{"id":39604,"date":"2018-03-12T11:49:37","date_gmt":"2018-03-12T10:49:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=39604"},"modified":"2026-02-02T09:21:06","modified_gmt":"2026-02-02T08:21:06","slug":"hofers-freunde","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=39604","title":{"rendered":"Hofers Freunde."},"content":{"rendered":"<!-- Snippets by WebberZone Snippetz --><div class=\"ata_snippets\"><hr style=\"height: 20px; border: none; margin-top: 0em; background-color: darkred;\"\/><\/div><p><em>von le8mani<\/em><\/p>\n<p>Es ist schon lobenswert, wenn sich unsere heimattreuen Politiker den Antifaschismus auf die Flagge schreiben und aktiv gegen den alten und neuen italienischen Faschismus ank\u00e4mpfen, etwa wenn man gegen Alpiniaufm\u00e4rsche oder das Siegesdenkmal mobilisiert. Mit Slogans wie \u201eTiroler Patrioten sind keine Naziidoten\u201c will man sich auch vom Rechtsextremismus n\u00f6rdlich des Brenners abgrenzen, wurde ihnen als \u201eDeutscht\u00fcmler\u201c doch oft vorgeworfen, sich nur gegen den italienischen Faschismus zu positionieren, aus historischen Gr\u00fcnden \u2014 und gezwungenerma\u00dfen. Matthias Hofer, Olanger Gemeinderrat der <em>S\u00fcd-Tiroler Freiheit<\/em> und Mitglied des <em>S\u00fcd-Tiroler Heimatbundes,<\/em> lie\u00df es sich vor kurzem nicht nehmen, am <em>\u201eKongress der Verteidiger Europas\u201c<\/em> als Referent teilzunehmen.<\/p>\n<p>Besagtes Event ist nach Eigenangabe die \u201ewichtigste Veranstaltung f\u00fcr Patrioten im deutschsprachigen Raum\u201c, tats\u00e4chlich wird es als eines der gr\u00f6\u00dften Vernetzungstreffen von rechten und rechtsextremen AktivistInnen, PublizistInnen und PolitikerInnen gehandelt. Stattgefunden hat das Ganze am 3. M\u00e4rz im beschaulichen ober\u00f6sterreichischen Schloss Aistersheim unter Ausschluss der Presse, lediglich den als \u201eMedienpartnern\u201c fungierenden \u201eInformationsportalen\u201c <em>InfoDirekt<\/em> und <em>Unzensuriert<\/em> sowie der <em>Initiative EinProzent<\/em> wurde die Ehre zuteil, berichten zu d\u00fcrfen. Man hatte also nichts zu verbergen.<\/p>\n<h6>In rechter Gesellschaft<\/h6>\n<p>Zentraler Gegenstand der Konferenz war das Vortragsprogramm: Matthias Hofer von der <em>S\u00fcd-Tiroler Freiheit<\/em> referierte hier \u00fcber ein <em>\u201eNein zum Europa der Willkommensklatscher\u201c<\/em> und ein <em>\u201eJa zum Europa der selbstbestimmten V\u00f6lker und Vaterl\u00e4nder\u201c.<\/em> Diese Ausdrucksweise ist in einer Zeit des allgemeinen Rechtsrucks nat\u00fcrlich nichts Neues und auch nichts Aufregendes mehr, geh\u00f6rte an jenem Tag aber auch eher zum gem\u00e4\u00dfigten Ton.<\/p>\n<p>Ein Blick auf einige der eingeladenen Vortragenden zeigt, an wessen Seite der S\u00fcdtiroler Jungpolitiker seine Rede schwang:<\/p>\n<ul>\n<li>Misa Djurkovic, ein serbischer Polit-Analyst, der politischen Schutz von Frauen vor Gewalt als R\u00fcckschritt zum Erhalt der Famile erachtet und sich regelm\u00e4\u00dfig mit homophoben Tiraden in Szene setzt.<\/li>\n<li>Felix Menzel, deutscher Publizist und Gr\u00fcnder sowie Herausgeber der <em>Blauen Narzisse.<\/em> Er war Mitbegr\u00fcnder der <em>Pennalen Burschenschaft Theodor K\u00f6rner zu Chemnitz,<\/em> welche vom s\u00e4chsichen Verfassungsschutz beobachtet wurde. Menzel gilt als eine der Schl\u00fcsselfiguren der Neurechten Bewegung.