{"id":36915,"date":"2017-10-07T07:37:47","date_gmt":"2017-10-07T05:37:47","guid":{"rendered":"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=36915"},"modified":"2019-08-12T16:25:24","modified_gmt":"2019-08-12T14:25:24","slug":"von-der-emanzipation-der-regionen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=36915","title":{"rendered":"Von der Emanzipation der Regionen."},"content":{"rendered":"<!-- Snippets by WebberZone Snippetz --><div class=\"ata_snippets\"><hr style=\"height: 20px; border: none; margin-top: 0em; background-color: darkred;\"\/><\/div><p><em>von Benno Kusstatscher<\/em><\/p>\n<p>Katalonien, 1. Oktober 2017. Lombardei und Veneto, 22. Oktober 2017. Andere Vorzeichen, andere unsch\u00f6ne Begleiterscheinung, aber doch genau das gleiche Thema: In Selbstbewusstsein erstarkte Regionalisten gegen Zentralisten, die ihrerseits den Vorwurf retournieren, dass eben die Regionalisten Nationalisten seien, Mikronationalisten eben, im Wettbewerb sich gegenseitig mit nationalistischen Argumenten nationalistische Motivation vorzuwerfen. Stagnierende Nationen, die im Prinzip pulsierenden und weniger florierenden Regionen gerecht werden wollen, und aus eben diesem Prinzip, beziehungsweise aus pflichtbewusster Panik, diesem Prinzip nicht mehr gerecht werden zu k\u00f6nnen, den florierenden Regionen ihr Selbstbewusstsein vermiesen, anstatt sich von deren Tatkraft befl\u00fcgeln zu lassen.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber die Klammer der EU, der EU der Nationen, die von Nationen gegr\u00fcndet wurde, von Nationen bezahlt wird und letztlich aus Nationen besteht. Eine EU, die eine EU der B\u00fcrger, eine EU der Werte sein wollte, die aber wir, das Wahlvolk der einzelnen Nationen, gerade dazu explizit nicht legitimierten. Nun ringt sie mit sich, diese unsere EU, ob sie sich deutlich gegen ihr Mitglied Spanien stellen sollte, ob Klienteldiplomatie und Legalit\u00e4t von dieser zur Zeit nur durch Vertr\u00e4ge und nicht etwa von Empathie zusammengehaltenen EU hinten angestellt werden sollten, um B\u00fcrger und moralisches Recht wieder in den Mittelpunkt zu stellen. Im Falle Kataloniens hat die EU wohl ganz Europa entt\u00e4uscht, wird aber gerade von jenen emp\u00f6rt angeprangert, die die EU bis dato am lautesten daran gehindert hatten, sich aus der EU der Nationen zu sch\u00e4len, um wirklich eine EU der B\u00fcrger und B\u00fcrgerinnen zu werden. Das Bashing hat System und ist mit Sicherheit nicht konstruktiv.<\/p>\n<p>Nationalisten gibt es \u00fcberall, in Katalonien, in Flandern, in Venetien, das durchschauen wir S\u00fcdtiroler nur allzu gut. Es gibt sie aber auch in Spanien, in Italien und sie bleiben sich nichts schuldig. Die Mehrheit der Katalanen ruft aber nicht \u201eWir sind das Volk!\u201c. Ich widerspreche all den gelehrten und gelernten Kommentatoren, dass Begriffe wie Selbstbestimmung, Unabh\u00e4ngigkeit, Freistaat der Katalanischen Gem\u00fctswelt gerecht werden w\u00fcrden. \u00a0\u201eTo be or not to be a nation\u201c \u00a0ist nicht die Frage. Der Eindruck, dass dem so w\u00e4re, entspringt nur unserem phantasielosen, bipolaren Verst\u00e4ndnis der Welt, das\u00a0in der Logik der Nationen, der Logik der EU der Nationen gefangen ist.<\/p>\n<p>Letztlich geht es schlicht um Emanzipation. Wer wirtschaftlich erfolgreicher ist, dem ist es kaum zuzumuten, sich als Juniorpartner behandeln zu lassen. Der Vergleich zu Eheleuten mag hinken, beschreibt es aber doch sehr anschaulich: Dort ist man Gott sei Dank von der Schuldfrage abgekommen. Es geh\u00f6rt zur Erkenntnis der Menschheit, dass beide sich stets und dauernd f\u00fcr einander bem\u00fchen m\u00fcssen, wenn es auf Dauer klappen soll, und zu deren Errungenschaft, diesem \u201ebis dass der Tod euch scheidet\u201c mit aufgekl\u00e4rtem Traditionsbewusstsein relativierend zu begegnen. Als Gesellschaft k\u00f6nnen wir uns nur w\u00fcnschen, dass das mit dem Dialog, zur Not mit der Mediation klappt, weil wir nur zu gut wissen, welche Scherben und Narben bleiben, bei Geschiedenen und auch bei ihrem Umfeld. Manchmal kann Scheidung aber doch der sinnvollere Weg sein.