{"id":42143,"date":"2018-07-26T11:02:16","date_gmt":"2018-07-26T09:02:16","guid":{"rendered":"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=42143"},"modified":"2023-01-03T19:35:34","modified_gmt":"2023-01-03T18:35:34","slug":"trentino-hui-sudtirol-pfui","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=42143","title":{"rendered":"Trentino hui, S\u00fcdtirol pfui?"},"content":{"rendered":"<!-- Snippets by WebberZone Snippetz --><div class=\"ata_snippets\"><hr style=\"height: 15px; border: none; margin-top: 0em; background-color: darkred;\"\/><\/div><p><em>von Hermann Atz<sup class=\"modern-footnotes-footnote modern-footnotes-footnote--hover-on-desktop \" data-mfn=\"1\" data-mfn-post-scope=\"00000000000001370000000000000000_42143\"><a href=\"javascript:void(0)\"  role=\"button\" aria-pressed=\"false\" aria-describedby=\"mfn-content-00000000000001370000000000000000_42143-1\">1<\/a><\/sup><span id=\"mfn-content-00000000000001370000000000000000_42143-1\" role=\"tooltip\" class=\"modern-footnotes-footnote__note\" tabindex=\"0\" data-mfn=\"1\">Hermann Atz ist wissenschaftlicher Leiter des Sozialforschungsinstituts Apollis<\/span><\/em><\/p>\n<p>\u00dcber die strittige Beauftragung von Ex-Senatorin Francesca Puglisi als Kommunikationsbeauftragte der S\u00fcdtiroler Landesregierung ist an dieser Stelle schon mehrfach berichtet worden. Ihre Aufgabe wird es sein, das angeblich katastrophale Bild der Italiener und Italienerinnen von S\u00fcdtirol zurechtzur\u00fccken \u2014 <strong>aber ist dieses Bild wirklich so schlecht?<\/strong><\/p>\n<p>Als Beleg f\u00fcr die Notwendigkeit einer solchen Charme-Offensive gelten die Ergebnisse einer <strong>Meinungsumfrage des Instituts <em>Astarea<\/em><\/strong>, die in ganz Italien durchgef\u00fchrt wurde.<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.astarea.it\/files\/201804\/17\/Ricerca%20Astarea_Differenziazione_Trentino%20Alto%20Adige_12%2004%202018.pdf\">Diese Studie<\/a> ermittelte unter anderem als typische Eigenschaften der S\u00fcdtiroler Bev\u00f6lkerung, sie sei:<\/p>\n<ul>\n<li>kultiviert<\/li>\n<li>gastfreundlich<\/li>\n<li>konsequent<\/li>\n<li>standhaft<\/li>\n<\/ul>\n<p>Ein Image, das wenig Anlass zur Sorge gibt, m\u00f6chte man meinen.<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.salto.bz\/de\/article\/12042018\/mehr-als-speck-und-privilegien\">Doch die Medienbotschaft<\/a>, die auf diesen und \u00e4hnlichen Ergebnissen fu\u00dft, klingt nach akutem Notstand:<\/p>\n<blockquote><p>\u00dcberheblich und arrogant, und vor allem privilegiert. Dieses Bild hat das restliche Italien \u2013 Trentino ausgenommen \u2013 von den S\u00fcdtirolern. So eine weitl\u00e4ufige Meinung \u2013 die nun belegt ist. Mit einer Umfrage, die die Landesagentur f\u00fcr Presse und Kommunikation in Auftrag gegeben hat, wollte das Mail\u00e4nder Marktforschungsinstitut Astarea wissen: Wie ist es um das Bild S\u00fcdtirols in Italien bestellt?<\/p><\/blockquote>\n<p>Zum Gl\u00fcck stand die L\u00f6sung des Problems schon bereit:<\/p>\n<blockquote><p>Die Umfrageergebnisse bilden die Grundlage f\u00fcr eine offensive Charme-Kampagne des Landes, um das Image S\u00fcdtirols aufzupolieren. \u201aDer gute Name S\u00fcdtirols in Italien\u2018 oder auch \u201aDer gute Ruf der Autonomie\u2018 nennt sich das Konzept, das die Landesagentur [vor Kurzem] im Landtag pr\u00e4sentierte.<\/p><\/blockquote>\n<p><em>gleiche Quelle wie oben<\/em><\/p>\n<p>Da eine solche Kampagne \u2014 unabh\u00e4ngig von der Irritation, die die Beauftragung Puglisis hervorgerufen hat \u2014 einiges an Steuergeld kostet, <strong>scheint es recht und billig, die anscheinend besorgniserregenden Ergebnisse der Studie genauer auf den Pr\u00fcfstand zu stellen<\/strong>, mit der sie gerechtfertigt wird. Versuchen wir es also, zumindest ansatzweise, an dieser Stelle.<\/p>\n<blockquote><p>Im Vergleich zu den Trentinern werden S\u00fcdtiroler als \u00e4lter, etwas weniger sympathisch, introvertierter, egoistischer, ethischer, weniger gesellig und traditioneller, strenger und weniger gastfreundlich wahrgenommen<\/p><\/blockquote>\n<p>hei\u00dft es weiter im zitierten Artikel.