt, dass der Inhalt des aktuellen <em>Konvent-Eklats<\/em> genau die Arbeitsweise ist, die auf r\u00f6mischem Parkett schon lange angewandt wird. Die Entwicklung der S\u00fcdtirolautonomie folgt schon seit Jahren keinem nachvollziehbaren Konzept oder einer in einen geordneten Zeitplan eingebetteten Zielsetzung. In Hinterzimmerverhandlungen und langwierigen Feilschereien wird versucht, immer wieder etwas f\u00fcr S\u00fcdtirol rauszuholen. Diese Vorgangsweise hat bis zu einem bestimmten Punkt durchaus ihre Berechtigung, allerdings ersetzen diese <em>r\u00f6mischen Polit-Gepflogenheiten<\/em> kein autonomiepolitisches Gesamtprojekt. Ein Gesamtprojekt, \u00fcber das weder die derzeitige Landesregierung noch die Mehrheitspartei(en) verf\u00fcgen.<\/p>\n<p>Genau darin liegt auch nach dem j\u00fcngsten Eklat die Chance des Autonomiekonvents. In der Ausarbeitung der Grundlagen, die bei entsprechendem politischen Willen zu einem autonomiepolitischen Gesamtkonzept f\u00fchren. Bei der Erarbeitung dieser Grundlagen darf es keine Tabus geben. Die Arbeiten m\u00fcssen sich daran orientieren, was f\u00fcr die gesellschaftliche, soziale, wirtschaftliche und \u00f6kologische Entwicklung S\u00fcdtirols erstrebenswert und w\u00fcnschenswert ist.<\/p>\n<p>In den letzten Monaten konnte sich durchaus der Eindruck verfestigen, dass die Wertsch\u00e4tzung der Arbeiten im Konvent vonseiten der Landesregierung und den Mehrheitsparteien nicht sonderlich ausgepr\u00e4gt ist. Einer der Initiatoren des Konvents, Francesco Palermo, hat sich gar wie ein beleidigtes Kleinkind zur\u00fcckgezogen, seitdem im Rahmen des Autonomiekonvents auch \u00fcber Themen diskutiert wird, die seiner Meinung nach eine reine Zeitverschwendung darstellen. Zus\u00e4tzlich haben die Mainstreammedien, insbesondere die sogenannten alternativen Medien, die Arbeiten im Konvent nicht inhaltlich kritisch und konstruktiv begleitet, sondern, wie so h\u00e4ufig bei autonomiepolitischen Themen, ihre Berichterstattung in erster Linie mit Polemik dar\u00fcber garniert, dass anscheinend bestimmte Kreise die Agenda des Konvents dominieren.<\/p>\n<p>Da verwundert es doch einigerma\u00dfen, wenn Alexandra Aschbacher im <a title=\"ff: Allianz des Misstrauens.\" href=\"http:\/\/www.ff-online.com\/ausgaben\/36-610\/allianz-des-misstrauens\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Leitartikel<\/a> der <em>ff<\/em> Nr. 36\/2016 unter anderem folgendes \u00fcber den Konvent schreibt:<\/p>\n<blockquote><p>Einer Veranstaltung, deren partizipativen und ergebnis\u00adoffenen Charakter viele noch immer nicht verstehen wollen oder k\u00f6nnen.<\/p><\/blockquote>\n<p>Fragt sich, ob S\u00fcdtirols Medien, einschlie\u00dflich <em>ff<\/em>, verstanden haben, was partizipativ und ergebnisoffen bedeutet? Partizipativ und ergebnisoffen bedeutet, dass es bei den Arbeiten im Konvent keine Tabuthemen geben darf. Die S\u00fcdtiroler Mainstreammedien haben in den letzten Jahren keinen gro\u00dfen Beitrag zur Aufarbeitung s\u00fcdtirolspezifischer Reizthemen, wie z.B. Vollautonomie oder Selbstbestimmung geleistet. Allzu h\u00e4ufig werden nicht einmal die Begrifflichkeiten richtig verwendet.<\/p>\n<p>In diesem Zusammenhang gilt es vielleicht auch zu erw\u00e4hnen, dass Altlandeshauptmann Luis Durnwalder beileibe nicht das erste Mitglied des <em>Konvents der 33<\/em> ist, das mit R\u00fcckzug droht. Landtagspr\u00e4sident Roberto Bizzo <a title=\"Quotation (283): Ricatti e confini.