{"id":3172,"date":"2009-09-28T13:59:04","date_gmt":"2009-09-28T11:59:04","guid":{"rendered":"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=3172"},"modified":"2025-07-10T16:47:54","modified_gmt":"2025-07-10T14:47:54","slug":"fernverkehr-auf-der-brennerbahnlinie-im-niedergang","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=3172","title":{"rendered":"Danke, Trenitalia."},"content":{"rendered":"<p>Wir k\u00f6nnen uns noch an den Fahrplanwechsel im Dezember 2008 errinnern. Von den eh schon sp\u00e4rlichen sechs EuroCity Verbindungen auf der Brennerbahnlinie wurde ein Zugpaar gestrichen und die anderen Zugpaare teils im Zuglauf empfindlich gek\u00fcrzt. (Der ehemals recht attraktive EC Michelangelo verkehrt seit Dezember nicht mehr nach Rom sondern nach Rimini, ein weiteres Zugpaar wurde von M\u00fcnchen &#8211; Verona auf M\u00fcnchen &#8211; Bozen reduziert). Besonders schlimm, seit Dezember 2008 verl\u00e4\u00dft der letzte EC Bozen Richtung M\u00fcnchen schon um 16.30 Uhr (bis Dez. 2008 18.30 Uhr) und M\u00fcnchen Richtung Bozen um 15.30 Uhr (bis Dez. 2008, 17.30 Uhr). Trenitalia hat einige Wochen vor Fahrplanwechsel v\u00f6llig \u00fcberraschend und gegen jegliche Abmachungen diese \u00c4nderungen kommuniziert, eine im internationalen Bahnverkehr recht un\u00fcbliche Vorgangsweise, werden die Bahntrassen und internationalen Zugverbindungen zwischen den einzelnen Bahngesellschaften ja schon im M\u00e4rz vereinbart.<\/p>\n<p>Entsprechend ver\u00e4rgert war man bei den Partnerbahnen <abbr title=\"\u00d6sterreichische Bundesbahnen\">\u00d6BB<\/abbr> in \u00d6sterreich und DB in Deutschland, die die internationalen Z\u00fcge auf der Brennerbahn zusammen mit Trenitalia f\u00fchren. Diese beiden Bahngesellschaften, mit der notorischen Unzuverl\u00e4ssigkeit von Trenitalia schon seit l\u00e4ngerem nicht mehr einverstanden, haben in Folge ein neues Betriebsmodell geplant. Der internationale Brennerverkehr soll in Zukunft mit einem anderen italienischen Partner, den Ferrovie Nord aus der Lombardei durchgef\u00fchrt werden. Geplant waren wieder sechs Zugpaare und diese sollten allesamt von M\u00fcnchen bis Bologna verl\u00e4ngert werden. Dies ist aus S\u00fcdtiroler Perspektive deshalb interessant, da in Bologna Anschluss an das italienische Hochgeschwindigkeitsnetz besteht.<\/p>\n<p>Die Rechnung wurde ohne Trenitalia gemacht. F\u00fcr jeden Zug m\u00fcssen entsprechende Trassen beantragt werden. Pl\u00f6tzlich gab es f\u00fcr die sechs Zugpaartrassen einen Antrag von DB\/\u00d6BB\/Ferrovie Nord und wiederum Trenitalia, die sich angesichts des Interesses von potentiellen Konkurrenzbahnen nicht freiwillig zur\u00fcckziehen wollten. Eine Situation, die es in dieser Art und Weise noch nicht gegeben hatte. F\u00fcr die Trassenvergabe in Italien ist RFI (Rete Ferroviaria Italiana), der Bahnnetzbetreiber, zust\u00e4ndig, der faktisch von Trenitalia getrennt ist. Die \u00fcberraschende Entscheidung: Trenitalia bekam die urspr\u00fcnglichen Trassen und um 5 Minuten verschoben der Verbund DB\/\u00d6BB\/Ferrovie Nord, allerdings nicht bis Bologna sondern nur bis Verona. Bizarres Detail am Rande, w\u00e4hrend DB\/\u00d6BB\/Ferrovie Nord nun \u00fcber eine durchgehende Trasse von M\u00fcnchen bis Verona verf\u00fcgen, verf\u00fcgt Trenitalia nur \u00fcber die entsprechenden Trassen bis zum Brenner. Der Partner von Trenitalia in \u00d6sterreich und Deutschland hat nur eine G\u00fcterverkehrs-Lizenz.