{"id":42331,"date":"2018-08-11T13:26:24","date_gmt":"2018-08-11T11:26:24","guid":{"rendered":"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=42331"},"modified":"2025-02-21T19:38:40","modified_gmt":"2025-02-21T18:38:40","slug":"profit-aus-faschistischem-unrecht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=42331","title":{"rendered":"Profit aus faschistischem Unrecht."},"content":{"rendered":"<p>Der Begriff \u00bbRaubkunst\u00ab bezeichnet \u2014 laut <em>Wikipedia,<\/em> die sich wiederum auf Hannes Hartung* beruft \u2014 verfolgungsbedingt entzogene Kulturg\u00fcter [\u2026] von Personen,<\/p>\n<blockquote><p>die einer Personengruppe angeh\u00f6ren, die von den Nationalsozialisten zwischen 1933 und 1945 aus rassischen, religi\u00f6sen und politischen Gr\u00fcnden verfolgt<\/p><\/blockquote>\n<p>wurden. Darunter fallen auch G\u00fcter, die von den Eigent\u00fcmerinnen verkauft wurden, weil sie vom Regime in eine Zwangslage versetzt wurden.<\/p>\n<p>Um Raubkunst handelt es sich nat\u00fcrlich auch, wenn die Entziehung oder der Verlust unter damals \u00bblegalen\u00ab Verh\u00e4ltnissen \u2014 also gesetzeskonform \u2014 stattgefunden hat.<\/p>\n<p>Und nicht zuletzt f\u00e4llt auch der Raub des Staates an seiner eigenen \u2014 anderweitig nicht verfolgten \u2014 Bev\u00f6lkerung und an den eigenen \u00f6ffentlichen Sammlungen (etwa von sogenannter \u00bbentarteter Kunst\u00ab) unter den Raubkunstbegriff.<\/p>\n<p>Weitestgehende Einigkeit herrscht dar\u00fcber, dass es sich dabei um ein Kulturverbrechen und um ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit handelt. Entsprechende G\u00fcter sind ihren urspr\u00fcnglichen Besitzerinnen (bzw. den Erbinnen) zur\u00fcckzugeben \u2014 nat\u00fcrlich kostenlos, wobei sebsterkl\u00e4renderweise unerheblich ist, ob sie sich ggf. einen R\u00fcckkauf leisten k\u00f6nnten. In vielen F\u00e4llen werden zus\u00e4tzliche Entsch\u00e4digungen geleistet.<\/p>\n<h6>Anders in S\u00fcdtirol<\/h6>\n<p>Infolge arch\u00e4ologischer Funde aus der R\u00f6merzeit lie\u00df das faschistische Regime in St. Lorenzen 1940 Grundst\u00fccke enteignen. Die Entdeckung von Resten der <em>Mansio Sebatum<\/em> wurde zur Legitimierung der bereits laufenden Entnationalisierungs- und Assimilierungspolitik missbraucht, dem bereits verhunzten Ortsnamen \u00bbSan Lorenzo\u00ab der Zusatz \u00bbdi Sebato\u00ab (als Italianisierung von <em>Sebatum)<\/em> angeh\u00e4ngt. Wie alle anderen Gemeinden im Land darf auch St. Lorenzen bis heute nicht frei \u00fcber die eigene Ortsbezeichnung befinden, sondern bleibt an faschistisches (Un-)Recht gebunden.<\/p>\n<p>Die im Faschismus enteigneten Gr\u00fcnde \u2014 unter anderem jene, auf denen sich die r\u00f6mischen Gem\u00e4uer befinden \u2014 sind erst jetzt wieder in den Besitz der Pustertaler Gemeinde zur\u00fcckgekehrt. Doch nicht etwa freiwillig, sondern (wie das Land in einer <a title=\"LPA: Tauschhandel besiegelt\u2026\" href=\"http:\/\/www.provinz.bz.it\/news\/de\/news.asp?news_action=4&amp;news_article_id=617282\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Pressemitteilung<\/a> vermeldet) \u00bbnach langen Verhandlungen.\u00ab Und auch nicht kostenlos: Der Lorenzner B\u00fcrgermeister, Martin Ausserdorfer (<abbr title=\"S\u00fcdtiroler Volkspartei\">SVP<\/abbr>), spricht von zwei Millionen Euro, die am Ende eines Tauschgesch\u00e4fts den <em>Carabinieri<\/em> zugute kommen.<\/p>\n<p>Denselben <em>Carabinieri<\/em> \u00fcbrigens, die widerspruchslos dem faschistischen Regime gedient hatten \u2014 und die sich (genauso wie der italienische Staat als Ganzes) niemals bei S\u00fcdtirol entschuldigt haben, seit sie am Ende des zweiten Weltkriegs nahtlos in S\u00fcdtirol weitergearbeitet** haben.<\/p>\n<p>So sieht es eben hierzulande aus, wenn \u2014 wie es das Land nennt \u2014 \u00bbfaschistisches Unrecht r\u00fcckg\u00e4ngig [gemacht]\u00ab wird. Da muss nat\u00fcrlich auch was f\u00fcr den \u00bbR\u00e4uber\u00ab abfallen.<\/p>\n<p><strong><span style=\"font-family: Helvetica, Arial, sans-serif; text-transform: uppercase;\">C\u00ebla enghe:<\/span><\/strong> <a title=\"Ricettazione, il CAI dice no.\" href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=10699\"><code>01<\/code><\/a>&nbsp;<span style=\"font-family: Helvetica, Arial, sans-serif; font-weight: normal;\">||<\/span> <a title=\"Narodni dom nach hundert Jahren an slowenische Gemeinschaft zur\u00fcckgegeben.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=58793\"><span style=\"color: #ff8c00\"><code>01<\/code><\/span><\/a> <a title=\"Innere und \u00e4u\u00dfere Kolonien.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=64527\" rel=\"\"><span style=\"color: #ff8c00\"><code>02<\/code><\/span><\/a> <a title=\"Postkoloniale Gr\u00fcnde.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=86283\"><span style=\"color: #ff8c00\"><code>03<\/code><\/span><\/a> <a title=\"Der CAI r\u00fcckt Raubgut nicht heraus.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=90482\"><span style=\"color: #ff8c00\"><code>04<\/code><\/span><\/a><\/p>\n<p><small><em>*) Hannes Hartung: Kunstraub in Krieg und Verfolgung. Die Restitution der Beute- und Raubkunst im Kollisions- und V\u00f6lkerrecht. (= Schriften zum Kulturg\u00fcterschutz). de Gruyter, Berlin 2005, ISBN 3-89949-210-2. (Zugleich: Z\u00fcrich, Univ., Diss., 2004)<\/em><\/small><\/p>\n<p><small><em>**) die \u2018Carabinieri\u2019 haben sich in der Folge auch der Folter von S\u00fcdtirol-Attent\u00e4tern schuldig gemacht<\/em><\/small><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Begriff \u00bbRaubkunst\u00ab bezeichnet \u2014 laut Wikipedia, die sich wiederum auf Hannes Hartung* beruft \u2014 verfolgungsbedingt entzogene Kulturg\u00fcter [\u2026] von Personen, die einer Personengruppe angeh\u00f6ren, die von den Nationalsozialisten zwischen 1933 und 1945 aus rassischen, religi\u00f6sen und politischen Gr\u00fcnden verfolgt wurden. 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