\" href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=29632\">drohte<\/a> schon am 13. Juni 2016 \u00fcber die Zeitung <em>A. Adige<\/em>, er w\u00fcrde sich vom Konvent zur\u00fcckziehen, wenn dort \u00fcber die Selbstbestimmung diskutiert wird. Einen Tag vorher, am 12.06.2016 kam Claudio Corrarati, ebenfalls Mitglied des K33, im <em>A. Adige<\/em> zu Wort und mokierte sich dar\u00fcber, dass im Konvent \u00fcber das Thema Selbstbestimmung gesprochen wird, dass dies die Kompetenzen \u00fcberschreite und die Diskussionen mehr von den \u201ctecnici\u201d, also Juristen, bestimmt werden sollten. Kein sonderlich ergebnisoffener Ansatz.<\/p>\n<p>Sollten sich die Diskussionen im <em>Konvent der 33<\/em> tats\u00e4chlich lediglich auf die juristische Ebene und Gepflogenheiten <em>r\u00f6mischer Hintergrundverhandlungen<\/em> beschr\u00e4nken, kann man die Arbeiten tats\u00e4chlich beenden. Es ist dies das Terrain, das die SVP einigerma\u00dfen beherrscht und abdeckt.<\/p>\n<p>Es war unter anderem der Altlandeshauptmann Luis Durnwalder, der hier ein Pl\u00e4doyer f\u00fcr mehr politische Visionen hielt und ebenfalls anmerkte, dass man sich im Zuge der Arbeiten im Konvent auch zum Thema Selbstbestimmung \u00e4u\u00dfern m\u00fcsse. Im \u00dcbrigen animierte auch Landeshauptmann Arno Kompatscher in seinem Impulsreferat vom 10. Juni 2016 im <em>Konvent der 33<\/em> durchaus zu Vorschl\u00e4gen, die \u00fcber das Klein-Klein der Tagespolitik hinausgehen.<\/p>\n<p>Der Autonomiekonvent kann unter folgenden Umst\u00e4nden durchaus noch zu einem Erfolg werden:<\/p>\n<ol>\n<li>Die Arbeiten im <em>Konvent der 33<\/em> sollen nicht mit einem juristischen Proseminar verwechselt werden, sondern es soll ergebnisoffen \u00fcber s\u00e4mtliche autonomen Zust\u00e4ndigkeiten und neu einzufordernden Kompetenzen diskutiert werden, die f\u00fcr eine w\u00fcnschenswerte gesellschaftliche, soziale, wirtschaftliche und \u00f6kologische Entwicklung S\u00fcdtirols notwendig sind.<\/li>\n<li>Formell handelt es sich beim Konvent um ein Hilfsorgan des S\u00fcdtiroler Landtages. Abgesehen davon obliegt es den Migliedern des Konvents und vor allem auch dem Pr\u00e4sidium des Konvents, die Aufgaben vision\u00e4r zu interpretieren oder sehr einschr\u00e4nkend und restriktiv auszulegen. Letzteres w\u00e4re in der Tat wenig zielf\u00fchrend, ersteres verspricht Frischluft f\u00fcr die autonomiepolitische Stagnation in der sich S\u00fcdtirol befindet.<\/li>\n<li>Die Hauptrolle des Konvents ist die eines Ideengebers. Es ist durchaus vorstellbar, dass sich aus den Arbeiten im Konvent neue autonomiepolitische Dynamiken entwickeln. Warum sollte der S\u00fcdtiroler Landtag morgen nicht ebenso einen Vollautonomiekonvent oder Selbstbestimmungskonvent einsetzen, der auf Grundlage eines gesellschaftlich breit angelegten Prozesses \u00fcber die Zukunft S\u00fcdtirols diskutiert und Wege auslotet, die Ergebnisse auch umzusetzen?<\/li>\n<\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie von mehreren Medien berichtet, hat Riccardo dello Sbarba (Gr\u00fcne) w\u00e4hrend der Sitzung des K33 am Freitag, den 2. September 2016, der auch ich beiwohnte, den Verfassungsgesetzentwurf Nr. 2220 erw\u00e4hnt. Es war Altlandeshauptmann Luis Durnwalder, der dies aufgriff und durch diese Initiative die Arbeiten des Konvents v\u00f6llig konterkariert sieht. 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