<\/p>\n<p>Laut letztem Stand der Dinge, wobei es immer wieder zu neuen Ger\u00fcchten und \u00dcberraschungen kommt, wird es ab Dezember 2009 bei den derzeitigen 5 Eurocity Zugpaaren bleiben. Diese werden von M\u00fcnchen-Verona und umgekehrt fahren und von DB\/\u00d6BB\/Ferrovie Nord gef\u00fchrt. Ob Trenitalia eigene Z\u00fcge nur bis zum Brenner fahren lassen will bleibt deren Geheimnis, ist aber aufgrund Geldmangels unwahrscheinlich.<\/p>\n<p>Ob das von DB\/\u00d6BB\/Ferrovie Nord geplante Projekt im Dezember 2009 ohne Schwierigkeiten gestartet werden kann ist ebenfalls nicht sicher. Es gibt verschiedenste M\u00f6glichkeiten hier H\u00fcrden zu erfinden. Ein Ger\u00fccht: Anscheinend hat die f\u00fcr das Projekt geplante Lokomotive f\u00fcr Italien nur eine Zulassung f\u00fcr 120 km\/h. Zulassungen werden im Bahnverkehr immer noch von nationalen Beh\u00f6rden erlassen und in Italien kann dies schon mal mehrere Jahre dauern. Sollte die entsprechende Lokomotive keine Zulassung f\u00fcr 160 km\/h bekommen, w\u00e4re der geplante Fahrplan f\u00fcr die EC Verbindungen nicht machbar.<\/p>\n<p>Sollte das Projekt im Dezember 2009 wie geplant seinen Lauf nehmen, h\u00e4tten wir zumindest das derzeitige Notprogramm von 5 internationalen Zugpaaren im Tagesverkehr. Ein Jahr sp\u00e4ter, also im Dez. 2010 soll dann auf 7 Zugpaare aufgestockt werden und diese sollen bis Bologna verl\u00e4ngert werden. Dies w\u00e4re dann schon ein Lichtblick, aber immer noch niedrigster Standard. Zum Vergleich: Zwischen der Zentralschweiz n\u00f6rdlich der Alpen und dem Tessin s\u00fcdlich der Alpen verkehren \u00fcber die Gotthard Bahnlinie t\u00e4glich 32 Zugpaare. Davon kann S\u00fcdtirol nur tr\u00e4umen, aber wenn man bestimmte Entwicklungen jahrelang verschl\u00e4ft braucht man sich \u00fcber die miserablen Resultate nicht wundern.<\/p>\n<p>Fakt ist:<\/p>\n<ol>\n<li>Trenitalia hat sich im Brennerbahnverkehr als v\u00f6llig unzuverl\u00e4ssig erwiesen. Schon seit Jahren gibt es Ger\u00fcchte, dass sich Trenitalia vom Fernverkehr zur\u00fcckziehen m\u00f6chte. Seit es ein neues Projekt gibt, werden aufgrund traditionell guter Kontakte zu Institutionen und RFI, H\u00fcrden in den Weg geworfen. In diesem Zusammenhang ist auch das Scheitern der Mischgesellschaft Cisalpino (Schweizer SBB und Trenitalia), die f\u00fcr den internationalen Verkehr zwischen Schweiz und Italien gegr\u00fcndet wurde, symptomatisch. Cisalpino wird im Dezember 2009 aufgel\u00f6st. Hauptgrund, die Unzuverl\u00e4ssigkeit des Partners Trenitalia.