<\/li>\n<li>Wolfgang Dvorak Stocker, \u00f6sterreichischer Publizist und Leiter des bereits von seinem Gro\u00dfvater und seiner Mutter gef\u00fchrten <em>Leopod-Stocker-Verlags,<\/em> welcher Fachliteratur f\u00fcr Antisemitismus und Nationalsozialismus druckte und sp\u00e4ter auch Machwerke des Holocaustleugners David Irving verlegte. Dvorak Stocker \u00fcbernahm 1999 auch die Zeitschrift <em>Neue Ordnung,<\/em> die vom <em>Dokumentationsarchiv des \u00f6sterreichischen Widerstandes<\/em> als rechtsextrem eingestuft wird. Zudem referierte er auch schon bei der rechtsextremen <em>Deutschen Akademie,<\/em> einer Kaderschmiede der deutschen NPD.<\/li>\n<li>Brittany Pettibone, die einzige weibliche Referentin. Sie ist Unterst\u00fctzerin der US-amerikanischen <em>\u201eAlternative Right\u201c<\/em> und der vom Verfassungsschutz beobachteten <em>Identit\u00e4ren Bewegung.<\/em><\/li>\n<li>Philip Stein, deutscher Verleger, kritisierte die <em>Identit\u00e4re Bewegung<\/em> daf\u00fcr, sich taktisch vom Neonazismus zu distanzieren, ist aber mittlerweile Unterst\u00fctzer und wichtiger Networker. Die erste Publikation seines Verlags <em>Jungeuropa<\/em> war eine Neuauflage des franz\u00f6sichen Faschisten Pierre Eug\u00e8ne Drieu la Rochelle. 2017 war Stein an einem t\u00e4tlichen Angriff mit Pfefferspray und Schlagst\u00f6cken auf einen Fotografen vor dem Verbindungshaus der <em>Burschenschaft Germania<\/em> in Marburg beteiligt. Im selben Jahr referierte Stein auch im Hauptquartier der neofaschistischen <em>CasaPound<\/em> in Rom.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Erg\u00e4nzt wurde das Vortragsprogramm durch eine \u201epatriotische Messe\u201c mit diversen Ausstellungsst\u00e4nden. Auch dazu ein Einblick:<\/p>\n<ul>\n<li>Der <em>Ares Verlag,<\/em> welcher zum <em>Leopold-Stocker-Verlag<\/em> geh\u00f6rt und B\u00fccher \u00fcber \u201eSchwulenkult\u201c, den <em>Nationalsozialistischen Untergrund<\/em> (NSU), der nur ein \u201ePhantom\u201c sei und Lobschriften \u00fcber die FP\u00d6 verlegt.<\/li>\n<li>Die Burschenschaft <em>Arminia Graz,<\/em> die bis heute das Andenken an Ernst Kaltenbrunner \u2014 einen NS-Kriegsverbrecher \u2014 hochh\u00e4lt und mit der rechtsextremen <em>Identit\u00e4ren Bewegung<\/em> zusammenarbeitet.<\/li>\n<li>Die deutsche verschw\u00f6rungstheorethische Querfront-Monatszeitschrift <em>Compact.<\/em><\/li>\n<li><em>Ein Prozent f\u00fcr unser Land<\/em> (auch <em>EinProzent),<\/em> eine Art Dienstleister in der Szene, der Geld \u00fcber Spenden lukriert: Wer eine \u201eAktion\u201c plant, wendet sich an <em>EinProzent<\/em> und bekommt ein Team zur Unterst\u00fctzung von Planung, Umsetzung, Verfilmung und medialer Verbreitung. Vor allem die <em>Identit\u00e4re Bewegung<\/em> in \u00d6sterreich und Deutschland gilt als Betreiber, Leiter ist der bereits genannte Philip Stein.<\/li>\n<li>Das Magazin <em>Sezession,<\/em> in dem man z.B. \u00fcber <em>\u201eToleranz als Tods\u00fcnde der zivilisierten Menschheit\u201c<\/em> lesen kann. Sezession ist das Theorieorgan des <em>Instituts f\u00fcr Staatspolitik,<\/em> einer von G\u00f6tz Kubitschek mitgegr\u00fcndeten Denkfabrik mit dem Ziel, deutschen Nationalismus wieder aufleben zu lassen. Kubitchek gilt als Chefideologe hinter den rechtsextremistischen Bewegungen.<\/li>\n<li><em>InfoDirekt,<\/em> ein vom <em>Dokumentationsarchiv des \u00f6sterreichischen Widerstandes<\/em> als rechtsextrem eingestuftes FP\u00d6-nahes Magazin.