{"id":3426,"date":"2009-10-17T10:06:31","date_gmt":"2009-10-17T08:06:31","guid":{"rendered":"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=3426"},"modified":"2018-07-18T09:52:24","modified_gmt":"2018-07-18T07:52:24","slug":"frontalangriff-auf-die-ladinische-sprache","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=3426","title":{"rendered":"Frontalangriff auf die ladinische Sprache."},"content":{"rendered":"<p>Seit mehreren Monaten pl\u00e4diert die <em>Lega Nord<\/em> in regelm\u00e4\u00dfigen abst\u00e4nden daf\u00fcr, lokale italienische Dialekte aufzuwerten, indem man ihnen im Bildungssystem und in der \u00d6ffentlichkeit mehr Platz einr\u00e4umt. Von einer breiten Mehrheit der \u00fcbrigen Parteien wird diese Forderung (zum Teil reflexartig) abgelehnt, da sie in ein xenophobistisches Gesamtkonzept gebettet ist \u2014 und mitunter als Keule gegen Zuwanderer aus anderen Regionen benutzt wird. Nationalisten kritisieren zudem, das Vorhaben bedrohe die Einheit des Landes.<\/p>\n<p>Mit ihrer explosiven Mischung aus Ausl\u00e4nderfeindlichkeit, Lokalpatriotismus und Dialekten erweist die <em>Lega<\/em> den anerkannten Minderheitensprachen einen B\u00e4rendienst. Im Eifer des Gefechts verstricken sich auch Liberale und Linke immer wieder in Verallgemeinerungen und Widerspr\u00fcche, die deutlich zeigen, wie br\u00fcchig in Italien das Bewusstsein f\u00fcr die eigene sprachliche Vielfalt ist. So kommen immer \u00f6fter auch die sardische, friaulische und ladinische Sprache mit unter die R\u00e4der, wenn es darum geht, die Forderungen der <em>Lega<\/em> zu entkr\u00e4ften. Als <em>Sprachen<\/em> werden mitunter nur noch jene anerkannt, die auch im Ausland offiziell und jedenfalls nicht romanischen Ursprungs sind, wie Deutsch, Albanisch oder Slowenisch.<\/p>\n<p>Damit gibt man Nationalisten und Zentralisten neue Munition in die Hand, um einen effektiven Minderheitenschutz (den die meisten Sprachen bis heute nicht genie\u00dfen) zu unterminieren. So h\u00e4tten Galicier und Katalanen, die in Spanien weitgehende Sprachrechte genie\u00dfen, in Italien einen sehr schweren Stand \u2014 bedr\u00e4ngt von einer gleichmacherischen Tendenz, die versucht, m\u00f6glichst alles unter den Hut der italienischen Einheitssprache zu bringen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-3428\" title=\"u veneri\" src=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/wp-content\/uploads\/2009\/10\/uveneri.jpg\" alt=\"u veneri\" width=\"217\" height=\"250\" srcset=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/wp-content\/uploads\/2009\/10\/uveneri.jpg 217w, https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/wp-content\/uploads\/2009\/10\/uveneri-130x150.jpg 130w\" sizes=\"auto, (max-width: 217px) 100vw, 217px\" \/>Ein aktuelles Beispiel zitiert das ladinische Nachrichtenportal <a title=\"Noeles.\" href=\"http:\/\/www.noeles.info\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Noeles<\/a>: Sogar das linksliberale Tagblatt <em>la Repubblica<\/em> f\u00e4hrt \u00fcber die Zeilen seiner Freitagsbeilage einen Frontalangriff auf die romanischen Minderheitensprachen. Linguist und Professor Raffaele Simone behauptet darin z.B. unwidersprochen, dass die ladinische Sprache nichts anderes sei als ein italienischer Dialekt. Eine Argumentation, die wir so bereits aus dem Faschismus kennen, der damit die Zugeh\u00f6rigkeit S\u00fcdtirols zu Italien untermauern wollte.<\/p>\n<p>Einerseits kann man von Gl\u00fcck sprechen, dass ein gro\u00dfer Teil Ladiniens auf dem Gebiet der autonomen L\u00e4nder S\u00fcdtirol und Trentino liegt und somit vor dem direkten Zugriff zentralistischer Politikerinnen und B\u00fcrokraten sicher ist, die in Friaul und Sardinien regelm\u00e4\u00dfig daf\u00fcr sorgen, dass Schutzbestrebungen ins Leere laufen. Andererseits ist jedoch deutlich anzuprangern, dass auch hierzulande viel zu wenig f\u00fcrs Ladinische unternommen wird. Weder konnte man sich auf die Vereinheitlichung der Schriftsprache einigen, noch gibt es ein Schulsystem, das der \u00e4ltesten Sprachgruppe im Lande ein langfristiges \u00dcberleben sichert \u2014 um nur <em>zwei<\/em> dringend n\u00f6tige Ma\u00dfnahmen zu nennen.<\/p>\n<p><strong><span style=\"font-family: Helvetica, Arial, sans-serif; text-transform: uppercase;\">C\u00ebla enghe:<\/span><\/strong> <a title=\"Leere Worte.\" href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=2361\" target=\"_self\"><code>01<\/code><\/a> <a title=\"Die Charta der Minderheitensprachen.\" href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=1348\" target=\"_self\"><code>02<\/code><\/a><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit mehreren Monaten pl\u00e4diert die Lega Nord in regelm\u00e4\u00dfigen abst\u00e4nden daf\u00fcr, lokale italienische Dialekte aufzuwerten, indem man ihnen im Bildungssystem und in der \u00d6ffentlichkeit mehr Platz einr\u00e4umt. 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