{"id":33703,"date":"2017-02-12T00:17:59","date_gmt":"2017-02-11T23:17:59","guid":{"rendered":"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=33703"},"modified":"2023-05-02T21:53:21","modified_gmt":"2023-05-02T19:53:21","slug":"kaerntner-sloweninnen-nicht-gleichberechtigt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=33703","title":{"rendered":"K\u00e4rntner Sloweninnen nicht gleichberechtigt."},"content":{"rendered":"<p>Der S\u00fcdtiroler Hans Karl Peterlini, Dozent an der <em>Alpen-Adria-Universit\u00e4t<\/em> Klagenfurt, hat einen offenen Brief \u00fcber die Lage der K\u00e4rntner Sloweninnen und ihren Stellenwert in der neuen Landesverfassung initiiert. Wir geben ihn hier (via <em>Salto)<\/em> im Wortlaut wieder:<\/p>\n<blockquote><p>Mit Verwunderung und Besorgnis haben wir in der vergangenen Woche die politische Debatte verfolgt, wonach die gemeinsame Nennung der \u201cdeutsch- und slowenischsprachigen Landsleute\u201d den Konsens um die neue Landesverfassung f\u00fcr K\u00e4rnten\/Koro\u0161ka in Frage stellte. Die Verweigerung einer solchen Wertsch\u00e4tzung, allein durch simple Erw\u00e4hnung auch der slowenischsprachigen Mitb\u00fcrgerinnen und Mitb\u00fcrger als fraglos zu K\u00e4rnten geh\u00f6rend und K\u00e4rnten mitgestaltend, stellte einen R\u00fcckschritt f\u00fcr das positive Klima dar, das sich mit dem Kompromiss von 2011 zur Ortstafelfrage zwischen den Volksgruppenvertretern und den politischen Entscheidungstr\u00e4gern in Klagenfurt und Wien entwickelt hat und f\u00fcr das die derzeitige Landesregierung wichtige Akzente gesetzt hat.<\/p>\n<p>Sosehr die nunmehrige Einigung zur Landesverfassung zu begr\u00fc\u00dfen ist, so sehr bleiben doch Momente des Unbehagens zur\u00fcck, die auch durch den politischen Kompromiss nicht \u00fcberspielt werden sollten: Die nunmehrige st\u00e4rkere Betonung, dass Deutsch nicht nur die Sprache der Gesetzgebung, sondern \u201cdie\u201d Landessprache ist und dass die sprachliche und kulturelle Vielfalt der Republik \u00d6sterreich in K\u00e4rnten \u2013 quasi als Beigabe \u2013 durch die slowenische Sprachgruppe zum Ausdruck kommt, st\u00e4rkt die getrennte Wahrnehmung zweier Landesrealit\u00e4ten, wo zuvor durch die gleichberechtigte Nennung der \u201cdeutsch- und slowenischsprachigen Landsleute\u201d der Gedanke einer sprachgruppen\u00fcbergreifenden Gemeinsamkeit zum Ausdruck kam. Dies w\u00e4re einer sp\u00e4ten W\u00fcrdigung der Rolle der slowenischen Bev\u00f6lkerung in der Geschichte K\u00e4rntens und \u00d6sterreichs gleich gekommen, die dieser oft schlecht gedankt wurde (man denke an die ausschlaggebende Bef\u00fcrwortung des Verbleibs bei \u00d6sterreich bei der Volksabstimmung 1920 durch die slowenische Bev\u00f6lkerung sodann an den politisch zwar wenig gew\u00fcrdigten Widerstand gegen das NS-Regime, der im Sinne der Moskauer Deklaration von 1943 aber wesentlich dazu beitrug, dass \u00d6sterreich von den Alliierten die staatliche Souver\u00e4nit\u00e4t zugesprochen wurde). Die im Staatsvertrag \u00fcbernommene Verpflichtung \u00d6sterreichs gegen\u00fcber der slowenischen Sprachgruppe wurde nur sehr mangelhaft umgesetzt, so dass die Assimilationsprozesse fortschritten und fortschreiten. Positive Akzente wie etwa der Umstand, dass auch deutschsprachige Familien ihre Kinder in zweisprachige Schulen einschreiben, verweisen zugleich auf zarte Pfl\u00e4nzchen eines wachsenden Interesses aneinander.