<\/p>\n<p>Regionale Selbstbestimmung zu d\u00e4monisieren bringt genauso wenig wie sie zu befeuern. Die Regionen suchen ihren Platz auf der Welt. Irgendwo zwischen Globalisierung und Regionalkreisl\u00e4ufen, zwischen Patriotismus und Weltoffenheit, zwischen den bald acht Milliarden Erdenbewohnerinnen und dem Individuum, dem B\u00fcrger, warten neue Aufgaben\u00a0auf die Regionen. Wir k\u00f6nnen es uns nicht leisten, auf ihre Tatkraft zu verzichten, auf ihren teils euphorischen Willen, ihren Beitrag zu leisten, sich emanzipatorisch der Verantwortung zu stellen.<\/p>\n<p>Die Regionen suchen ihren Platz in Europa. Ob jetzt Europas Nationen ganz gem\u00e4\u00df dem Menasse\u2019schen Narrativ \u00fcberrollt werden, oder irgendwie anders, die Regionen werden sich mittelfristig gegen\u00fcber den Nationen emanzipieren. Es liegt an der EU, also an uns, ob wir sie in aller Phantasielosigkeit auf diesem Weg dazu zwingen, Mikronationen zu werden, h\u00e4ssliche Bilder wie in Barcelona frei Haus, oder ob wir ihnen einen anderen, w\u00fcrdigeren Weg ins Zentrum der EU ebnen. Schlie\u00dflich geht es nicht darum, Regionen und Nationen gegeneinander auszuspielen, wie heutzutage die Begriffe \u201eSelbstbestimmung\u201c, \u201ePostnationalit\u00e4t\u201c und \u201eEuropa der Regionen\u201c wohl verstanden werden. Es geht um ein erfolgreiches und nat\u00fcrlich friedliches und emanzipiertes, aber auch flexibles Miteinander mehrerer Governance-Ebenen. Augenh\u00f6he ist das Schl\u00fcsselwort.<\/p>\n<p>Wir k\u00f6nnen den Fall Katalonien als Chance denn als Problem sehen. Spanien wird weder das Problem l\u00f6sen noch die Chance ergreifen, genauso wenig wie Italien das mit der Lombardei und Venetien auf die Reihe bringen wird. Es ist die EU, die ein Angebot machen werden muss, und es liegt an uns, der Nationen Wahlvolk, die EU dazu zu legitimieren. Dann, und nur dann,\u00a0werden es genau besagte Regionen sein, die als Avantgarde den Karren Europas\u00a0aus dessen\u00a0Krise ziehen.<\/p>\n<p><em>Diese Analyse ist urspr\u00fcnglich auf <a class=\"external external_icon\" title=\"\" href=\"https:\/\/www.salto.bz\/de\/article\/06102017\/von-der-emanzipation-der-regionen\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener noreferrer\">Salto.bz<\/a> erschienen.\u00a0<\/em><\/p>\n<!-- Snippets by WebberZone Snippetz --><div class=\"ata_snippets\"><hr style=\"height: 10px;border: none;margin-top: 0px;background-color: darkred\" \/>\r\n\r\n<div style=\"background-color: none;padding: 0px;font-size: 14px;font-family: Helvetica,Arial;margin: 10px 0px 0px 0px\"><span style=\"color: darkred\"><strong><small>Autor:innen- und Gastbeitr\u00e4ge widerspiegeln nicht notwendigerweise die Meinung oder die Position von BBD, so wie die jeweiligen Verfasser:innen nicht notwendigerweise die Ziele von BBD unterst\u00fctzen.<\/small><\/strong><small>\u00b7 I contributi esterni non necessariamente riflettono le opinioni o la posizione di BBD, come a loro volta le autrici\/gli autori non necessariamente condividono gli obiettivi di BBD. \u2014 <a href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?page_id=11356#copyleft\"><strong>\u00a9<\/strong><\/a><\/small><\/span><\/div><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Benno Kusstatscher Katalonien, 1. 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