<\/p>\n<p>Eine Pr\u00fcfung der Orginaldaten ergibt, dass dies alles grunds\u00e4tzlich zutrifft. Doch man muss sich auch die Gr\u00f6\u00dfe der Unterschiede ansehen, z. B.:<\/p>\n<ul>\n<li>Konsequent\/streng (vs. permissiv\/gef\u00e4llig): 62% S\u00fcdtirol, 54% Trentino<\/li>\n<li>Egoistisch: 42% S\u00fcdtirol, 36% Trentino<\/li>\n<li>Gastfreundlich: 62% S\u00fcdtirol, 68% Trentino<\/li>\n<li>Sympathisch: 64% S\u00fcdtirol, 65% Trentino<\/li>\n<li>Ethisch (vs. praktisch): 51% S\u00fcdtirol, 50% Trentino<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Imagewerte der beiden Bev\u00f6lkerungen unterscheiden sich somit um maximal 8 Prozentpunkte, meistens deutlich weniger. Wer sich mit der Statistik von Stichproben einigerma\u00dfen auskennt, kann leicht nachrechnen, dass 8 Prozentpunkte bei 600 Befragten die Nachweisgrenze f\u00fcr einen signifikanten Unterschied bilden. Oder anders gesagt: Geringere Unterschiede k\u00f6nnten auch auf purem \u201ePech\u201c beruhen, etwa weil die nach dem Zufallsprinzip gezogene Stichprobe f\u00fcr S\u00fcdtirol ung\u00fcnstig zusammengesetzt ist.<\/p>\n<p>Somit w\u00e4re eine korrekte Darstellung der Umfrageergebnisse folgende: Hinsichtlich der Eigenschaften <em>\u201eethisch vs. praktisch\u201c<\/em> und<em> \u201esympathisch vs. antipathisch\u201c<\/em> werden S\u00fcdtirol und das Trentino v\u00f6llig gleich bewertet, bei Egoismus und Gastfreundschaft kann man den Verdacht hegen, dass ein unterschiedliches (f\u00fcr S\u00fcdtirol weniger schmeichelhaftes) Image bestehen k\u00f6nnte, bewiesen ist es nicht. Nur hinsichtlich der tourismustechnisch wenig relevanten Einstufung auf der Skala <em>\u201ekonsequent vs. permissiv\u201c <\/em>(<em>severo-accondiscendente<\/em>) ist die Differenz aus statistischer Sicht bedeutsam.<\/p>\n<p>So gelesen, k\u00f6nnen die Ergebnisse der <em>Astarea<\/em>-Studie sehr wohl Aufschluss dar\u00fcber geben, bei welchen Stereotypen eine ohnehin geplante Imagekampagne f\u00fcr S\u00fcdtirol ansetzen k\u00f6nnte \u2014 sofern die jeweiligen Aspekte relevant sind und \u00fcberhaupt beeinflussbar erscheinen. Auf keinen Fall sollten sie jedoch als Alarmsignal oder Beleg f\u00fcr ein katastrophal schlechtes Image gedeutet werden. Denn als kultiviert (71%) und gastfreundschaftlich (62%) angesehen zu werden, ist doch ein sch\u00f6nes Ergebnis, das best\u00e4rken sollte \u2014 auch wenn die Trentiner Bev\u00f6lkerung beim zweiten Punkt (vielleicht) geringf\u00fcgig besser dasteht.<\/p>\n<p>Und was die anderen abgefragten Eigenschaften betrifft, sei die Frage erlaubt: <strong>Muss S\u00fcdtirol genauso werden wie das Trentino?<\/strong><\/p>\n<p><small><strong>Quellen: <\/strong><a href=\"http:\/\/www.astarea.it\/files\/201804\/17\/Ricerca%20Astarea_Differenziazione_Trentino%20Alto%20Adige_12%2004%202018.pdf\"><code>01<\/code><\/a> <a href=\"http:\/\/www.astarea.it\/website\/news-alto-adige-una-ricerca-in-prima-pagina.html\"><code>02<\/code><\/a><\/small><\/p>\n<ul class=\"modern-footnotes-list modern-footnotes-list--show-only-for-print\"><li><span>1<\/span><div>Hermann Atz ist wissenschaftlicher Leiter des Sozialforschungsinstituts Apollis<\/div><\/li><\/ul><!-- Snippets by WebberZone Snippetz --><div class=\"ata_snippets\"><hr style=\"height: 10px;border: none;margin-top: 0px;background-color: darkred\" \/>\r\n\r\n<div style=\"background-color: none;padding: 0px;font-size: 14px;font-family: Helvetica,Arial;margin: 10px 0px 0px 0px\"><span style=\"color: darkred\"><small>I cuntribuc de chi che scrij ne spidlea nia for la minonga o la posizion de BBD, nsci coche i\/la aut\u00ebures ne sust\u00ebn nia for i fins de BBD. \u00b7 <\/small><strong><small>Autor:innen- und Gastbeitr\u00e4ge widerspiegeln nicht notwendigerweise die Meinung oder die Position von BBD, so wie die jeweiligen Verfasser:innen nicht notwendigerweise die Ziele von BBD unterst\u00fctzen.<\/small><\/strong><small> \u00b7 I contributi esterni non necessariamente riflettono le opinioni o la posizione di BBD, come a loro volta le autrici\/gli autori non necessariamente condividono gli obiettivi di BBD. \u2014 <a href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?page_id=11356#copyleft\"><strong>\u00a9<\/strong><\/a><\/small><\/span><\/div><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Hermann Atz \u00dcber die strittige Beauftragung von Ex-Senatorin Francesca Puglisi als Kommunikationsbeauftragte der S\u00fcdtiroler Landesregierung ist an dieser Stelle schon mehrfach berichtet worden. 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