{"id":38037,"date":"2017-12-21T12:40:22","date_gmt":"2017-12-21T11:40:22","guid":{"rendered":"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=38037"},"modified":"2020-07-16T12:41:08","modified_gmt":"2020-07-16T10:41:08","slug":"katalonien-demokratische-garantien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=38037","title":{"rendered":"Katalonien: Demokratische Garantien?"},"content":{"rendered":"<p>Zur Stunde finden in Katalonien vorgezogene Neuwahlen statt, einberufen von der spanischen Zentralregierung, nachdem sie Ende Oktober die Region unter Zwangsverwaltung gestellt und das Parlament aufgel\u00f6st hatte.<\/p>\n<p>Das Referendum vom 1. Oktober war \u2014 zum Beispiel auch von der die Selbstbestimmung grunds\u00e4tzlich bef\u00fcrwortenden <em>Podemos<\/em> \u2014 nicht erst nach dem gewaltsamen Einschreiten der spanischen Polizei, sondern auch schon im Vorfeld wegen mangelnder \u00bbdemokratischer Garantien\u00ab kritisiert worden. Schauen wir also, wie es um die \u00bbdemokratischen Garantien\u00ab der heutigen amtlichen Wahl steht:<\/p>\n<ul>\n<li>Zun\u00e4chst wurde das katalanische Parlament nach Ansicht mehrerer spanischer Verfassungsrechtlerinnen illegal aufgel\u00f6st, da die Zwangsverwaltung durch Madrid diesen Schritt gar nicht decke.<\/li>\n<li>Zwischen Ank\u00fcndigung (am 27. Oktober) und Wahltermin lagen weniger als zwei Monate. Kurze Fristen sind in Spanien und auch in Katalonien zwar nicht ganz ungew\u00f6hnlich, doch die letzte Parlamentswahl vom September 2015 wurde bereits im J\u00e4nner angesetzt. Die Wahlkampfzeit war diesmal also eingeschr\u00e4nkt.<\/li>\n<li>Die von mehreren Seiten geforderte Anwesenheit internationaler Beobachterinnen wurde von der spanischen Regierung abgelehnt, obschon sie in dem angespannten Klima h\u00e4tte f\u00fcr Vertrauen sorgen k\u00f6nnen.<\/li>\n<li>Dass die Wahl an einem Werktag angesetzt ist, ist f\u00fcr Spanien und Katalonien absolut ungew\u00f6hnlich. Es gab und gibt juristische Unsicherheiten \u2014 etwa bez\u00fcglich des Rechts der Angestellten, den Arbeitsplatz zu verlassen, um w\u00e4hlen zu gehen. Auch ob der Unterricht in Schulen, die als Wahllokal dienen, aufrecht bleiben soll \u2014 und wenn ja, wie \u2014 war zun\u00e4chst unklar.<\/li>\n<li>Die staatliche <em>Junta Electoral&nbsp;<\/em>(Wahlkommission) in der Regionalparteien nicht vertreten sind, hat v\u00f6llig abstruse Wahlkampfvorschriften erlassen und etwa den Gemeinden den Gebrauch der gelben Farbe untersagt, die sich binnen kurzer Zeit als Symbol gegen politische Inhaftierungen etabliert hatte. Das ging so weit, dass nicht nur Barcelona die gelbe Beleuchtung von Geb\u00e4uden und Springbrunnen einstellen musste, sondern auch, dass der PP gegen eine Gemeinde Anzeige erstattet hat, in deren allj\u00e4hrlichem Weihnachtsvideo die gelbe Farbe vorkommt. Internationale Medien <a title=\"BBC: Catalonia electrions prompt crackdown\u2026\" href=\"http:\/\/www.bbc.com\/news\/av\/world-europe-42219702\/catalonia-elections-prompt-crackdown-on-colour-yellow\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">berichteten<\/a> teils konsterniert \u00fcber das Verbot einer Farbe.<\/li>\n<li>Schwerer als alles bisher Genannte d\u00fcrfte jedoch wiegen, dass die Spitzenkandidaten zweier aussichtsreicher Listen (ERC und <em>Junts per Catalunya)<\/em> im Gef\u00e4ngnis respektive im Ausland festsitzen. Dasselbe gilt f\u00fcr mehrere wichtige Kandidatinnen der sezessionistischen Parteien. Vizepr\u00e4sident Oriol Junqueras wurde im Gef\u00e4ngnis gar mit f\u00fcnf Tagen Isolierung daf\u00fcr bestraft, dass er einen Anruf aus der Haftanstalt als Wahlwerbung hatte aufzeichnen und in Umlauf bringen lassen.<\/li>\n<li>Zahlreiche im Ausland lebende Katalaninnen beklagen, dass sie noch immer keine Wahlunterlagen erhalten haben. Das gilt unter anderem f\u00fcr Mexiko, Saudi Arabien und Italien.<\/li>\n<li>Au\u00dferdem wird davon berichtet, dass einige Menschen, die das Referendum vom 1. Oktober miterlebt haben, unter Panikattacken leiden, wenn sie sich vorstellen, nach so kurzer Zeit wieder Wahllokale aufsuchen zu m\u00fcssen \u2014 die sich gr\u00f6\u00dftenteils am selben Ort befinden, wie damals.<\/li>\n<li>Nicht zuletzt wird kritisiert, dass Premier Mariano Rajoy gestern (am wahlkampffreien Vorwahltag) in einer offiziellen Rede mit der Fortf\u00fchrung der Zwangsverwaltung gedroht hat, falls sich die sezessionistischen Kr\u00e4fte durchsetzen. Ebenfalls gestern hat die spanische Regierung eine \u00e4u\u00dferst d\u00fcstere Wirtschaftsprognose f\u00fcr Katalonien herausgegeben \u2014 \u00e4hnlich d\u00fcster \u00fcbrigens wie bereits vor einem Jahr, als es dann jedoch real zu einem Rekordwachstum kam.<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong><span style=\"font-family: Helvetica, Arial, sans-serif; text-transform: uppercase;\">C\u00ebla enghe:<\/span><\/strong> <a title=\"Einigung zu Aussetzung der katalanischen Autonomie.\" href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=37089\"><code>01<\/code><\/a> <a title=\"VfG erschwert Wiederwahl von Puigdemont.\" href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=38763\"><code>02<\/code><\/a> <a title=\"Amtliches Endergebnis zum 1. Oktober 2017.\" href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=36904\"><code>03<\/code><\/a><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zur Stunde finden in Katalonien vorgezogene Neuwahlen statt, einberufen von der spanischen Zentralregierung, nachdem sie Ende Oktober die Region unter Zwangsverwaltung gestellt und das Parlament aufgel\u00f6st hatte. Das Referendum vom 1. 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