<\/p>\n<p>Der von der Regierungskoalition SP\u00d6-\u00d6VP-Gr\u00fcne mitgetragene Entwurf f\u00fcr die neue Landesversammlung war gerade durch die beanstandete und nun getilgte Formulierung von gro\u00dfer symbolischer Bedeutung, weil die slowenische Bev\u00f6lkerung als gleichberechtigtes politisches Subjekt genannt wurde, aber eben nicht von den deutschsprachigen Mitb\u00fcrgerinnen und -b\u00fcrgern abgespalten, sondern ungezwungen und wie selbstverst\u00e4ndlich aufgenommen in ein gemeinsames Konzept von ausdr\u00fccklich deutsch- und slowenischsprachigen \u201cLandsleuten\u201d. Diese explizite Mitnennung und Sichtbarkeit der slowenischen Sprachgruppe ist nun in der Formulierung \u201caller Landsleute\u201d vermieden worden.<\/p>\n<p>Die nunmehrigen \u00c4nderungen der Landesverfassung mit der Betonung, dass Deutsch die einzige Landessprache ist, laufen auf eine Abstufung zwischen den zwei Sprachgruppen hinaus. Dies macht deutlich, wie weit die Rechte der \u00f6sterreichischen slowenischen Minderheit beispielsweise gegen\u00fcber jenen der deutschsprachigen und ehemals \u00f6sterreichischen Minderheit in S\u00fcdtirol\/Italien hinterherhinken, wo die Gleichstellung der Sprachen auch als Gesetzessprache und umso unbestrittener auch als Landessprache verfassungsrechtlich verankert ist. In der neuen Landesverfassung f\u00fcr K\u00e4rnten\/Koro\u0161ka war eine gleichberechtigte symbolische Nennung offenbar schon zu viel. Dies ist ein R\u00fcckzug von der Beherztheit im urspr\u00fcnglichen Entwurf f\u00fcr die neue Landesverfassung.<\/p>\n<p>Angesichts der vielf\u00e4ltigen Herausforderungen in migrantisch gepr\u00e4gten Gesellschaften ist die historisch gegebene, sprachliche und kulturelle Pluralit\u00e4t K\u00e4rntens f\u00fcr ganz \u00d6sterreich und dar\u00fcber hinaus eine Ressource, die nicht durch gl\u00e4ttende Formulierung m\u00f6glichst zum Verschwinden, sondern selbstbewusst sichtbar und damit politisch und gesellschaftlich fruchtbar gemacht werden sollte. Die deutsch- und slowenischsprachige Bev\u00f6lkerung K\u00e4rntens verf\u00fcgt dank ihrer Geschichte ethnischer Feindseligkeiten, Ab- und Ausgrenzungen, Entrechtungen und Behauptungsk\u00e4mpfen \u00fcber wertvolle Erprobungen von Konflikt\u00fcberwindung und Zusammenleben, die f\u00fcr moderne europ\u00e4ische Migrationsgesellschaften einen Erfahrungsschatz im Umgang mit Ethnizit\u00e4t und Diversit\u00e4t darstellen.<\/p>\n<p>Hans Karl Peterlini, Alpen-Adria-Universit\u00e4t Klagenfurt, Institut f\u00fcr Erziehungswissenschaft und Bildungsforschung (IfEB), Abteilung interkulturelle Bildung<\/p>\n<p>Cristina Beretta, Universit\u00e4t Klagenfurt, Institut f\u00fcr Slawistik<\/p>\n<p>Klaus Sch\u00f6nberger, Universit\u00e4t Klagenfurt, Institut f\u00fcr Kulturanalyse<\/p>\n<p>Bettina Gruber, Universit\u00e4t Klagenfurt, IfEB, Zentrum f\u00fcr Friedensforschung und Friedensbildung<\/p>\n<p>Viktorija Ratkovi\u010d\u008d, Universit\u00e4t Klagenfurt, IfEB, Zentrum f\u00fcr Friedensforschung und Friedensbildung<\/p>\n<p>Barbara Maier, Universit\u00e4t Klagenfurt, Kulturagenden<\/p>\n<p>Kornelia Tischler, Universit\u00e4t Klagenfurt, IfEB, Abteilung f\u00fcr Schulp\u00e4dagogik<\/p>\n<p>Peter Gstettner, Universit\u00e4t Klagenfurt, IfEB (i.R.)