<\/li>\n<li>Die Onlinezeitung <em>Unzensuriert,<\/em> die bereits wiederholt wegen \u00fcbler Nachrede verurteilt wurde. Zudem konnte dem Medium ein Hang f\u00fcr Falschmeldungen in Bezug auf Gefl\u00fcchtete nachgewiesen werden. Au\u00dferdem kam es zu einer Anklage durch die Parlamentsdirektion, nachdem es vonseiten von <em>Unzensuriert<\/em> Gewaltaufrufe und positive Bezugnahmen auf den rechtsextremen Attent\u00e4ter Anders Breivik gegeben hatte.<\/li>\n<li>Der Verlag <em>Antaios,<\/em> der eine publizistische Schnittstelle von AfD, <em>Pegida,<\/em> <em>Identit\u00e4rer Bewegung<\/em> und anderen gesinnungspolitisch nahestehenden Medien und Think Tanks bildet und ebenfalls von G\u00f6tz Kubitschek geleitet wird.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Liste der ReferentInnen bzw. AusstellerInnen bildet einen \u00dcberblick der rechtsextremen Publizistik, AktivistInnen und NetzwerkerInnen in \u00d6sterreich und Deutschland ab, wobei der Schwerpunkt des Programms im Bereich des rhetorisch modernisierten Rechtsextremismus <em>(\u201eNeue Rechte\u201c)<\/em> liegt. Mit deutschsprachigen Rechtsextremen scheint man also doch weniger Ber\u00fchrungs\u00e4ngste zu haben, als man den S\u00fcdtiroler W\u00e4hlerInnen immer wieder weismachen m\u00f6chte.<\/p>\n<p>Das Klischee des einf\u00e4ltigen \u201eNaziidioten\u201c als Synonym von Rechtsextremen entspricht eben nur noch selten der Realit\u00e4t, vielf\u00e4ltig sind ihre heutigen Erscheinungsformen, wie auch ihre historischen und kulturellen Bezugspunkte. Das Ziel ist jedoch einheitlich, n\u00e4mlich die gemeinsame Erl\u00f6sung durch die Herstellung einer homogenen Gesellschaft heraufzubeschw\u00f6ren.<\/p>\n<h6>Getrennt marschieren, gemeinsam agieren<\/h6>\n<p>Der bereits oben vorgestellte Philip Stein er\u00f6ffnete den Kongress mit der Beschreibung der Strategie der <em>\u201eMosaik-Rechten\u201c.<\/em> Jene Strategie einer ausdifferenzierten geeinten Rechten, die in den unterschiedlichsten Bereichen aktiv ist, sich gegenseitig unterst\u00fctzt, erg\u00e4nzt und manchmal auch aus strategisch Gr\u00fcnden voneinander abgrenzt, sich aber immer als Teil eines gemeinsamen Projektes begreift. G\u00f6tz Kubitschek, intellektueller Vordenker und ma\u00dfgeblich bei den am Kongress anwesenden Schl\u00fcsselorganisationen beteiligt, legte in einer Ansprache bei einer AfD-Versammlung dar, wie dieser Schulterschluss von au\u00dferparlamentarischen \u2014 teilweise auch als militant zu verstehenden \u2014 Kr\u00e4ften und parlamentarischen Rechtsau\u00dfenparteien aussehen soll:<\/p>\n<blockquote><p>Mein Rat, lassen Sie manches das gef\u00e4hrlich ist, andere machen. Das Milieu besteht aus Parteien, Medien, vorpolitischen Initiativen und aktivistischen Initiativen. Wir sind wie bei so einer fr\u00f6hlichen Regatta. Die Kriegsschiffe fahren nebeneinander her und man winkt sich von der Br\u00fccke aus zu, aber mehr auch nicht.<\/p><\/blockquote>\n<p>Beim <em>\u201eKongress der Verteidiger Europas\u201c<\/em> konnten diese \u201eKriegsschiffe\u201c ein weiteres St\u00fcck n\u00e4her aneinanderr\u00fccken, ihre Kooperationen ausbauen und sich ideologisch n\u00e4herkommen. Die st\u00e4rkere Beteiligung von Parteimitgliedern im Vergleich zur Erstauflage der <em>\u201eVerteidiger Europas\u201c<\/em> im Jahr 2016 zeigt die Normalisierung von rechtsextremen Positionen in der Gesellschaft. Au\u00dferdem sieht man am Kongress die zunehmende Vernetzung unterschiedlicher politischer Spektren, die im Wunsch nach einer autorit\u00e4r und homogen strukturierten Volksgemeinschaft zusammenfinden und dem offenen und demokratischen Gesellschaftsmodell den Kampf ansagen.