<br \/>\nLinks: <a href=\"http:\/\/www.derbund.ch\/zeitungen\/front\/Cisalpino--ist-gescheitert\/story\/12834213\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">[Der Bund]<\/a> <a href=\"http:\/\/www.pro-bahn.ch\/content\/Aktuell\/News_Feb_09.asp\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">[Pro Bahn]<\/a> <a href=\"http:\/\/mct.sbb.ch\/mct\/konzern_dienstleistungen\/konzern_medien.htm?cmd=E2B9CC475D6FBB3701BEF15C2A941302\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">[SBB]<\/a><\/li>\n<li>S\u00fcdtirol hat die Bedeutung des Fernverkehrs auf der Brennerbahnstrecke (M\u00fcnchen-Innsbruck-Bozen-Verona-Bologna) f\u00fcr die wirtschaftliche, touristische und kulturelle Entwicklung unseres Landes jahrzentelang untersch\u00e4tzt und verschlafen. Vielen Entscheidungstr\u00e4gern unseres Landes (Landesregierung, SMG usw.) ist die Bedeutung eines funktionierenden Fernverkehrs auf der Brennerbahnlinie nicht bewusst. Entsprechend geringes Engagement vonseiten S\u00fcdtirols hat es in diesem Bereich gegeben. Die Brennerbahn k\u00f6nnte unser Tor zur Welt sein &#8211; hier werden aber zig Millionen Euro unproduktiv in einen Provinz-Flughafen investiert. Die Entwicklung des Fernverkehrs auf der Brennerbahn h\u00e4ngt derzeit de facto von einzelnen Bahngesellschaften ab, die den Fahrplan ja nicht aufgrund der Bed\u00fcrfnisse S\u00fcdtirols erstellen, sondern eigenen Kriterien folgen. Daran \u00e4ndert auch das DB\/\u00d6BB\/Ferrovie Nord Projekt wenig. Trotzdem, gute Kontakte zu diesen Bahngesellschaften k\u00f6nnten einiges verbessern. Derzeit verf\u00fcgen unsere Entscheidungstr\u00e4ger h\u00e4ufig nicht einmal \u00fcber diese Kontakte und machen deshalb auch keinen Einfluss S\u00fcdtirols in der Fahrplangestaltung sichtbar.<\/li>\n<li>Die Kompetenzfrage. H\u00e4ufig wird von S\u00fcdtiroler Kreisen die mangelnde Kompetenz in dieser Materie ins Feld gef\u00fchrt. Dies ist faktisch ein Problem. Es g\u00e4be aber verschiedenste Ans\u00e4tze dem Problem zu begegnen. Bespiele: Gr\u00fcndung einer eigenen Bahngesellschaft zusammen mit Nordtirol und dem Trentino, die den Fernverkehr zwischen M\u00fcnchen und Bologna abwickelt. Mit den Milli\u00f6nchen, die bis heute in den Flughafen geflossen sind, aufgestockt durch einen entsprechenden Beitrag aus Nordtirol und dem Trentino h\u00e4tte man durchaus etwas bewegen k\u00f6nnen, aber die Europaregion dient ja in erster Linie Sonntagsreden und als Argument gegen Unabh\u00e4ngigkeitsforderungen in S\u00fcdtirol. Zukunftsweisende Projekte wurden damit noch keine verwirklicht.\u00dcbrigens: man k\u00f6nnte auch mal ganz formell die Zust\u00e4ndigkeit f\u00fcr die Brennerbahnlinie verlangen. Wer nie etwas verlangt bekommt auch nichts. Unter Zust\u00e4ndigkeit ist hier die Betreibung der Bahnstrecke zu verstehen, also der Job den momentan RFI macht. Warum sollte S\u00fcdtirol dies nicht besser bew\u00e4ltigen? Nicht nur der Fernverkehr, auch der Nahverkehr w\u00fcrde davon profitieren.<\/li>\n<\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir k\u00f6nnen uns noch an den Fahrplanwechsel im Dezember 2008 errinnern. Von den eh schon sp\u00e4rlichen sechs EuroCity Verbindungen auf der Brennerbahnlinie wurde ein Zugpaar gestrichen und die anderen Zugpaare teils im Zuglauf empfindlich gek\u00fcrzt. 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