<\/p>\n<p>Reinhard Kacianka, Institut f\u00fcr Kulturanalyse, internationale Beziehungen<\/p>\n<p>Jasmin Donlic, Universit\u00e4t Klagenfurt, IfEB, Abteilung interkulturelle Bildung<\/p>\n<p>Marion Hamm, Universit\u00e4t Klagenfurt, Institut f\u00fcr Kulturanalyse<\/p>\n<p>Jutta Steininger, Kunsthistorikerin<\/p>\n<p>Karin Schorm, Universit\u00e4t Klagenfurt<\/p>\n<p>Tina Perisutti, Universit\u00e4t Klagenfurt<\/p>\n<p>Vladimir Wakounig, Universit\u00e4t Klagenfurt, IfEB, Abteilung interkulturelle Bildung (i.R.)<\/p>\n<p>Alice Pechriggl, Universit\u00e4t Klagenfurt, Institut f\u00fcr Philosophie<\/p>\n<p>Doris Moser, Universit\u00e4t Klagenfurt, Institut f\u00fcr Germanistik<\/p>\n<p>Liepold Ute, Universit\u00e4t Klagenfurt, Institut f\u00fcr Kulturanalyse, Regisseurin<\/p>\n<p>Bernd Liepold-Mosser, Stadttheater Klagenfurt, Regisseur<\/p>\n<p>Mark Schreiber, Universit\u00e4t Klagenfurt, Institut f\u00fcr Anglistik und Amerikanistik<\/p>\n<p>Thomas Hainscho, Universit\u00e4t Klagenfurt, Institut f\u00fcr Philosophie<\/p>\n<p>Sandra H\u00f6lbling-Inzko, Universit\u00e4t Klagenfurt, Institut f\u00fcr Kulturanalyse<\/p>\n<p>Marija Wakounig, Universit\u00e4t Wien, Institut f\u00fcr Osteurop\u00e4ische Geschichte<\/p>\n<p>Janine Schemmer, Universit\u00e4t Klagenfurt, Institut f\u00fcr Kulturanalyse<\/p>\n<p>Samo Wakounig, Universit\u00e4t Klagenfurt, IfEB, Abteilung Systematische und Historische P\u00e4dagogik<\/p>\n<p>Martin Hitz, Universit\u00e4t Klagenfurt, Vizerektor f\u00fcr Personal, Institut f\u00fcr Informatik-Systeme<\/p>\n<p>Terezija Wakounig, Wien\/Dunaj-M\u00fcllnern\/Mlin\u010de<\/p>\n<p>Simone Egger, Universit\u00e4t Klagenfurt, Institut f\u00fcr Kulturanalyse<\/p>\n<p>Irene Cennamo, Universit\u00e4t Klagenfurt, IfEB, Erwachsenen- und Weiterbildung<\/p>\n<p>Ute Holfelder, Universit\u00e4t Klagenfurt, Institut f\u00fcr Kulturanalyse<\/p>\n<p>Georg Gombos, Universit\u00e4t Klagenfurt, IfEB, Interkulturelle Bildung<\/p>\n<p>Zahra Mani, Universit\u00e4t Klagenfurt<\/p>\n<p>Gerhard Katschnig, Universit\u00e4t Klagenfurt<\/p>\n<p>Brigitte Hipfl, Universit\u00e4t Klagenfurt, stellv. Dekanin Fakult\u00e4t f\u00fcr Kulturwissenschaften<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><span style=\"font-family: Helvetica, Arial, sans-serif; text-transform: uppercase;\">C\u00ebla enghe:<\/span><\/strong> <a title=\"Volksgruppengesetz: Offener Brief.\" href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=8563\"><code>01<\/code><\/a> <a title=\"K\u00e4rnten verbl\u00f6det.\" href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=261\"><code>02<\/code><\/a> <span style=\"font-family: Helvetica, Arial, sans-serif; font-weight: normal;\">||<\/span> <a title=\"Bundespr\u00e4sident entschuldigt sich bei K\u00e4rntner Sloweninnen.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=61207\"><span style=\"color: #ff8c00\"><code>01<\/code><\/span><\/a><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der S\u00fcdtiroler Hans Karl Peterlini, Dozent an der Alpen-Adria-Universit\u00e4t Klagenfurt, hat einen offenen Brief \u00fcber die Lage der K\u00e4rntner Sloweninnen und ihren Stellenwert in der neuen Landesverfassung initiiert. 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