<\/p>\n<p>Der ohnehin schon widerspr\u00fcchliche Antifaschismus des Heimatbundes und der <em>S\u00fcd-Tiroler Freiheit<\/em> wird durch die aktive Beteiligung von Matthias Hofer an diesem rechtsextremen Vernetzungstreffen ins Absurde gef\u00fchrt. Dass ein Philip Stein sowohl bei Veranstaltungen der <em>CasaPound,<\/em> als auch beim <em>\u201eKongress der Verteidiger Europas\u201c<\/em> referiert und ein Vertreter des \u201ev\u00f6lkisch patriotischen Lagers\u201c aus S\u00fcdtirol dort seine politischen Verb\u00fcndeten verortet, zeigt wie stark man sich ideologisch den vermeintlichen politischen Gegnern angen\u00e4hert hat.<\/p>\n<p><small><em>Dieser Beitrag wurde auch<\/em> <a title=\"Salto: Hofers Freunde.\" href=\"https:\/\/www.salto.bz\/de\/article\/08032018\/hofers-freunde\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><em>auf<\/em> Salto<\/a> <em>ver\u00f6ffentlicht.<\/em><\/small><\/p>\n<p><strong><span style=\"font-family: Helvetica, Arial, sans-serif; text-transform: uppercase;\">C\u00ebla enghe:<\/span><\/strong> <a title=\"Ein bisschen Schmiss muss sein.\" href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=22417\"><code>01<\/code><\/a> <a title=\"Houston, wir haben (k)ein Problem.\" href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=23145\"><code>02<\/code><\/a> <a title=\"Zerschlagenes Porzellan.\" href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=33672\"><code>03<\/code><\/a> <a title=\"Unsch\u00f6ne Wendung.\" href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=28601\"><code>04<\/code><\/a>&nbsp;<span style=\"font-family: Helvetica, Arial, sans-serif; font-weight: normal;\">||<\/span> <a title=\"Die Heuchelei von der Heuchelei.\" href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=48351\"><span style=\"color: #ff8c00\"><code>01<\/code><\/span><\/a> <a title=\"Hinter dem Ethnopluralismus.\" href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=52541\"><span style=\"color: #ff8c00\"><code>02<\/code><\/span><\/a><\/p>\n<!-- Snippets by WebberZone Snippetz --><div class=\"ata_snippets\"><hr style=\"height: 10px;border: none;margin-top: 0px;background-color: darkred\" \/>\r\n\r\n<div style=\"background-color: none;padding: 0px;font-size: 14px;font-family: Helvetica,Arial;margin: 10px 0px 0px 0px\"><span style=\"color: darkred\"><strong><small>Autor:innen- und Gastbeitr\u00e4ge widerspiegeln nicht notwendigerweise die Meinung oder die Position von BBD, so wie die jeweiligen Verfasser:innen nicht notwendigerweise die Ziele von BBD unterst\u00fctzen.<\/small><\/strong><small>\u00b7 I contributi esterni non necessariamente riflettono le opinioni o la posizione di BBD, come a loro volta le autrici\/gli autori non necessariamente condividono gli obiettivi di BBD. \u2014 <a href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?page_id=11356#copyleft\"><strong>\u00a9<\/strong><\/a><\/small><\/span><\/div><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von le8mani Es ist schon lobenswert, wenn sich unsere heimattreuen Politiker den Antifaschismus auf die Flagge schreiben und aktiv gegen den alten und neuen italienischen Faschismus ank\u00e4mpfen, etwa wenn man gegen Alpiniaufm\u00e4rsche oder das Siegesdenkmal mobilisiert. 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